Dan Alexander Audio: A Vintage Odyssey ist nicht nur ein Lehrbuch über die größten Aufnahmeequipment-Klassiker, die man sich vorstellen kann, sondern auch eine Art Memoiren der über 50 Jahre, in denen sich der Autor als innovativer Händler einen Weg in der Welt des Studioequipments gebahnt hat.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1977, als Dan, damals Vintage-Gitarrenhändler, sein erstes Studio aufbaute, eine kleine Suchanzeige für Recording-Equipment in einer Fachzeitschrift aufgab und mit einem Paar Neumann U 67-Mikrofone sein erstes Geschäft machte.
"Ich dachte mir: 'Das ist viel einfacher, als Gitarren zu verkaufen'", erzählt er mir am Telefon aus Los Angeles. "So wurde ich zum Vintage-Audiohändler—die Bezeichnungen 'Vintage'-Audio und 'Vintage'-Aufnahmeequipment haben ihren direkten Ursprung darin, dass ich vorher Vintage-Gitarrenhändler war."
Das Buch bewegt sich auf Dans Suche nach den ultimativen Equipment-Funden über mehrere Kontinente von LA nach London, von Nashville nach New York und wieder zurück. Dabei erzählt er Geschichten über die Geräte, auf die er dabei gestoßen ist, nicht zuletzt ein bemerkenswertes Ex-Abbey Road REDD 37-Pult ("das wertvollste Stück Aufnahmeequipment, das jemals verkauft wurde"). Wobei der Coverstar des Buches, ein einzigartiges Telefunken Ela M270 Stereo-Röhren-Kondensatormikrofon ("das wertvollste Mikrofon der Welt"), dem kaum nachsteht.
Zwar sind nicht alle der besprochenen Geräte so wertvoll, die Finger wird man sich als Gear-Fan aber allemal nach ihnen lecken. Dan ist oft bedacht anzumerken, dass er selbst kein Elektronikfachmann ist und erklärt so zum Beispiel, dass es abseits von technischen Überlegungen letztendlich seine Erfahrung ist, die ihm sagt, dass Röhrenmikrofone in den meisten Situationen einfach überlegen sind ("größer, präsenter, süßer und voller klingend").
Alle zu erwartenden, schillernden Markennamen sind vertreten, von Fairchild bis Neumann, AKG bis RCA, Neve bis Pultec und noch vielen mehr. Daneben gibt es jede Menge Fotos und Katalogaufnahmen und eine Menge Briefe, Rechnungen und andere Erinnerungsstücke aus der Sammlung eines Mannes, der in seiner ganzen Laufbahn anscheinend nie einen Papierkorb besaß.
Wir haben Dan gebeten, sich auf einen bestimmten Abschnitt seiner Geschichte zu konzentrieren und uns zu erzählen, wie Outboard-Mikrofonvorverstärker in Mode kamen. Wie wurden diese versteckten Komponenten, über die zunächst niemand groß nachdachte, zu eigenständigen Geräten, die plötzlich jeder besitzen wollte?
Er nimmt uns mit zurück in das Jahr 1979, als er Peter Duncan, einen englischen Audio-Händler, bei einem der regelmäßigen Musikindustrie-Treffen der Audio Engineering Society traf.
"Peter nahm mich mit zu seinem Auto und zeigte mir diese Neve-Module, die er mitgebracht hatte, um sie an einen Typen zu verkaufen, der nicht aufgetaucht war", erinnert sich Dan. "Er sagte, ich könne ihm 50 Dollar pro Stück geben, damit er sie nicht wieder zurücknehmen müsse."
Dan kaufte sie impulsiv und fragte sich hinterher, warum er das getan hatte, denn einen Outboard-Mikrofonvorverstärker hatte er noch nie zuvor verkauft.

"Ich besuchte alle möglichen Studios und erzählte den Leuten, dass ich diese alten Neve-Module hätte, die man in eine Box einbauen, die Mikrofone daran anschließen und so den Neve-Sound bekommen könnte. Sie sahen mich nur mit ratlosem Blick an, kratzten sich den Kopf und winkten ab."
Anfang der 80er Jahre betrat er das Ocean Way Studio A von Allen Sides, das inzwischen in das ursprüngliche United Western Gebäude umgezogen und zu einem der besten Studios in Los Angeles geworden war. Dan, ein regelmäßiger Besucher, sah Allen an einem Pult arbeiten.
"Es war ein API-Pult mit 40 Inputs, das vom Record Plant-Studio kam. Oben auf dem Pult stand ein kleines Rack. Ich schaute genauer hin, und sah in diesem Rack einen API 312 Mikrofonvorverstärker", erzählt er. "Er war mit einem Urei 1176 Kompressor verbunden und von dort aus mit einer Patchbay."
"Ich fragte Allen: 'Du hast doch schon ein API-Pult", fährt Dan fort, "wozu dann das Rack?' Und er sagte etwas Bedeutungsvolles, das mir immer im Gedächtnis geblieben ist: 'Es ist der kürzeste Signalweg zum Aufnahmegerät.' Was dahinter steckt, ist, dass kürzere Signalwege—generell im Audiobereich—einfach besser klingen. Wenn man den Klang eines alten Neve mit dem anderer modernerer Mischpulte vergleicht—also mit allem, was viele, lange Signalwege hat—dann klingen die einfachen Schaltungen in der Regel tatsächlich am besten."
Es dauerte noch bis 1984, bis Dan endlich das erste Paar seiner Neve-Mikrofonverstärker verkaufen konnte. Der Kunde war der Toningenieur John Cuniberti, der sie für die Aufnahmen von Joe Satrianis Album Surfing With the Alien aus dem Jahr 1987 verwendete. Die Platte wurde zum Maßstab einer Art Hi-Fi-Rock-Sound, ganz zu schweigen von Joes außergewöhnlichem Gitarrenspiel. "Jetzt konnte ich jedem sagen: Hey, das wurde mit einem Paar Neve-Modulen aufgenommen", sagt Dan. "Ab dann habe ich angefangen, regelmäßig Neve-Module zu verkaufen. Es wurde zum Wahnsinn. Einige Jahre lang waren Neve-Module das Einzige, was sich verkaufte—mittlerweile sind aber auch andere ältere Module sehr gefragt."
Und warum? Dan blickt auf die heutige Zeit und bemerkt, wie normal und selbstverständlich es für Toningenieure geworden ist, Mikrofonvorverstärker mit sich herumzuschleppen. Die meisten Studios, ob groß oder klein, mit oder ohne Pult, haben heute ein Rack mit Outboard-Mic-Pres. Sie sind Teil der Standardprozedur geworden.
"Man schließt das Mikrofon erst an den Mikrofonvorverstärker an und dann an den Computer", bemerkt er. "Aber selbst in den großen Aufnahmestudios hat man, sagen wir, ein Neve-Pult—aber trotzdem zusätzlich noch ein großes Rack mit Mikrofonvorverstärkern der 500 Series und was auch immer sonst noch. Heutzutage kann jemand mit einem Studio im Schlafzimmer eine beliebige Anzahl von High-End-Mikrofonvorverstärkern kaufen und tatsächlich eine Signalqualität erzielen, die mit vielen professionellen Studios konkurriert."
"Heutzutage kann jemand mit einem Studio im Schlafzimmer eine beliebige Anzahl von High-End-Mikrofonvorverstärkern kaufen und tatsächlich eine Signalqualität erzielen, die mit vielen professionellen Studios konkurriert."
Was war es also, das damals den Gesinnungswandel gegenüber Mic-Pres ausgelöst hat? Dan hat die Antwort parat:
"Die Aufnahmepulte, die damals in den Studios installiert wurden, klangen einfach nicht besonders gut. Das spielte eine große Rolle dabei, dass sich Mic-Pres durchsetzten. Die meisten Pulthersteller waren zu IC-basierter Elektronik übergegangen. Diese Pulte hatten eine umfangreiche Ausstattung, nutzten aber eine lange Reihe von Verstärkern, und sie klangen irgendwie elektronisch. Bei einem alten Neve-Pre ist es dagegen ziemlich schwierig, das Mikrofon vor eine Signalquelle zu stellen, egal welche, und nicht zu denken Wow, das klingt großartig!"
Ganz so einfach ist es dann allerdings doch nicht: "Natürlich ist es nicht so, dass jeder alte Outboard-Pre großartig klingt—das ist einfach nicht wahr. Was passiert ist, ist, dass viele Vintage-Audiohändler etwas zum Verkaufen brauchten, also wurde 'Vintage' ein Qualitätsmerkmal und das Verkaufsargument war: 'Wenn es alt ist, ist es großartig.' Aber das stimmt nicht immer. Es gibt sehr gutes altes Design, es gibt weniger gutes altes Design, und es gibt auch großartiges modernes Design."
In Dans Pionierzeit wurden alte Mischpulte nicht auf den Müll geworfen, sondern zerlegt und zu Outboard-Mic-Preamps umgebaut. Sie bekamen "ein neues Leben", wie Dan es ausdrückt. Er zählt einige der Marken auf, die so revitalisiert wurden—ältere Vorverstärker von CADAC, Calrec, API, Neve, Pultec, Langevin und so weiter.
"Sie können fantastisch klingen", sagt er. "Western Electric, RCA-Zeug, es gibt eine lange Liste von wirklich großartig klingenden Geräten. Aber es gibt auch Equipment, das alltäglicher ist und nicht unbedingt so toll klingt."
Warum klingen die besten dieser Geräte so gut? "Generell würde ich sagen, dass es erstens daran liegt, dass die Leute, die sie entwickelt haben, sehr auf Klangtreue und Sound bedacht waren. Zweitens sind sie überwältigend einfach in ihren elektronischen Schaltungen. APIs und Neves zum Beispiel haben einen so kleinen Schaltkreis. Es ist einfach nicht viel da—und das, was da ist, klingt wunderbar."
Die einfachen Schaltkreise waren zwar nicht unbedingt bei jeder Marke vorhanden, aber die meisten Preamps der etablierten Marken, die Dan erwähnt, haben nur einen Eingangstransformator, dann einen oder mehrere Verstärker und schließlich einen Ausgangstransformator.
"Bei vielen dieser Geräte ist auch noch ein Equalizer Teil des Moduls", fügt Dan hinzu. "Und diese Equalizer können, je nachdem, um welchen es sich handelt, verdammt gut klingen—musikalisch, schön und natürlich. Allerdings kann man natürlich jedes Gerät falsch einstellen und den Sound ruinieren. Aber im Allgemeinen sind diese High-End-Mikrofonvorverstärker—die eigentlich Pultmodule mit einem Equalizer sind—einfach großartig."
Laut Dan bleibt nur ein Manko: "Keines dieser Geräte kann den Songtext umschreiben", lacht er. "Ich glaube, die digitale Ermächtigung, die mit vielen technologischen Veränderungen einhergeht, ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn man das Songwriting von 1965 bis 1975 mit dem von, sagen wir, 2010 bis 2020 vergleicht, dann, äh..." Er hält inne, uncharakteristisch wortkarg. "Ich meine, wer schreibt heute noch so gute Songs wie Ray Davies? Ich weiß es nicht."
Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker*innen und Musik. Zu seinen Büchern gehören Million Dollar Les Paul, London Live und Legendary Guitars. Tony lebt in Bristol, England. Mehr Infos unter tonybacon.co.uk.