Vor sechzig Jahren, im August 1960, machten sich die fünf Beatles daran, einen Morris-Kleinbus für eine Reise in die norddeutsche Hafenstadt Hamburg zu beladen. Alle drei ursprünglichen Gitarristen waren dabei: der 19-jährige John Lennon, der 17-jährige George Harrison und der 18-jährige Paul McCartney. Zu Beginn des Jahres war ein Bassist dazu gekommen, der 20-jährige Stu Sutcliffe, und jetzt hatten sie auch noch einen Schlagzeuger, den 18-jährigen Pete Best, um die Besetzung für die aufregende zweimonatige Residenz zu vervollständigen, die ihr Manager Allan Williams ihnen an Land gezogen hatte. Williams punktete nicht nur durch sein Verhandlungsgeschick, sondern auch dadurch, dass er der Besitzer des Kleinbusses war.
Hamburg rühmte sich einer lebhaften Musikszene in den Bars, Clubs und Striplokalen der Reeperbahn. Keiner aus der Band hatte das Vereinigte Königreich jemals verlassen, und die Aufregung war groß, als sie ihr Equipment auf das Dach des kleinen Busses packten. John holte am Abreisetag noch in letzter Minute seinen Reisepass ab.
Der Ausflug nach Hamburg im Jahr 1960 war die erste von drei Arbeitsreisen, die die Beatles in den nächsten Jahren dorthin unternehmen würden. Die Clubs der Stadt verlangten lange Sets, zu denen die Gäste tranken und tanzten, und dieses harte Regime machte aus der maroden jungen Gruppe eine effiziente und furchtlose Einheit, die zu allem bereit war. Sogar zu Weltruhm.
Hamburg Take Eins, 1960
Die Gitarristen der Beatles hatten sich bereits vor dem Hamburg-Besuch durch einige Instrumente gearbeitet. Wie die meisten Gitarren-Anfänger der späten 50er Jahren in Großbritannien hatten sie mit billigen Akustikgitarren gestartet. Johns erste Gitarre war eine Gallotone Champion Flattop, George wechselte von einer Egmond/Rosetti Flattop zu einer Hofner President Archtop, und Paul hatte eine Zenith Model 17 Archtop.

Schon bald wollten sie E-Gitarren haben. George versuchte es mit einem Tonabnehmer in seiner President, aber das reichte nicht aus, und so tauschte er 1959 die Gitarre mit einem Bandmitglied der Swinging Blue Jeans gegen eine Hofner Club 40, eine in Deutschland hergestellte elektrische Single-Pickup Hollowbody-Gitarre. John holte sich in jenem Jahr auch eine Club 40, ein neues Modell, das er auf Ratenkauf bei Hessy's Musikgeschäft in Liverpool erwarb.
Paul versuchte, seine Zenith mit einem Pickup zu bestücken, gab dies aber bald auf. Im Sommer '60 tauchte auch er bei Hessy's auf, setzte die Rate auf zehn Schilling pro Woche (damals 1,40 Dollar) und verließ den Laden mit einer Rosetti Solid 7-Gitarre, die von Egmond in den Niederlanden hergestellt und standardmäßig mit zwei Tonabnehmern angeboten wurde. Als Linkshänder spielte er die Solid 7 "über Kopf".
Zurück am Kleinbus hatten die Beatles ihre Ausrüstung für die Fahrt nach Hamburg fast fertig geladen. Paul packte seine Solid 7, John seine Club 40, aber George hatte eine neue Gitarre für die Residenz in Deutschland.
Ende 1959 besuchte er das stets geschäftige Hessy's, zahlte eine Anzahlung von £10 für eine neue Gitarre und einen neuen Koffer und erklärte sich bereit, 16 Schilling pro Woche (damals etwa $2,20) für sein Mietkaufgeschäft zu zahlen. Es handelte sich um eine Resonet Grazioso Solidbody-E-Gitarre von Dřevokov aus der damaligen Tschechoslowakei — eine europäische Kopie einer Stratocaster, die Selmer nach Großbritannien brachte und in Futurama umbenannte.
Stu war der Gruppe im Januar beigetreten und wurde Bassist, als sie ihn überzeugten, einen Teil des Geldes, das er bei einem Malwettbewerb gewonnen hatte, als Anzahlung (ratet mal, in welchem Geschäft?) für einen neuen Hofner 500/5 Bass auszugeben. Stu lud seinen Bass auf den Morris, neben die anderen Gitarren, das Premier-Schlagzeug und ein Verstärkertrio bestehend aus Selmer, Elpico und Watkins. Ready to rock!
Während ihres Deutschlandaufenthalts fand die Gruppe Zeit, einige der verdienten D-Mark wieder in Umlauf zu bringen. Stu kaufte einen Gibson GA-40 Les Paul-Amp, ein Combo, der bald in Georges Besitz überging. John kaufte eine 58er Rickenbacker 325, die wohl offensichtlich schon eine Weile an der Hamburger Ladenwand hing, aber im Vergleich zu den Gitarren, an die sie gewöhnt waren, ein ziemlicher Fang gewesen sein muss. John nannte die 325er mit drei Tonabnehmern in kurzer Mensur "die schönste Gitarre", und diese erste Beatle Rickenbacker sollte nicht die letzte bleiben.

John kaufte auch einen Verstärker, einen Fender Vibrolux, und wurde damit der erste Beatle mit dem beneidenswerten Duo: eine amerikanische Gitarre und ein amerikanischer Verstärker. "Man muss sich vorstellen, dass damals", so George gegenüber der BBC, "als wir das erste Mal aus Liverpool kamen, jede gute amerikanische Gitarre für uns sensationell aussah. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur verbeulte, schäbige Gitarren gehabt. Wir hatten immer noch kein Geld, um sie zu kaufen, aber ich erinnere mich, dass John sich diese Rickenbacker holte... 'on the knocker', wie man sagt. Anzahlung hingelegt und den Rest, wenn sie dich erwischen! Ich weiß nicht, ob wir sie jemals wirklich abbezahlt haben."
Die erste Reise der Beatles nach Hamburg wurde zu einem langwierigen Besuch voller Drama — schreckliche Unterbringung, mehrere Abschiebungen, Stus Entscheidung, mit einer Freundin in Deutschland zu bleiben — aber die intensive musikalische Ausbildung, die sie erhielten, war für die sich entwickelnde Gruppe von enormem Wert.
Hamburg Take Zwei, 1961
Als die Beatles im April 1961 zu ihrer zweiten, dreimonatigen Reise nach Deutschland aufbrachen, hatten sie begonnen, regelmäßig im Cavern Club in Liverpool zu spielen. Paul hatte seine Rosetti mit einigen Klaviersaiten zu einem "Bass" umgebaut, in Hamburg kehrte Stu jedoch zurück, um Bass zu spielen.

John brachte seine Rick 325 und den Fender Vibrolux mit, George seine treue Futurama und einen Selmer Truvoice Amp, Stu seinen Hofner 500/5 mit einem Gibson GA-40, Pete spielte sein Premier Kit, und Paul wechselte zum Klavier. Für einige Auftritte kam der Brite Tony Sheridan hinzu, der eine Flattop Martin D-28E E-Gitarre spielte. Mit ihm nahmen sie in Hamburg einige Titel für das Label Polydor auf.
Obwohl Stu zurückgekehrt war, schienen seine Tage in der Band gezählt zu sein. Paul merkte, wie die Dinge liefen und durch den eher desolaten Zustand seiner Solid 7 war er nun am Zug, in Hamburg Gitarren-Shopping zu betreiben. "Es hatte was von 'Oh-Oh, wir haben keinen Bassisten'", erzählte mir Paul. "Alle drehten sich um und sahen mich an. Ich war ein bisschen überfordert damit; aber alle meinten nur: 'Wenn es einer macht, dann besser du.' Ich glaube nicht, dass wir John dazu bekommen hätten, er hätte nur gesagt: 'Das ist nicht euer Ernst, ich habe eine schöne neue Rickenbacker!' Zu der Zeit hatte ich keine Gitarre, sie war zertrümmert worden, und ich spielte damals auf der Bühne Klavier — also konnte ich nicht wirklich argumentieren, dass ich eigentlich Gitarrist sein wollte."
Er fand einen Laden in Hamburg, der hatte, was er wollte. "Ich sah diesen Bass in Geigenform im Fenster, den Hofner", erzählte er. Paul kaufte einen Linkshänder Hofner 500/1, ein Hollowbody-Bass, ähnlich dem Gibsons E-Bass-Modell. Es war der erste von mehreren Hofner-Geigenbässen, die er besitzen würde und die sein Bühnenbild in den kommenden Jahren prägten.
Hamburg Take Drei, 1962
Die abschließende Hamburg-Reise der Band mag in ihrem rasch voranschreitenden Erfolg im Frühjahr 1962 wie eine Antiklimax gewirkt haben. Mit Brian Epstein hatten sie einen hartnäckigen neuen Manager, der ihnen Anfang des Jahres eine Audition bei Decca verschaffte und sie mit Anzug und Krawatte auf Vordermann brachte — und diesmal reisten sie mit dem Flugzeug nach Hamburg. Schockierende Nachrichten begrüßten sie bei ihrer Ankunft: Stu war drei Tage zuvor an den Folgen einer Hirnblutung gestorben. Er war gerade 21 Jahre alt. Dem stand eine bessere Nachricht von Brian gegenüber, der ihnen mitteilte, dass EMI die Gruppe unter Vertrag genommen hatte.
Der Club, den sie diesmal in Hamburg spielten, stellte ebenfalls eine Verbesserung dar, denn er stellte den Beatles eine Backline aus Fender-Verstärkern zur Verfügung. Sie brachten ihre aktuellen Instrumente sowie Pauls neue "Coffin"-Lautsprecherbox mit, die von Adrian Barber, dem Gitarristen von Big Three, maßgefertigt wurde. John hatte seine Rickenbacker 325 und Paul seinen Hofner 500/1 Bass, George hatte in der Zwischenzeit eine '57 Gretsch Duo Jet erworben.
George hatte seine Gretsch aus Liverpool von einem Handelsmatrosen, der sie in New York City neu gekauft hatte. Der Matrose wollte £90, aber George hatte nur 70 dabei, also unterschrieb er einen Schuldschein über das restliche Geld — das nie bezahlt wurde. Aber er hatte, was er wollte. "Es war meine erste echte amerikanische Gitarre", sagte George zu Dan Forte in Guitar Player, "und ich sag euch, sie war sehr gebraucht, aber ich habe das Ding poliert. Ich war so stolz, sie zu besitzen."
Nach ihrer Heimkehr arbeiteten die Beatles für den Rest des Jahres 1962 ihren unerbittlichen Terminkalender ab, indem sie einen ganzen Sack voll Konzerte spielten und ihre ersten beiden Singles für EMI aufnahmen. Hamburg hatte seinen Zweck als Sprungbrett zu größeren Gefilden erfüllt. Und wo genau lagen die? John erklärte dem Playboy: "Wenn die Beatles damals niedergeschlagen waren, hatten wir diesen kleinen Sprechgesang. Ich rief immer: 'Wo gehen wir hin, Leute? Sie antworten: 'Nach oben, Johnny', mit pseudo-amerikanischen Stimmen. Dann fragte ich: 'Wo ist das, Freunde?' Und sie antworten: 'Ganz nach oben, to the toppermost of the poppermost!'"
Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker*innen und Musik. Zu seinen Büchern gehören The Ultimate Guitar Book und Paul McCartney: Bassmaster, und er ist der Herausgeber von Andy Babiuk's Beatles Gear. Tony Bacon lebt in Bristol, England. Weitere Informationen unter tonybacon.co.uk.