Anlässlich der Kinopremiere einer der meisterwarteten Fortsetzungen aller Zeiten bringen wir eine neue Ausgabe unserer Synth Sounds-Reihe. Diesmal widmen wir uns dem filmischen Monolithen Blade Runner.
Eher dürftest du Deckard selbst aufspüren, als die Bedeutung von Blade Runner zu überschätzen. Ridley Scotts freie Adaption von Philip K. Dicks Buch Do Androids Dream of Electric Sheep? porträtiert eine dystopische urbane Zukunft und beeinflusst moderne Science-Fiction-Filme bis heute. Die filmische Mischung aus grobkörnigen, retromäßigen Bildern und klassischem Neo Noir-Storytelling hat 30 Jahre Film von Das Fünfte Element über Battlestar Galactica bis zum Anime Ghost In The Shell mitgeprägt. Die Library of Congress hat den Film sogar als Kulturgut in die United States National Film Registry aufgenommen.

Komponist Vangelis
Blade Runner verdankt seinen Kultstatus nicht zuletzt seinem Soundtrack. Der berühmte Komponist Vangelis, ein Pionier in der Synthiewelt, der mit Die Stunde Des Siegers das erste Ausrufezeichen setzte, ging den Synthesizer-Soundtrack mit orchestralem Anspruch an. Damit schuf er für viele Jahre einen weiteren Präzedenzfall.
Vangelis war bekannt für die Verwendung des Yamaha CS-80, ein schwerer, früher Polysynth, der auf dem heutigen Gebrauchtmarkt über 20.000 € kostet. Das Instrument war seinerzeit das Aushängeschild der Firma und Vangelis hatte angeblich gleich sieben zur Hand, als er Blade Runner untermalte. Weil wir keine Summe in Höhe eines Immobilien-Ratenkaufs mal eben so herumliegen haben, verwenden wir stattdessen eine verblüffend akkurate Arturia CS-80V-Plugin-Emulation aus der Arturia V Collection.
Für diese Synth Sounds-Ausgabe verwendet Justin Ableton Live in einer Kombination aus alter und neuer Hardware ebenso wie Software, um die Klänge nachzubilden. Wenn dir diese DAW nicht vertraut ist, schau dir unsere Ableton Live lernen-Videos für ein schnelles, informatives Tutorial an.
Den ikonischen Bläsersound bei den Streichern bekommt man nur durch Detuning hin. Justin zeigt, dass die Kombination aus langsamem Anschlag, langem Decay und einer Prise Verstimmung die kleinen Ungenauigkeiten eines menschlichen Musikers simuliert und zugleich die Tiefe und Emotion beimischt, die die Musik damals so fesselnd gemacht haben. Justin verwendet das CS-80V-Plugin, aber auch ein Korg Minilogue, aber jeder andere Polysynth mit einem oder mehreren Sägezahn Oszillatoren kann das auch. Verwende ein wenig langsame LFO-Modulation, um zusätzlich Bewegung hinzuzufügen.
Die Synthesizer-Sounds von Blade Runner herunterladen
Für die Bass Spur benutzt Justin sowohl einen Roland Boutique Series SH-01A als auch einen mitgelieferten Ableton-Patch in Sägezahn-Wellenform, um den paranoiden Low End-Buzz nachzubauen. Wenn du auf keinen SH-01A zurückgreifen kannst, funktioniert der Trick auch mit einem D16 LuSH-101. Der Schlüssel zum Erfolg ist jeweils, die vier Töne zu sequenzieren und etwas Distortion (versuche es mit Overdrive oder Bit Reduction) hinzuzufügen, um eine körnigere Soundqualität hinzubekommen.
Um den synthetischen Harfensound nachzustellen, greift Justin für die Anfangs-Attack auf ein mitgeliefertes Harfeninstrument zurück und verändert den Sound dann, indem er die Harfe durch ein Flanger-Plugin routet. Der Kniff dabei ist, den Flange-Verlauf mit dem Kompositionstempo zu synchronisieren, so dass der Flanger perfekt mit der absteigenden Harfenspur hoch- und runtergeht.
Das trügerisch simple Drum-Motiv wird erreicht, indem Ableton-Patches benutzt werden, die den TR-606 emulieren, der Lo-Fi-Kandidat unter den Roland-Drum Machines. Justin zimmert ein gradliniges Hi-Hat/Kick-Pattern und legt eine mit Reverb und Delay verzierte Cabasa darüber, um die so bezeichnende geisterhafte Präsenz zu kreieren. Natürlich wäre es ohne krachende Pauke nicht der Blade Runner-Sound. Justin benutzt hierfür das mitgelieferte Ableton-Patch.