Als die Beatles Anfang 1969 zusammenkamen, um ein neues Album aufzunehmen, war das Konzept zugleich klar und vage. Klar war, dass sie zu ihren Wurzeln zurückkehren wollten, um gemeinsam Musik zu machen, als Live-Band, ohne Overdubs. Unklar war nur, wie sie ihre Arbeit dokumentieren und präsentieren wollten.
Tontechniker Glyn Johns und Filmemacher Michael Lindsay-Hogg, die beide kurz zuvor an The Rolling Stones Rock and Roll Circus gearbeitet hatten, sollten den gesamten Prozess der Proben und Aufnahmen festhalten. Die Songs sollten in einem Fernsehkonzert, das an einem noch zu bestimmenden außergewöhnlichen Ort gefilmt werden sollte, in vollem Umfang der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Während die Pläne noch in Arbeit waren, begannen die Proben auf einer Studiobühne in den Twickenham Film Studios. Die Proben erwiesen sich als schwierig, die TV-Idee wurde verworfen, und die Band zog stattdessen in ihr neu errichtetes Apple Studio.
Obwohl die Filmcrew und der unverblümte dokumentarische Ansatz beibehalten wurden, wurden das Album und der Film—deren Titel von "Get Back" zu "Let It Be" geändert wurden—stark editiert und poliert.
Regisseur Peter Jacksons The Beatles: Get Back—ein achtstündiger, dreiteiliger Dokumentarfilm, der ab dem 25. November auf Disney+ zu sehen ist—stellt das Originalmaterial wieder her und zeigt die Entstehung von Let It Be in voller, ungestümer Pracht. Dazu gehören die angespannten Proben in Twickenham, die rettenden Sessions bei Apple und das komplette Rooftop-Konzert.
Für Musiker:innen und Gearbegeisterte ist Get Back ein wahres Fest für die Sinne, denn es zeigt das späte Equipment der Band, wie man es noch nie zuvor gesehen hat. Wir haben diesen Guide als eine Art Begleiter und einfache Referenz zusammengestellt.
Welches Gear haben die Beatles auf Let It Be verwendet? Im Folgenden ist alles zu finden.
Let It Be Gitarren
Paul McCartneys bevorzugter Bass für die Aufnahmen war sein 63er Hofner 500/1 Bass. Auf dem Bass prangt während der gesamten Aufnahme ein "Bassman"-Aufkleber, der ursprünglich auf seiner Fender Bassman-Lautsprecherbox angebracht war (dazu später mehr).
McCartneys Rickenbacker 4001S und sein originaler 61er Hofner treten im Film nur spärlich auf, der 61er Hofner wurde kurze Zeit später gestohlen. Für Akustikgitarrenparts verwendete er seine vertraute Martin D-28.
George Harrison hatte zu dieser Zeit die Qual der Wahl zwischen einigen unglaubliche Gitarren und wechselte zwischen seiner 57er Gibson "Lucy" Les Paul (ein Geschenk von Eric Clapton, die aus einer Goldtop umgebaut worden war) und seinem ikonischen Custom Rosewood Telecaster-Prototyp (ein Geschenk von Fender) hin und her. Außerdem hatte er noch seine Gibson J-200 Akustikgitarre dabei, die auch John Lennon während der Aufnahmen benutzte. Harrison gab sie bald darauf an Bob Dylan weiter.
Für den Großteil seiner Gitarrenarbeit benutzte Lennon seine Epiphone Casino, deren Lackierung entfernt wurde. Seine ähnlich entlackte Martin D-28 war zwar zur Hand, wurde aber nur selten benutzt, während er für einige ausgewählte Parts eine Hofner Hawaiian Standard Lap Steel spielte.
Da die Band ohne Overdubs aufnehmen wollte, musste immer dann, wenn Paul Klavier spielte, jemand anderes den Bass übernehmen. John und George hatten zwar auch einen Fender Jazz Bass griffbereit, spielten aber meistens den sechssaitigen Fender VI über McCartneys Bassman-Amp.
Let It Be Amps
Wie oben bereits erwähnt, war McCartneys Verstärker für die Sessions ein 68er Fender Bassman Topteil und eine 2x15 Box. Die Boxen von Fender waren damals ungefähr einen Meter hoch, mit übereinander gestapelten Lautsprechern.
Die Hauptverstärker von Lennon und Harrison waren ein Paar 68er Silverface Fender Twin Reverbs. Bei Harrison kam noch ein rotierender Leslie 147RV Lautsprecher dazu—ein weiteres Geschenk von Clapton—den er auf der Platte ausgiebig verwendete.
Let It Be Drums
Vor allem während der Aufnahmen in Twickenham—wo Ringo Starrs Schlagzeug auf einem hohen Riser aufgebaut war, der von den regenbogenfarbenen Bühnenlichtern ausgeleuchtet wurde—waren die Drums der Star der Show: Ein 67er Ludwig Hollywood Kit, das für das White Album neu angeschafft worden war.
Das fünfteilige Set bestand aus einer 14x22"-Kick, einer 16x16"-Floortom sowie einer 8x12"- und einer 9x13"-Tom. Starr entschied sich jedoch, anstelle der Hollywood-Snare seine 63er Jazz Festival 5.5x14" zu verwenden.
Let It Be Keys
Die spannendste Ergänzung zur Standardbesetzung der Beatles war nicht einfach irgendein Keyboard, sondern ein ganz bestimmter Keyboarder: Billy Preston stieß im Apple Studio zur Gruppe und wurde inoffiziell zum "fünften Beatle". Preston machte großen Gebrauch von einem Fender Rhodes Suitcase 73 E-Piano, das der Band frisch aus Kalifornien geliefert worden war.
Zu den weiteren Tasteninstrumenten im Raum gehörten eine Hammond mit Leslie, eine Lowrey DSO Heritage Deluxe Orgel, ein unbeschriftetes Klavier und der Blüthner Flügel, der in Stücken wie "The Long and Winding Road" zu hören ist.
Aufnahme-Equipment
Sowohl neue als auch alte Let It Be-Fans wollen oft wissen: Welche Mikrofone haben die Beatles für das Rooftop-Konzert verwendet? Die schlanken Gesangsmikrofone, in die Lennon, McCartney und Harrison singen, sind AKG C30As. Diese Mikrofone, die auf der C28-Kapsel der Marke basieren, hatten lange Aufsätze, die den Körper des Mikrofons weit vom Kopf entfernt hielten, was sie ideal für Filmaufnahmen machte. Die Mikrofone wurden während der gesamten Dreharbeiten verwendet, nicht nur beim Finale auf dem Dach.
Andere AKG-Mikrofone sind während des gesamten Aufnahmeprozesses zu sehen: D19er für den Gesang, D25er, die an Boom-Armen aufgehängt sind, ein D20 an der Kick-Drum, während Neumann U 47er, KM 56er und viele U 67er Gesang, Drum-Overheads und vieles mehr einfangen.
Im Apple Studio liehen sich die Beatles nach einem katastrophalen Versuch mit einem Custom-Pult ein Paar REDD-Mischpulte von Abbey Road, darunter die REDD.37, die bei früheren Aufnahmen verwendet wurde und später in den Besitz von Lenny Kravitz überging. Hinter der Konsole sind zudem einige Fairchild-Limiter zu sehen.
Für das Playback und das Vocal-Monitoring, zunächst auf der Twickenham-Studiobühne und später im Aufnahmeraum des Apple Studios, setzte die Band brandneue Vox- und Fender Solid State PA-Systeme ein.
Falls du in der neuen Doku Gear erspähst, das wir übersehen haben, lass es uns wissen.
Quellen für diesen Artikel: Andy Babiuks Beatles Gear, Glyn Johns' Sound Man, und The Beatles Recording Reference Manual: Volume 5.