Über die Stratocaster, eine der ikonischsten Gitarren aller Zeiten, hat sich über die Jahre eine große Breite an Meinungen angesammelt, sowohl von Fans als auch Kritikern. Ihre angenehmen Konturen, das klassisch gute Aussehen und die tonale Vielfältigkeit machen sie zu einer sehr guten ersten Gitarre und einer willkommenen Ergänzung jeder Sammlung.
Wie jedes Instrument spielt sich eine Stratocaster am besten, wenn sie regelmäßig gepflegt wird. Die Features, die die Strat damals so innovativ gemacht haben, wie zum Beispiel Fenders Synchronized Tremolo System brauchen dabei besondere Beachtung.
Um euch genau zu sagen, was ihr wissen solltet, nachdem ihr eine Stratocaster gekauft habt, haben wir mit drei der besten Gitarrenbauerinnen und Gitarrenbauer der USA geredet und ihre Meinungen zu richtigem Setup, grundlegenden Upgrades und allem rund ums Tremolo gesammelt.

Für diejenigen, die neu zur Gitarre gekommen sind: ein "Setup" besteht aus den Einstellungen und Reparaturen, die bei einer Gitarre vorgenommen werden sollten, damit sie bequem spielbar und so intoniert ist, dass alle Noten übers Griffbrett relativ zueinander gestimmt sind.
Egal ob ihr eure Strat neu oder gebraucht gekauft habt, wird ein gründliches Setup sich mit ein paar Grundproblemen beschäftigen:
Die Höhe des Sattels und die Breite seiner Kerben. Der Sattel sollte so hoch genug sein, um die Saiten gerade eben über der Höhe des ersten Bundes zu halten. Jede Kerbe sollte so breit sein, dass sich die Saite darin bewegen kann, ohne jedoch zu locker zu sein.
Die Halskrümmung. Der Hals sollte so gekrümmt sein, dass die Gitarre sich übers ganze Griffbrett leicht spielen lässt. Man erreicht dies durch lösen oder festziehen des Halsstabes (nach der englischen Bezeichnung oft auch Truss Rod genannt), ein Metallstab der im Gitarrenhals den Zug, den die Saiten ausüben kompensiert.
Die Saitenlage. Bei einer Stratocaster wird die Saitenlage sowohl durch richtige Sattelhöhe und Halskrümmung, als auch durch die Saitenreiter der Brücke eingestellt. Die Reiterhöhe hängt dabei wieder mit dem Radius der Halskrümmung zusammen und sollte so eingestellt werden, dass die Saiten niedrig genug sind um angenehm gespielt zu werden, gleichzeitig aber hoch genug, dass sie nicht an den Bünden schnarren.
Die Saitenreiterposition. Ein wichtiger Faktor für die Intonation der Strat ist die richtige Position der Saitenreiter an der Brücke. Sie wird so eingestellt, dass eine im 12. Bund gegriffene Note nicht höher oder tiefer als die offen gespielte Saite ist.
Die Höhe der Pickups. Die Pickups sollten nahe genug an den Saiten sein, um einen kraftvollen, sustainenden Sound zu haben, gleichzeitig aber weit genug entfernt, dass die Magneten der Pickups nicht die Schwingfähigkeit der Saite beeinflussen. Hört über euren Amp, wie sich die Änderungen auf euren Sound auswirken und stellt ihn so nach eurem Geschmack ein.
Diese Einstellungen können gut selber vorgenommen werden, gerade Anfänger werden aber davon profitieren, wenn ein erfahrener Spezialist ihre Strat einstellt. Während des Setups kann ein Profi auch feststellen, ob bei der Gitarre noch größere Probleme behoben werden müssen.
Wie jede Gitarre braucht eure Stratocaster Pflege und Aufmerksamkeit, um sie über die Jahre gut in Schuss zu halten. Das Holz und die Harze in eurer Gitarre werden sich mit wechselnder Luftfeuchtigkeit und Temperatur ausdehnen und zusammenziehen, was sich auf Halskrümmung, Saitenspannung und andere wichtige Faktoren auswirken kann. Ein Instrument, das im Sommer gut eingestellt wurde, kann im Winter schwer zu spielen sein.
Idealerweise solltet ihr eure Gitarre zwei bis vier mal im Jahr einstellen lassen, zu jedem Jahreszeitwechsel, oder sobald ihr Abnutzungen bemerkt."
Idealerweise solltet ihr eure Gitarre zwei bis vier mal im Jahr einstellen lassen, zu jedem Jahreszeitwechsel, oder sobald ihr Abnutzungen bemerkt. Es lohnt sich deshalb, wenn man Wartungsarbeiten selber durchführen kann, aber sich für die regelmäßige Einstellung an einen lokalen Techniker zu wenden ist immer eine Option.
Viele Gitarrenbesitzer bringt die Einstellung der Halskrümmung über den Truss Rod ins Zittern, aus Angst die Gitarre zu beschädigen. So lange ihr aber nicht gegen großen Widerstand arbeitet, könnt ihr diese einfache Arbeit selber ausführen.
Chelsea Clark betont, dass ihr vor Truss Rod-Einstellungen zunächst immer die Saiten eurer Strat lockern, dann nach der Spannungsänderung wieder hochstimmen und die Krümmung checken solltet, da zu viel Spannung durch den Halsstab zusammen mit der eh schon großen Spannung der Saiten den Hals beschädigen könnte. Wenn ihr das Setup vom örtlichen Techniker machen lasst, müsst ihr euch natürlich keine Gedanken darüber machen, dass eurem Instrument etwas passieren könnte.
Wenn eure Strat einfach nicht mehr so singt wie früher, ist es nie eine schlechte Idee, mal jemanden ein Auge drauf werfen zu lassen — so lange man es sich leisten kann. Joe Glaser warnt euch aber vor Gitarrenneurose: "Ich habe Kunden, die ihre Gitarre vorbeibringen, sobald mit der Lupe Abnutzungen auf den Bünden zu sehen sind". Während ihr also schon auf den Zustand eurer Gitarre achten solltet, müsst ihr euch keine übermäßigen Sorgen machen.
Einer der größten Vorteile einer Stratocaster ist, wie leicht aufrüstbar sie ist. Besonders modernere Strats mit ihrem voll ausgehöhlten "swimming pool"-Routing machen den Pickupwechsel zum Kinderspiel — Strats sind dazu gemacht, sie zu modden.
Auch wenn es natürlich Geschmackssache ist, empfiehlt Mark Erlewine andere Pickups auszuprobieren, denn "wie bei Wein gibt es einfach so viele Optionen". Der Fender Single-Coil Sound ist nicht ohne Grund ein Klassiker, aber ein Humbucker in der Bridgeposition oder ein Gold Foi-Pickup am Hals — beliebt für "Partscaster"-Gitarren — öffnen neue Soundwelten.

Ein weit verbreitetes Upgrade ist der Sattel. Die meisten Strats kommen mit einem Plastiksattel, was nicht unbedingt schlecht sein muss, viele bevorzugen aber einen Sattel aus Knochen (oder Graphit oder Messing, ganz vom Spielstil abhängig). Erlewine merkt dabei an, dass Erich Johnson die alten Fender Plastiksättel gegenüber denen aus Knochen bevorzugt.
Das Sattelmaterial beeinflusst das Sustain, die Spielbarkeit und die empfundene Wertigkeit der Gitarre, meint Chelsea Clark. Ihr könnt euch in Gitarrenläden oder bei den lebhaften Diskussionen in vielen Gitarrenforen darüber beraten lassen, welches Material für euch funktionieren könnte. Clark fügt noch hinzu, dass, egal welches Material gewählt wird, ein gut gefeilter Sattel, der weder zu hoch, noch zu tief ist, die Spielbarkeit eurer Gitarre deutlich verbessern wird.
Erlewine betont, dass die Saitenreiter in Schuss gehalten werden sollten, um ihre Funktionalität zu erhalten. Wenn sie zu abgenutzt, verrostet oder durch Jahre an Schweiß und Schmutz versifft sind sollten sie ausgetauscht werden. Wenn die Beschichtung der Reiter abnutzt, werden Saiten wesentlich schneller reißen.
Die Stratocaster kam 1954 auf den Markt, mit einem damals revolutionären sechs-Punkt "Synchronized Tremolo"-System (Leo Fender nannte es damals "Tremolo", richtig wäre eigentlich "Vibrato", weil durch das System Tonhöhe und nicht Lautstärke verändert werden), das durch den Korpus der Gitarre führt und mit den Tremolofedern auf der Rückseite verbunden ist. Anders als andere Vibratosysteme, die nur den Saitenhalter bewegten, bewegt das System der Stratocaster Brücke und Saitenhalter zugleich.
Gitarristinnen und Gitarristen der Zeit konnten mit Fenders Innovation größere Bendings als noch mit Bigsby-Systemen ausführen, was nicht zuletzt den frühen Surf Rock stark geprägt hat. Nichtsdestotrotz verteufeln manche Gitarristen das Tremolosystem, weil sie dadurch die Gitarre schwieriger in Stimmung halten können (Es gibt auch "hardtail" Stratocaster Modelle, die ohne Tremolosystem kommen).
Wenn eure Strat beständige Stimmprobleme hat, hängt es wahrscheinlich mit den gleichen Problemen wie bei allen Gitarren zusammen: breite der Sattelkerben und Zustand und Qualität der Stimmmechaniken."
Mark Erlewine weist darauf hin, dass die Spieltechnik — wie stark man spielt und wie man den Hebel benutzt — ausschlaggebend dafür sind, die Stimmung zu halten.
"Man muss die Regeln von non-locking Vibratosystemen verstehen", sagt Erlewine. "Es gibt eine oder zwei Dinge, die man tun kann. Als erstes — und das kann man in Filmaufzeichnungen von Hendrix sehen — wenn ihr die Saiten mit den Fingern bendet verändert es das Tuning und die Stellung des Vibratohebels. Ihr müsst also den Vibratohebel antippen, um wieder zurück in die richtige Stimmung zu kommen, wenn ihr denn vorher richtig gestimmt wart."
"Die andere Möglichkeit ist, hauptsächlich mit den Fingern zu benden (wie bei einer Hardtail-Gitarre), wenn man den Vibratohebel benutzt ist die ganze Gitarre dann zu hoch gestimmt und man muss schnell alle sechs Saiten mit den Fingern benden. ... Man sieht beide Varianten bei Gitarristen, aber die Hendrix-Art ist viel schneller."
Joe Glaser meint, dass sobald man die richtige Technik verinnerlicht hat, man nie wieder Stimmprobleme hat: "Jeff Beck spielt keine magische Gitarre, er ist ein magischer Gitarrist."
Wenn eure Strat beständige Stimmprobleme hat, hängt es wahrscheinlich mit den gleichen Problemen wie bei allen Gitarren zusammen: breite der Sattelkerben und Zustand und Qualität der Stimmmechaniken.
Um Schwierigkeiten mit dem Tremolosystem (ob nur vermutet oder nicht) zu vermeiden, oder auch um mehr Sustain zu bekommen, blockieren manche Gitarristen ihr Tremolo. Eric Clapton ist ein Paradebeispiel.
Das System wird mit einem Holzkeil hinter dem Federblock blockiert, was zwar noch ermöglicht mit dem Hebel die Tonhöhe zu senken, aber nicht sie zu erhöhen. Eure Gitarre wird nach dem Benden oder wenn eine Saite reißt leichter die Stimmung halten. Es wird außerdem leichter, alternative Stimmungen zu benutzen (beim regulären floating Tremolo System beeinflusst die Spannung einer Saite auch die aller anderen).

Von den Gitarrenbauerinnen und Gitarrenbauern mit denen wir geredet haben hat niemand diese Technik explizit empfohlen. Es ist zwar ein beliebter Trick, das System mit einem Stück Holz zwischen Federn und Korpus zu blockieren, aber es gibt auch Möglichkeiten dies ohne zusätzliches Holz zu erreichen. Sie empfehlen, entweder die vorhandenen Federn stärker zu spannen oder weitere Federn hinzuzufügen — eine Technik die als "Decking" bezeichnet wird.
"So lange es korrekt gemacht wir ist es gut", sagt Chelsea Clark. "Man kann nicht einfach ein Stück Holz da reinstecken, weil es wirklich fast perfekt sein muss, da es sonst Druck aufs Finish der Gitarre ausübt."
Clark fügt jedoch hinzu: "Ich glaube die Leute sollten mehr Spaß an den Freuden eines Strat Tremolos haben." Mit einem gut zugeschnittenen und geschmierten Sattel, guten Stimmmechaniken und einem anständigen Setup funktioniert eine Strat mit dem von Leo Fender vorgesehenen Tremolosystem ausgezeichnet.
Chelsea Clark hat ihre Karriere im Laden des Gitarrenbauers Dan Erlewine (bekannter Buch- und Tutorialautor) gestartet. Sie arbeitete danach im Gibson´s Restoration Shop und Westwood Music in L.A., bevor sie ihr eigenes Geschäft Guitars And Caffeine in Culver City, Kalifornien eröffnete.
Mark Erlewine, Cousin von Dan, ist Inhaber von Erlewine Guitars in Austin, Texas und selber eine Gitarrenbau-Legende geworden. Vier Jahrzehnte lang hat er sich um die Gitarren für einige der größten Stars der Musikgeschichte gekümmert: unter anderem gehörten Stevie Ray Vaughan, Eric Johnson und Willie Nelson zu seinen Kunden. Er ist auch für die mittlerweile berühmten Chiquita Travel Guitars bekannt, die er mit Billy Gibbons designt hat.
Joe Glaser, Chef von Glaser Instruments in Nashville, Tennessee, ist ein renommierter Gitarrenbauer, Erfinder und Techniker für die Stars der "Music City" Nashville und darüber hinaus. Ein frühes Zeichen seines Erfindergeistes und seiner Kompetenz war, als er in den späten 70ern den B-Bender, den Gene Parsons für Clarence White entwickelt hatte rekonstruierte und noch einen Hebel hinzufügte, mit dem auch die E-Saite gebendet werden konnte. Als Peter Framptons "Phenix" Gitarre Jahrzehnte nach einem feurigen Flugzeugabsturz zu ihm zurück fand, vertraute er sie Glaser zur Reparatur an.