Datierung einer Gretsch-Gitarre

Gretsch war neben Fender, Gibson, Martin und Rickenbacker einer der ersten amerikanischen Gitarrenbauer. Darum gibt es haufenweise Vintage-Exemplare, die unter irgendwelchen Betten oder auf Schränken verstauben – oder in Shops (wie auf Reverb) angeboten werden. Eine exakte Datierung der fraglichen Gitarre ist die halbe Miete, wenn man ein Schnäppchen ergattern oder auch Streitigkeiten vorbeugen möchte. Die folgende Anleitung soll dir dabei helfen, das Baujahr jeder Gitarre aus dem Haus Gretsch anhand der Seriennummer und deren Position auf dem Instrument zu bestimmen. Die unten stehenden Informationen wurden aus zahlreichen Quellen zusammengetragen (sie alle sind ganz am Schluss aufgeführt). Die Detektivarbeit, die diese Leute geleistet haben, verdient unser aller Respekt und Dankbarkeit.

Wie die anderen Giganten unter den alteingesessenen amerikanischen Gitarrenherstellern (mit Ausnahme von Martin) gab es auch bei Gretsch Über die Jahre mehrere Eigentümerwechsel mit den daraus resultierenden Inkonsistenzen bei den Seriennummern. Auch wenn es insgesamt nicht so schlimm ist wie bei Gibson oder Guild, sollte unsere Anleitung aber als Konvolut der besten verfügbaren Informationen betrachtet werden und nicht als „in Stein gemeißelt“. In manchen Fällen kann eine Seriennummer einen nicht klar umrissenen Zeitraum von mehreren Jahren umfassen, dann wieder erfährt man exakt, um die wievielte Gitarre einer Charge eines bestimmten Monats und Jahres es sich handelt. Außerdem besteht immer die Möglichkeit, auf ein Exemplar zu stoßen, bei dem man so gar nicht sagen kann, wann es wo hergestellt wurde. Du solltest nur sicher gehen, dass es sich nicht um ein umgebautes oder aus verschiedenen Einzelteilen zusammengesetztes Modell handelt, bevor du die Gitarre als Rarität kategorisierst.

Der beste Ansatz ist der, parallel die Seriennummer, bekannte Ausstattungsmerkmale des Modells, die bestimmten Jahrzehnten zuzuordnen sind, und die Aussagen des Vorbesitzers abzugleichen. Das korrekte Baujahr zu ermitteln ist eine Sache, aber die Vorgeschichte einer Gitarre zu recherchieren macht richtig Spaß. Die Vorgehensweise ist auch viel einfacher: sei nett, stell Fragen, gib einen aus.

Übersicht der Produktionsären von Gretsch

Wenn du nicht den leisesten Schimmer hast, ob du es mit einer alten oder neuen Gretsch zu tun hast, ist die Modell-Nummer ein guter Anfang. Diese gibt Aufschluss über die Ära, in der deine Gitarre hergestellt wurde. Und sie ist zusammen mit der Seriennummer ein weiteres Puzzleteil bei der Ermittlung des tatsächlichen Baujahres.

1933 - 1948: Modellnummern geben Aufschluss über den Einzelhandelspreis. Die original Synchromatic-Modelle.
1948 - 1971: 6000-Serie (z. B. die original 6120 Chet Atkins Hollowbody)
1971 - 1980: 7000-Serie (obwohl 1979 die 8000-Serie begonnen hat)
1979 - 1983: 8000-Serie
1990 - heute: Ein „G“ vor der Nummer. (z. B. G6120)

Ob du mithilfe der Anleitung auch herausfinden kannst, wo deine Gretsch gebaut wurde, möchtest du wissen? Das kommt darauf an. Die meisten Vintage-Gitarren von Gretsch wurden im ersten Werk in New York gebaut. In den 70ern wurde ein Teil der Produktion für zehn Jahre nach Arkansas ausgelagert. Von da an wird es etwas komplizierter. Siehe unten.

Anfang der 1900er bis 1970: New York City
1970 - 1979: Booneville, Arkansas
1979 - 1981: Unterschiedliche Standorte einschließlich Mexiko. Nur wenige Exemplare.
1989 - heute: Japan (Terada-Werk)
1995 - heute: US (Custom- & Masterbuilt-Serie)
2000 - heute: China und Korea (Electromatic- & Synchromatic-Serie)

Man begegnet in Zusammenhang mit Gitarren von Gretsch auch Begrifflichkeiten wie pre-Baldwin- oder Fender-Ära. Das bezieht sich auf die Eigentümerwechsel, die im Laufe der Jahre stattgefunden haben. Gretsch ist insofern eine Ausnahme, als es ursprünglich ein reines Familienunternehmen war, das verkauft, von der Familie zurückgekauft und später erneut veräußert wurde. Siehe unten.

Pre-Baldwin-Ära: 1883 - 1967. Gretsch ist ein expandierendes Familienunternehmen. Das war das goldene Zeitalter für Gretsch, insbesondere die späten fünfziger und frühen sechziger Jahre, als Chet Atkins und George Harrison ihre Instrumente spielten, was sich entsprechend auf den Absatz auswirkte.

Baldwin-Ära: 1967 - 1981. Baldwin übernimmt Gretsch, nachdem eine Übernahme von Fender gescheitert ist. Die Produktion wird in die Fabrik von Baldwin in Burns, Arkansas, verlegt. Qualität und Moral der Angestellten leiden unter dem Führungswechsel und zwei Fabrikbränden. Chet Atkins springt ab.

Wiederaufschwung: 1989 - 2002. Fred W. Gretsch (Urenkel des Firmengründers) kauft das Unternehmen zurück. Aufnahme der Produktion im japanischen Werk in Terada, wo vor allem die alten klassischen Modelle neu aufgelegt werden.

Fender-Ära: 2002 - heute. Gretsch wird komplett von Fender übernommen. Das Modellangebot wächst, und auch die Qualität wird nochmals verbessert. Standardmodelle werden in Japan hergestellt, preiswertere Modelle in China, Korea und Indonesien.

Bei Sammlern sind die Modelle aus den Jahren Ende der 50er bis Anfang der 60er Jahre besonders begehrt, insbesondere Exemplare der Modelle, die von Harrison und Atkins gespielt wurden. Exemplare aus den Jahren zwischen 1967 und 1981 werden als reine Spielinstrumente betrachtet. Als Sammlerstücke taugen sie nicht, auch wenn einige Modelle wie die Atkins Axe und die Super Axe sehr beliebt sind. Was die reinen Spieleigenschaften anbelangt, gelten die in Japan hergestellten Modelle des letzten Jahrzehnts als hochwertige, verbesserte Neuauflagen von Modellen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Seriennummern

Wenn du die Seriennummer deiner Gretsch suchst, schaust du am besten erst einmal auf der Kopfplatte nach. Bei den meisten modernen Gretsch-Gitarren (ab 1989) findest du sie auf der Kopfplattenrückseite. Bei manchen Modellen von 1962 bis in die späten 60er befindet sich die Seriennummer auch oben auf der Kopfplatte oder auf der Plakette. Bei den älteren Exemplaren musst du nach einem Etikett Ausschau halten, das bei Hohlkörper-Gitarren durch das F-Loch zu sehen ist und bei Solidbody-Gitarren in der Federkammer angebracht wurde (in diesem Fall brauchst du Werkzeug). Vor 1949 gab es noch keine Etiketten, und die Seriennummern wurden mit Bleistift in den Gitarrenkörper geschrieben.

Die Seriennummern bei Gretsch waren (wie bei Martin) von 1939 bis 1966 fortlaufend. Nach der Übernahme durch Baldwin wurden die fortlaufenden Seriennummern durch einen Datumscode ersetzt (1967 - 1981).

Durch Klicken auf einen der Links weiter unten gelangst du zu dem zu deinem Instrument passenden Seriennummern-Format:

Vor dem Zweiten Weltkrieg: 1939 - 1945

In den Anfangsjahren begann Gretsch mit fortlaufenden Seriennummern, die handschriftlich mit Bleistift direkt innen auf den Gitarrenkörper geschrieben wurden. Darum sind viele Seriennummern inzwischen verblasst, mehr oder weniger unleserlich oder gänzlich verschwunden. Wenigstens kann man, wenn man nur drei schwer zu entziffernde Zahlen ausmachen kann, ziemlich sicher sein, dass es sich um ein Instrument aus der Vorkriegszeit handelt.

001 bis 999 1939 - 1945

Vierstellige Zahlenfolge: 1945 - 1954

In dieser Ära, genauer im Jahr 1949, erfolgte die Umstellung von handschriftlichen Seriennummern zu offiziellen Etiketten, wobei das Nummernsystem an sich unverändert blieb.

Nicht vergessen, dass die Zuordnung zu bestimmten Zeitspannen nach bestem Wissen und Gewissen erfolgt ist, aber nicht zwingend immer 100%ig stimmen muss. Aber es müsste eigentlich auf Grundlage der verfügbaren historischen Vorgaben bis auf ein Jahr rauf oder runter genau sein. Ganz allgemein gilt die Regel: je höher die Seriennummer, desto später wurde die Gitarre im betreffenden Jahr gebaut, wobei es auch Überschneidungen zwischen zwei Jahren geben kann. Man beachte den Aufwärtstrend im Jahr 1954.

1000 bis 20xx 1945 - 1947
20xx bis 30xx 1948 - 1949
30xx bis 40xx 1950
40xx bis 50xx 1951
50xx bis 70xx 1952
70xx bis 90xx 1953
90xx bis 130xx 1954

Fünfstellige Zahlenfolge: 1954 - 1965

In dieser Ära wurde dasselbe System der fortlaufenden Seriennummern fortgesetzt. Der einzige Unterschied ist, dass die Anzahl der produzierten Gitarren gestiegen ist (woraus sich höhere Seriennummern ergeben). 1957 passierte etwas Bemerkenswertes: Ein Schwung von fast eintausend Seriennummernetiketten wurde verlegt und erst im Jahr 1965 wiedergefunden – und benutzt. Eine verwirrende, aber bekannte Anomalie. Glücklicherweise hatten die Gitarren 1965 andere Features. Schau am Ende unseres Artikels nach, wenn du unsicher bist, ob es sich bei deiner Gitarre um ein '57er oder ein '65er Modell handelt.

130xx bis 180xx 1955
180xx bis 210xx 1956
210xx bis 260xx 1957 (oder 1965, Ausstattungsmerkmale checken)
260xx bis 300xx 1958
300xx bis 340xx 1959
340xx bis 390xx 1960
390xx bis 450xx 1961
451xx bis 530xx 1962
530xx bis 630xx 1963
630xx bis 770xx 1964
770xx bis 840xx 1965

Baldwin-Ära, ohne Bindestrich: 1966 - 1972

Angesichts der bevorstehenden Übernahme durch Baldwin und einer Jahresproduktion von über 150.000 Gitarren, führte Gretsch im August '66 den Datumscode ein. Seltsamerweise befindet sich der Nummernstempel mal auf dem oberen Rand der Kopfplatte, mal auf der Rückseite. Ab Juni 1967 wurde neben der Seriennummer der Stempel „Made in the USA“ aufgebracht. Aufschlüsselung des Datumscodes:

Die erste/n Ziffer/n steht für den Monat, in dem das Instrument hergestellt wurde (1 bis 12 für Jan. bis Dez.).
Die nächsten Ziffern stehen für die letzte Ziffer des Jahres (6, 7, 8, 9, 0, 1, 2 für 1966 bis 1972).
Die drei letzten Ziffern entsprechen höchstwahrscheinlich der Produktionsnummer (188 für die 188. Gitarre, die in diesem Monat produziert wurde).

Beispiel: die Seriennummer 118145 würde für die 145. Gitarre stehen, die im November (11) des Jahres 1968 (8) vom Band gelaufen ist.

Baldwin-Ära, mit Bindestrich: 1972 - 1981

Diese Gitarren sind etwas einfacher zu identifizieren, da es sich um die einzigen Gretsch mit einem Bindestrich (oder Leerzeichen) hinter der ersten oder den ersten beiden Ziffern handelt. Die Bedeutung der Nummer insgesamt ist aber die gleiche.

Die Zahlen vor dem Bindestrich stehen für den Monat (1 bis 12).
Die erste Ziffer nach dem Bindestrich (oder Leerzeichen) steht für die letzte Zahl des Jahres (2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 0, 1).
An den letzten drei Ziffern der Seriennummer lässt sich ablesen, um die wievielte Gitarre dieses Monats es sich handelt.

Beispiel: Die Seriennummer 4-3001 (oder 4 3001) bedeutet, dass es sich um die 1. Gitarre handelt, die im April 1973 produziert wurde.

Moderne pre-Fender: 1989 - 2002

Auf die Rückübernahme des Unternehmens durch Urenkel Gretsch folgte ein gutes Jahrzehnt Produktion in Japan mit Seriennummern des Typs xxxxxx-xxx. Diese Seriennummern geben Aufschluss über Jahr, Monat, Modell und Produktionsnummer.

Die ersten beiden Ziffern stehen für das Jahr (z. B. 97 = 1997).
Die nächste/n Ziffer/n steht/stehen für den Monat (1 bis 12).
Bei den folgenden drei Ziffern handelt es sich um die Modellnummer innerhalb der wiederaufgelegten G6000-Serie (z. B. 120 = G6120).
Die Ziffern nach dem Bindestrich stehen für die Herstellungsnummer während des Produktionszeitraums des jeweiligen Modells und nicht wie zuvor für den betreffenden Monat oder das betreffende Jahr.

Beispiel: Die Seriennummer 998120-345 verrät uns, dass diese Gitarre im Jahr 1999 im August (8) gebaut wurde und dass es sich um eine G6120 (120) handelt, und zwar genau die 345., die während der Rückübernahme-Ära produziert wurde.

Ab 1999 ließ Gretsch in Korea preiswerte Gitarren der Serien Electromatic, Synchromatic und Historic bauen. Leider gab es für diese Gitarren kein einheitliches Nummerierungssystem. Schlimmer noch, die Seriennummern wurden nur auf einem simplen Aufkleber auf der Rückseite der Kopfplatte angebracht, sodass sie innerhalb kurzer Zeit verloren gingen. Als Fender das Unternehmen 2002 kaufte, änderte sich das, aber es gibt immer noch einen Haufen in Korea produzierte Gretsch aus den Jahren 1999 bis 2002 ohne Seriennummer.

Fender-Ära: 2002 bis heute

Dass es heute noch brandneue Gretsch Gitarren in den Läden gibt, ist auf den Respekt Fenders für die treue Fanbase der Marke zurückzuführen, die sich immer noch für die Ästhetik und strikte Qualitätskontrolle von Gretsch begeistert. Gott sei Dank führte Fender bei allen Gitarren, die ab dem Jahr 2002 produziert wurden, ein einheitliches Seriennummernsystem ein.

Den aktuellen Gretsch-Seriennummern sind zwei Buchstaben vorangestellt, die auf das Werk hinweisen, in dem die Gitarre hergestellt wurde. Darauf folgen zwei Ziffern, die das Jahr angeben, weitere zwei Ziffern für den Monat und eine vierstellige Produktionsnummer, die sich auf die Anzahl der in dieser speziellen Fabrik in diesem Jahr produzierten Instrumente bezieht.

Beispiel: Die Seriennummer JT04021010 verrät uns, dass die Gitarre im japanischen Werk in Terada (JT) hergestellt wurde, und zwar im Jahr 2004 (04) im Februar (02) als die 1.010. Gretsch-Gitarre, die in diesem betreffenden Jahr an diesem Standort produziert wurde.

Im Folgenden findest du eine Aufschlüsselung der Kürzel.

CS USA - Custom Shop
CY China - Yako
KP Korea - Peerless
KS Korea - Samick
JD Japan - Dyna Gakki
JF Japan - FujiGen Gakki
JT Japan - Terada
IS Indonesien - Samick

Warnhinweise, Ausnahmen, Danksagung

Die Seriennummer sollte bei der Datierung einer Gitarre immer nur als ein einzelnes von mehreren Puzzleteilen betrachtet werden, auch wenn sie für gewöhnlich am aussagekräftigsten ist. Berücksichtige auch das Finish, Besonderheiten der Schrift, das Alter der Verkabelung, die Regler, den Steg und die Knöpfe bei der Ermittlung des Baujahres einer Gitarre. Wir empfehlen dir unbedingt, verschiedene Quellen wie Gruhn's Guide To Vintage Guitars und gretschpages.com zu konsultieren, bevor du eine beträchtliche Summe für eine Vintage-Gretsch hinlegst, damit du vorab prüfen kannst, ob die Features und Ausstattungselemente auch dem Baujahr entsprechen. So vermeidest du, für teures Geld eine Gitarre zu kaufen, die nicht ausschließlich mit Originalteilen bestückt ist.

Wir können gar nicht in Worte fassen, wie dankbar wir den Machern der Website „The Gretsch Pages“ sind. Mike Lewis von Fender und Jay Scott und George Gruhn haben sich viel Mühe gemacht, um die verfügbaren öffentlichen Informationen zu den Gretsch-Seriennummern zu verfeinern und zu vervollständigen.

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