6 Synthies, die ein Reissue brauchen

Reissues sind in der Welt der Gitarren und anderer Instrumente recht üblich, also warum nicht bei Synthesizern? Vielleicht liegt es daran, dass der Synthesizer für den Großteil seiner jungen Existenz genauso sehr als technologisches Wunderwerk wie als Instrument betrachtet wurde. Von modularen bis hin zu festverdrahteten tragbaren Geräten, von Monophonie zu Polyphonie, von analog zu digital: Synthesizer standen immer auch stellvertretend für den Fortschritt. Neuauflagen stehen wiederum in starkem Kontrast zum Fortschritt. Sie bedienen Nostalgie und Traditionen und rufen eine vergangene Zeit ins Gedächtnis, als die Dinge „besser" waren.

Heute sind wir im Synthesizer-Markt wieder voll bei analogen Trends gelandet. Darum war klar, dass die Hersteller sich am Gitarrenmarkt orientieren und einige ihrer klassischen Geräte neu auflegen würden. Moog hat das mit dem ehrwürdigen Minimoog getan und Korg hat nicht nur mit seinem MS-20 Mini einen Hit gelandet, sondern auch mit einem überraschenden Reissue von ARPs Odyssey.

Neuauflagen machen nicht nur aus Marktgründen Sinn. Mithilfe moderner Fertigungsverfahren können sich Hersteller den Limitierungen der Originalinstrumente widmen, das Problem schwächelnder Bauteile lösen sowie Features wie MIDI und USB hinzufügen.

Hier sind sechs Synthesizer, bei denen wir ein Reissue für angebracht halten. Wir lassen dabei Klone und digitale Varianten wie die Roland Boutique- und Yamaha Reface-Serien außen vor, die einen anderen Markt bedienen. Wir berücksichtigen nur Modelle, bei denen wir uns möglichst originalgetreue Neuauflagen wünschen. Es war schwierig, uns auf sechs Geräte zu beschränken. Darum fehlen womöglich einige Modelle, die du hier gerne gesehen hättest. Schreib uns in den Kommentaren, welche Modelle du in unserer Aufzählung vermisst.

Roland Jupiter-8

1981 veröffentlicht, war der Jupiter-8 Rolands Vorzeige-Synthesizer und der Höhepunkt eines Jahrzehnts voller Innovation. Roland benannte den Synthie in einem atypischen Anfall von Überheblichkeit nach dem römischen Götterkönig. Und tatsächlich nahm der Jupiter-8 zu jener Zeit den Polyphonie-Thron ein. Er lieferte den Markensound der zweiten Synthiepop-Welle und landete auf Platten von Duran Duran und Erasure. Howard Jones stand so sehr auf das Teil, dass er es auf das Cover seines Albums setzte.

Roland Jupiter-8 Analog Synthesizer

Der Jupiter-8 ist ein extrem flexibler Synthie, der von Cross-Mod über Sync bis zu Unison (16 Stimmen!) alles kann, inklusive eines umschaltbaren 12dB- und 24dB-Tiefpassfilters für mehr Vielfalt. Er kann quasi alles, was du benötigst, und das auf zuverlässige und fachmännische Weise. Das alles wäre natürlich irrelevant, wenn er nicht auch himmlisch klingen würde. Anders als die amerikanischen Polys jener Tage, die deinen Unsinn nicht mitmachten, war der Jupiter-8 glänzend und klar und fügte sich höflich in deinen Mix, wo er sein Bestes gab, um einen Song großartig klingen zu lassen.

Roland hat vom Namen Jupiter über die Jahre sehr profitiert, wobei man sich sehr auf den Ruf verließ, ohne je den Glanz des Originalsynthies zu erreichen. Der Boutique Series JP-08 hat unseren Appetit nur noch weiter angeregt. Ist es nicht Zeit, dass Roland seiner Kundschaft gibt, wonach sie verlangen?

ARP 2600

1975 ARP 2600

Korg hat mit dem Reissue des ARP Odyssey einen Hit gelandet. Warum also nicht mit dem 2600, dem großen Bruder des Odyssey und einem der kultigsten Synthies überhaupt, einen weiteren Geistesblitz landen?

In einer Grätsche zwischen der modularen und der tragbaren Welt ist der 2600 ein semi-modularer, vollständig normierter Synthesizer, der praktisch alles kann, was du dir erträumst. Sowohl musikalisch kompetent als auch ein feuchter Soundesignertraum, wurde der 2600 von Orbital und überhaupt jedem verwendet. Edgar Winter trug das abnehmbare Keyboard wie eine Gitarre um die Schulter und Ben Burtt nutzte ihn, um die spezielle Stimme von R2-D2 zu erschaffen.

Wie beim Odyssey gab es in den 10 Produktionsjahren des 2600 eine Reihe an Produktionsfarben und Revisionen. Daher würden wir uns wünschen, dass Korg verschiedene Versionen der Hauptfarben (blau, grau und schwarz) mit einem Schalter für die unterschiedlichen Filtertypen veröffentlicht. Eine neue Generation wartet an den Keyboards.

Moog Memorymoog

Moog Memorymoog Plus

Moog hat mehrfach bewiesen, dass man hier gute Monosynths baut. Obwohl es viele klassisches Monos gibt, die wir gern wieder auferstehen sehen würden (Hallo Source), sollte Moog uns vor allem einen Poly geben. Klar, ein brandneuer Synthie wie der Moog One ist schön, aber ein Reissue des Memorymoog wäre schlicht grandios.

Der Memorymoog erschien 1981 und entsprach sechs zusammengeschnallten Minimoogs. Mit drei Oszillatoren pro Stimme und sechsstimmiger Polyphonie lieferte er gigantische 18 Oszillatoren pro Stimme, am besten zu hören in seinem überwältigenden, riesigen Unisono-Modus. Außerdem besaß er frei mischbare Waveforms und den berühmten Abzweigfilter. Das war der Cadillac unter den Synthies. Zur Hölle, der Cadillac ist der Memorymoog unter den Autos.

Er hatte jedoch auch so seine Wehwehchen, gerade in Bezug auf seine Autotune-Funktion. Einige beschwerten sich auch, dass er jeden Mix total dominieren würde. Ein Reissue mit zeitgemäßen Komponenten würde das Stimmproblem sicher zu den Akten legen. Seinem großen und fetten Sound würden wir uns schon annehmen.

Korg Mono/Poly

Korg war schon immer ein wenig rebellisch. Dort nahm man Risiken, wo Mitbewerber Angst vor zu großem Abweichlertum hatten. Der bis heute einzigartige Mono/Poly ermutigte zum Experimentieren und steht somit für ein solches Risiko.

1983 Korg Mono/Poly Analog Synthesizer

1981 als Gegenstück zum geradlinigeren Polysix veröffentlicht, macht der Mono/Poly seinem Namen alle Ehre: Er kann sowohl ein Vier-Oszillatoren-Monosynth wie auch ein vierstimmiger Polysynth sein. Wie der Oberheim Four Voice stecken in ihm vier getrennte VCOs unter einer Haube. Jeder hat eigenes Tuning, eigene Lautstärke und eigene Waveform-Einstellungen. Sie können aufeinander abgestimmt oder getrennt werden, um großen Einklang oder Poly-Akkorde zu produzieren.

Das allein würde ihn besonders machen. Die Korg-Ingenieure waren jedoch schlau genug, um eine große Auswahl an Cross-Mod- und Sync-Optionen sowie einen der coolsten Arpeggiatoren im gesamten Synthesizer-Reich zu bieten, der jeden Oszillator einzeln durchlaufen kann. Diese Art von analogem Spaß hat eine Neuauflage wirklich verdient. Korg, wir flehen euch an.

Ensoniq ESQ-1

Mitte der 80er suchten Synthie-Hersteller nach dem nächsten großen Hit. Yamaha holte aus FM alles heraus, während andere versuchten, das Digitale in ihre bestehenden Architekturen zu integrieren. Bühne frei für Ensoniq, eine US-amerikanische Firma, die vom Erfinder des Commodore 64-SID-Chips gegründet wurde.

Ensoniq ESQ-1

Der ESQ-1 war ein Hybrid. Er nutzte digitale Samples von Waveforms als Oszillatoren, die dann durch analoge Filter und Verstärker geschickt wurden. Das Ergebnis war ein Synthie, der sauber und makellos wie ein DX7 sein kann, sich aber dank analoger Wellenformen auch neben analogen Geräten gut behaupten kann. Die Waveforms hatten nur 8 Bit, aber diese Kombination aus rau und geschmeidig ergab einige ziemlich einzigartige Timbres. Mit drei Oszillatoren pro Stimme tat er das zudem mit jeder Menge Stil. Seine Multi-Klangfarben, der Sequenzer, die anschlagsensible Tastatur und das erschwingliche Preisniveau machten ihn zum Erfolg.

Ensoniq gibt es nicht mehr, aber der ESQ-1 verdient eine zweite Chance. Vielleicht möchte Dave Smith nach der jüngsten Sequential Circuits-Hybrid-Veröffentlichung Prophet X mit Ensoniqs Gründern zusammenarbeiten und den ESQ-1 wiederveröffentlichen? Angenommen, die 8-Bit-Waveforms würden beibehalten, könnten sie sogar eine Mirage-Sampling-Option einbauen. Hey, wir buchen euch sogar den Konferenzraum für das Meeting. Dave, du weißt genau, dass das Sinn macht.

Oberheim OB-Xa

Oberheim OB-Xa

Ganz wenige Synthies sind solche Rockstars wie der Oberheim OB-Xa. Die Liste prominenter Musiker ist ein Who is Who des Popadels der 80er, von Prince über Van Halen bis zu, naja, allen anderen. Sogar die Technohelden Underground Resistance haben einen Track nach ihm benannt. Der Matrix-12 hatte das Potenzial dazu, aber der OB-Xa wurde zum Luxustraum eines jeden Popstars.

Der OB-Xa tauchte 1980 erstmals in Konfigurationen mit 4, 6 und 8 Stimmen auf. Er war groß und klobig, mit schwarzem Gehäuse und blauen Nadelstreifendetails. Seine Curtis-Prozessoren lösten eine Reihe Probleme, die sein Vorgänger, der OB-X, mit diskreten Schaltungen hatte - ohne die Kraft zu verlieren, sich im Mix durchzusetzen. Er hatte einen großartigen Unisono-Modus und bot die Möglichkeit, jede Stimme einzeln zu schwenken. Den Sound als riesig zu bezeichnen, ist völlig untertrieben. Er glich so etwas wie einem präzise einstellbaren Bienenschwarm.

Tom Oberheim kam kürzlich mit seinem OB-6 zum Erfolg, der mit Hilfe seines Freundes Dave Smith und Sequential Circuits veröffentlicht wurde. Sie sollten sich also echt noch einmal zusammentun, um diesen Sternenzerstörer von einem Synthesizer wieder auf den Markt zu bringen. Würde doch gut abgehen, oder?


Jetzt sind einige von euch möglicherweise überrascht, dass der alterwührdige EMS Synthi nicht in dieser Liste steht. Das liegt daran, dass sowohl die VCS3- als auch die A-Geräte nach wie vor von EMS gefertigt werden. Die Webseite ist nicht ganz aktuell, aber die britische Firma nimmt weiter Bestellungen an.

Zum Autor: Adam Douglas ist ein Musiker und Synthesizer-Fan, der in Tokio lebt. In seinem Blog Boy Meets Synth schreibt er über Synthesizer.

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