Achtung! Hochspannung!
Gitarrenamps laufen mit Hochspannung, die ernsthafte und tödliche Verletzungen verursachen kann. Probiert niemals innere Arbeiten selber auszuführen, wenn ihr keine qualifizierten Techniker seid und nicht die sichere Arbeitsweise mit solchen Komponenten kennt. Den Verstärker auszuschalten und vom Netz zu nehmen reicht nicht aus, um sicheren Zugang zu seiner Elektronik zu garantieren.
Die Beschaffenheit der Komponenten vieler Röhrenamps führt mit sich, dass extrem hohe Spannungen auch dann noch vorhanden sein können, wenn der Verstärker für längere Zeit ausgeschaltet und vom Netz genommen wurde, selbst nach Tagen. Entfernt niemals das Chassis des Amps (das Metallgehäuse aus dem die Röhren und Wandler ragen, in dem sich der Schaltkreis befindet) aus dem Verstärkergehäuse, wenn ihr nicht für solche Arbeiten ausgebildet seit. Überlasst das den Werkstätten.
Wenn man wenig Erfahrung mit Verstärkerarbeiten hat, können Röhrenamps wie rätselhafte Kisten voller glühendem, rauschendem Ärger wirken. Es gibt aber viele einfache vorbeugende und instandhaltende Maßnahmen, die von den meisten selbst vorgenommen werden können, während andere Arbeiten definitiv besser den Profis überlassen werden.
Lasst uns nun ein paar der Arbeiten ansehen, die ihr mit der richtigen Anleitung wahrscheinlich selber machen könnt. Wenn ihr etwas abgeben solltet, wird dies fett und kursiv betont. Danach folgt noch eine Liste an Reparaturen und Wartungsarbeiten, die definitiv nur von ausgebildeten Techniker/innen ausgeführt werden sollten.
Die "Do-It-Yourself" Ecke
Einfache Checks und "Klapperdiagnosen"
Jeder Verstärker, der regelmäßig benutzt wird (oder gerade auch einer, der lange Zeit nicht benutzt wurde), sollte regelmäßig mit kleinen aber lohnenswerten Schritten überprüft, fest- und eingestellt werden. Ich wurde schon oft überrascht, wenn ein seltsames Geräusch, dessen Ursache ich in der Elektronik vermutet hatte, sich in Wirklichkeit als mechanisches Klappern, Summen oder Vibrieren herausstellte, dass sich mit dem verstärkten Sound der Gitarre aus dem Lautsprecher vermischt hatte.
Greift zum Werkzeugkasten und seht nach, denn es ist gut möglich, dass ihr das Problem so beseitigen könnt, bevor es euch verrückt macht. Beachtet, dass ihr möglicherweise die Rückwand des Verstärkers abnehmen müsst, um manche dieser Teile zu erreichen, aber nie an das innere des Chassis gelangen solltet (siehe unsere Warnung oben).
Überprüft diese Teile und zieht sie, wenn nötig, fest:

Griff oder Griffbefestigung.
Lautsprecher-Befestigungsschrauben, dreht diese aber nicht zu fest (siehe Lautsprecherwechsel weiter unten).
Bolzen oder Schrauben, die die Schallwand am Gehäuse befestigen (mehr Infos zur Schallwand beim Lautprecherwechsel weiter unten).
Lautsprecherkabel, besonders die Steckverbindungen, die das Kabel mit den + und - Klemmen des Speakers verbinden. Sind diese Locker, müssen sie eventuell mit einer Zange leicht enger gemacht werden.
Chassis-Befestigungsbolzen und/oder Muttern, die das Chassis am Gehäuse halten. Dreht sie nicht zu fest, ein zu fest mit dem Gehäuse verbundenes Chassis kann bei manchen Amps zu mechanischer Mikrophonie führen. Das Chassis sollte aber fest genug sitzen, dass es sich nicht bewegt wenn ihr daran wackelt.
Äußere Bolzen und Maschinenschrauben, die den Wandler am Chassis halten und sich durch Vibration über die Zeit lockern können.
Röhrenwechsel
Die meisten Röhren, besonders die des Preamps, werdet ihr wahrscheinlich leicht austauschen können, vorausgesetzt, dass sie zugänglich sind ohne das Chassis ausbauen zu müssen (siehe Warnung!). Lest bevor ihr die Röhren wechselt die Gebrauchsanweisung und einen Ratgeber zu den jeweiligen Röhrentypen, um sicherzugehen, dass ihr kompatible Röhren verwendet — und keine, die gegen die Empfehlungen des Herstellers gehen oder die Garantie erlöschen könnten.

Stellt sicher, dass der Amp ausgeschaltet ist, steckt ihn aus der Steckdose aus und lasst die Röhren ein paar Minuten abkühlen, bevor ihr sie berührt. In meinem Artikel "Bessere Amp-Sounds durch andere Preamp-Röhren" gibt's noch mehr Infos zum Preamp-Röhrenwechsel und einen Abschnitt darüber, wie Röhren entfernt und ausgetauscht werden.
Bei Vorstufenröhren entfällt die Bias-Einstellung, so dass sie in den meisten Fällen direkt getauscht werden können.
Manche Amps haben Endstufenröhren, die ohne eine erneute Bias-Einstellung getauscht werden können. Die Gebrauchsanweisung eures Verstärkers sollte euch in dem Fall darauf hinweisen. Bei anderen ist diese Einstellung allerdings notwendig und wenn euch hier Erfahrung und das passende Werkzeug fehlen, ist dies ein klarer Job für den Profi.
Gleichrichterröhren (auch Rectifier genannt) brauchen keine neue Einstellungen beim Tausch. Folgt einfach den sicheren, korrekten Arbeitsschritten und geht sicher, dass ihr die Röhre mit einer des gleichen Typs austauscht. Viele Röhrenamps haben keine Gleichrichterröhre sondern intern verbaute Halbleitergleichrichter-Dioden. Die gehen zwar selten kaputt, wenn das aber der Fall ist, wird der Austausch wieder klar ein Job für den Profi.
Lautsprecherwechsel
Um zu besprechen, weshalb ihr möglicherweise den Speaker eures Amps austauschen wollt und welche Optionen es gibt fehlt uns hier der Platz. Aber angenommen, dass ihr ihn eh wechseln wollt und schon einen passenden Tauschspeaker mit der richtigen Impedanz und Belastbarkeit ausgesucht habt, könnt ihr diesen Eingriff in den meisten Fällen selber vornehmen. Allgemein werdet ihr dabei wie folgt vorgehen, denkt aber daran, dass ihr bei irgendwelchen Problemen in diesen Grundlegenden Schritten nicht riskieren solltet Komponenten zu beschädigen — holt euch professionelle Hilfe.

Entfernt alle Rückwände des Combos oder der Lautsprecherbox, die den Zugang zum Lautsprecher verhindern.
Wenn Röhren so im Weg sind, dass sie den Zugang versperren oder beschädigt werden könnten, wenn der Lautsprecher sie beim herausnehmen berührt, notiert euch die Postionen und entfernt sie vorsichtig.
Notiert euch, welche der Lautsprecherkabelverbindungen (plus und minus) mit welchem der Lautsprecheranschlüsse verbunden sind, macht falls nötig eine Markierung und lockert die Schiebestecker, indem ihr sie sanft vor und zurück wackelt, bis sie von den Anschlüssen rutschen (manche Stecker haben sind durch ein Plättchen verschlossen, dass ihr erst mit einem kleinen flachen Schraubenzieher von einer Aussparung im Anschluss anheben müsst).
Löst die Schrauben oder Muttern, die den Speaker an der Schallwand (das Stück Holz, mit dem er direkt verbunden ist) halten mit einem passenden Schraubenzier oder Schraubenschlüssel. Geht dabei nach einem X-Muster vor, indem ihr eine entfernt und dann auf der gegenüberliegenden Seite des Lautsprechers weitermacht. Legt sie nach dem Entfernen sicher zur Seite.
Hebt den Lautsprecher vorsichtig an, entfernt ihn aus dem Gehäuse und legt ihn sicher ab.

Hebt den Tauschspeaker hinein und achtet darauf, dass die Löcher seines Rahmens auf die Löcher oder Bolzen der Schallwand ausgerichtet sind. Passt bei fest angebauten Bolzen besonders auf, dass diese nicht die Papiermembran des Lautsprechers beschädigen.
Dreht dann die Schrauben oder Muttern wieder rein, allerdings nicht zu fest, um zu verhindern, dass der Rahmen des Lautsprechers sich verzieht. Eine gute Orientierung ist, sie erst "fingerfest" mit der Hand festzudrehen und dann mit dem entsprechenden Werkzeug eine halbe oder dreiviertel Umdrehung fester zu ziehen.
Bringt das Lautsprecherkabel an, achtet dabei auf die richtige + und - Verbindung.
Bringt alle Röhren und/oder Rückwände, die ihr zu Beginn entfernt habt wieder an und schaltet den Amp an.
Beachtet, dass die meisten neuen Lautsprecher etwas Einspielzeit brauchen, die aus mehreren Stunden spielen bestehen kann, aber auch schon mit dem ersten Einschalten des Amps beginnt. Lasst für eine oder zwei Minuten das Grundrauschen des Verstärkers durch den Speaker summen und beginnt dann ein paar Minuten sanft und rhythmisch bei relativ geringer Lautstärke zu spielen, um die Schwingspule und die restlichen Komponenten aufzuwärmen, bevor sie hart angesteuert werden.
Durchgebrannte Sicherungen
Ein relativ häufiger Defekt, der extrem frustrierend sein kann und sich entweder als leicht behebbar oder aber als Auftrag für die Werkstatt herausstellen kann. Achtet zunächst aber drauf, dass Sicherungen immer nur durch welche des gleichen Typs mit den gleichen Werten ausgetauscht werden dürfen (checkt auch die auf den Amp gedruckten Infos, gewöhnlich direkt neben dem Sicherungssockel, um sicherzugehen, dass überhaupt die richtige Sicherung eingebaut war). Benutzt niemals eine Sicherung mit höheren Werten, weil so schwere Schäden am Verstärker entstehen können.

Wenn euer Amp eine Gleichrichterröhre hat und plötzlich anfängt Sicherungen durchzubrennen, probiert die Röhre mit einer neuen desselben Typs auszutauschen und eine neue Sicherung mit gleichem Wert einzubauen. In vier von fünf Fällen wo bei mir ein Amp angefangen hat Sicherungen häufiger durchzuhauen als er sollte, lag es am Gleichrichter. Selbst Röhren die frisch aus der Fabrik kommen, können früh das Zeitliche segnen – probiert also auch wenn ihr euch sicher seid, dass es eine "neue Röhre" war trotzdem eine andere aus, um auszuschließen, dass hier die Fehlerquelle liegt.
Wenn das nicht hilft, oder der Amp einen Halbleitergleichrichter hat, ist andauerndes Sicherungen durchbrennen das Zeichen für ein ernsteres Problem — ein Kurzschluss im Netzteil, fehlerhafte interne Komponenten oder möglicherweise ein Problem im Wandler — dessen Lösung ein Job für die Profis ist.
Profi-Job Checkliste
Das alles lässt euch schon mal einige Arbeiten, mit denen ihr euren Amp selber reibungslos laufen und perfekt klingen lassen könnt. In der folgenden Liste findet ihr allgemeinen Wartungen und Reparaturen, die definitiv Arbeiten für ausgebildete Profis, und außerdem noch Anzeichen, an denen ihr diese Fehlerquellen erkennen könnt.
Filterkondensatoren austauschen (Anzeichen: sinkender Bassanteil, stärkeres 50 Hz-Brummen oder dissonante Ghostnotes/Obertöne).
Pin-Kontakt im Röhrensockel verbessern (Anzeichen: gelegentliche knackende Geräusche oder schwankende Lautstärke, Indizien für schlechten Kontakt der Preamp-Röhren Pins im Sockel).
Interne Reinigung oder Wechsel von Potis (Anzeichen: Volume- und Tonekontrollen "kratzen" beim drehen, Aussetzer und schwache Positionen an diesen Potis).
Austausch von Netztransformator oder Ausgangsübertrager (Anzeichen: Sicherungen brennen häufig durch, Verlust an Leistung oder Lautstärke).
Austausch einzelner Platinenkomponenten oder der ganzen Platine (Anzeichen: nun... eigentlich alles was beim Amp falsch laufen könnte).
Wenn ihr euch mit der Idee angefreundet habt, so viele Wartungsarbeiten wie möglich selber zu erledigen, sucht euch ein gutes Buch zum Thema und erfahrt noch mehr Details über die hier aufgeführten Eingriffe und darüber hinaus.