Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man ein japanisches Haus betritt, das mehr als 120 Jahre alt ist. Wenn sich in diesem Haus dann noch ein Museum befindet, ist das noch außergewöhnlicher. Dabei handelt es sich nicht einmal um ein Museum für alte Holzschnitte, landwirtschaftliche Geräte oder Textilien, wie man es auf dem japanischen Land vielleicht erwarten würde.
Nein, dieses umgebaute Haus beherbergt ein Korg-Museum, in dem fast 200 Instrumente und Zubehörteile ausgestellt sind. Das Musée Korg Design and History in Nakatsugawa, einer kleinen Stadt in den Bergen der Präfektur Gifu, ist ein privates Museum, das sich den Synthesizern, Drumcomputern und anderen Produkten von Korg widmet.

Ich werde am Bahnhof von Hideki Ishikawa, Leiter und Kurator des Museums, abgeholt, der mich zum Museum auf der anderen Seite einer wunderschönen (und erschreckend tiefen) Schlucht fährt. Als wir eintreten und unsere Schuhe ausziehen, höre ich die Geräusche häuslichen Lebens. In diesem alten Haus befindet sich das vielleicht einzige Museum Japans, das Korg, einem der drei großen japanischen Musikinstrumentenhersteller, gewidmet ist, aber es ist auch das Zuhause von Mr. Ishikawa und seiner Familie. Nach einer schnellen Tasse Tee gehen wir die Treppe hinauf in den zweiten Stock, der fast vollständig vom Museum eingenommen wird.
Das Museum, das im Frühjahr 2021 eröffnet wurde, konzentriert sich natürlich auf Korg-Produkte, wobei der Schwerpunkt auf dem Produktdesign und der Firmengeschichte liegt. Auf unserem Weg durch die Ausstellungsstücke—es handelt sich wirklich um ein Museum und nicht nur eine Sammlung, mit Themenbereichen, Plaketten und allem Drum und Dran—erklärt Ishikawa-san die verschiedenen ausgestellten Instrumente, Peripheriegeräte und Werbematerialien.
Die Beschilderung ist auf Japanisch, so dass ich nicht alles lesen kann, aber ich interessiere mich sowieso mehr für die Instrumente. Es gibt auf jeden Fall eine Menge zu sehen. Los geht es mit einem Regal voller früher Drumcomputer. Mr. Ishikawa erklärt, dass Korg als Hersteller von Rhythmusmaschinen begann, und diese Geschichte wird durch drei Regale mit Mini Pops und verwandten Geräten repräsentiert—alle in einem unglaublichen Zustand.







Als Nächstes kommt der Mini Korg 700S, sowohl das Original als auch die Neuauflage. Dies war der erste richtige Synthesizer von Korg und eine Art Triumph für den Designer Fumio Mieda, den langjährigen Star-Ingenieur des Unternehmens. Mieda-san hat das Museum sogar mehrmals besucht. Seine persönlichen Erinnerungen an die Instrumente sind überall im Museum ausgestellt.
Die Ausstellung setzt sich mit anderen großen Instrumenten aus den frühen Tagen des Unternehmens fort. Da gibt es einen Maxi-Korg 800DV aus dem Jahr 1974 in traumhaft schönem Zustand, einen Synthe-Bass SB-100 mit angeschlossenen Yamaha-Fußpedalen, einen Korg 900PS Preset Synthesizer und (mein persönlicher Favorit) den 770.

Ein paar Schritte weiter bin ich Angesicht zu Angesicht mit einem PS-3100, dem ersten, den ich in natura gesehen habe. Es ist ein wunderschönes Instrument und sieht mit seinem Holzgehäuse und der halbmodularen Frontplatte wie eine Kreuzung aus einem klassischen Instrument und einem MS-20 aus. Apropos MS-20: Im nächsten Raum steht das komplette MS-System, einschließlich MS-10 und 20, MS-50, SQ-10 und dem dazugehörigen MS-01 Fußpedal, MS-02 Interface, MS-03 Signal Processor und MS-04 Contol Voltage Modulation Pedal. Wow!
Ishikawa-san fühlt sich besonders mit der analogen Ära von Korg verbunden und so liegt der Schwerpunkt des Museums auf dieser Zeit. Die Instrumente und Produkte—einschließlich Postern, Broschüren, Peripheriegeräten und sogar Instrumentenkoffern—sind bis in die frühen 80er Jahre gut vertreten und erreichen mit dem Polysix und dem Mono/Poly ihren Höhepunkt. Einige post-analoge Instrumente sind auch dabei, wie der DW-6000, aufgrund ihres Status als Gewinner des japanischen Good Design Award.
Ishikawa-san ist ein Designliebhaber, erzählt er mir. Als er jünger war hat er an einer Kunstschule studiert und in Tokio im Designbereich gearbeitet, aber mittlerweile kann er dieses Wissen in seinem Beruf in seiner Heimatstadt Nakatsugawa nicht mehr anwenden. Das Museum ist für ihn eine Möglichkeit, künstlerisch aktiv zu bleiben. "Ich habe jetzt keine Gelegenheit mehr, mit Design zu arbeiten", sagt er, "also habe ich das Museum geschaffen."







Was die Frage Warum Korg? angeht, ist es eine lebenslange Verbindung. Mr. Ishikawa verliebte sich in den 1970er Jahren in Synthesizer. Alben wie Equinoxe von Jean-Michel Jarre brachten ihn auf den Geschmack für den Sound, aber es war der erste Korg M-500SP, den sich sein Bruder kaufte, der Ishikawa-sans Leben veränderte. Der Bruder wollte ursprünglich einen MS-10, hätte dann aber auch einen Verstärker kaufen müssen, um ihn überhaupt hören zu können. Mit dem M-500SP und seinem eingebauten Lautsprecher hatten die beiden alles, was sie an Verstärkung brauchten. Dies spiegelt sich in der Ausstellung des Museums wider, in der eine ganze Reihe M-500er ausgestellt sind.
Eine weitere persönliche Verbindung besteht zum Sigma. Ishikawa-san ist großer Fan des Designs der Korg-Synthesizer aus den späten 70er Jahren, insbesondere der Form: die Neigung der Frontplatte, die Endwangen, sogar das Aussehen der Rückseite der Instrumente. Der Sigma, Teil von Korgs nach griechischen Buchstaben benannter Serie an Ensemble-Synthesizern, ist ein besonderer Favorit. Er erwähnt ihn mehrmals und es gibt mehr als einen im Museum. Ich gebe zu, dass ich nie besonders auf die Form des Sigma geachtet habe, aber nachdem ich ihn darüber sprechen hörte, konnte ich ihn mit neuen Augen sehen. Die Frontplatte ist ziemlich auffällig, was umso mehr ins Gewicht fällt, wenn sie in einer Ausstellung auf diese Weise hervorgehoben wird.

Tatsächlich war der Sigma das erste Gerät, das Ishikawa-san für das Museum kaufte. Beziehungsweise war es der Kauf des Sigma in Tokio im Jahr 1995, der ihm den Anstoß gab, ein Museum zu gründen. Dieser Plan wurde in die Tat umgesetzt, als er 1999 von Tokio nach Nakatsugawa zurückkehrte.
In dem Museum gibt es aber nicht nur Korg-Instrumente zu sehen. Ein zweiter Ausstellungsraum befasst sich mit dem Design und der Geschichte von Synthesizern aus aller Welt. Amerika ist mit Synthesizern von Moog und Oberheim vertreten. Die ehemals kommunistischen Länder Europas werden von einem Vermona Synthesizer aus Ostdeutschland und einem Formanta Polivoks aus der UdSSR repräsentiert. Es sind auch frühe japanische Synthesizer dabei, darunter einige von Roland und Yamaha, sowie eine Auswahl von anderen Firmen wie Hillwood, Multivox, Ace Tone und Technics.

Nach der Museumsführung setzten wir uns auf einen Kaffee in das Museumscafé und hörten uns ein paar Platten an. Ich fragte Ishikawa-san, was er den Besuchern seines Museums mit auf den Weg geben wolle. "Ich möchte, dass die Leute die Geschichte von Korg verstehen", antwortet er, "und auch die Attraktivität der Instrumente aus der analogen Ära." Das habe ich definitiv getan. Ich war auch überrascht von der Anzahl der Nicht-Keyboard-Produkte, die Korg auf den Markt gebracht hat, wie z. B. die große Anzahl an Stimmgeräten, Fußpedalen und Seltenheiten wie die SP-2035-Lautsprecher, die mit dem EM-570 Echo Mixer gekoppelt werden sollten.
Es wird nicht leicht sein, ein Museum zu führen. Was ist daran am schwierigsten? "Der Raum ist zu klein", klagt er. "Ich habe noch so viel mehr, das ich zeigen möchte. Ich hätte gern drei- oder viermal so viel Platz." Er erwähnt auch, dass die Wartung ein ständiges Problem ist.
Auf die Frage nach den seltensten Stücken in seinem Museum verweist er auf die SP-2035-Lautsprecher, die mir aufgefallen sind. Er erwähnt auch das F-20 Expression-Pedal, das mit dem 700 und 700S kombiniert werden kann, sowie die Mini Pops MP-2 von 1967 (die in Japan nur schwer zu finden ist) und die MP-20S von 1971, die nur für eine begrenzte Zeit im Handel war.

Trotz all der unglaublichen Stücke in seinem Museum, ist Ishikawa-san trotzdem noch auf der Suche. Er würde gerne einen PS-3200 und PS-3300 als Ergänzung zu seinem 3100 sowie den KA-180M Keyboard-Verstärker anschaffen. Das zweite Doncamatic-Gerät, das DC-11 von 1966, steht ebenfalls auf seiner Liste.
Das Musée Korg Design and History ist ein einzigartiger und ganz besonderer Ort. Es kommt nicht oft vor, dass man ein privates Museum dieses Kalibers für irgendein Thema findet, ganz zu schweigen von Synthesizern und Drum Machines. Aber es macht Sinn. Sowohl Roland als auch Yamaha haben ihre eigenen Museen in Japan, warum also nicht auch Korg? Das Musée Korg Design and History kann nur nach Vereinbarung besucht werden. Ishikawa-san kann über den Instagram-Account des Museums @korg_museum kontaktiert werden.