Eine Einführung in modulare und semi-modulare Synths

Als Synthesizer-Neuling in modulare Geräte einzusteigen bringt einige Herausforderungen mit sich, aber nichts, was unüberwindbar wäre. Die Lernkurve ist etwas steiler als bei monophonen Synthesizern wie dem Sub Phatty oder Korg Monologue, Module zum Rig hinzuzufügen kann außerdem schnell von Notwendigkeit zur Sucht werden — aber mal ehrlich, bei welchem Equipment ist das nicht so? Zusätzlich müsst ihr euch von voller Polyphonie mit eigenständigen Synthesesträngen verabschieden, denn modulare Setups konzentrieren sich auf monophone und paraphone (alle Stimmen teilen sich Filter, Amp, etc.) Synthese.

Andererseits kann ein modulares System euch eine viel persönlichere Möglichkeit des Klangausdrucks geben, da ihr Module verschiedener Hersteller kombinieren könnt, statt wie bei herkömmlichen Synths an das Komponentendesign des Herstellers gebunden zu sein.

Für alle, die sich in die Welt des Modularen wagen, aber auch Zeit und Geld sparen wollen, wird es — zumindest für den Anfang — am besten sein, nach Modulen zu suchen, die All-in-One-Lösungen bieten. Mit diesen Modulen spart ihr euch zunächst den Kauf von einzelnen Modulen für Oszillatoren, Filter, Envelopes, Mixer und so weiter.

Im Folgenden stellen wir deshalb ein paar Optionen für modulare Komplettlösungen vor. Darunter sind sowohl voll modulare Systeme (alle Parameter sind verknüpfbar), als auch semi-modulare, bei denen manche Parameter festgelegt sind. Diese grundlegenden, minimalistisch gehaltenen modular- und semi-modular-Systeme werden die experimentierfreudigeren unter euch wahrscheinlich nicht befriedigen, sie bieten aber für den Einstieg einen guten Startpunkt.


Moog Grandmother & Mother-32

Die Signalkette vom Mother-32, Moogs semi-modularem Desktop-Analogsynthesizer, kann durch den onboard Sequencer oder einen MIDI-Controller sofort Töne erzeugen. Die 32 Anschlusspunkte an der rechten Seite des Synths ermöglichen aber eine Fülle an Patch-Möglichkeiten für lauter modulare Spielereien. Während er nicht so tief in die Materie wie Moogs Voyager- und Sub 37-Serie geht, ist er trotzdem ein sehr musikalischer Synth, der sich als Vorlage für semi-modulare Synthesizer (siehe Studio Electronics Tonestar und Behringer Neutron) etabliert und den Weg für Moogs neuen Grandmother geebnet hat.

Moog Mother-32
Moog Grandmother

Der Grandmother sieht nicht nur sehr schön aus, sondern klingt auch so. Der semi-modularer Synth ist Nachfolger des Mother-32, kann aber mit einigen Unterschieden aufwarten. Anstatt weiter auf das Desktopformat und den Schaltkreis des Mother-32 zu bauen, haben Moog auf Veränderungen gesetzt. Zum einen ist der Grandmother ein Keyboard-Synthesizer, hat aber trotzdem Patchmöglichkeiten über seine neun Module verteilt. Zwei der Oszillatoren stammen vom Mother-32 Schaltkreis, während die restlichen Module von den modularen vintage-Systemen von Moog, besonders dem IIIp beeinflusst wurde. Das Resultat ist ein von Haus aus noch musikalischerer Synth als der Vorgänger.

Moog Mother-32 Semi-Modular Synthesizer | Reverb Demo Video

Pittsburgh Modular LifeForms SV-1 Blackbox
Pittsburgh Modular LifeForms SV-1 Blackbox

Pittsburgh Modular sind in der Eurorack-Community ein bekannter Name. Mit der LifeForms SV-1 Blackbox haben sie einen modularen Einsteiger-Synthesizer rausgebracht, der eine grundlegende All-in-One-Lösung ist.

Die LifeForms SV-1 Blackbox ist ein modularer Synth mit zwei Oszillatoren, der mit Moogs semi-modularem Mother-32 verwandt ist, mit eingebautem Filter, Modulation, Envelope und Mixer. Wie beim Mother-32 kann also sofort losgelegt werden, die 53 Anschlüsse des LifeForms SV-1 ermöglichen jedoch mehr klangliche Komplexität durch andere Module. Ein Arpeggiator ist zwar vorhanden, für eigene Sequenzen braucht ihr aber noch zusätzlich einen Sequencer.

Noir Et Blanc Nies Moog Mother-32 vs. Lifeforms SV-1 video

Make Noise 0-Coast & System Cartesian

Zunächst etwas Hintergrundwissen: traditionell wurde analoge Synthese in East Coast (Moog) und West Coast (Buchla) unterteilt, also in die subtraktive Synthese von Herstellern wie Moog, Oberheim und Arp, oder die additive, non-lineare Synthese von Buchla (in "The Basics of East and West Coast Synthesis" gehen wir weiter auf diese Unterschiede ein).

Mit dem 0-Coast versuchen Make Noise diese veschiedenen Philosophien zu vereinen, auch wenn der Synth sich etwas näher zu Buchlas additiver Syntharchitektur bewegt. Er ist schmal, passt leicht in einen Rucksack, sieht cool aus und schafft sowohl traditionelle als auch sehr experimentelle Sounds. Gewissermaßen ist er die Avant-Garde-Antwort auf den herkömmlicheren Mother-32.

Make Noise 0-Coast
Make Noise System Cartesian

Der System Cartesian, der vom Hersteller Make Noise als "kompletter modularer Synth" beschrieben wird, baut auf der 0-Coast-Philosophie auf, kombiniert diese aber mit dem René Cartesian Sequencer. Zusätzlich zu subtraktiver und additiver Synthese kann der System Cartesian unter anderem noch FM Synthese, Phase Modulation Synthese, Ringmodulation und Amplitudenmodulation. Das meiste davon klappt sogar simultan, wodurch wirklich irre Sounds entstehen können. Wenn ihr nach einem Synthie für experimentelle Synthese für Drone bis Ambient-Techno sucht, oder auch eurem System einfach nur etwas klangliche Komplexität verpassen wollt, könnte der System Cartisian das Richtige sein.


Studio Electronics Tonestar
Studio Electronics Tonestar

Studio Electronics, alte Hasen im Boutique-Analog Synth Geschäft, sind kurz nachdem Moog den Mother-32 herausbrachten in den Modular-Markt eingestiegen. Mit dem Tonestar haben sie einen semi-modularen Synth gebaut, der vom legendären ARP 2600 modular Synthesizer beeinflusst wurde.

Die Klangpalette des Tonestar ist vielfältig und dynamisch, mit einem VCO und Filter mit unglaublich satter, fetter vintage-Tiefe. Seine Noise, Drive und Feedback Features sorgen zusätzlich für einen schmutzigeren, experimentelleren Charakter. Im Gegensatz zum Mother-32 fehlt ihm zwar der interne Sequencer, dafür kann er aber mit mehr Möglichkeiten zum Sounddesign aufwarten.

Synth Citys Tonestar 2600 demo

Arturia MiniBrute 2
Arturia MiniBrute 2

Nach dem Doppelerfolg der MiniBrute und MicroBrute Synthesizerfamilie entschied sich Arturia noch einen draufzusetzen: mit dem neuen MiniBrute 2 verschmelzten sie den MiniBrute und MicroBrute zu einem semi-modularen Keyboardsynth, der sowohl zum Grandmother als auch zum MFB Dominion 1 direkter Konkurrent bei einem Bruchteil des Preises ist.

Wie der MicroBrute verfügt der MiniBrute 2 über eine Patchbay. Arturia haben mit 48 Anschlüssen, im Vergleich zu den acht des MicroBrute, die modularen Möglichkeiten stark erweitert. Der MiniBrute 2 ist also ein ganz anderes Biest als seine Vorfahren. Wie schon die erste Version hat der MiniBrute 2 einen Hauptoszillator, der gleichzeitig Saw, Triangle und Square-Wellen erzeugt. Wenn man die Patchbay wirklich ausnutzt, bieten sich aber viele Methoden, wie der VCO moduliert werden kann. Die neue Version hat außerdem einen zweiten Oszillator, was nie verkehrt ist.

Der MiniBrute 2 kommt mit einem 64-Step Sequencer, einem Feature, das es sonst nur im mittlerweile eingestellten MiniBrute SE-Modell gab. Erwähnenswert ist auch der Suboszillator, der mit Saw, Triangle und Square-Wellenformen aufwartet. Nicht zuletzt diese Features sichern ab, dass der MiniBrute 2 nicht nur rohe Bass und Leadsounds erzeugen kann, sondern auch feinere Texturen, ob es jetzt Ambient-Atmosphären, Dronesounds oder die charakteristischen Obertöne von FM Sounds (mit dem FM-Regler) sein sollen.


Plankton Electronics Ants!
Plankton Electronics Ants!

Auch wenn er mit dem minimalistischsten Design dieser Liste aufwartet, hängt der Plankton Electronic Ants! soundmäßig nicht hinterher. Dieser äußerst tragbare Desktop-Synth verfügt über 51 Patchanschlüsse, vier Oszillatoren und Paraphonie, was bedeutet, dass über den MIDI-Eingang zwei Noten auf mal gespielt werden können.

Die vier Oszillatoren des Ants können, Sine, Triangle, Saw und Pulse-Wellen (mit PWM) erzeugen. Außerdem dabei sind zwei LFOs, die durch das umschalten der XT-Oszillatoren in den LFO-Modus auf vier erhöht werden können. Diese Flexibilität lässt den Ants alle Sounds von aggressiv bis subtil abdecken, ganz wie man will. Wie auch der Mother-32, ist er eine gute Wahl für Anfänger der modularen Synthese.

Plankton Electronics' Ants! demo

Sonicsmith Squaver P1
Sonicsmith Squaver P1

Stellt euch den Sonicsmith Squaver P1 wie eine Kreuzung aus Gitarrenpedal und Modularsynth vor. Als "Audio kontrolliertes analoges Synthesizerpedal" angepriesen, hat der Squaver P1 einen Oszillator den Squaver ACO, für "Audio Controlled Oscillator", nennen. Dieser Oszillator ist auch sein Alleinstellungsmerkmal, dass ihn von anderen semi-modularen Synths abgrenzt, die zwar externe Audiosignale von anderen CV-Geräten verarbeiten können, aber nicht spezifisch auf andere Audioquellen abgerichtet sind. Die drei Fußschalter des Squaver P1 deuten auch wieder auf den Effektpedaleinfluss: einer für Sidechain In, einer für ACO CV In, einer für die Bypassfunktion.

Der Squaver P1 hat einen +40 dB Input-Verstärker, was ihm ermöglicht nicht nur andere elektronische Instrumente, sondern auch Line-Level Quellen (Gitarren, Bässe, etc.), dynamische Mikrofone und sogar Samples zu verarbeiten. Anders gesagt können so nicht-elektronische Signale zu Synthesizern gemacht werden.

Neben dem Oszillator, der mit einem Mix-Regler Square and Sawtooth-Form vermischen kann, hat der Squaver P1 unter anderem einen VCA, zwei Envelopes, ein Resonanzfiltermodul (Low-Pass, Band-Pass und High-Pass), Ringmodulation Input, und CV Input-Kontrollen. Obwohl er über weniger voreingestellte oder patchbare Modulationsmöglichkeiten verfügt, ist er doch ein praktisches Tool für Musiker, die ihr Instrumentensignal synthetisieren wollen.


MFB Dominion 1
MFB Dominion 1

Nichts gegen den Korg MS-20 Mini, der modernen Verkleinerung des klassischen semi-modularen Synths, oder den Moog Mother-32, aber der moderne semi-modulare Synthesizer begann mit dem Dominion 1. Das Gerät vom Berliner Boutique-Synthhersteller MFB kombiniert das Beste aus monophonen analogen Keyboardsynthesizern mit modularen Patchmöglichkeiten — und einem Sound, der einfach ausgesprochen schön ist.

Wie auch die anderen Synthies und Module von MFB, zum Beispiel die Tanzbär und Tanzmaus Drumcomputer, ist der Dominion 1 von der Berliner Elektroszene und der Geschichte deutscher elektronischer Musik inspiriert. Wenn ihr nach einem äußerst programmierbaren Instrument sucht, das mit einem Arpeggiator und einem 128-Step-Sequencer sowohl musikalisch als auch rhythmisch ist, ist der Dominion 1 wahrscheinlich der Synth für euch.

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