Synthie-Tech-Vorstellungen: 3 unterbewertete 80er-Polysynthies

Instrumente auszuprobieren, die ich mir selbst nie leisten könnte, ist eines der liebsten Dinge, die meine Reparaturwerkstatt für Vintage-Synthies mit sich bringt. Auch wenn ich sicherlich Spaß beim Jammen an Synthies hatte, die mehr als mein Auto kosten, sind viele von denen, die am meisten Eindruck hinterlassen haben, relativ günstig zu erwerben - Synthies, die für normale Leute designt wurden.

In den letzten Jahren hat das gesteigerte Interesse an Hardware für elektronische Musik und speziell für Vintage-Synthies die Preise für alte Polysynthies höher und höher getrieben. Dennoch kannst du auch ohne eine Bank zu überfallen immer noch zu einem coolen Synthie kommen. Hier sind ein paar meiner liebsten preiswerten und unterbewerteten 80er-Polysynthies.


Korg Poly-61 (1982)

Der Korg Poly-61 ist der älteste und einfachste Synthie in dieser Liste, und die Erklärung, warum ich ihn mag, ist ebenfalls simpel. Von allen 80er-Polysynthies, die mir unter die Finger gekommen sind, kann dieser hier riesige, fette, Moog-artige Leads und Bässe am ehesten reproduzieren. Außerdem macht er unglaublich Spaß.

Das erste Mal, als ich ein Exemplar nach einem Schaden durch eine ausgelaufene NiCad-Batterie (ein sehr verbreitetes Problem) reaktivieren konnte, hat mich der weite Sound total umgeworfen, gerade im Vergleich zum Vorgänger, dem dünnen und plastikmäßigen Poly 800. In den tieferen Oktaven besitzen die Pulswellen-Oszillatoren eine spezifische, lebhafte Unschärfe.

Korg Poly-61 (1982)

Bauweise und Eigenschaften sind recht einfach gehalten, wenngleich er zwei verstimmbare DCOs (Quadrat und Sägezahn) für jede seiner sechs Stimmen besitzt. Davon abgesehen handelt es sich um eine sehr simple subtraktive Architektur mit einem ADSR, der vom Filter und VCA geteilt wird und einem LFO (MG oder „Modulation Generator" im Korg-Jargon), der über die Zahlknöpfe an der Vorderseite programmierbar ist.

Es gibt einen Vier-Wege-Modulations-Joystick, der Zugriff auf einen zweiten LFO ermöglicht, dessen Frequenz mit einem Knopf geregelt wird. Der Synthie besitzt zudem einen einfachen, aber unterhaltsamen Arpeggiator. Die ursprüngliche und üblichste Version hat kein MIDI, aber bei späteren Ausgaben hat Korg es hinzugefügt und schließlich eine zweite, MIDI-gewappnete Variante namens Poly-61M herausgebracht. Heute bietet eine Firma namens Tubbutec ein hervorragendes Aufrüstkit an, das MIDI hinzufügt, Arpeggiator-Funktionen erweitert, den Arpeggiator mit MIDI synchronisieren lässt, weitere LFO-Wellenformen addiert und mehr.

Technische Hinweise: Diese Geräte tauchen oft als nicht funktionierend oder als „Ist-Zustand"-Instrument auf, weil ihre NiCad-Patch-Speicher-Batterie auf die CPU-Platine ausgelaufen ist und Probleme verursacht. Stelle sicher, dass du entweder eins erwirbst, bei dem die Batterie ersetzt und das Leck bereinigt wurde oder lass das so bald wie möglich überprüfen.


Roland JX-3P (1983)

Obwohl der Roland JX-3P auf keinen Fall unbedeutend ist, ist er im Vergleich zu seinem Zwillingsbruder Juno-106 tragisch unterbewertet. Der JX-3P kostet bloß die Hälfte, ist elektronisch verlässlicher und klanglich fast gleich, verfügt aber zusätzlich über einen zweiten DCO pro Stimme und einen spaßbringenden, einfach zu bedienenden Step-Sequenzer.

Ein Nachteil ist das Programmier-Interface, das von dir verlangt, einen Knopf zur Auswahl des Parameters, den du verändern willst, zu drücken und ihn dann mit einem Daten-Schieberegler einzustellen. Trotzdem ist es immer noch einfach, schnell und reibungslos zu editieren.

Roland JX-3P (1983)

Der JX-3P ist ein solider 6-Stimmen-Polysynthie mit zwei DCOs pro Stimme und zwei ADSRs, einem LFO, Stereo Chorus und einem weiteren coolen, irgendwie ungewöhnlichen Feature, das dem Juno-106 fehlt: Die Fähigkeit, deine zwei DCOs via Cross-Modulation für eine etwas einsteigermäßige FM-Action zu verwenden.

Ich bin im Internet auf viele Diskussionen gestoßen, in denen der JX-3P und der Juno-106 verglichen und vom Klang her als unterschiedlich eingestuft werden. Aber auch wenn die Filter- und VCA-Schaltkreise dieser beiden Synthies etwas unterschiedlich gebaut sind, zielt ihr Design auf den gleichen Klang ab. Präzise kalibriert sind sie kaum voneinander zu unterscheiden.

Kampf der Vintage-Analog-Synthesizer: Roland JX-3P vs. Juno-106

Technische Hinweise: Jeder von Roland gefertigte Polysnthie aus den 80ern verwendet ungefähr dasselbe Filterdesign namens OTA-Filter, weil er auf einer Art integrierter Schaltung basiert, die “Operational Transconductance Amplifier" genannt wird. Diese OTAs gibt es als Einzel-, Doppel- und Vierer-Einheiten und jeder Roland-Filter nutzt mehrere.

Während verschiedene OTAs auftauchten und wieder verschwanden, verwendete Roland unterschiedliche Kombinationen dieser Einheiten, um das Design auf Grundlage der Verfügbarkeit so effizient wie möglich zu halten. Periphere Komponenten wurden dabei fortlaufend angepasst, um einen konstant gleichen Sound zu gewährleisten.

Also warum hat Roland unterschiedliche Filterdesigns eingesetzt, wenn sie auf den gleichen Klang abzielten? Die Roland-Techniker standen unter Druck, den Juno-106 deutlich günstiger als den Juno-60 zu produzieren und zugleich fast identische Funktionalität zu erhalten.

Roland reduzierte Kosten, indem Filter und VCA mit auf der Oberfläche montierbaren Komponenten auf "Voice Chip"-Tochterkarten gefertigt wurden. Jene Voice Chips sind schrecklich unzuverlässig und versagen mittlerweile auf jedem existierenden Juno-106 und ich habe viel Zeit damit verbracht, sie in kleinster Detailarbeit wieder herzustellen. Der JX-3P leidet glücklicherweise nicht unter diesem Makel.


Akai AX-60 (1986)

In vielen Rezensionen wird betont, wie “hart" dieser Synthie klingt, aber ich würde dem nicht so ganz zustimmen. Klar, du kannst damit Lärm produzieren, aber auch weite, sanfte und süßliche Klänge sind möglich.

Der AX-60 besitzt außerdem die robusteste analoge Architektur und Eigenschaftenpalette von allen hier aufgeführten Synthies und ein fantastisches Interface voller Knöpfe und Schieberegler für die einfache Steuerung sämtlicher Parameter. Er ist bitimbrisch (teilbar in zwei Sounds auf zwei Keyboardhälften), es gibt getrennte VCAs und VCFs, jede Menge Wellenformen für VCOs und LFOs, einen Arpeggiator, einige FM-Fähigkeiten und die Filterresonanz ist der Wahnsinn - vielleicht im Fabrikzustand sogar etwas zu wahnsinnig für manche.

Akai AX-60 (1986)

Etwa 50 Prozent des Umfangs des Resonanz-Schiebereglers ist im Selbstoszillationsbereich, was Dinge weird macht, wenn du herumexperimentierst. Häufig ist die Selbstoszillation keine coole Sinuskurve, sondern ein schmutziges, harmoniesattes Heulen, mit dem du ganze Paralleluniversen erschaffen kannst, zu denen die meisten Polysynthie-Zeitgenossen des AX-60 keinen Zugang haben. Wenn du viele weiche Sounds produzieren willst, ist das vielleicht nicht der richtige Synthie für dich.

Der Akai AX-60 ist der einzige Synthie auf der Liste, der VCOs (Voltage-controlled Oscillators) benutzt, was ihm einen etwas raueren Klang verleiht. Das bedeutet, dass die Oszillatoren allesamt minimale Abweichungen in der Tonhöhe erleben, was hilft, seinen Sound noch breiter zu machen.

Akai AX-60 Analog Polyphonic MIDI Synthesizer

Mitte der 80er wurden VCOs in Polysynthies immer rarer und weitgehend durch DCOs („Digitally-controlled Oscillators" oder analoge Oszillatoren, die mit einem digitalen Taktgeber synchronisiert sind) ersetzt, weil sie günstiger in der Produktion sind und sich leichter korrekt skaliert und gestimmt halten lassen.

Dieser Synthie hat 6 VCOs und ich hatte mit ihnen nie Stimmprobleme, wobei er auch ein Autotune-Feature besitzt, um die Oszillatoren beim Einschalten oder bei anfänglichem Abweichen wieder auf eine Taktquelle abzustimmen.


Alison Stout ist Besitzerin der Vintage-Synthie-Reparaturwerkstatt Bell Tone Synth Works in Philadelphia und bloggt auf belltonesynthworks.com zum Thema Synthie-Reparatur und auch andere Synthie-bezogene Dinge.

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