Pickup-Höheneinstellungen: ein leichter Weg zu besserem Sound

"Hochgedreht und ab dafür" scheint die Einstellung vieler Gitarristen zur Pickuphöhe gut zu treffen. Dazu gehört dann allerdings doch noch etwas mehr, viele bevorzugen den Sound ihrer Gitarre sogar mit leicht abgesenkten Tonabnehmern, statt mit höheren.

Den meisten ist der Effekt der Tonabnehmerhöhe auf den Output der Gitarre zwar bewusst, aber viele wissen nicht, wie sich diese Einstellung auch auf den Sound auswirken kann. Die häufigste Anweisung die man hört ist, dass man die Pickups für den lautmöglichsten Sound bis knapp unters Limit hochdrehen sollte.

1965 Fender Duo Sonic II

Wenn ihr es übertreibt berühren die Saiten beim Vibrieren die Tonabnehmerabdeckungen oder die Polschrauben (auch engl. Pole Pieces genannt). Aber selbst wenn sie nicht ganz so hoch sind kann das Magnetfeld Kraft auf die Saiten ausüben und ihre Vibration einschränken, was sich als leicht dissonanter, atonaler Sound bemerkbar macht, wie ein verstimmter Oberton der dem Grundton folgt, gepaart mit fehlender Fülle und Sustain.

Zu richtigen Pickupeinstellungen gehört aber viel mehr als nur die problemlose Maximierung der Lautstärke. Ein Blick auf einige der anderen Variablen kann euch helfen, eurem Soundarsenal ein neues Werkzeug zu bescheren.

Eine schnelle Sache vorweg: Wenn wir von "Pickuphöhe" reden, meinen wir eigentlich die Höhe des Pickups relativ zur Höhe der Saiten – worauf es wirklich ankommt ist also die Entfernung zwischen Oberseite der Pickups (oder der Polschrauben) und der Unterseite der Saiten. Es mag offensichtlich sein, aber jetzt wo das absolut klar ist können wir fortfahren.

How Low Can You Go?

Dreht die Sache einfach mal um: dreht eure Pickups etwas weiter runter in den Korpus eurer Gitarre als was man als "normal" ansehen würde – bewegt sie also weg von den Saiten – und ihr könnt euch sicher sein, dass die Saiten ausreichend Luft zum ungehinderten Schwingen haben. Ein weiteres Resultat ist ein etwas niedrigerer Output.

Die meisten Gitarren, ob ihr jetzt eine Gibson Les Paul Standard, eine Fender Telecaster oder Stratocaster, eine Gretsch Duo Jet oder eine andere E-Gitarre spielt, haben aber eh schon reichlich Output (es sei denn ihr übertreibt es mit dem Absenken). Ihr könnt immer noch den Amp aufdrehen, so dass ein leichter Verlust der Ausgangslautstärke für die meisten kein Problem darstellen sollte.

Was ihr dafür aber dazugewinnt ist ein Sound, der holziger und resonanter ist, mit größerer Dynamik und Berührungsempfindlichkeit und einem "lebendigeren" Ansprechverhalten. Spielt sanft und er ist clean und trotzdem warm; schlagt härter rein und ihr bekommt mehr Drive und Output — aber ohne dabei viel Notendefinition und Klarheit zu opfern.

1995 Fender Stratocaster

Und was hören wir dann am anderen Ende des Spektrums, wenn die Pickups zu hoch eingestellt sind, allerdings noch nicht hoch genug um die oben genannten Probleme wie Scheppern oder Ghost-Notes zu erzeugen?

Ein zu hoher Tonabnehmer macht sich für gewöhnlich durch eine gewisse Härte und Übersättigung in den Höhen und oberen Mitten des Gitarrensounds bemerkbar, außerdem durch unschön weiche Bässe und untere Mitten, zusammen mit einem allgemein Verlust and Klarheit und Definition. Eure Gitarre ist jetzt relativ gesehen zwar lauter, aber sie wird nicht den bestmöglichen Sound haben.

Eigenarten der Abnehmertypen

Die Tonabnehmerhöhe und die dabei aufkommenden Marotten variieren von Typ zu Typ. Hier sind ein paar beachtenswerte Punkte.

Strat und Tele-Style Pickups

Fender Tim Shaw V-Mod Strato Pickups

Diese Pickups haben Magnetsegmente als Pole Pieces und können viel magnetische Kraft auf die Saiten ausüben, bei zu hoher Einstellung weisen sie also die extremeren oben beschrieben Symptome auf.

Das fehlende Sustain und die Ghost-Notes sind besonders auffällig wenn der Halspickup zu hoch eingestellt ist, weil die Polschuhe dort in einem weiteren Bogen die Vibrationskräfte der Saite stören, als direkt über dem Stegpickup.

Bei diesen Gitarren wird der Halstonabnehmer oft sowieso niedriger als der Stegabnehmer eingestellt um Outputunterschiede in Balance zu halten, aber es lohnt sich auch die oben genannten Faktoren im Kopf zu behalten wenn man den Halspickup etwas absenkt.

Full-Size Humbucker

Gibson 490T Modern Classic Humbucker

Humbucker, die Gibsons originalem PAF-Design nachempfunden sind, üben hoch eingestellt etwas weniger magnetische Zugkraft auf die Saiten aus, da ihre Magneten unter den Spulen statt darinnen platziert sind und ihre Magnetenergie auf Stahl-Pole Pieces in der Spule übertragen. Sie können dadurch oft ohne zu große Nachteile höher als Strat- und Tele-Pickups gedreht werden, klingen in der Position aber trotzdem nicht immer so gut wie möglich. Oft werdet ihr beispielsweise bemerken, dass eure Les Paul oder SG voller, satter, klarer und dynamischer klingen, wenn ihr die Humbucker ein bisschen weiter in die Gitarre absenkt.

Viele sehen die einstellbaren Pole Pieces nur für die Balance des Outputs der einzelnen Saiten an. Sie können dabei helfen, und das sollte während der Einstellung auch immer berücksichtigt werden. Sie können allerdings noch viel mehr als das und ihr solltet daran denken, dass, egal wie ihr diese Pole Pieces einstellt, die der zweiten Spule — die normalerweise eh etwas leistungsstärker als die einstellbare Spule ist — ihre gleiche Höhe von Saite zu Saite beibehalten.

So bekommt ihr noch mehr aus den einstellbaren Polen: senkt den Stegpickup für einen helleren Klang leicht ab, erhöht dann aber die einzeln einstellbaren Pole Pieces jeweils ein paar Umdrehungen, wodurch ihr die, die näher am Steg sind (wo die hohen Frequenzen entstehen) näher an die Saiten bringt, als die der "wärmeren" Spule, die weiter weg ist. Umgekehrt – hoher Pickup, niedrige Pole Pieces – wird der Stegsound wärmer und fetter. Beim Halspickup ist es dann wieder umgekehrt, da die Spule mit den einstellbaren Polen weiter entfernt vom Steg als die feste Spule ist und somit der Mischung der beiden Spulen mehr Wärme verleiht.

P-90 Pickups

JBE Soapbar P-90 Guitar Pickups

Die Einstellmöglichkeiten eines P-90 Pickups entscheiden sich dadurch, ob es der Typ "Soapbar", der höhenverstellbar ist, oder "Dog-Ear" ist, bei dem das nicht der Fall ist. Ihr könnt Dog-Ear P-90er aber trotzdem etwas anheben, wenn ihr euch eine Unterlegscheibe besorgt oder bastelt, die der Größe der Pickupabdeckung entspricht und den Pickup dann von unten leicht anhebt.

Ansonsten ist nur die Einstellung der sechs Stahl-Pole Pieces möglich. Beachtet jedoch, dass diese Pole anzuheben nicht das gleiche klangliche Ergebnis erreicht wie die Anhebung des gesamten Pickups – oft steigen die Höhen mehr als die Bässe, ohne dem gesamten Sound mehr Pfund zu verpassen.

Soapbar P-90er können genau wie die anderen Pickups mit Möglichkeit zur Höhenverstellung eingestellt werden. Hier könnt ihr allerdings auch noch die individuell einstellbaren Pole Pieces benutzen, nicht nur um den Output der einzelnen Saiten einzustellen, sondern auch um dem Mitten-Punch der P-90er etwas mehr Kante und Klarheit zu verleihen, indem ihr den Pickup leicht absenkt aber die Pole Pieces den Saiten annähert, so wie oben bei der Einstellung der Dog-Ear Pickups.

Probiert es aus – ihr werdet es mögen!

Der Punkt der ganzen Tonabnehmer-Höheneinstellungssache ist, dass es bei den meisten Gitarren und Pickups eine komplett nicht-invasive Modifizierung darstellt und ihr damit nach Herzenslust experimentieren könnt, ohne eurem geliebten Instrument etwas anzutun, das ihr nie wieder rückgängig machen könnt.

Fernandes Dragonfly Elite

Wenn ihr grundsätzlich "irgendwie glücklich genug" mit eurem momentanem Sound seid aber trotzdem mit Höheneinstellungen experimentieren wollt, messt eure aktuelle Höhe zwischen Saite und Tonabnehmer für jeden Pickup genau ab, damit ihr im Zweifelsfall wieder zu eurem Grundsound zurückkehren könnt... Und dann ab dafür!

Habt keine Angst davor, den Pickup etwas weiter in den Korpus abzusenken als ihr für nötig haltet. Spielt die Gitarre außerdem erst mal eine längere Weile mit verschiedenen Amp und Pedaleinstellungen, während ihr Tone, Gain und Lautstärke des Amps wie nötig nachrregelt um die neuen Klangeigenschaften eurer Gitarre im besten Licht dastehen zu lassen – ihr könntet überrascht sein, was noch möglich ist.

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