7 Songs, die an schrägen Orten aufgenommen wurden

Eurythmics (1988) Redferns Collection / Getty Images.

Oft nehmen Musikerinnen und Musiker billigend in Kauf, für ihre Kunst zu leiden, wenn ihre Werke dadurch eine sonst nicht zu erreichende Besonderheit erlangen. Dieses Leiden kommt möglicherweise durch eine schier überwältigende Anzahl an Takes während der Aufnahmen, oder durch die Anhäufung eines teuren Fundus temperamentvoller Vintage-Instrumente. Es könnte sich aber auch so äußern, dass man ein Aufnahmestudio in einen gottverdammten Pool baut, um in diesem Pool ein Album aufzunehmen.

Es gibt überraschend viele Alben, die in cleveren Versuchen, dem Aufnahmeprozess etwas neues abzugewinnen, an schrägen Orten aufgenommen wurden. Eine ungewöhnliche Umgebung kann mit dem Thema einer Schallplatte zusammenfallen, oder auch mit dem Mythos eines Künstlers — und oft kann sie prekäre Umstände schaffen. Hier erfahrt ihr mehr über sieben Alben, die sterile Tonstudios für abenteuerlichere Räumlichkeiten hinter sich ließen.

The Downward Spiral von Nine Inch Nails

Nine Inch Nails - "Closer" (Director's Cut)

The Downward Spiral ist mit Recht ein Muss in jeder Liste über ungewöhnliche Studios, denn die Hintergründe der Aufnahmen rufen selbst fast 25 Jahre nach der Veröffentlichung immer noch "Was zur Höllle...?"-Reaktionen hervor. Falls ihr die relative einfache aber verrückte Geschichte noch nicht kennt: NIN-Kopf Trent Reznor baute sein Studio in dem Haus, in dem sich 1969 die berüchtigten Manson-Morde ereigneten. Das Studio befindet sich im Benedict Canyon, Los Angeles, 10050 Cielo Drive, wo Sharon Tate und vier weitere Menschen brutal von der Manson Family ermordet wurden. Reznor taufte das Studio "Pig", in Anlehnung an das Wort, das nach den Morden mit Blut an die Haustür geschrieben wurde. Im Nachhinein bereute Reznor allerdings doch, dort aufgenommen zu haben. Das Haus ist inzwischen abgerissen worden.

( ) by Sigur Rós

Sigur Rós - (Untitled)

Es wäre wohl nicht abwegig, den isländischen Post-Rock-Giganten mit ihren mitreißenden, ätherischen Kompositionen und der erfundenen lyrischen Sprache (die als "Hopelandic" bezeichnet wird) einen Hang zur Dramatik zuzuschreiben. Selbst der Gedanke, dass Jonsi und Co. ein Aufnahmestudio auf einer Wolke bauen könnten, scheint durchaus plausibel — ein solches Studio in ein verlassenes Schwimmbad aus den 1930er Jahren einzubauen, ist für Sigur Rós also sehr markentypisch. Sundlaugin (oder "Der Swimmingpool"), sieben Meilen östlich von Reykjavik in der Stadt Mosfellsbær gelegen, wurde konzipiert und gebaut, um ( ) von 2002 aufzunehmen und hat seither einer Reihe isländischer Bands als Zufluchtsort für Aufnahmen gedient.

Tago Mago von Can

Can - "Halleluhwah"

Ihr wollt Opulenz? Nehmt euer Album doch in einem Schloss auf, das im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Die Krautrock-Größen Can konnten ein Meisterwerk von über 18 Minuten Länge wie "Halleluhwah" nicht einfach in einem schäbigen Aufnahmestudio schreiben. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre diente der Band das Schloss Nörvenich in der Nähe von Köln für eine kurze Zeit als Kulisse, in der sie an ihren frühesten Alben werkeln durften. Monster Movie und Soundtracks sollten später dazu beitragen, die ständig im Wandel befindliche Gruppe zu definieren, aber Tago Mago von 1971 ist wohl Cans bekanntestes und geschätztestes Album.

Dauði Baldrs von Burzum

Burzum - "Dauði Baldrs"

Bei Mord reicht ein Album Aufnahmen zu müssen nicht für mildernde Umstände aus: es geht schließlich immer noch um Mord. Nach dem er für das Erstechen seines Mayhem Bandkollegens Øystein Aarseth (besser bekannt unter seinem Künstlernamen Euronymous) verurteilt wurde, setzte der Varg Vikernes seine musikalische Karriere im Gefängnis unter dem Projektnamen Burzum fort. Dauði Baldrs ist ominös und spärlich mit Synthesizern aufgenommen, da Vikernes' Mittel während seiner Haftzeit begrenzt waren. Es wird oft als Dark Ambient-Musik statt traditionellem Black Metal bezeichnet, wenn man die Umstände der Aufnahme kennt, wird das Album dadurch aber nicht weniger schaurig.

Rubber Factory von The Black Keys

The Black Keys - "10 A.M. Automatic"

Wenn man schon aus Akron kommt, warum sollte man dann nicht mit jeder Faser Akron sein? Wir vermuten mal, dass sich The Black Keys genau das dachten, als sie den zweiten Stock einer verlassenen Reifenfabrik in ihrer für Reifen berühmten Heimatstadt mieteten, um ihr logischerweise Rubber Factory — Gummifabrik — betiteltes Album aufzunehmen. Auch wenn die Fabrik akustisch wahrscheinlich nicht ideal war, war sie ein Schnäppchen, ganz zu schweigen davon, dass das Duo die Platte selbst produziert hat — schlau gespart. Wenn man Thickfreakness 2003 als ersten großen Durchbruch der Black Keys betrachtet, war der bluesige, aufgeblasene Garagenrock auf Rubber Factory von 2004 der erste Punkt, an dem die Band Medien-Berühmtheit erlangte. Mittlerweile lebt keines der beiden Mitglieder mehr in Akron und die Fabrik wurde abgerissen.

A Momentary Lapse of Reason von Pink Floyd

Pink Floyd - "Learning To Fly"

David Gilmour kaufte Anfang des 20. Jahrhunderts ein luxuriöses Hausboot, das an der Themse vor Anker lag, und baute es in ein Aufnahmestudio um. Der Gitarrist und Sänger von Pink Floyd begann 1985 mit den Aufnahmen auf der Astoria, kurz nachdem Roger Waters aus der Gruppe ausgeschieden war und Gilmour und Schlagzeuger Nick Mason die gewaltige (aber beneidenswerte) Aufgabe, unter dem großen Namen Pink Floyd weiterzumachen überließ. Das Ergebnis war A Momentary Lapse of Reason (1987) und obwohl es von Kritikern und Waters gleichermaßen heftig dafür kritisiert wurde, dass es sich eher um ein Gilmour-Soloalbum als um eine Bandplatte handele, wurde das Album dennoch mehrfach mit Platin ausgezeichnet.

Sweet Dreams (Are Made of This) von Eurythmics

Eurythmics - "Sweet Dreams (Are Made Of This)"

Es ist wahrscheinlich kein leichtes Unterfangen, ein Hit-Album in einem behelfsmäßigen Studio aufzunehmen, das sich eigentlich höchstens für Demos eignet. Springsteen tat dies 1982 mit Nebraska, einer Vierspur-Aufnahme, die zunächst für die E Street Band gedacht war, aber später in ihrer rohen, solistischen Form erhalten blieb — und 1983 nahmen die Eurythmics Sweet Dreams (Are Made of This) in einem sehr bescheidenen Achtspurstudio auf, das über einer Bilderrahmenfabrik im Londoner Stadtteil Chalk Farm untergebracht war. Mit seinem New-Wave-Flair und experimentellen Krautrock-Touch dominierte der Titeltrack später MTV und wurde zu einem Giganten für das Duo Annie Lennox und Dave Stewart. Nicht schlecht für eine Low-Budget-Aufnahme.


Weitere Berichte über Künstler, die unterwegs oder an seltsamen Orten Musik machen, findet ihr unter "Die mobilen Studios von 3 großen Hip-Hop Engineers" und "Britain's Golden Age of Mobile Studio Recording: 5 of the Best Albums Made on Wheels".

Ihr habt selber Lieblingsalben, die an seltsamen Orten aufgenommen? Lasst sie uns in den Kommentaren wissen.

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