Was denkt ihr, wenn jemand sagt, dass eine bestimmte E-Gitarre handgemacht ist? Ich habe dabei immer das Gefühl, dass ich annehmen soll, dass es sich bei diesem Instrument um ein Qualitätsprodukt handelt, das sich von einer durchschnittlichen, fabrikgefertigten Gitarre abhebt.
Aber Moment mal. Ist eine handgemachte Gitarre wirklich besser als eine, die maschinell hergestellt wurde? Und gibt es überhaupt so etwas wie eine komplett handgemachte oder komplett maschinell gefertigte Gitarre? Bevor wir uns Hals über Kopf in diese Diskussionen stürzen, sollten wir einige Begriffe definieren.
Was verstehen wir unter handgemacht? Es ist äußerst unwahrscheinlich, wenn nicht unmöglich, dass ihr, oder ich, oder überhaupt irgendjemand eine Gitarre mit nichts als den bloßen Händen herstellen könnte. "Handgemacht" kann also nicht bedeuten, dass jemand buchstäblich nur seine Hände benutzt. Vermutlich wird der Begriff also verwendet, um zu implizieren, dass die Gitarrenbauer*in mit Handwerkszeug arbeitet. Hämmer, Feilen, Sägen, Hobel, Marker — traditionelle Werkzeuge wie diese, ganz zu schweigen von mehreren Schubladen voller Spezialwerkzeuge.
Was verstehen wir unter maschinell hergestellt? Es gibt eine Reihe traditioneller Maschinen, die im Gitarrenbau verwendet werden: Oberfräsen, Schleifmaschinen, Hobelmaschinen, Bandsägen, Bohrmaschinen und so weiter. Häufiger jedoch impliziert "maschinell hergestellt" die Verwendung von CNCs. Das sind Werkzeuge oder Maschinen, die von einem Computer gesteuert werden — die Abkürzung steht für Computer Numerical Control. Peavey leistete in den späten 70er Jahren Pionierarbeit bei der Verwendung von CNCs im Gitarrenbau, und seitdem sind sie von kleinen Werkstätten bis zu großen Fabriken allgegenwärtig.
Dabei gibt es Überschneidungen. Die handwerklichen Gitarrenbauer*innen mit all ihren Werkzeugen verwenden mit ziemlicher Sicherheit auch einige der traditionelleren Maschinen und das Endergebnis wird trotzdem als handgemacht bezeichnet werden. Wie sieh es da bei den maschinell hergestellten aus? Ich habe mich dazu an John Suhr gewandt, um seine Sicht zum Thema zu hören.
John ist seit 1997 Chef von Suhr Guitars in Kalifornien, davor arbeitete er im Fender Custom Shop, während einige seiner frühesten Kreationen in den 80er Jahren unter der Marke Pensa-Suhr in New York City entstanden. Mittlerweile schätzt er, dass Suhrs Verkaufszahlen am oberen Ende der Boutique-Welt liegen. "Größer als jemand wie Tom Anderson", sagt er, "kleiner als jemand wie Ernie Ball/Music Man, und nicht annähernd so groß wie PRS oder andere."

Mit anderen Worten: Er hatte in seiner langen Karriere mit wohl jeder Variante des Solidbody-Gitarrenbaus zu tun. Was hält er also von maschinell gefertigten Gitarren? "Es gibt keine komplett maschinell gefertigten Gitarren." Wie meint er das? "Wir CNC-Leute scherzen alle darüber, dass wir einfach Sägemehl in ein Ende schütten und die Gitarre am anderen Ende herauskommt." So funktioniert es also nicht? "Nein", sagt er lachend. "Für mich ist die Gitarre alles, was passiert, nachdem das Holz gesägt ist. Für einen Korpus zum Beispiel kann man das Holz mit einer Stiftfräse oder einer CNC-Maschine schneiden, aber egal welche Methode man verwendet, stellt man immer noch einen Rohkörper her."
Nach dem Zuschnitt des Rohkörpers, fährt er fort, muss dieser immer noch von Fachleuten geschliffen werden, denn schlecht geschliffenes Holz kann das ganze Vorhaben sehr leicht ruinieren. "Für mich ist das der Punkt, an dem die Seele des Instruments zu entstehen beginnt", sagt er. "Verschiedene Hersteller haben unterschiedliche Ansichten darüber, wie zum Beispiel ein Bundende oder die Halstasche aussehen sollte. Ein Gitarrenhersteller muss also die Angestellten darauf trainieren, diese Vision umzusetzen. Und nichts davon hat wirklich etwas mit Maschinen zu tun."
Die von John angesprochene Entscheidung, ob der Gitarrenkorpus mit einem Pin-Router oder einer CNC Maschine gesägt wird, hängt vor allem vom Umfang und den Kosten ab — und der Attitüde. "Stellst du dein Auto auf eine richtige Hebebühne und lässt es sechs Fuß über deinen Kopf heben, oder kriechst du drunter und stellst nur die Räder auf ein paar Wagenheber? Die Arbeit lässt sich auf beide Arten erledigen, aber die eine ist definitiv angenehmer als die andere", sagt er.
Der handgemachte Weg mit einer Schablone und einem Pin-Router ist für eine kleine Werkstatt, die nur eine Handvoll Gitarren herstellt, durchaus geeignet. Ein Pin-Router? Das ist eine Maschine mit einem Tisch und einem großen "Pin", der gegen eine Schablone fährt und das rohe Holzstück sägt, während es von Hand geführt wird und so die Form der Schablone erhält. "Die alten Fender-Korpusse wurden so hergestellt", erklärt John. "Dann gibt es Shaper-Tische, wie sie Fender zum zuschneiden von Hälsen verwendete, mit sehr großen Fräsern, vielleicht drei oder vier Zoll im Durchmesser, die die Rückenform des Halses gegen eine Schablone fräsen."
CNC-Maschinen sind relativ teuer, verglichen mit den paar tausend Dollar, die ein typischer Pin-Router kostet. "In Wirklichkeit ist die Herstellung einer handgemachten Gitarre viel einfacher als die einer CNC-Gitarre. Die Kosten sind viel geringer. Die Anschaffungskosten für eine CNC sind vielleicht zehnmal so hoch wie der Kauf eines Pin-Routers", schätzt John. "Eine gute CNC kann hunderttausend kosten, für eine anständige, kleine CNC muss man mindestens 30 Riesen ausgeben. Ich würde dann empfehlen, CAD [computergestütztes Design] zu benutzen, also muss man lernen, wie man zeichnet. Und nachdem man das Zeichnen gelernt hat, muss man lernen, wie man die Maschine programmiert, oder jemanden finden, der das für einen macht. Alles in allem ist es viel schwieriger und teurer, Gitarren auf einer CNC zu schneiden. Aber der Vorteil liegt in der Genauigkeit und Wiederholbarkeit."
Ah, Wiederholbarkeit. Das ist die Essenz des modernen Gitarrenbaus im mittleren bis großen Maßstab, aber der kleine Laden mit einem Pin-Router und einigen anderen Maschinen und Werkzeugen ist vielleicht nicht so sehr an diesem Konzept interessiert. Das ist die Umgebung, in der die handgemachte Gitarre zum Leben erwacht, und es geht genau darum, dass diese oder jene Gitarre anders ist als die nächste und anders als die, die vor ihr kam.
Einige Arbeiten profitieren von der Präzision einer CNC, die mit manuellen Methoden nicht erreicht werden kann, wie z. B. das Erstellen des Halsstabkanals oder das Schneiden der Bundschlitze. "Ich glaube, dass ich die Schlitze nie wieder auf andere Weise schneiden möchte", sagt John. "Ich will, dass jeder Bundschlitz von einer Säge geschnitten wird, einzeln, mit der Genauigkeit eines fein eingestellten Motors. Für mich müssen diese Bundschlitze genau dort sein, wo sie sein sollen, egal ob man Kompensationen verwendet oder nicht. Sonst fehlt die Grundlage. CNC ist nicht anders, als einen präzisen Meißel im Werkzeugkasten zu haben, oder einen guten Satz Messschieber. Selbst wenn ich Gitarren auf einem Pin-Router herstellen würde, würde ich mir jemanden mit CNC-Maschine suchen, der die Schlitze in meine Griffbretter sägt."
Es ist fragwürdig, ob man wirklich erkennen kann, ob die Teile einer Gitarre auf einem Pin-Router oder auf einer CNC gesägt wurden. "Es hat nichts mit den gesägten Teilen zu tun", beharrt John. "Als ich anfing, war ich ein Kit-Builder. Ich kaufte Hälse und Bodies von Schecter, Tom Anderson oder Warmoth, aber meiner Meinung nach lag das Talent darin, diese Teile zu nehmen, sie zusammenzusetzen und dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wie eine Partscaster anfühlt. Es muss sich wie ein fertiges Instrument anfühlen und nicht wie ein Haufen angeschraubter Teile. Die Leute, die sagen, man kann einfach einen Hals und einen Korpus kaufen, beides zusammenschrauben, und schon hat man eine billige Strat — das ist ein Glücksspiel. Es gibt keine Garantie."
Er erzählt eine Geschichte von Marshall Crenshaw, der ihm seine geliebten Hagstrom und Vox-Modelle brachte, die größtenteils unspielbar waren. John machte sich an die Arbeit, die Bünde zu ersetzen, die Griffbretter abzurichten, bessere Elektronik einzubauen und sie einzustellen. "Am Ende hatte er etwas, das wirklich ausgefallen war, aber sich großartig spielen ließ. Und das zeigt mir, dass man die meisten Probleme mit guter Bundarbeit, guten Setups und guter Elektronik korrigieren kann, wenn die grundsätzlichen Dimensionen stimmen."
Große und kleine Gitarrenbauer*innen bedienen sich weiterhin wieder an den Werkzeugen und Maschinen, die ihnen helfen, die Gitarren zu bauen, die sie bauen wollen. Diese Werkzeuge und Maschinen können aus einer langen Reihe traditioneller Geräte stammen, die über Jahrzehnte bewiesen haben, wie richtig und geeignet sie für die anstehende Aufgabe sind. Andere nutzen den neuesten Stand der Technik, um Arbeitsmethoden und Systeme anzupassen, zu verbessern und zu verändern.
Und natürlich gibt es Aspekte jenseits von Überlegungen wie handgemacht oder maschinell hergestellt, CNC oder nicht CNC. "Es spielt keine Rolle, welche Maschinen man verwendet", schließt John Suhr. "Wenn du nicht kochen kannst, oder ein schlechter Arzt bist, oder ein schlechter Gitarrenbauer, ist es egal, welche Maschine ich dir gebe. Es wird es nicht besser machen."
Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker und Musik. Er ist Mitbegründer von Backbeat UK und Jawbone Press. Zu seinen Büchern gehören The Stratocaster Guitar Book, Fuzz & Feedback, und Electric Guitars: Design & Invention. Tony lebt in Bristol, England. Mehr Infos unter tonybacon.co.uk.

