Hereinspaziert: Schalltona Studio Hamburg

In unserer Serie "Hereinspaziert" stellen wir regelmäßig die Räumlichkeiten von deutschen Studios, Werkstätten und Künstlern vor. Heute kommt Hannes, der Eigentümer des Hamburger Tonstudios Schalltona, zu Wort.

Moin moin, mein Name ist Hannes Rasmus, ich bin Musiker und Tontechniker und möchte euch mein Studio „Schalltona Recording“ in Hamburg-Altona vorstellen.

Das Studio ist 2016 fertig gestellt worden und sollte ursprünglich ein DIY Heimstudio werden, das ich mit meinem Vater und der Hilfe von ein paar Freunden bauen wollte. Allerdings mussten wir feststellen, dass eine Wand des Garagengebäudes keine Fundamente hatte und die Decke dadurch nicht genug Last tragen konnte, um eine Raum in Raum konstruktion umzusetzen. Damit wir nach dem teueren Umbau des Gebäudes keine Probleme mit dem Schallschutz bekommen, haben wir uns entschieden einen Akustiker in die Planung mit einzubeziehen.

Leider hat von den lokalen Experten, die ich angeschrieben hatte, keiner auf meine Mails geantwortet. Also hab ich angefangen weltweit von Studiodesignern Angebote einzuholen und mich schließlich für eine Zusammenarbeit mit Northward Acoustics entschieden. Thomas Jouanjean und seine solide, wissenschaftliche, „no bullshit“ Herangehensweise haben mich schnell überzeugt. Seine Referenzen lesen sich mittlerweile wie das Who-Is- Who der Masteringstudios.

Trotz der Hilfe von zwei fleißigen Trockenbauern haben wir 1 1⁄2 Jahre am Studio gebaut und waren Anfang 2016 fertig. Seit dem arbeite ich vor allem mit lokalen Künstlern zusammen, u.a. Roman Schuler extended Trio, John Allen and the Black Pages, My Little White Rabbit, Tobias Held IndieJazz Project und Magnus Landsberg. Meistens mache ich das Recording, aber natürlich biete ich neben Mixing auch Mastering an, z. B. für Tigeryouth, Zeki Min und Drei Meter Feldweg.

Ich hoffe der kleine Rundgang gefällt euch und falls ihr Lust auf eine Zusammenarbeit habt erreicht ihr mich über meine Homepage schalltona.de. Dort gibt es außerdem eine Galerie mit vielen Bildern aus der Bauphase.

Die Regie

Der Regieraum ist ein für Mastering-Arbeiten konzipierter „Front-to-Back“-Raum mit ATC SCM110 Lautsprechern. Eine außergewöhnlich präzise Abhörumgebung, die locker bis 25Hz runter abbildet. Durch die große Glasfront besteht auch hervoragender Sichtkontakt zum Aufnahmeraum.

Ich habe mich bewusst gegen ein großes Mischpult und für einen akustisch optimierten Produktionstisch (Northward System DMP Prototyp) entschieden um Reflektionen und Resonanzen zu vermeiden.

Im linken Rack sind 24 Mikrofonvorverstärker: Soundskulptor MP66, MP73, MP12, Telefunken V476, Triton Audio d2O, Chandler Germanium, DAV electronics Bg. 2 und Line Audio 8MP. Ausserdem zwei Filtek MK3 Eqs, das Antelope Orion 32, welches ich als Wandler mit einer RME HDSPe MADI-Karte betreibe und die Patchbay.

In der Mitte des Tisches sind zwei AML ezP-1A Pultec Clones eingelassen. Rechts befindet sich die Kompressorfraktion: AML ez2254 Neve Clones, Radioman Buscompressor, Symetrix 501, Hairball Audio 1176 Rev.A, DBX 160A, Stam Audio SA-2A und Radioman F600 Limiter. Ganz unten im Rack versteckt sich noch ein Roland MKS-50 Synthesizer.

Desweiteren habe ich in der Regie an Keyboards und Synthies noch einen Moog Minitaur und The Rogue, einen Crumar Bit One, Ensoniq ESQ-1, MFB Dominion 1 und ein Fender Rhodes MK2.

Der Aufnahmeraum

Mit 27m2 und einer Deckenhöhe knapp über 3 Metern ist der Raum groß genug, um eine fünfköpfige Band Live aufzunehmen. Das ist auch meine bevorzugte Arbeitsweise, so spart man Zeit und kriegt sofort einen Eindruck davon, ob ein Song und der Sound funktionieren.

Wenn die Songs stehen und man so klingen will wie man als Band klingt, nur ein bisschen fetter vielleicht, dann gibt es aus meiner Sicht keinen Grund alles zu Overdubben.

In einem gut und kontrolliert klingenden Raum ist es auch kein Problem ohne Kopfhörer aufzunehmen. Den Gesang kann man über die PA verstärken und mit geschickter Platzierung der Mikrofone hat man fast kein Übersprechen auf die anderen Instrumente und kann ihn später, wenn nötig, overdubben.

Auch der Aufnahmeraum verfolgt ein akustisches Konzept. Alle Wände sind sowohl Schallschluckend als auch -streuend durch unterschiedliche Diffusoren und Absorber. Einzig die Glaswand gibt eine starke erste Reflektion. Da die erste Reflektion die gehörte Raumgröße maßgeblich beeinflusst klingt der Raum größer als er ist und man kann durch den Abstand der Mikrofone und Instrumente zur Glaswand ein bisschen variieren wie groß oder räumlich die Aufnahme klingen soll.

Mikrofone

Besonders für das Live-Tracking sind Mikrofone mit umschaltbarer Richtcharakteristik wichtig. Ich arbeite viel mit der „Acht“ um Schallquellen auszublenden und habe auch meinen U47 Nachbau zu einem U48 umgebaut.

Der absolute Allrounder in meinem Studio ist ein Pärchen Microtech Gefell UM70S. Bis auf den Gesang sind die für mich meist die erste Wahl. Für Vocals nehme ich oft ein RCA 44, den U48 Clone oder natürlich mein Vintage Neumann U87.

Über die Jahre habe ich mir eine kleine Sammlung an dynamischen Mikrofonen angelegt. Besonders bei Bassdrummikrofonen probiere ich immer wieder mal Neues aus. Momentan sind meine Lieblinge Beyerdynamic M88 N oder Akg D200E.

An der Snare und den Gitarrenamps hab ich meist ein Beyerdynamic M201. Ich bin da voll und ganz auf einer Linie mit Steve Albini: „Wenn das SM57 ein Mikrofon wäre, würde es klingen wie dieses(M201).“

Instrumente und Amps

Das wichtigste Instrument im Studio sind für mich die Drums. Fast alles andere kann man ja auch in recht ordentlicher Qualität zu Hause aufnehmen, aber Drums sind laut und brauchen einen gut klingenden Raum. Ich hab häufiger Bands oder Projekte im Studio, die nur fürs Drum-Recording vorbei kommen und den Rest der Produktion im Projekt-/Heimstudio machen. Es ist erstaunlich wie sehr ein guter Drumsound eine Produktion aufwerten kann. Momentan hab ich 3 Sets, aber ich kaufe immer mal wieder einzelne Trommeln dazu und erweitere die Sammlung.

Das 50ies/60ies Set besteht aus einer Trixon 20x15'' Bassdrum und 13x9'' Rack Tom von 55/56. Dazu habe ich eine Lefima 16x14'' Floor Tom und seit kurzem auch noch „Dumbo“ eine blaue 24x13'' Marching Bass von Sonor, die wahrscheinlich beide aus den 60ern sind. Die Kessel sind alle 3-lagig, aus Buche, mit Verstärkungsringen.

Außerdem hab ich noch ein Sonor Champion in den größen 22/16/13/14'' und ein Custom Set, das mir vom ST Drums vorgefertigt wurde. Den Feinschliff und das Finish hab ich selbt gemacht. Die Basis sind Keller Mahagoni-Pappel Kessel mit Ahorn Verstärkungsringen und 30° Gratungen. Die Größen sind 24/16/14/12''.

Ein paar Snares hab ich natürlich auch hier, unter anderem eine Ludwig Acrolite, die schon auf mehreren Aufnahmen gelandet ist und eine Sonor D506.

Gitarristen haben meist eine sehr genaue Vorstellung von ihrem Sound und bringen dem entsprechendes Equipment mit, aber für den Notfall hab ich noch eine Rockinger Telecaster, Gibson Les Paul Studio, Fender Blues Deluxe und ein Blackstar Ht-5 Head sowie zwei Speaker Cabinets.

Zum Reampen benutze ich gerne den Palmer Eins und eine 2x12er mit einem Vintage 30 und einem C12Q Speaker. Das ist eine Kombination mit einer großen Bandbreite an Sounds, mit der sich alle möglichen Signale wunderbar anzerren lassen.

Für den Bass hab ich eine Ampeg B100R Kombo, ein wirklich unterschätzter Transistoramp, der rund und vintage klingt. Zusammen mit dem Darkglass Vintage Microtubes kann man ihm auch sehr schöne angezerrte Sounds entlocken.

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