Billy Gibbons wollte schon früh die Magie seiner berühmten 59er "Pearly Gates" Les Paul verstehen und suchte mit der Pearly im Schlepptau den Tonabnehmerhersteller Seymour Duncan auf. Er wollte wissen, ob Seymour die beiden PAFs seiner Burst analysieren könnte, den heiligen Gral der Humbucking-Tonabnehmer.
Billy wusste, dass diese Tonabnehmer magnetische Spulen in ihrem Inneren haben und dass die Vibration einer Saite, die über den Spulen schwebt, ihr Magnetfeld anregt, wodurch ein Strom fließt (keine Sorge, technischer wird es an dieser Stelle nicht), der wiederum einen herrlichen Gitarrensound aus dem Verstärker kommen lässt.
"Wir schlossen die Pearly Gates an ein Ohm-Meter an", erzählt mir Billy. "Seymour sagte: 'Gib mir ein Texas G.' Ich schlug an, immer weiter, und es zeigte sich, dass die Tonabnehmer meiner Gitarre ziemlich kraftvoll sind. Er meinte: 'Donnerwetter, ich bekomme hier einen heißeren Wert, als ich je gesehen habe.' Er sagte, er habe schon hundert dieser PAFs durchlaufen lassen und dass dies der Standardtest sei, um festzustellen, was diese Tonabnehmer potenziell an Spannung abgeben können."
Gibsons ursprünglicher Humbucking-Tonabnehmer, bekannt als PAF und 1957 eingeführt, ist immer noch das Design, das mehr Analysen, mehr Kopien, mehr Halbwahrheiten, mehr Streitereien und mehr Geld für ein (hoffentlich) originales Set provoziert als jeder andere Pickup-Typ. Trotz aller Verbesserungen im Tonabnehmerdesign, die in den mehr als 60 Jahren vorgenommen wurden, seitdem Seth Lover den Prototyp seinen Chefs bei Gibson vorgestellt hat, genießen PAFs unter Kennern immer noch ehrfürchtige Verehrung.
PAF ist die Abkürzung für Patent Applied For, denn das stand auf einem kleinen schwarzen Aufkleber auf der Grundplatte. Dieser Aufkleber blieb bis etwa 1962 an seinem Platz und wurde dann durch einen neuen Aufkleber mit einer Patentnummer ersetzt. Weitere Änderungen um 1964 herum beendeten diese Ära von Gibsons Humbucking-Entwicklung und für Vintage-Fans erreicht nichts das ursprüngliche Design.
Billy besuchte die Gibson-Fabrik in Kalamazoo um 1971 herum, also zu einer Zeit, die wir heute eher nicht als die goldene Ära der Firma bezeichnen würden. Etwa sieben Jahre nach dem Ende der ersten großen Pickup-Ära ist aber immer noch näher dran, als die meisten von uns je gekommen sind.
"Es war mitten im Winter und es schneite wie verrückt, aber wir bekamen die komplette Führung von vorne bis hinten", erinnert sich Billy. "Wir gingen in den Raum, in dem sie Humbucking-Tonabnehmer herstellten. Wir sahen die Originalmaschine, auf der die berühmten PAFs hergestellt wurden. Drei Damen bedienten die Maschine. Es handelte sich um eine lange Stange, die von links nach rechts verlief und drei Wickelpunkte hatte: einen am linken Ende, einen in der Mitte und einen am rechten Ende. Diese Damen schoben eine Tonabnehmerspule in die Mitte und eine an jedes Ende."
Billy erzählt, er habe beobachten können, wie die Frauen einen 42er Lackdraht auf eine Spule unter einer Glaskuppel wickelten und der Draht durch ein Loch in der Kuppel geführt wurde. "Sie wickelten diesen Draht auf jede Tonabnehmerspule", fährt er fort, "und sie hatten einen Klicker, so etwas wie den Aufzugsbügel an einer Armbanduhr, der mit einem Zähler verbunden war. Man konnte einstellen, wie viele Umdrehungen der Motor drehen sollte. Sobald die Drähte an ihrem Platz waren, drückte man einen Schalter, der Motor fing an, den Stab zu drehen, und die Tonabnehmerspulen schleuderten los und zogen so den Draht von der Spule."
Er erinnert sich an eine Führungsvorrichtung, die von links nach rechts verlief—er meint, das sei so ähnlich wie bei einer Angelspule—die ermöglichte, den Aufnahmedraht auf ziemlich raffinierte Weise in die Tonabnehmerspule zu legen, von links nach rechts, von rechts nach links und so weiter. Wenn der Klicker die festgelegte Anzahl von Umdrehungen erreicht hatte, löste er den Aus-Schalter aus.
"Was mir auffiel—und wahrscheinlich ist das der Grund, warum manche Humbucker anders klingen, mit mehr Wucht oder Kraft—war, dass die Damen eine Fußbremse hatten, eine lange Stange", sagt Billy. "Wenn der Motor anhielt, gab es ein deutliches Klicken, so dass sie wussten, dass die jeweilige Spule fertig war. Wenn sie auf die Bremse traten, verlangsamte sich der Drehmechanismus. Und wenn sie redeten, nun, als wir dort waren, stellten wir fest, dass sie nicht immer sofort auf die Bremse traten, sodass noch ein paar Hundert Umdrehungen auf die Spule kamen. Es war keine exakte Wissenschaft."
Keine exakte Wissenschaft: Das könnte das Motto sein, das die Geschichte des Pickups zusammenfasst, den wir unter unserem Mikroskop haben. Glücklicherweise haben wir Thomas Nilsen, ein norwegischer Tonabnehmerspezialist, der jetzt in England lebt, der uns als Führer durch dieses steinige Terrain dient. Thomas betreibt Cream T Pickups und setzt exakte Wissenschaft in Form seines patentierten analogen Spektrum-Rekorders ein, mit dem er alte Tonabnehmer genau scannt und analysiert. Er hat mit Billy und vielen anderen Tonjägern zusammengearbeitet, die wissen wollen, was großartige Tonabnehmer ausmacht.
Thomas wuchs als Fan von Clapton, Green, Gibbons und all den anderen auf. "Als ich alt genug war, um zu verstehen, wie eine E-Gitarre aufgebaut ist und meine erste auseinandernahm", erzählt er, "wollte ich herausfinden, wie diese großen Gitarristen ihren erstaunlichen Ton und Sound hinbekommen. Es dauerte nicht lange, bis ich begriff, dass es auf die Tonabnehmer in ihren Les Paul Gitarren zurückging, insbesondere die, die zwischen 1958 und 1960 hergestellt wurden. Das war mein Ausgangspunkt und markierte den Beginn meiner langen Reise, die bis heute andauert."
Also, Thomas, warum die ganze Aufregung um die PAF-Humbucker? Die, die von 1957 bis in die frühen 60er-Jahre hergestellt wurden. "Die originalen PAFs haben einen offenen und sehr transparenten Sound", erklärt er, "und sie reagieren ehrlicher auf die Klangeinstellungen der Gitarre, darauf, wie man die Saiten anschlägt, und von dort aus auf die Verstärker. Das ist es, was die originalen alten PAFs ausmacht und andere Tonabnehmer, z. B. die aus der Zeit von 1970 bis 90, überhaupt nicht haben."
Dieser Sound ist es, den viele Musiker*innen und die meisten modernen Tonabnehmerhersteller anstreben. Und dieser Sound ist es auch, der die Aura der originalen PAFs ausmacht. Es gibt also eine gewisse Konsistenz, Thomas? "Nun, ja und nein. Das Interessante an PAF-Tonabnehmern ist, dass keiner ähnlich klingt." Er hat annähernd 60 PAF-Sets aus den Jahren 1957 bis 1960 analysiert, die meisten davon aus Gibson ES-Modellen und Les Pauls aus dieser Zeit.
"Die meisten PAFs aus dieser Zeit unterscheiden sich stark in Bezug auf die Art des Magneten und die Leistung", sagt er. "Keiner ist gleich. Man darf nicht vergessen, dass Gibson in dieser Zeit mit Humbuckern experimentierte, um sie zu entwickeln und zu verbessern. Ich nenne das die Test- und Versuchsperiode. Wenn ich also PAFs aus dieser Zeit untersuche, finde ich große Unterschiede im Bass-, Mitten- und Höhenanteil bei verschiedenen Frequenzen. Wie ich schon sagte, ist das einheitliche Merkmal, dass sie sehr offen und transparent klingen."
Der ganze Rummel um die originalen PAFs deutet doch sicherlich darauf hin, dass sie die besten Humbucking-Tonabnehmer sind, die je gebaut wurden. "Nein", sagt Thomas, "ein Vintage PAF ist die Basis und das Fundament des besten Humbuckers, der je gebaut wurde. Ich weiß, dass einige Humbucker, die heute hergestellt werden, viel besser klingen. Nicht viele, aber es gibt eine Handvoll Humbucker-Modelle, die heute besser sind. Das liegt daran, dass einige Tonabnehmerhersteller, mich eingeschlossen, übernommen haben, was damals begonnen wurde, und es weiterführen. Wir haben jetzt die Fackel, und wir werden sie weiter in neue Entwicklungen tragen."
Die besondere Fackel von Thomas ist sein Super Scanner. Er entstand aus Gesprächen, die er mit Billy führte, um einen Weg zu finden, die PAFs in einer Gitarre genau zu scannen. Nur wenige Besitzer würden das Auslöten und Entfernen dieser wertvollen Teile begrüßen. Thomas und ein Freund verbrachten also zwei Jahre mit der Entwicklung des Scanners und entwickelten daraus eine tragbare Version, die er heute verwendet, um Informationen über die Schlüsselbauteile im Inneren eines PAF zu erhalten.
"Der schwierigste und herausforderndste Weg über den moderne Hersteller den berühmten alten PAF-Sound erreichen können, ist die Nachbildung des Wicklungsmusters, der Art des Drahtes und der Spannung, die in der Wicklung verwendet wird, und der Ausrichtung des Magneten", sagt er. "Der Rest ist unwichtig. Wenn man versucht, die richtigen Abdeckungen mit den richtigen Ecken zu verwenden und zu beschaffen, den gleichen Kunststoff für die Spulen zu verwenden und so weiter—all das hat nichts mit dem Klang einer PAF zu tun. Ich wiederhole: Die einzigen Faktoren, die über den tatsächlichen Klang einer PAF entscheiden, sind die Art des Drahtes, das Wicklungsmuster und der Magnet."
Ich kann mir vorstellen, dass Thomas anders als einige Burst-Verrückte eher unbesorgt über den angeblichen klanglichen Beitrag der Farbe des Kunststoffs ist—schwarz oder cremefarben oder beides—der zu verschiedenen Zeiten für die Spulen im Inneren einer PAF verwendet wurde. Er lacht laut auf und schüttelt den Kopf.
"Ich habe vor Jahren einen Typen getroffen", sagt er, "er war todernst und sagte: 'Hey Thomas, ich kann den Unterschied zwischen einem einlagigen und einem dreilagigen Schlagbrett hören.' Und ich dachte nur, der muss ein schreckliches Leben haben. Stell dir vor, wie viele Details der jeden Tag um sich herum hören muss, wenn er einfach nur herumläuft. Ich würde nicht gerne in seinen Schuhen stecken."
Was ist das größte Geheimnis, das PAF-Tonabnehmern noch immer anhaftet? "Als wir an den PAFs in Billys Pearly Gates arbeiteten, um das WhiskerBucker-Tonabnehmerset zu kreieren", erinnert sich Thomas, "sagte ich immer wieder, dass diese Tonabnehmer so besonders sind, weil sie so weit von allen konsistenten Werten aller anderen PAFs, die ich aus dieser Zeit gehört habe, entfernt sind."
"Diese Gitarre und ihre Tonabnehmer klingen im Vergleich zu anderen erstaunlich. Und Billy sagte: 'Meinst du, es ist möglich, herauszufinden, wer sie gemacht hat, welche Dame die Tonabnehmer in meiner Pearly Gates gewickelt hat?' Ich sagte: 'Billy, ich glaube, der Zug ist lange abgefahren. Aber andererseits wäre es so schon, wenn dieses Rätsel gelöst werden könnte. Wäre das nicht großartig?"
Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker*innen und Musik. Zu seinen Büchern gehören Sunburst und The Gibson 335 Guitar Book. Tony lebt in Bristol, England. Mehr Infos unter tonybacon.co.uk.
