Gibson Les Pauls wurden in vielen verschiedenen Varianten gebaut, von der ursprünglichen Goldtop über die Junior, hin zur Special, Custom und Deluxe. Als eine der am häufigsten neu aufgelegten Gitarren aller Zeiten gibt es zudem viele moderne Versionen dieser alten Klassiker.
Wir werden einen Blick auf einige Paradebeispiele der Vintage Les Pauls werfen, angefangen bei den Originalen von 1952 bis hin zu den 70er Jahren. Außerdem findet ihr Links zu Serien- und Custom Shop-Modellen der letzten Jahre, die eine Hommage an die jeweiligen Vintage-Modelle darstellen.
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Die Les Paul, mit der alles begann. Bei ihrer Einführung war das neue Modell mit zwei Singlecoil P90-Tonabnehmern, einem klobigen Trapez-Saitenhalter und einem Mahagoni-Korpus mit einer gewölbten Ahorndecke ausgestattet. Les Paul selbst befürwortete eine solide Goldlackierung, um die Gitarre im Vergleich zu Fenders einfacher Telecaster, die im Jahr zuvor auf den Markt kam, hochwertiger und luxuriöser erscheinen zu lassen.
Moderne Alternativen: Gibson Les Paul '52 Tribute, Custom Shop Historic Collection '52 Les Paul Goldtop Reissue.
Obwohl Les Paul ein bekannter Innovator war, dem oft die Entwicklung der Solidbody-Gitarre an sich zugeschrieben wird, ist sein Beitrag zu diesem neuen Modell umstritten. Er hatte zwar ein gewisses Mitspracherecht bei der Auswahl der Hölzer und des Trapezstegs, doch der größte Teil des eigentlichen Designs ging auf das Konto von Gibson-Chef Ted McCarty. Anfang 1953 ersetzte eine neue Kombination aus Wraparound-Steg und Saitenhalter das ursprüngliche Trapeze-Design.
In Verbindung mit der Entwicklung des Saitenhalters vergrößerten die Gibson-Ingenieure auch schrittweise die Tiefe des Halswinkels der Les Paul. Diese Änderung verbesserte die Saitenlage des Instruments, indem sie eine einfachere Einstellung des Stegs ermöglichte. 1954 erweiterte Gibson die Les Paul-Linie um das Anfängermodell Les Paul Junior und die Spitzenversion Les Paul Custom.
Moderne Alternativen: 1954 Les Paul Goldtop Reissue, Les Paul Standard '50s P90 (mit Saitenhalter und Tune-O-Matic statt Wraparound-Steg).
Wie die Goldtop sollte auch die Les Paul Custom mit ihrer Frack-ähnlichen Optik edel wirken, was diesem Modell den Spitznamen Black Beauty einbrachte. Die Custom unterschied sich von der Standard durch die Verwendung von mehrlagigem Binding, quadratischen Einlagen auf dem Ebenholzgriffbrett, vergoldeten Teilen und vergleichsweise niedrigen Bünden. Die Custom hatte im Gegensatz zur Standard auch keine Ahorndecke im Korpus. Dieses Modell war das erste, das die neuen Stopbar-Saitenhalter und Tune-O-Matic-Stege verwendete, eine Innovation, die eng mit Ted McCarty verbunden war und 1955 in die Standard integriert wurde.
Als Ergänzung zur höherwertigen Les Paul und Les Paul Custom führte Gibson in den 50er Jahren auch zwei Les Paul-Modelle für Beginner ein: die Les Paul Junior und die Les Paul Special. Diesen Gitarren fehlte die geschwungene Ahorndecke ihrer teureren Gegenstücke und sie hatten einen eher Telecaster-ähnlichen Slab-Body. Während die Junior mit nur einem P90 ausgestattet war, hatte die Special zwei dieser Pickups. Der andere Hauptunterschied bestand darin, dass die Special eine schicke TV-Yellow Lackierung hatte, während die Junior eine traditionellere Sunburst-Lackierung aufwies (obwohl auch von der Junior eine gelbe Version als "TV Model" produziert wurde).
Moderne Alternativen: Les Paul Special, Les Paul Special Tribute P90, Custom Shop '57 Les Paul Special Reissue TV Yellow, 1956 Les Paul Goldtop Reissue, Custom Shop Historic '56 Les Paul Goldtop Reissue.
Die Einführung des Stopbar-Saitenhalters und des Tune-O-Matic-Steges brachte die Les Paul nahe an das Format der modernen Designs, die Ergänzung der von Seth Lover entworfenen PAF-Humbucker (Patent Applied For) machte sie schließlich zur Ikone. Indem sie zwei Tonabnehmerspulen in Reihe und phasenverschoben schalteten, wollten Lover und Gibson das bei konventionellen Tonabnehmern übliche 60 Hertz-Brummen bekämpfen. Diese Innovation resultierte zudem in einem kraftvollen neuen Sound, der von Rockmusiker:innen über Jahrzehnte hinweg geschätzt werden sollte.
Moderne Alternativen: Les Paul Standard '50s Goldtop, Les Paul Studio '50s Tribute mit Humbuckern, Custom Shop 50th Anniversary '57 Les Paul Goldtop.
Wie die Les Paul Standard wurde auch die Les Paul Custom 1957 mit Humbuckern ausgestattet. Die Custom hatte jedoch drei statt zwei Humbucker (obwohl einige Exemplare die traditionelle Konfiguration mit zwei Tonabnehmern beibehielten). 1958 wechselte Gibson bei der Custom von Kluson-Mechaniken zu Grover Rotomatics.
Moderne Alternativen: 1957 Les Paul Custom Reissue 3-Pickup, Epiphone Joe Bonamassa Black Beauty Les Paul Custom Outfit.
Ähnlich wie die Les Paul Special begann auch die Les Paul Junior ihr Dasein im unteren Preissegment als Single-Cutaway-Gitarre in Les Paul-Form. Keines der beiden Modelle machte den Sprung zu Humbuckern und beide verwendete weiterhin den einteiligen Steg/Saitenhalter anstelle der Tune-O-Matic. Mitte 1958 wechselten sie zu einer Double-Cutaway-Korpusform, die 1961 durch den SG-Korpus ersetzt wurde.
Moderne Alternativen: Les Paul Junior Tribute, Custom Shop '58 Les Paul Junior Double Cut Reissue, Custom Shop Historic Collection '58 Les Paul Junior Double Cut.
Im Herbst 1958 gab Gibson die ursprüngliche Goldtop-Lackierung zugunsten einer neuen Cherry Sunburst auf. Die "Burst"-Les Pauls von Ende 1958 bis Ende 1960 stehen nach wie vor an der Spitze der Liste der meistgesammelten Gitarren aller Zeiten. Insbesondere das Modell von 1960 ist für seinen schlankeren Hals bekannt, was dazu führte, dass viele moderne Gibson-Modelle entweder das schlanke Halsprofil der 60er Jahre oder das dickere Halsprofil der 50er Jahre nachahmen.
Moderne Alternativen: Les Paul Standard '50s, Les Paul Standard '60s, Les Paul Standard (1990 - 2001), Les Paul Standard mit 60er Halsprofil, Custom Shop 60th Anniversary '59 Les Paul Standard Reissue, Custom Shop Special Order '59 Les Paul Standard Reissue, Custom Shop Standard Historic '59 Les Paul Standard (2013 - 2017), Custom Shop Historic '59 Les Paul Standard Reissue (2020), Custom Shop Special Order '60 Les Paul Standard Reissue, Custom Shop Standard Historic '60 Les Paul Standard Reissue (2013 - 2017), Custom Shop 60th Anniversary '60 Les Paul Standard Reissue.
Ende 1960 waren die Verkaufszahlen von Gibsons Solidbody-Spitzenmodell. Unter Beibehaltung des Namens Les Paul änderten die Gibson-Designer die Korpusform des Modells mit zwei scharfen Cutaways und abgeschrägten Kanten vollständig. Gibson behielt die doppelte Humbucker-Konfiguration bei (bis 1962 mit originalen PAF-Humbuckern) und führte ein neues Vibrato-System mit einem Hebel ein, der zur Seite gezogen wird. Diese Korpusform wurde später als SG für "Solid Guitar" bekannt, und heute wird sie meist als erste SG bezeichnet, war 1961 aber genau genommen eine Les Paul.
Moderne Alternativen: SG Standard '61, Gibson SG Standard '61 mit Maestro Vibrola, '61 SG Reissue, Custom Shop '61 Les Paul SG Standard Reissue, Custom Shop '61 Les Paul SG Standard Reissue mit Vibrola, Custom Shop 60th Anniversary '61 Les Paul SG Standard, '61 SG / Les Paul Reissue mit Deluxe Vibrola (1999 - 2002).
Wie die Les Paul Standard machte auch die Les Paul Custom 1961 den Sprung zur SG-Korpusform. Abgesehen vom Korpus und der Lackierung hatte die ursprüngliche Les Paul Custom im SG-Stil aber noch viel mit ihrer Single-Cutaway-Vorgängerin gemeinsam. Beide Modelle verfügten über Blockeinlagen auf dem Griffbrett und das einzigartige diamantförmige Kopfplatten-Inlay. Diese Gitarren kamen mit einem dreifachen Satz Humbucker, die Mitte 1962 von PAF-Humbuckern (Patent Applied For) auf Patent Number-Tonabnehmer umgestellt wurden.
Moderne Alternativen: Custom Shop 60th Anniversary '61 Les Paul SG Custom, Custom Shop '63 Les Paul SG Custom Reissue mit Maestro, Custom Shop Murphy Lab '63 Les Paul SG Custom Reissue, '61 / '62 SG Custom Reissue (1987-1991).
Die Les Paul Junior und ihr Gegenstück mit zwei Tonabnehmern, die Les Paul Special, wechselten beide zur SG-Korpusform, nachdem sie in den 50er Jahren mit einer Slab-Korpusform mit doppeltem Cutaway hergestellt wurden, die bei der Standard und Custom nicht verwendet wurde. Den meisten Berichten zufolge war Les Paul selbst nie mit der SG-Korpusform zufrieden, was 1963 dazu führte, dass sein Name von dem Modell entfernt wurde.
Moderne Alternativen: SG Junior, SG Junior '60s, Custom Shop '63 SG Junior Reissue Lightning Bar, Custom Shop Brian Ray '62 SG Junior.
Nachdem der Name Les Paul fallen gelassen und die SG eingeführt worden war, wurden keine Les Pauls mehr produziert, bis 1968 das Interesse an den Original-Les Pauls der 50er Jahre wieder auflebte. Als Gibson die Les Paul Standard wieder einführte, war das neue Modell der Ausgabe von 1956 am ähnlichsten, mit einer Goldtop-Lackierung und zwei P90-Tonabnehmern anstelle von Humbuckern. Diese Gitarren können als die ersten Les Paul-Reissues angesehen werden. Die originalen 68er-Modelle sind der 50er Les Paul sehr ähnlich, abgesehen von einigen Details, wie z. B. indischem statt brasilianischem Palisander für das Griffbrett und Chrom- statt Nickel-Hardware.
Moderne Alternativen: 1968 Les Paul Standard Goldtop Reissue.
Neben der Les Paul Standard brachte Gibson 1968 auch die Les Paul Custom wieder auf den Markt. Auch dieses Modell ähnelte seinen Vorbildern aus den 50er Jahren, hatte aber eine Ahorndecke auf dem Mahagonikorpus, während die meisten Customs aus den 50er Jahren einen reinen Mahagonikorpus hatten. Beide Reissue-Modelle änderten sich 1969 mit der Einführung eines dreilagigen "Pancake-Korpus" und eines dreiteiligen, laminierten Mahagoni-Halses mit einer Volute (einer kleinen Beule), wo der Hals auf die Kopfplatte trifft. Für Sammler bedeuten diese Änderungen eine stetige Abkehr von den Spitzenmodellen der 50er Jahre und den Beginn eines allgemeinen Qualitätsrückgangs, der sich bis in die 70er Jahre fortsetzen sollte.
Moderne Alternativen: Les Paul Custom, Les Paul Custom (1990-2011), Custom Shop '68 Les Paul Custom Reissue.
Der Pancake-Style-Korpus—eine vierlagige Konstruktion mit zwei Lagen Mahagoni, einer dünnen Lage Ahorn und einer Ahorndecke—wurde bis 1977 beibehalten. In dieser Zeit begann Gibson, die Custom in neuen Lackierungen zu produzieren, darunter die oben abgebildete Cherry Sunburst.
Ab 1969 wurde Gibsons Les Paul-Hauptserie als Les Paul Deluxe bezeichnet. Die Les Paul Deluxe unterschied sich von der ursprünglichen Standard durch die Verwendung von Mini-Humbuckern anstelle von PAFs und einen vierlagigen "Pancake"-Korpus. Die Les Paul Standard wurde erst 1976 wieder in den Gibson-Katalog aufgenommen. Zwischen 1972 und 1975 konnte man als Sonderbestellung eine Les Paul Deluxe mit normalgroßen Humbuckern und dem Wort "Standard" auf der Abdeckung des Halsstabs bestellen; im Grunde waren diese Deluxe-Modelle Les Paul Standards, wenn auch nicht auf dem Papier.
Moderne Alternativen: Les Paul '70s Deluxe, Les Paul Deluxe 30th Anniversary, Les Paul Deluxe (2004-2005), Les Paul Deluxe 2015.
Die vielleicht seltsamsten neuen Les Pauls aus dieser Zeit sind die Les Paul Professional, Personal und Recording (siehe Bild). 1969 kamen die Les Paul Personal und Professional mit neuen, niederohmigen, länglichen Tonabnehmern und einem eingebauten Phasenschalter auf den Markt. Die Personal war das hochwertigere der beiden Modelle, mit vergoldeter Hardware und mehrlagigem Binding wie bei einer Les Paul Custom. Beide Modelle wurden 1971 durch die Les Paul Recording ersetzt, die einen Schalter für hohe/niedrige Impedanz mit internem Transistor aufwies. Diese Gitarre galt als persönlicher Favorit von Les Paul selbst.