Viele Instrumente, die bei Reverb verkauft werden, sind nach den Personen benannt, die sie designt, gebaut oder erfunden haben. Beispielsweise Moog, Taylor, Fender, Gibson, PRS, Ludwig, Gretsch und Steinway und nur mal ein paar zu nennen. Doch nicht alle, deren Namen auf einem Instrument prangt, waren tatsächlich Musiker, sondern ambitionierte Handwerker, Ingenieure und Instrumentenbauer. Hier sind die Geschichten von sechs Menschen, die mit ihrem Erfindergeist die Musikwelt bereichert haben.
C. F. Martin Sr.
Die bahnbrechende Geschichte nimmt 1796 ihren Anfang mit Christian Frederick Martin Sr., der aus einer traditionsreichen Familie von deutschen Schreinern und Tischlern stammt. Durch seinen Vater ist er bereits als Teenager von der Gitarre fasziniert. Aber da in Deutschland zu dieser Zeit eher Geigen und Cellos die Instrumente der Wahl waren, ging der 15-Jährige nach Wien für eine Ausbildung bei Europas bestem Gitarrenbauer, Johann Stauffer.
Da er mehr Potential für seine Gitarren auf dem amerikanischen Markt sah, zog er mit seiner Familie 1833 nach New York City. Fünf Jahre später kaufte er Land an einem Ort, der ihn an sein deutsches Zuhause erinnerte: Nazareth, Pennsylvania. Dies ist immer noch der Sitz der Martin Guitar Factory, in der einer der besten Akustikgitarren der Welt hergestellt werden.
Wie war es denn um die musikalischen Fähigkeiten von C.F. Martin Sr. bestellt? Dick Boak, Direktor des Museums und Archivs bei C.F. Martin: “Ich nehme an, dass er Grundkenntnisse hatte, ein paar Akkorde spielen konnte und sicher die klanglichen Beschaffenheiten und die Bespielbarkeit eines Instruments fachgerecht beurteilen konnte. Tatsächlich war es, laut Boak, Martins Frau Ottilia, die das musikalische Talent war und oft Gitarre und Harfe in der Kirche spielte.
Laurens Hammond
Der Mann, der die weltbekannte Hammond-Orgel baute, war einer der erfolgreichsten Ingenieure und Erfinder des 20. Jahrhunderts. Musikalische Neigungen hatte er jedoch nicht.
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Hammond war erst 16 als er sein erstes Patent eines verbesserten Barometers einreichte. Er studierte Maschinenbau an der Cornell University und entwarf danach Schiffsmotoren, ein Gerät für 3D-Filme und einen elektrischen Bridge-Tisch, der die Karten automatisch mischte.
Hammond hatte seinen ersten Erfolg mit einem akkuraten Uhrenmotor, was 1928 zur Gründung der Hammond Clock Company führte. Mitte der 30er musste eine weitere Innovation her, um sein Unternehmen über Wasser zu halten. Mit Vorstellungskraft und der Liebe zur Orgelmusik nutzte er seine Uhrenmotoren für die Hammond-Orgel. Um sein Instrument zu testen und zu verfeinern, hatte er Angestellte mit unterschiedlichen musikalischen Backgrounds. Die erste elektrische Orgel wurde 1935 gebaut und an den legendären Jazz-Komponisten George Gershwin verkauft.
Anfangs kam die Orgel vorwiegend bei öffentlichen Veranstaltungen zum Einsatz, wie in Kirchen und bei Sportveranstaltungen. 1950 gelang der Durchbruch mit dem Modell Hammond B3 mit großer Sound-Bandbreite, das oft über einen rotierenden Leslie-Lautsprecher gespielt wurde. In den 70ern war die Hammond B3 quasi durch die Bank weg in allen vorherrschenden Musikgenres zu hören – von Jazz über Funk bis zu Progressive Rock.
Fred Gretsch Sr.
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Er war der Kopf der Gretsch Companymit einem Händchen für Geschäfte und Innovationen, aber Musik eher nicht. Nachdem sein Vater überraschend gestorben war, übernahm der 15-Jährige im Jahr 1895 den kleinen Musikladen in Brooklyn. Dieses Familienunternehmen gab es seit 1883 und er schaffte es, dass es 1916 zum 10-stöckigen Gretsch Building gewachsen war. 1920 war die Gretsch Company der größte Hersteller von Musikinstrumenten in den USA.
Fred Gretsch Sr. revolutionierte in den 20ern die Schlagzeug-Herstellung mit einem mehrschichtigen Laminationsprozess, der die Drums leichter und fester machte. Diese Innovation zählt auch heute noch zu einem Fertigungsstandard. Nach 47 Jahren setzte sich Fred Sr. 1942 zur Ruhe übergab die Leitung an seinen ältesten Sohn Fred Jr. der Gretsch durch die goldene Ära der 50er und 60er führte.
Bob Moog
Als Kind wurde Bob Moog von seiner Mutter, einer Klavierlehrerin zum Klavierunterricht gezwungen. Aber eigentlich kam er eher nach seinem Vater, einem leidenschaftlichen Bastler und Elektroingenieur, mit dem er im Keller Radios, Verstärker und sogar Orgeln baute.
Moog entdeckte Ende der 40er als Teenager das Theremin, das erste elektronische Musikinstrument, und das sollte sein Leben verändern. Schwer begeistert davon, begann er das Instrument und Zubehör zu verkaufen und finanzierte sich dadurch sein Studium der Naturwissenschaften, Elektrotechnik und Physikingenieurwesen. Laut Moog war das Theremin auf seiner Suche nach neuen Sounds immer die Konstante.
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Mit seinem Freund und Theremin-Spieler Herb Deutsch baute Moog einen Synthesizer, der ein Hit der Audio Engineering Society Convention des Jahres 1964 wurde. Die Innovation bestand daraus, dass ein Keyboard an das Instrument angeschlossen wurde. Auf dem Grammy-prämierten Album „Switched-On Bach“ von Wendy Carlos aus dem Jahr 1968 waren elektronische Versionen von Bach-Klassikern auf dem Moog Synthesizer zu hören. Das verhalf Moog’s Erfindung zum Durchbruch.
Das Minimoog Model D war als kompaktes Bühneninstrument der nächste Meilenstein für Moog aber auch den für den Synthesizer-Boom: tragbar, mit 44 Tasten und statt eines modularen Interfaces mit Knöpfen und Schaltern ausgestattet. In den 70ern und 80ern trugen Musiker wie Keith Emerson, Rick Wakeman, Stevie Wonder, Bernie Worrel und Gary Numan zum Erfolg bei.
Wie viele andere Instrumenten-Entwickler war Moog mit vielen Musikern befreundet und holte sich von ihnen Input: „Musiker haben Ideen, auf die ich gar nicht kommen würde. Ich bin Ingenieur und sehe mich als einen Werkzeughersteller und die Musiker sind meine Kunden. Sie sind diejenigen, die meine Werkzeuge am Ende nutzen.“
Auch nach seinem Tod 2005, stellt sein Unternehmen Moog Music neue und altbewährte Synthesizer-Designs, äußerst beliebte Effektgeräte und natürlich 2 Theremin-Modelle her.
Joseph Rogers
Der Gründer von Rogers Drums war anfangs weder Musiker noch Schlagzeughersteller. Ursprünglich aus Dublin, Irland, ist er 1840 in die USA ausgewandert. Zuvor hat er das Handwerk des Gerbens erlernt und eröffnete darauf basierend 1849 den ersten Trommelfell-Handel der USA. Er bot eine große Bandbreite an Kalbsleder an, das den Ton länger hält als übliche Schafshaut.
Sein guter Ruf sprach sich herum und so wurde er der Lieferant für die Marschkapelle der Union Army während des Bürgerkriegs. 1883 wurden ihm auf der Weltausstellung Preise für seine hochwertigen Drumheads und Banjoheads verliehen. Rogers Enkel Cleveland fing mit dem Schlagzeugbau in den 30ern an und wurde durch den Verkauf des Unternehmens 1953 an Henry Grossman noch bekannter. Unter seiner Führung erlebte Rogers Drums ein goldenes Zeitalter in den 50ern und 60ern und Rogers Drums war die Marke der Wahl von Drummern wie Buddy Rich, Dave Clark und Mick Fleetwood.
Leo Fender
Mit 14 Jahren schaute Clarence Leo Fender seinem Onkel dabei zu, wie er aus Einzelteilen ein Radio zusammenbaute. Damals in den frühen 20ern war es noch eine ganz neue Technik und er war sofort fasziniert. Fender eignete sich das Wissen an und begann bald Radios als Hobby zu reparieren.
Ab 1930 arbeitete er erst mal 10 Jahre als Buchhalter bevor die Wirtschaftskrise ihn dazu bewegte, zur Radio- & Verstärkerreparatur zurückzukehren. Er belieh seinen Ford Model A mit 600 Dollar und gründete 1938 den Fender Radio Service in Fullerton, California. Er sah Mängel und Verbesserungspotential und baute einfach eigene Verstärker und Lautsprecher.Als nächstes nahm er die Instrumente unter die Lupe, die in die Fender Amps eingesteckt wurden. Anfangs noch auf Lapsteels konzentriert, widmete er sich bald schon den elektronischen Gitarren.Im Frühling 1950 brachte er die Esquire raus, die erste Solidbody E-Gitarre für den Massenmarkt. Es folgten die Telecaster, der bahnbrechende Precision Bass und die futuristische Stratocaster.
Die Instrumente des autodidaktischen Elektrikers sind fester Bestandteil von Musik und Popkultur geworden und wurden 1992 sogar in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Um Keith Richards von den Rolling Stones zu zitieren: “Thank God for Leo Fender, who makes these instruments for us to play.”