Gibson hat zwischen 1958 und 1960 um die 1500 Sunburst Les Pauls gefertigt, aber heute gibt es nur noch 2000 Überlebende.
Das ist der Witz, der Burst-Fans nachts nicht schlafen lässt. Verstehst du nicht? Eine so wertvolle Gitarre wird unvermeidlich kopiert, weshalb die Originalserie von 1500, nun ja, um diverse Nachahmungen “erweitert" wurde.
Nun lass uns aber mal genauer hinschauen und die Zahlen aus der ursprünglichen Fertigung analysieren. Wie viele gab es wirklich? Es mag nicht überraschen, dass niemand die exakte Antwort weiß. Schließlich handelt es sich um eine Gitarre, um die es mehr Mythen, Spekulationen und Halbwahrheiten gibt als bei jedem anderen Sammlerstück. Aber lass uns beharrlich sein.
Wie selten ist sie tatsächlich?
Wir alle wissen, dass die originale Sunburst Gibson Les Paul Standard - die “Burst", wie Insider sie gerne nennen - eine heißbegehrte Rarität ist. Wir wissen weiterhin, dass nur, weil etwas selten ist, es nicht automatisch wertvoll ist.
Deine einmalige Gitarre drüben in der Ecke ist zum Beispiel einzigartig, folglich auch so selten wie nur irgend möglich. Aber trotz dieser absoluten Seltenheit ist es vielleicht auch unmöglich, sie zu verkaufen. Wenn niemand dein einzigartiges Objekt haben möchte, ist es auch nicht von großem Wert, egal, wie sehr du seinen Seltenheitswert betonst.

Auf der anderen Seite begehren ziemlich viele Sammler eine Burst von 1958-60. Deswegen ist sind diese Gitarre selten - und auch begehrt. Doch wie selten genau?
Gibson besitzt verschiedene Aufzeichnungen aus jener Zeit. Ich habe das Regal im staubigen Aktenschrank selber gesehen. Und das sollte der Ort sein, an dem man sämtliche Details zu so ziemlich jeder Burst finden dürfte, die 1958, 1959 und 1960 die Fabrik verlassen hat.
Ich habe allerdings auch die Lücke gesehen, wo der Ordner zu jener Periode stehen sollte - der Ordner, in dem Fabrikmitarbeiter Details zu ausgelieferten Modellen und ihren Seriennummern nach Datum geordnet eingetragen haben. Diese Journale, wie Gibson sie nannte, enden mit einem Journal, das die Phase bis zum 30. Juni 1958 abdeckt. Das nachfolgende, das die Burst-Einträge beinhalten sollte, fehlt und ist mutmaßlich verloren gegangen.
Aus diesem Grund widmen wir uns einem weiteren Datensatz aus Gibsons Aktenschrank, den Auslieferungs-Gesamtzahlen, die die zusammengerechneten jährlichen Produktionszahlen für jedes Modell zeigen. Ich habe die Einträge für “Les Paul & Bigsby" (was das Les Paul- oder Standardmodell bedeutet) mit Gold- oder Sunburst-Finish überprüft, mit oder (üblicherweise) ohne Bigsby-Vibrato-Einheit. Für 1958 weist der Eintrag 434 aus; für 1959 643; und für 1960 635.
Unglücklicherweise können wir diese drei Zahlen nicht einfach so zusammenrechnen. Es gibt am Anfang und am Ende jeweils eine Überschneidung. Die erste besteht aus früheren Goldtops vor dem 58er-Wechsel zu Sunburst. Die zweite Überschneidung sind die späteren SG-förmigen Standards, nachdem 1960 die Singlecut-Sunburst eingestellt wurde. Demzufolge müssen wir wegen des fehlenden Journals ein paar Mutmaßungen anstellen.
Eine auf Erfahrung basierende Vermutung
Lass uns zunächst annehmen, dass die Produktion des Sunburst-Looks vermutlich im Juli oder August anlief. Mit diesem Wissen im Hinterkopf können wir 7/12 der 1958er-Gesamtzahl abziehen - als radikale Methode, die Produktion der vorhergehenden ca. sieben Monate, als dieses Modell noch eine Goldtop war, weg zu subtrahieren.
Zudem wissen wir, dass Gibson gegen Ende 1960 eine geringe Zahl der neuen SG-förmigen Les Paul Standards gefertigt hat - bevor 1961 die Vollzeitproduktion des neuen Designs begann. Somit dürfen wir wohl die Produktionsmenge eines Monats bei den SG-Form-Standards von der 1960-Gesamtzahl abziehen.
Ich brauche einen Taschenrechner. Kommst du noch mit? 5/12 der Auslieferungs-Gesamtzahl von 1958 (434) sind 181. Für 1959 greifen wir auf die absolute Gesamtzahl zurück: 643. Und 11/12 von 1960 (635) sind 582. Also haben wir 181 plus 643 plus 582. So erhalten wir die grobe Gesamtmenge an Sunburst Les Pauls, die Gibson gemacht hat: 1406. Und das ist vermutlich die größtmögliche Annäherung an die Wahrheit.
Was unseren Witz mit der tatsächlichen Zahl angeht: Einen guten Überblick über die aktuelle Situation bietet Julio Sanchez' Webseite. Julios Ziel ist es, öffentlich zugängliche Informationen und Hinweise von Sammlern zu vereinen, um eine Datenbank mit Burst-Informationen, -Material und -Bildern aufzubauen.
Bei Redaktionsschluss hat die Webseite die Seriennummern von 799 Bursts festgehalten, aus denen Julio für die einzelnen Jahre 39 Prozent der 58er-Gesamt-Liefermenge, 65 Prozent der 59er-Gesamtmenge und 33 Prozent der 60er-Gesamtzahl ableitet.
Ein Zufallserfolg
Zeit für noch etwas Statistik-Wahnsinn: 1959 ist das Schlüsseljahr für Burst-Fans - und hilfreicherweise ist das jenes Jahr, bei dem wir bei der Gesamt-Auslieferungszahl sicher sein können.
In jenem Jahr hat Gibson, basierend auf diesen jährlichen Schätzungen, eine absolute Gesamtzahl von 34.123 Gitarren jeglicher Art und Modell ausgeliefert. Bei diesen Gitarren handelt es sich bei 7828 um Les Pauls - inklusive beachtlicher 4364 Juniors (Gibsons größte Einzelmodell-Produktion 1959) - und 1821 Specials. Damit machten Les Pauls 23 Prozent der Gesamtproduktion aus.
Wir wissen ebenfalls, dass Gibson in jenem Jahr 643 Bursts gemacht hat, also etwa acht Prozent von jener Les Paul-Gesamtzahl, und etwas unter zwei Prozent der gesamten Gitarrenproduktion. All das bedeutet, dass die originale Burst in Gibsons Produktionsplan ein eher unwichtiges Produkt war. Wenn sie es damals nur gewusst hätten...
