11 Tools für musikalische Zusammenarbeit aus der Ferne

In all den unvorhergesehenen Szenarien, die sich dank des Coronavirus vor uns abspielen, gibt es eine durchgängig gültige Richtlinie zum Schutz von uns selbst und der Gemeinschaft: Abstand halten.

Ob ihr nun den Anweisungen zur sozialen Distanz folgt, euch zuhause einen Schutzbunker eingerichtet habt, oder auf Instagram Live den "Club Quarantine" von D-Nice besucht — was gerade wahrscheinlich zu kurz kommt, ist Musizieren mit Freunden und Bandkollegen, zumindest nicht mit allen im selben Raum.

Das bedeutet aber nicht, dass ihr nicht trotzdem gemeinsam Musik schreiben und an Produktionen arbeiten könnt, während ihr drinnen festsitzt.

Die folgenden Werkzeuge bieten etwas für jeden Musikertyp. Darunter sind Tools um Beats zu bauen, in Echtzeit zu jammen, und neue Projekte fertigzustellen. Das Beste ist außerdem, dass solche Werkzeuge nicht nur für die Quarantäne-Zeiten geeignet sind — wenn ihr jetzt lernt mit ihnen umzugehen, kann das auch eure zukünftigen Möglichkeiten erweitern.

Gemeinschaftliche File-Sharing-Dienste
DROPBOX / GOOGLE DRIVE / PIBOX MUSIK / SPLICE

Wenn ihr viele gemeinsame Aufnahmen gemacht habt, kennt ihr wahrscheinlich schon einige der File-Sharing-Dienste, die Musiker und Produzenten häufig nutzen, um Stems, Audioclips, Samples und vieles mehr für die Zusammenarbeit an Projekten zu teilen. Dropbox beispielsweise ist sehr beliebt, wegen des großen und qualitativen Speicherplatzes, der für großformatige Audiodateien geeignet ist.

Wenn bei euch jedes Bandmitglied versiert genug ist, um zu Hause aufzunehmen, ist Dropbox ein großartiger, zentraler Ort, an dem ihr alle eure Dateien fürs spätere Mixen und Mastern sammeln könnt — egal, ob ihr diese Aufgabe nun selbst übernehmt oder alles an einen Toningenieur schickt. Falls ihr Google-Fans seid, kann Google Drive eine weitere gute Option für die gemeinsame Nutzung von Dateien und insbesondere für die Synchronisierung eurer Dateien auf mehreren Geräten sein.

Pibox Audio Collaboration Übersicht

Dienste wie Pibox Music und Splice sind Dropbox und Google Drive darin ähnlich, Musikern eine Plattform für das Teilen von Tracks und Dateien zu bieten, aber beide Programme gehen dabei noch ein Stück weiter.

Pibox wurde speziell für die Zusammenarbeit mit Musikern über große Entfernungen entwickelt, was sich in den Features widerspiegelt: Live-Chat und Screen-Sharing, Video-Chat, Kommentare mit Zeitstempel und die Historie der Mix-Versionen sind nur einige Beispiele. Ihr könnt auch Mix-Notizen als Kommentare direkt neben Markierungen in euren Audiotracks machen und neu abgemischte Audiodateien einfach hochladen, anstatt eine Reihe von E-Mails oder Nachrichten herumzuschicken.

Splice: Ein Musikproduktions-Tool, das Künstler kreativer werden lässt

Splice ist ein weiterer Service, der speziell für Musiker und insbesondere für Produzenten eingerichtet wurde. Vielleicht kennt ihr ihn nur für Splice Sounds, die vielleicht größte Sammlung benutzergenerierter One-Shot-Samples und Loops im Internet. Im ständig wachsenden Sample-Geschäft ist Splice ein Gigant. Mit der Cloud-Plattform, die von Programmierern mit Interesse an DAW-basierter Musikproduktion gebaut wurde, geht Splice aber weit über den Bereich der One-Shot-Samples hinaus.

Ihr könnt ganze DAW-Projekte — von Ableton Live, Logic oder anderen DAWS — mit dem Studio-Feature von Splice sichern. Im Community-Bereich könnt ihr Projekte mit anderen Splice-Usern austauschen und mit ihnen zusammenarbeiten, während das oben erwähnte Splice-Sounds eine endlose Sample-Bibliothek bietet, die ihr für eure Tracks nutzen könnt. Wenn ihr es gewohnt seid, bei Freunden zuhause oder in Projektstudios in DAWs zusammenzuarbeiten, könnt ihr dasselbe virtuell über Splice tun.

Kollaborative Apps zum Musikmachen
SOUNDTRAP / SOUNDSTORMING / TRACKD

Genau wie unsere Computer zu Hause, werden auch die Apps, mit denen wir aus unseren Schlafzimmern Musik machen können, immer leistungsfähiger. Mittlerweile gibt es viele Apps, die diese Funktion bieten — eine einfach zu bedienende kollaborative Plattform ist Soundtrap (im Besitz von Spotify), eine robuste, moderne DAW, die vollständig online läuft.

Soundtrap kann eine großartige Ressource sein, egal ob ihr eure eigene Musik aufnehmt, einen Podcast erstellt oder versucht, ins Beats produzieren im DAW-Format einzusteigen. Die Benutzeroberfläche ist einfach gehalten, was für Anfänger und gelegentliche Nutzer ein guter Einstieg ist. Allein mit der Basic-Version könnt ihr an bis zu fünf Projekten, 210 Instrumenten und Sounds und 900 Loops arbeiten — alles kostenlos. Und da es browserbasiert ist, lassen sich Freunde aus euren Social Media-Kanälen leicht zur Zusammenarbeit einladen.

SoundStorming ist eine ähnlich gesinnte "Social-Music-App", die darauf abzielt, Musik kollaborativer und entdeckbarer zu machen. Anstatt beispielsweise eine Melodie in den Ordner "Sprachmemos" auf eurem Telefon aufzunehmen, ermutigt SoundStorming euch dazu, diese Idee auf die App hochzuladen, wo eine globale Gemeinschaft von Musikerinnen und Musikern sich einbringen, brainstormen und sogar an eurer Idee mitarbeiten kann, egal von wo auf der Welt.

Eine Übersicht der Trackd Features. Via Trackd.

Trackd ist eine weitere kostenlose kollaborative Social-Music-App (verfügbar für iOS-Benutzer), die "schnelles, einfaches und hochgradig kollaboratives" Musizieren ermöglicht. Wie viele der anderen Anwendungen zum Musikmachen gibt es auch hier hilfreiche Funktionen zur Kommunikation mit euren Mitstreitern, Tools zum Schreiben und Aufnehmen von Liedern, Multi-Tracking und sogar zum Mischen — alles direkt auf eurem Telefon.

Apps für gemeinsame Live-Performance
INSTAGRAM LIVE / JAMKAZAM

Wenn ihr eine der vielen Bands seid, deren Tourkalender und geplante Shows für die absehbare Zukunft abgesagt wurden, seid ihr vielleicht gerade weniger auf neue Musik fokussiert, als darauf, Wege zu finden, um für all eure verpassten Fans zu spielen. Eine Möglichkeit dazu bietet Instagram Live mit einer neuen Funktion, die es mehreren Personen ermöglicht, gemeinsam zu streamen.

Hierbei solltet ihr aber bedenken, dass ihr über das eingebaute Mikrofon und die Kamera eures Handys spielt und über Wi-Fi übertragen werdet, besonders bei lauten elektrischen Instrumenten solltet ihr also keine einwandfrei saubere Aufnahme erwarten — es sei denn, ihr verwendt ein mobiles Mikrofon oder ein mobiles Recording-Interface mit Mikro. Wenn ihr aber mit einem oder zwei Bandkollegen eine lockere, zwanglose Show für eure Online-Fangemeinde spielen wollt, ist Instragram Live die Go-To-Plattform für solche virtuellen Veranstaltungen.

Wenn ihr eine kollaborative Live-Erfahrung auf einem höheren Level als bei Instagram Live sucht, solltet ihr euch JamKazam ansehen. JamKazam ist ein Dienst, der es ermöglicht, mit anderen Musikerinnen und Musikern von zu Hause aus über das Internet Musik zu machen, allerdings in höherer Auflösung. Ihr könnt eure Auftritte als Einzelspuren aufzeichnen, um später tatsächliche Live-Aufnahmen zu machen und/oder die Live-Performance an eure Freunde, Familie und Fans zu übertragen.

JamKazam Übersicht

Viele User verwenden JamKazam aber auch einfach nur als latenzarme Methode, um gemeinsam online zu üben. Ähnliches kann man zwar mit allen möglichen anderen Kommunikations-Apps machen, von Google Hangouts bis hin zu Zoom, aber JamKazam wurde mit Blick auf Musiker entwickelt und bemüht sich, die zeitliche Verzögerung zwischen eurer gespielten Note und dem Sound auf dem Computer eures Partners gering zu halten.

Für alle Musiklehrer und Schüler da draußen bietet JamKazam auch eine Online-Plattform namens "JamClass" für den Online-Unterricht von Musikinstrumenten.

Kollaborative Software für DAW-Benutzer
AVID CLOUD COLLABORATION FÜR PRO TOOLS / ABLETON LINK

Wenn ihr bereits Pro Tools-Nutzer seid, könnt ihr die Vorteile eines Kollaborations-Tools nutzen, das Avid direkt in Avid Cloud Collaboration integriert hat. Dieses Tool eignet sich hervorragend für ernsthafte Tontechniker, die an entfernten Standorten festsitzen, aber alle an einem einzigen Projekt arbeiten müssen. Avid hat zudem gerade angekündigt, dass es allen professionellen Pro Tools-Usern, die vorerst aus ihren Studios ausgesperrt sein könnten, 90 Tage lang kostenlos zur Verfügung stehen wird.

Wenn ihr eine Zusammenarbeit innerhalb von Avid Cloud Collaboration auswählt und startet, speichert Pro Tools automatisch ein Projekt in der Cloud und öffnet es wieder, wonach alle Spuren konvertiert und zur gemeinsamen Nutzung bereit sind. Wie schon einige der anderen oben genannten Dienste bietet der Dienst auch ein "Künstler-Chat"-Fenster für Gespräche mit euren Mitarbeitern direkt im Projekt.

Abletons Einführungsvideo für Link.

Zu guter Letzt ist Ableton Link nicht gerade eine Option für eine weit entfernte Zusammenarbeit, aber für Bandkollegen in Quarantäne, die zufällig auch Mitbewohner sind, ist es gut geeignet. Solange ihr euch im selben Internet-Netzwerk befinden, könnt ihr mit Ableton Link gemeinsam elektronische Instrumente spielen, indem ihr beliebige Link-fähige Software auf euren Rechnern benutzt.

Es werden keine MIDI- oder USB-Kabel oder -Verbindungen benötigt und einzelne Benutzer brauchen nicht einmal Ableton Live, um am Spaß teilzuhaben. Was gemeinsames Spielen betrifft, sind wirklich kaum Grenzen gesetzt. Jeder kann jederzeit ein- oder aussteigen und Parameter für andere Anwender anpassen. Es kann also mindestes eine lustige Gelegenheit sein, sich etwas Zeit zu vertreiben, könnte aber auch ein einzigartiges Werkzeug für Live-Performances darstellen.


Die Welt der kollaborativen Musikprogramme ist groß. Haben wir eines eurer Lieblings-Tools übersehen? Lasst uns und unsere Leser ganz im Geiste der Zusammenarbeit in den Kommentaren wissen, welche Tools für euch funktioniert haben.

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