Ich bekomme regelmäßig Anfragen von Gitarrist*innen, die nach einem neuen Boutique-Verstärker suchen, aber von der mittlerweile gigantischen Auswahl überwältigt sind. Wir dachten uns deshalb, dass es eine gute Idee wäre, mal einige der Boutique-Verstärkermarken vorzustellen, die aktuell auf dem Markt sind.
Im Folgenden gehen wir ein wenig auf die Geschichte der einzelnen Unternehmen ein, stellen einige der besten Modelle dieser Marken vor und zeigen, was sie können. Diese Liste ist keineswegs allumfassend, aber sie bietet einen guten Überblick über einige der beliebtesten Boutique-Verstärkerfirmen, die einen Blick wert sind.
Dr. Z Amps
Dr. Z wurde 1988 gegründet und ist seit langem einer der größten Namen der Boutique-Szene, wozu mehrere Schlüsselfaktoren beigetragen haben. Die Verstärker werden mit hochwertigen Komponenten handverdrahtet und dennoch zu Preisen verkauft, die etwas unter dem Branchendurchschnitt liegen. Sie sind durchweg zuverlässig, relativ einfach zu bedienen und einzustellen und klingen großartig.
Das Dr. Z-Sortiment ist breit und vielfältig aufgestellt, aber die Verstärker vereinen bestimmte charakteristische Merkmale wie Klarheit, Punch und Spieldynamik—und vielleicht eine Mischung aus britischen und amerikanischen Voicings. Obwohl man mit Dr. Z-Verstärkern viele klassische Sounds nachahmen kann, bietet dieser Hersteller keine Kopien oder Klone von Vintage-Verstärkern an, sondern entwickelt stattdessen Originalschaltungen, die darauf abzielen, bestimmte Sounds zu erreichen, die für zeitgenössische professionelle Gitarrist*innen von Nutzen sind. Dr. Z-Amps werden auch häufig dafür gelobt, wie gut sie sich mit Effekten kombinieren lassen, was sie für viele zur ersten Wahl als Pedal-Plattform macht.
Auf die Frage, ob er eine übergreifende Konstruktionsphilosophie hat, sagte mir Mike Zaite von Dr. Z, dass er bestrebt ist, "das Signal nicht übermäßig zu bearbeiten, sondern einfach eine schöne, breite Bandbreite zu liefern und den Fingern die Kontrolle zu überlassen... Etwas zu bauen, das zuverlässig und einfach ist, und es zu einem guten Preis anzubieten."
- Wichtigstes Modell: Carmen Ghia (ebenso wie der Maz 18)
- Empfohlen für: Saftige, aufgedrehte EL84-Töne mit viel Anschlagsempfindlichkeit, wo geringere Lautstärken und eine kompakte Plattform erwünscht sind.
- Berühmte Nutzer: Brad Paisley, Buddy Whittington
Fryette
Fryette Amplification hat ihren Sitz in Los Angeles, wo sich der ehemalige Profi-Gitarrist Steve Fryette in der aufregenden Musikszene der 80er und frühen 90er Jahre einen Namen als Reparateur und Modder von Verstärkern machte, nachdem er seine Heimatstadt Seattle verlassen hatte. Fryette gründete VHT in den späten 80er Jahren (und änderte erst vor einigen Jahren seinen Markennamen in seinen eigenen Nachnamen) und machte sich schnell einen Namen für knallharte Preamps in Verbindung mit fetten, druckvollen Endstufen, die in der zeitgenössischen Rockszene für Furore sorgten.
Die meisten Verstärker von Fryette sind auf hochwertigen Leiterplatten aufgebaut. Heute bietet Fryette eine erlesene, aber dennoch vielfältige Palette an Verstärkern an, von Super-High-Gain-Mehrkanalern bis hin zu kräftigen Einkanal-Verstärkern alter Schule, die alle für ihre beeindruckende Signalreinheit und nützliche Vielseitigkeit bekannt sind. Wer einen Verstärker mit drei Kanälen benötigt, die jeweils die ganze Bandbreite von Vintage- bis hin zu modernen Voicings abdecken, mit fußschaltbaren Boosts und FX-Loops und einer Fülle von Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite, ist bei Fryette an der richtigen Adresse.
- Wichtigstes Modell: Sig X
- Empfohlen für: Modernen High-Gain-Rock und -Metal, vor allem, wenn große Leistung und optimale Vielseitigkeit gefragt sind.
- Berühmte Nutzer: David Torn, Page Hamilton
Soldano
Michael Soldano, nach der Boogie-Ära einer der ersten großen Namen der kalifornischen Hot-Rod-Szene, genießt noch immer den Ruf eines der talentiertesten Entwickler moderner High-Gain-Rock-Amps. Soldano trat 1987 mit seinem äußerst beliebten Super Lead Overdrive (SLO) in die Szene ein. Die Marke brachte 1997 zu ihrem 10-jährigen Jubiläum den wilden Decatone heraus und ist heute noch mit einer breiten Palette stark aufgestellt, vom kleinen, aber mächtigen Astroverb 16 bis zu einer Auswahl an 100-Watt-Verstärkern wie dem Lucky 13 und Avenger (während die beliebten SLO, Decatone und andere weiterhin produziert werden).
Soundtechnisch sind Soldanos Verstärker sehr "Ami-Rock" geprägt, wozu er meist 6L6-Ausgangsröhren bevorzugt. Der Aufbau erfolgt in Leiterplattenbauweise, aber mit hochwertigen Komponenten und dicken, robusten Platinen auf hohem Niveau.
- Wichtigstes Modell: SLO
- Empfohlen für: Zeitgenössisches amerikanisches High-Gain und respektable Cleansounds, bei denen eine Menge Ausgangsleistung benötigt wird.
- Berühmte Nutzer: Mark Knopfler, Steve Vai, George Lynch
Swart
Die cleveren, kompakten und groovigen Space-Retro-Kreationen von Michael Swart sind häufig die Wahl von denjenigen, die viel in einem kleinen Paket wollen. Der in Wilmington, NC, ansässige Swart ist ein langjähriger Musiker und Tonstudiobesitzer, der seine eigenen Verstärker baute, um den Sound zu erreichen, den er im Studio brauchte. Seine Arbeit ist vor allem für die Valco-ähnlichen Gehäuse bekannt, in denen die meisten seiner Combos untergebracht sind, und für die Unmengen an Sound und Funktionen, die sie in ein kleines Paket quetschen (z. B. der Single-Ended ST-Atomic Jr mit Röhrenhall und einem Gewicht von nur 8 Kilo).
Der Atomic Space Tone ist seit langem das Aushängeschild der Marke und bietet 15 Watt 6V6-generierten Röhrenton, röhrenbetriebenes Tremolo und Reverb sowie einen einzelnen 12-Zoll-Lautsprecher in einem 18x15,5x9,5-Zoll-Gehäuse mit einem Gewicht von nur 13 Kilo. Die Produktpalette umfasst mittlerweile aber auch den Space Tone Forty-Five mit zwei 6L6-Röhren und 45 Watt Leistung, ein Dual-Single-End True-Stereo ST-Stereo-Topteil ST und andere Variationen. Alle sind klanglich eindeutig auf Amerikanisch ausgerichtet und werden mit durchweg handverdrahteten Schaltungen gebaut.
- Wichtigstes Modell: Atomic Space Tone
- Empfohlen für: Alle, die überkompakte Funktionalität in einem großartig klingenden 15-Watt-Röhrencombo mit Tremolo und Reverb suchen.
- Berühmte Nutzer: Jeff Tweedy, Dean Wareham, Matthew Sweet
Two Rock
Bill Krinard und Joe Mloganoski gründeten 1999 das kalifornische Unternehmen Two-Rock Amplification mit dem Ziel, extrem klare und artikulierte Cleansounds und einen cremigen, Dumble-ähnlichen Overdrive zu erzielen, und zwar unter Verwendung von High-End-Komponenten und -Konstruktionen. Als die Firma noch in den Kinderschuhen steckte, verkaufte das Paar einen Verstärker an Carlos Santana und konnte schnell eine Reihe von bedeutenden Künstlern für sich gewinnen, wodurch sie sich einen Ruf als einer der führenden Hersteller im oberen Bereich des Boutique-Marktes erwarben.
Obwohl Two-Rock mit der Studio-Pro-Serie auch einige relativ kleine 22-Watt-Modelle herstellt, ist das Unternehmen hauptsächlich für seine großen, leistungsstarken 50- und 100-Watt-Modelle bekannt, die in der Regel über fußschaltbare Overdrive-Kanäle und nützliche zusätzliche Features wie einem Effektloop mit Buffer, zusätzliche FET-Vorverstärkerstufen und andere Extras verfügen.
Das Unternehmen entwickelt sich ständig weiter, und einige der früheren Modelle wurden ausgemustert, aber die aktuelle Produktpalette ist nach wie vor sehr umfassend. Two Rock bietet auch Verstärker an, die für diejenigen optimiert sind, die Pedale für ihre Overdrive- und Distortion-Sounds verwenden, wie z. B. die Sensor-Serie, die 22-, 50- und 100-Watt-Amps umfasst.
- Wichtigstes Modell: Classic Reverb
- Empfohlen für: Die gesamte Bandbreite von unverfälschten Cleans bis hin zu dickem, cremigem Overdrive, mit nützlichen Performance-Funktionen.
- Berühmte Nutzer: John Mayer, Matt Schofield, Steve Kimock
Carr
Steve Carr von Carr Amplifiers aus North Carolina kopiert nicht die Klassiker, sondern entwickelt seit langem inspirierende Schaltungen und Verstärkerdesigns, die den Gitarrist*innen von heute einen großartigen Sound und hervorragende Funktionalität bieten. Carr-Verstärker schreien wie Henry David Thoreau "Einfachheit!" von den Hügeln, aber denoch ist jeder einzelne mit Leistungsmerkmalen ausgestattet, die modernen Gitarrist*innen bei Auftritten und Aufnahmen helfen, in verschiedenen Venues einen großartigen Ton zu erzielen.
Der zweikanalige Slant 6V verfügt beispielsweise über einen Half-Power-Modus, mit dem zwei der vier 6V6 zum Schweigen gebracht werden können (dazu kommen Optionen für feste oder Kathodenvorspannung), während der Single-Ended-Mercury über einen eingebauten Attenuator verfügt, mit dem er von acht Watt auf zwei, 0,5 oder sogar nur 1/10 Watt reduziert werden kann. Der Raleigh liefert drei Watt saftigen Single-Ended-EL84-Tone in einem 1x10-Combo für den Heim- und Studiobetrieb, während der neuere Skylark von der Gitarrenszene für seinen aktualisierten Princeton-Vibe und seine Leistung gelobt wurde. Alle Carr-Verstärker werden komplett von Hand verdrahtet und mit hochwertigen Komponenten bestückt und jeder von ihnen wird in einem stilvollen, individuellen Gehäuse geliefert, von denen viele eine extrem coole retro-moderne Ästhetik aufweisen.
- Wichtigstes Modell: Carr Rambler
- Empfohlen für: Hervorragende cleane 6L6-Sounds mit amerikanischem Voicing, die bei Bedarf immer noch Drive haben, mit süßem Hall, Tremolo und anderen Features.
- Berühmte Nutzer: Jeff Tweedy, Bill Frisell, Neko Case, Charlie Hunter
Tone King
Bevor Mark Bartel vor mehr als 20 Jahren die Tone King Amplifier Company gründete, machte er eine Ausbildung zum Elektroingenieur und arbeitete in der Herstellung von Großrechnern. Nachdem er einige Jahre lang nebenbei Verstärker gebaut hatte, machte er die Röhrenelektronik zu seinem Vollzeitjob. Tone King-Verstärker sind vor allem für ihre vielseitige Weiterentwicklung des klassischen, Black-Panel inspirierten Fender-Sounds bekannt, obwohl viele von ihnen über einen zweiten Kanal verfügen, der für knorrige Lead-Sounds von Tweed- zu Marshall-Sounds übergeht—oft mit üppigem Reverb und Tremolo an Bord.
Zu den aktuellen Modellen gehören die MkII-Version des 20-Watt Imperial (das erste Serienmodell von Tone King), der vielseitige Sky King, der kleine Falcon und der von Fender inspirierte Gremlin, der aber auch die klassischen Marshall-Sounds auf den neuesten Stand bringt und den Anforderungen moderner Musiker*innen gerecht wird. Tone King verwendet für die meisten Verstärker hochwertige Leiterplatten.
- Wichtigstes Modell: Imperial MkII
- Empfohlen für: Alle, die vor vielen Jahren einen Deluxe Reverb benutzt haben, aber eine breitere Palette von Sounds und eine größere Vielseitigkeit bei der Performance suchen.
- Berühmte Nutzer: Lou Reed, Colin Hay, Pat Wilson, Mark Knopfler
Victoria
Die Suche nach einem authentischen Tweed-Sound in einem neuen, aktuell verfügbaren Verstärker veranlasste Mark Baier 1994 zur Gründung der Victoria Amp Company in der Nähe von Chicago. Dabei spürte Baier originale Transformator-Designs auf, verfolgte präzise Vintage-Schaltungen und erreichte—nach Ansicht der meisten Gitarrist*innen—extrem genaue Reproduktionen des satten Tons und der hervorragenden Anschlagsempfindlichkeit dieser wertvollen Fender-Verstärker aus den 1950er Jahren.
Das Victoria-Sortiment umfasst alle "Narrow Panel" Tweed-Verstärkermodelle, vom champähnlichen 518 bis zum leistungsstarken 80212 im Twin-Stil, aber mit dem Electro King-Combo auch eine großartige Nachbildung des berühmten Gibson GA-40 Les Paul-Verstärkers aus den späten 50er-Jahren. Der Regal II ist ein Dual-Single-Ended-Combo mit Reverb und Tremolo, der eine große Auswahl an oktalen Ausgangsröhren verwenden kann, sowohl einzeln als auch paarweise, um von etwa fünf Watt auf über 30 Watt zu kommen. Der Golden Melody klingt wie der ideale "große Amerikanische"-Verstärker von damals, mit 50 Watt aus zwei 6L6, echtem harmonischen Vibrato und üppigem röhrenbetriebenem Federhall, und das alles in einem wunderschönen 2x12-Combo.
- Wichtigstes Modell: Double Deluxe
- Empfohlen für: Alle, die die elegante Einfachheit des ursprünglichen 5E3 Deluxe mit mehr Volumen und Headroom in einem 4x6V6 2x12 Combo suchen.
- Berühmte Nutzer: Jimmy Vaughan, Ronnie Earl, Keith Nelson, Buddy Guy
65 Amps
Man nehme einen ehemaligen Gitarristen und einen aktuellen, hochkarätigen Tourmusiker, mache sie beide zu besessenen Technikfreaks, und was erhält man? 65 Amps, natürlich. Das kalifornische Unternehmen wurde in den frühen 2000er Jahren von Dan Boul und Peter Stroud gegründet und entstand aus dem Bestreben, Vintage-Sound mit verbesserter Vielseitigkeit und "Vokabular" zu kombinieren, wie Boul es gerne ausdrückt. Seitdem ist das Unternehmen ein wichtiger Akteur in der Boutique-Szene. Handverdrahtete Platinen, Mercury Magnetics-Transformatoren und andere hochwertige Komponenten signalisieren das Engagement von 65 für erstklassige Handwerkskunst.
Viele der frühen Erfolge des Unternehmens wie der London, der Soho und der Lil' Elvis lehnten sich an die von Vox abgeleiteten britischen EL84-Sounds der 60er Jahre an, aber das Angebot von 65 Amps ist nicht auf die rechte Seite des Teichs beschränkt. Der Tupelo sprudelt mit 6V6-basierten Hot-Rodded-Fender-Sounds, während der Ventura EF86-abgeleitete UK-meets-US-Sounds in einem wuchtigen Topteil in Lunchbox-Größe verpackt.
Die Producer EL- und 6L-Verstärker (mit EL34- bzw. 6L6-Röhren) stellen ein revolutionäres Design im Bereich der großen Amps dar—oder genauer gesagt, zielen sie darauf ab, Großverstärker-Sounds bei brauchbaren Lautstärken zu erreichen. Es wird ein spezieller Niederspannungs-Netztransformator verwendet, um klassische 60er-Jahre-Sounds mit modernen Röhren zu erzielen und gleichzeitig die Lebensdauer der Röhren drastisch zu verlängern. Eine Master-Voltage-Schaltung sorgt dafür, dass der volle Overdrive auch bei geringerer Lautstärke erhalten bleibt.
- Wichtigstes Modell: London
- Empfohlen für: Hervorragende Sounds aus zwei Kanälen—ein Voxiger EF86, ein Marshalliger 12AX7—mit ausgezeichneter Klarheit und Dynamik.
- Berühmte Nutzer: Pat Buchanan, Matthew Sweet, Peter Stroud, Mark Goldenberg
Bad Cat
Der Gründer von Bad Cat, James Heidrich, war bestrebt, hochwertige "Class A"-Verstärker zu bauen, und hat sich vor der Gründung des Unternehmens gründlich informiert. Wie er mir Anfang der 2000er Jahre erzählte, schienen alle Wege zu Mark [Sampson, dem Gründer von Matchless] zu führen. Sampson hatte Matchless zu dieser Zeit gerade verlassen und konnte als Chefdesigner für Bad Cat gewonnen werden. Sampson gründete bald darauf seine eigene Firma, Star, und Bad Cat verzweigte sich in mehrere weitere originelle Entwürfe, während weiterhin auf eine echte Punkt-zu-Punkt-Konstruktion und äußerst hochwertige Komponenten für die Spitzenprodukte gesetzt wurde.
Das Unternehmen wurde 2012 von John Thompson und George und Judy Klimek übernommen, und das neue Team erntete viel Lob für die Beibehaltung der Produktionsstandards bei gleichzeitiger Erweiterung der Produktpalette. Originale wie der Black Cat und der Cub III haben sich stark weiterentwickelt und bieten nun eine enorme Regelungsflexibilität mit Modellen in 15, 30 und 40 Watt. Der Hot Cat hat sich unterdessen als Favorit unter den Rockern etabliert.
- Wichtigstes Modell: Black Cat
- Empfohlen für: Zwei superflexible Kanäle mit britischem Sound—ein EF86, ein 12AX7—mit hervorragender Verarbeitungsqualität und Durchsetzungskraft im Mix.
- Berühmte Nutzer: Keith Urban, Derek St. Holmes (Ted Nugent), Johnny Rzeznik (Goo Goo Dolls), Jeremy Popoff (Lit)
Bogner
Eine Verstärkerfirma, die Modelle mit Namen wie Ecstasy, Uberschall (auch in Pedalform) und Shiva herausbringt, trägt ihr High-Gain-Herz auf der Zunge, und Bogner geht in Sachen Heavy-Rock aufs Ganze. Bogner wurde 1992 in LA von den beiden gebürtigen Deutschen Reinhold Bogner und Jorg Dorschner gegründet—ersterer ein bekannter Amp-Modder, letzterer der Erfinder des beliebten Fish-Preamps.
Von Anfang an war die Firma dafür bekannt, dass sie für die Bedürfnisse von Shred-Maniacs und Heavy-Rockern brenzlige Gain-Stufen aufbaute, und die oben genannten Verstärker erfüllen diese Anforderungen in vollem Umfang. Bei den Produktionsmodellen wurde eine hochwertige Leiterplattentopologie verwendet, was Bogner zu einer von mehreren Ausnahmen von der Regel macht, dass ein Boutique-Verstärker "handverdrahtet" sein muss (oder, um es genau zu sagen, Bogner sind handverdrahtet, verwenden aber gut entworfene und konstruierte Leiterplatten).
Zusätzlich zu den massiven Vernichtungsmaschinen bietet Bogner mit dem Barcelona eine Reihe von einfacheren und etwas vintage-inspirierteren Verstärkern an—ein 40-Watt-Verstärker ohne Master-Volumen, der auf zwei EL34s basiert. Der 2011 vorgestellte, äußerst flexible Zweikanal-Goldfinger wurde für seinen überraschend guten Clean-Kanal und seine cleveren Schalt- und Leistungsoptionen gelobt, während der neuere Helios 25 Jahre Bogner-Geschichte durchforstet, um Reinholds beste Modded-Marshall-Sounds zu präsentieren.
- Wichtigstes Modell: Shiva
- Empfohlen für: Rocker, die einen fetten, klingelnden Clean-Kanal neben fußschaltbaren, knurrenden, satten Lead-Sounds suchen.
- Berühmte Nutzer: Mark Goldenberg (Jackson Browne), Steve Lukather, Reeves Gabrels, Chris Degarmo (Queensryche)
Friedman Amplification
Wie viele andere in der Boutique-Szene hat sich auch Dave Friedman einen Namen gemacht, indem er Verstärker, insbesondere Marshalls, modifiziert und aufgemotzt hat. Er hatte mehrere prominente Kunden (darunter Steve Stevens und Edward Van Halen), bevor er seine eigene Produktlinie mit von Grund auf neu entwickelten Verstärkern aufbaute. Wie nicht anders zu erwarten, folgt Friedmans Angebot daher im Allgemeinen einem von Marshall inspirierten Thema, wobei er die Modifikationen, die er seit mehr als 25 Jahren an den Originalverstärkern vorgenommen hat, oft als Standardfeatures einsetzt.
Der BE-100, Friedmans Grundstein, ist ein 100 Watt starkes 4xEL34-Biest mit Clean- und Gain-Kanälen, wobei letzterer über zwei Modi und eine Vielzahl von Voicing-Optionen verfügt, die hauptsächlich darauf abzielen, die High-Gain-Sounds von Marshall aus den 80er Jahren zu erreichen. Der PT-20 bietet ähnliches in einem 20-Watt-Paket mit 2xEL84, nur einem Kanal und einem vereinfachten Interface. Weitere Angebote sind der Buxom Betty, der britische und amerikanische Sounds in einem einkanaligen Verstärker der alten Schule vereinen soll, und der Dirty Shirley, eine Art Gain-optimierter JTM45. Alle Friedman-Verstärker sind handverdrahtet und mit hochwertigen Komponenten ausgestattet.
- Wichtigstes Modell: BE-100
- Empfohlen für: Rocker, die einen einfachen Zugang zu drei verschiedenen, klassisch inspirierten Marshall-Sounds suchen, von Clean bis Scream.
- Berühmte Nutzer: Jerry Cantrell (Alice In Chains), Billy Duffy (The Cult), Phil X (Bon Jovi), Joe Bonamassa
Budda Amps
Das "Biest in Lila" wurde 1995 von Jeff Bober, Scott Sier und Dan van Riesen in Kalifornien gegründet. Das Unternehmen machte sich schnell einen Namen für seine heißen Verstärker vor allem im unteren Leistungsbereich, hat aber auch einige sehr leistungsstarke Verstärker auf den Markt gebracht. Neben dem allgegenwärtigen lilafarbenen Design sind die Markenzeichen von Budda einfache, aber relativ verstärkungsstarke Frontends und eine unkomplizierte, aber effektive Klangformung. Die Amps sind in gewisser Weise Vintage-inspiriert, da sie auf übermäßige Regler und Kanalumschaltungen in der Gain-Stufe verzichten, aber sie sind auch völlig zeitgemäß und orientieren sich nicht im Geringsten an bereits existierenden Designs.
Klanglich sind sie für ihre aufgedrehten, kantigen Leadsounds und ihre hervorragende Anschlagempfindlichkeit bekannt. Die interne Konstruktion ist eine Mischung aus Punkt-zu-Punkt- und handverdrahteter Platinenbauweise mit einigen robusten Leiterplatten, um hochwertige Verstärker zu vernünftigen Preisen zu produzieren, die auf dem Gebrauchtmarkt zu erstaunlich guten Angeboten führen.
Langjährige Eckpfeiler wie der Twinmaster und der Superdrive 18 verwenden Dual-EL84-Ausgangsstufen, wobei der erstere eine Rhythm-/Lead-Auswahl über die Low- und High-Eingänge ermöglicht (der zweite fügt eine 12AX7-Stufe hinzu), während der letztere über eine richtige Kanalumschaltung verfügt und es dabei trotzdem schafft, die Dinge einfach zu halten. Der Superdrive 80 macht die gleichen Tricks mit dem massiven Backend von vier 6L6 oder vier 6550. Obwohl Budda vor einigen Jahren von Peavey übernommen wurde, sind die Schaltkreise und die Bauweise die gleichen geblieben, und diejenigen, die die Modelle vor und nach Peavey nebeneinander getestet haben, berichten, dass es keinen erkennbaren Unterschied gibt.
- Wichtigstes Modell: Twinmaster
- Empfohlen für: Alle, die in einem einfachen 18-Watt-Verstärker einen Lead-Sound suchen, der über seiner Gewichtsklasse schlägt und eine hervorragende Anschlagsempfindlichkeit bietet.
- Berühmte Nutzer: Alex Skolnick, Charlie Sexton, Jon Foreman of Switchfoot
Suhr
Die Firma Suhr, die vor allem für Gitarren bekannt ist, hat sich auch im Bereich der robusten, stimmigen Rockverstärker einen Namen gemacht und scheint diesen Bereich immer weiter zu festigen. In den Geschichten über den Firmengründer John Suhr ist oft die Rede von seiner Zeit als Reparateur bei Rudy's Music in New York und der darauf folgenden Gitarrenmarke Pensa-Suhr (die unter anderem Mark Knopfler mit Gitarren versorgte). Etwa zur gleichen Zeit tat sich Suhr mit dem Audiodesigner Bob Bradshaw zusammen, um den hochgelobten Custom Audio Electrics 3+ Vorverstärker zu entwickeln und in den frühen 1990er Jahren konzentrierte sich seine Arbeit mehr auf Verstärker als auf Gitarren.
Nach einem Umzug nach Kalifornien und einer Tätigkeit im Fender Custom Shop von 1995-97 brachte Suhr seine eigene Gitarrenmarke auf den Markt, und die Verstärke mit ausgefallenen Röhrendesigns folgten auf dem Fuße. Größere Suhr-Angebote—wie die PT-100 Signature Edition für den Sideman Pete Thorn und der ML-100 für Michael Landau—drehen sich in der Regel um eine Neuinterpretation des auf dem EL-34 basierenden Marshall-Rocksounds, wobei der erstgenannte Verstärker durch eine Fülle zusätzlicher Funktionen besticht.
Beliebte Angebote in kleineren Gehäusen sind der Badger 18 und der 35, bei denen EL84- bzw. EL34-Paare mit Kathodenvorspannung verwendet werden. Der Hedgehog 50 kommt von der anderen Seite des Atlantiks mit 50 Watt amerikanischem Hot-Rodded-Sound, während der Bella eine 6L6-basierte Pedalplattform ist, die zwischen 22 und 44 Watt fester Vorspannung umschaltbar ist.
- Wichtigstes Modell: PT-100
- Empfohlen für: Zeitgenössische Rock-Sounds über drei Kanäle mit flexibler Verstärkung und EQ-Bearbeitung.
- Berühmte Nutzer: Michael Landau, Pete Thorn, Scott Henderson
Engl Amps
Der deutsche Hersteller Engl hat sich seit langem auf robuste, knallharte Verstärker für den Heavy-Rock-Markt spezialisiert und hat auch außerhalb der EU viele Fans gewonnen. Es mag ein wenig verquer erscheinen, die Popularität eines Röhrenverstärkers daran zu messen, wie beliebt er im Bereich der digitalen Emulation ist, aber ich finde es bezeichnend, dass Line 6 vor einigen Jahren ein Modell des Engl Fireball in sein Modeling-Menü aufgenommen hat.
Engl-Verstärker werden mit Leiterplatten statt mit handverdrahteten Schaltkreisen gebaut, wobei die Röhrenfassungen direkt mit diesen Leiterplatten verbunden sind, obwohl sie durch Chassishalterungen verstärkt sind. Einige werden argumentieren, dass dies sie aus der Boutique-Kategorie ausschließen sollte, aber unabhängig davon scheint ihr allgemeiner Ethos immer noch eine Aufnahme in diese Kategorie zu rechtfertigen, und es ist erwähnenswert, dass Soldano, Rivera, Tone King und einige andere ebenfalls in großem Umfang von der Leiterplattenkonstruktion Gebrauch gemacht haben.
Modellnamen wie Savage, Screamer, Powerball, Ironball und Invader lassen einen schnell—und richtig—auf Engls Neigungen schließen. Dies sind Verstärker für wilde, moderne Rocker, mit viel Gain und einer charakteristischen, dicken, druckvollen Ansprache mit einem ordentlichen Kick im unteren Frequenzbereich. Die meisten von ihnen bieten neben der Kanalumschaltung eine Fülle von Funktionen, darunter nützliche Anschlussmöglichkeiten und bei einigen sogar MIDI-Steuerungsoptionen.
- Wichtigstes Modell: Fireball
- Empfohlen für: Kraftvolle, durchschlagende Heavy-Rock-Sounds mit reichlich Gain auf dem Hahn.
- Berühmte Nutzer: Duff McKagan (Guns N' Roses), Scott Gorham (Thin Lizzy) und Marty Friedman (Megadeth)
Jackson Ampworks
Es mag seltsam erscheinen, dass ein amerikanischer Verstärkerbauer aus dem Herzen von Texas seinen Namen mit kreativen Änderungen an klassischen britischen Verstärkern gemacht hat, aber das ist der Sound, der Brad Jackson in erster Linie auf die Landkarte gebracht hat. Von 2003 bis 2009 war Jackson Ampworks ein Ein-Mann-Betrieb, doch die Expansion nach dieser Zeit ist ein Indiz für die allgemein steigende Popularität des Herstellers. Die klanglichen Aromen haben sich auch über den großen Teich ausgebreitet, obwohl sich die Produktpalette nach wie vor auf Jacksons geradlinige (und dennoch flexible) Ziele konzentriert, wobei alle Modelle mit hochwertigen Komponenten auf handverdrahteten, maßgefertigten Turret-Boards gefertigt werden.
Ein großer Teil des Jackson-Ethos besteht darin, relativ einfache Vorverstärkerstufen anzubieten, die durch hochgradig rekonfigurierbare Ausgangsstufen zusätzliche Flexibilität gewinnen. Der Britain 4.0 aus Jacksons Custom Shop ist eine kompakte Version des klassischen Vox-meets-Marshall-Sounds, mit einem EF86-Kanal und einem 12AX7-Top-Boost-Kanal, die intern miteinander verbunden sind und je nach Wunsch gemischt oder einzeln verwendet werden können.
Die Ausgangsstufe ist konfigurierbar mit 15 oder 30 Watt in Class A über EL84, 25 Watt in Class A über EL34 oder 50 Watt in Class AB über EL34. Das andere aktuelle Custom Shop-Angebot, der Atlantic 4.0, ist die neueste Version von Jacksons Aushängeschild-Design aus dem Jahr 2003, das dieselbe vielseitige Ausgangsstufe verwendet, um ein Front-End zu unterstützen, das von Ken Fischers Trainwreck-Designs inspiriert ist. Jacksons American Series umfasst drei unverwechselbare Versionen beliebter Fender-Amps, die alle mit viel Originalität nachgebildet wurden, während die British Clean Series die Aspekte des Britain 4.0 in vier erschwinglichere Amps aufteilt.
- Wichtigstes Modell: Britain 4.0
- Empfohlen für: Eine Neuauflage der beiden beliebtesten Kanäle mit britischen Voicings, mit einer äußerst vielseitigen Ausgangsstufe.
- Berühmte Nutzer: Nigel Hendroff (Hillsong), Robbie McIntosh (John Mayer Band, The Pretenders) und Keith Sewell (Dixie Chicks, Lyle Lovett)
Magnatone
Die zeitgenössische Neuauflage einer legendären Vintage-Verstärkerlinie als "Boutique" zu bezeichnen, mag etwas seltsam erscheinen, aber ich finde, dass die wiederbelebte Marke Magnatone sich in mehrfacher Hinsicht qualifiziert. Diese Geräte sind alles andere als Massenware. Sie werden in den USA von St. Louis Music handgefertigt, mit handverdrahteten Platinen und Komponenten, wie man sie in vielen anderen Boutique-Verstärkern findet. Außerdem hat Magnatone nicht akribisch alte Schaltkreise nachgebaut, sondern klassische Sounds und Funktionen für eine verbesserte Leistung angepasst und gleichzeitig viele clevere neue Designs eingeführt.
Der Stereo Twilighter repräsentiert den historischen Magnatone-Sound am besten. Dieser 2x12-Zoll-Combo verfügt über zwei volle Ausgangsstufen mit je 22 Watt, von denen jede ein Paar 6V6 für die echte Stereowiedergabe des legendären Pitch-Shifting-Vibrato verwendet. (Fun Fact: Die beiden breiten "V"-Embleme auf dem Frontgitter des Verstärkers stehen für "vibrato vastness" (Vibrato-Weite), wie es in den alten Magnatone-Katalogen heißt).
Alle, die auf der Suche nach tragbareren Modellen sind, können mit dem 1x12-Zoll Twilighter und dem 2x10-Zoll Panoramic Stereo den Vintage-Magnatone-Geschmack bekommen, während der Single V ein wenig Fender Pro aus der Tweed-Ära mit den üppigen Magnatone-Effekten verbindet. Die Studio-Serie bietet noch kompaktere 10- und 12-Watt-Combos wie den Lyric und Varsity, die immer noch den Magnatone-Stil einfangen, während die Master Collection zwei Versionen der Super Fifty-Nine-Heads enthält, die auf Brit-meets-Yank-Rock-Sounds abzielen.
- Wichtigstes Modell: Stereo Twilighter
- Empfohlen für: Eine verlässliche, zeitgemäße Variante des hypnotischen Magnatone-Stereo-Vibratos mit exzellentem Röhrensound im Vintage-Stil.
- Berühmte Nutzer: Billy Gibbons, Tom Petty, Rich Robinson
TopHat
Wo hat Brian Gerhard von TopHats Suche nach dem Röhrensound ihren Ursprung? Am selben Ort wie unzählige DIY-Builder im Laufe der Jahre: "Ich habe einen Tweed Deluxe gebaut, und wenn man zum ersten Mal einen hört, den man selbst gebaut hat, findet man: 'Oh, das ist ziemlich gut!'. Im Vergleich zu einem High-Gain-Marshall aus dieser Zeit [etwa 1980er Jahre] hörst du diesen großen, herrlichen Reichtum eines einfachen Designs mit wenigen Teilen, und das macht dich ziemlich schnell an." Nach der Gründung von TopHat Amplification in Kalifornien im Jahr 1994 verfolgte Gerhard weiterhin die klanglichen Freuden der Einfachheit und baute eine Reihe von handverdrahteten Verstärkern, die in den vergangenen Jahren mit großem Lob bedacht wurden.
Gerhard scheut sich nicht, seine Designs zu aktualisieren, wenn sich seine Ideen weiterentwickeln. So hat zum Beispiel TopHats meistverkaufter Club Royale Combo im Laufe der Jahre mehrere Iterationen durchlaufen, um zu der geradlinigen und doch überraschend vielseitigen Klangmaschine zu werden, die er heute ist. Der mächtige Emplexador bietet 50- und 100-Watt-Nachempfindungen von Plexi-Crunch bis hin zu JCM800-Gain-Sounds, der Ambassador liefert erstklassige amerikanische Voicings, und der Supreme 16 und der Vanderbilt 33 aus dem Custom Shop liefern 16 bzw. 33 Watt über EL84 bzw. 6L6, die sich zu einem Vox-ähnlichen EF86-Kanal und einem eher Marshall-artigen 12AX7-Kanal mit Kathodenfolger-Tonreglern für Höhen, Mitten und Bässe gesellen.
- Wichtigstes Modell: Club Royale
- Empfohlen als: Melodiöser und unkomplizierter Club-Gig-Combo, der von Vox- über Fender- bis hin zu Marshall-Sounds reicht.
- Berühmte Nutzer: Greg Leisz, Mark Goldenberg, Rusty Anderson, Dan Huff
Matchless
Obwohl Matchless nicht der erste Hersteller seiner Art war, definiert er für viele heute praktisch den Begriff "Boutique". Matchless wurde 1989 von Mark Sampson und Rick Perrotta in Kalifornien gegründet, steht für das Bestreben, einen "roadtauglichen AC30" zu bauen und ist seit mehr als 25 Jahren ein Synonym für erstklassigen Class-A-Sound. Oft wird die Bezeichnung "Punkt-zu-Punkt" fälschlicherweise verwendet, um handverdrahtete Röhrenverstärker im Allgemeinen zu beschreiben, aber ein Blick in ein Matchless-Gehäuse liefert eine einfache Definition dessen, was der Begriff tatsächlich bedeutet: Eingänge, Röhrenbuchsen, Potis und noch mehr Röhrenbuchsen sind direkt miteinander verbunden, allein durch die dazwischen gelöteten Komponenten (Widerstände und Kondensatoren).
Neben der bemerkenswerten Bauweise ist Matchless für seinen charakteristischen Tone bekannt, der viel Klarheit und harmonisches Funkeln für üppige, klare Cleansounds und satte, süße und dennoch druckvolle Leadsounds bietet, wenn er hart gefahren wird. Manche Spieler empfinden den druckvollen High-End-Ton einiger Matchless-Modelle als zu aufdringlich, aber das ist oft eine Einschätzung, die zu Hause oder in kleinen Räumen gemacht wird: Wenn man einen auf einer anständig großen Bühne auf Gig-Lautstärke bringt, schneidet er wunderbar durch den Mix.
Das Flaggschiff DC30 vereint Vox-artige EF86- und 12AX7-Kanäle (hier hat alles angefangen) in einer kühnen 4xEL84-Ausgangsstufe, während der Clubman und der Chieftain mit EL34s arbeiten. Der derzeitige Chef von Matchless, Phil Jamison, hat auch viele seiner eigenen Entwürfe in die Produktpalette aufgenommen, darunter den dreikanaligen Independence, eine Premiere für den Hersteller. Man hört oft von Matchless-Verstärkern aus der Sampson-Ära und aus der Zeit nach Sampson (Mark Sampson verließ das Unternehmen 1999) und meint, dass die ersteren besser seien, aber ich sage: Ich habe mehrere von beiden besessen und gespielt und hatte meine Hände auch in den Chassis von beiden, und sie sind nach dem gleichen Stil gebaut, mit Komponenten von gleicher Qualität, und das Ergebnis sind gleich gut klingende Verstärker.
- Wichtigstes Modell: DC30
- Empfohlen für: Professionelle Gitarrist*innen auf der Suche nach satten, dynamischen, harmonisch komplexen, britisch geprägten Sounds, die auch auf der großen Bühne überzeugen.
- Berühmte Nutzer: Jimmie Vaughan, Robert Cray, James Valentine, T-Bone Burnett
Louis Electric
Louis Rosano aus Howell, New Jersey, baut seit mehr als 20 Jahren professionell Verstärker, hat aber erst in den letzten Jahren mit seiner Marke Louis Electric große Aufmerksamkeit erlangt. Der klassische Louis-Electric-Verstärker verbindet den Look der Tweed-Ära von Fender/Gibson/Valco mit originellen Versionen bewährter Schaltungstopologien, die alle von Hand mit erstklassigen Bauteilen verdrahtet werden.
Bis vor kurzem hat sich Louis hauptsächlich auf 1x12-Zoll-Combos konzentriert, die allerdings oft mit robusten Kraftpaketen ausgestattet waren. Mittlerweile sind auch einige Head-and-Cab-Optionen in die Produktpalette aufgenommen worden. Viele der Kreationen von Louis Electric streben nach den klassischen Tweed- und frühen Marshall-Sounds in unseren Köpfen, mit einigen Änderungen, um sie auch für alle, die keinen eigenen Roadie haben, nutz- und tragbar zu machen.
Louis' erstes Modell war der LE 58 (ehemals Twinmaster), der auf dem Tweed-Twin mit geringer Leistung aus den späten 50er Jahren basierte und die Ehre hatte, Danny Gattons Original-Twin auf Tour zu ersetzen, bevor der Tele-Virtuose starb. Der Buster und der Tornado erweitern die 5E3 Deluxe-Plattform auf die Leistung von 6L6 bzw. EL34, und der Baby Bluesbuster überträgt die Formel auf das JTM45-Rezept. Louis hat außerdem Verstärker entwickelt, die den Sound von Künstlern wie Keith Richards (KR12) und Hubert Sumlin (HS12) einfangen. Mit dem Columbia Reverb, dem Deltone Reverb und dem Evertone Reverb, Hommagen an Fenders Princeton Reverb, Deluxe Reverb bzw. Vibrolux Reverb, hat er sich kürzlich in das Gebiet der Black-Panels gewagt.
- Wichtigstes Modell: KR12
- Empfohlen für: Keef-abgesegnete knackige Rhythmus- und Old-School-Lead-Sounds in einem relativ tragbaren 40-Watt-Paket auf EL34-Basis.
- Berühmte Nutzer: Keith Richards, Hubert Sumlin, Danny Gatton, Ana Popovic
Morgan Amplification
Der in Huntington Park, Kalifornien, ansässige Joe Morgan hat sich in den letzten Jahren in Boutique-Kreisen einen Namen gemacht, teilweise dank der begeisterten Reaktionen mehrerer zufriedener Besitzer*innen, die prominente Gitarren-Chatrooms bevölkern. Er baut, repariert und modifiziert jedoch seit 1996 Verstärker und hat für seine einfachen, klangvollen Designs mehrere Profi-Endorsements erhalten.
Vox-inspirierte Kreationen bilden den Kern seines Sortiments, wobei der 2xEL84 AC20 Deluxe und der 4xEL84 AC40 Deluxe auf Inspirationen zurückgehen, die nur wenige von uns überraschen werden. Beide erinnern an die Anfänge der legendären JMI-Kreationen, aber statt zwei Kanälen für die 12AX7- und EF86-Pentodenvorstufen gibt es nur einen Eingang und einen Lautstärkeregler (zusammen mit einem Cut-Regler zur Zähmung der Höhen und einem Power-Level-Regler für die spannungsgesteuerte Ausgangspegelregelung), mit einem Schalter auf der Rückseite zur Auswahl zwischen den beiden Vorstufenröhren.
Der Abbey bietet zwei weitere Regler für Top-Boost-Tricks in einem 20-Watt-Paket, während der 30/800 rockige JCM800-Sounds aus einer 4xEL84-Ausgangsstufe liefert. Andere wie der PR12, der RCA35, der SW22 liefern mit oktalen Ausgangsröhren eher amerikanisch angehauchte Töne. Handverdrahtete Schaltungen, kundenspezifische Mercury Magnetics-Transformatoren und andere ausgewählte Komponenten sind Teil des Morgan-Ethos.
- Wichtigstes Modell: AC40 Deluxe
- Empfohlen für: Saftige, vom AC15 inspirierte Sounds in einem herrlich einfachen Paket, das dennoch eine ordentliche Vielseitigkeit bietet.
- Berühmte Nutzer: Michael Landau, Jon Conley & Adam Greenberg (Kenny Chesney), Andy Davis (The Band Perry)
Divided by 13
Divided by 13 hat mit kreativer Einfachheit neue Höhen erklommen und in den rund zehn Jahren seines Bestehens eine ganze Reihe bedeutender Musiker in seine Reihen geholt. Hauptmann Fred Taccone arbeitete während seiner Collegezeit bei Fender und Music Man, bevor er als Gitarrist einer Hardcore-Band durch die USA und Europa tourte und schließlich zur Verstärkerreparatur zurückkehrte, um sich in seiner Heimatstadt Los Angeles niederzulassen.
Ein Großteil von Taccones Erfolg mit der Divided by 13-Linie scheint auf seinen einfachen, aber praktischen Ansatz für neue Designs zurückzuführen zu sein. Ohne viel Schnickschnack, dafür aber mit vielen nützlichen Funktionen und dynamischen, ausdrucksstarken Sounds konzentrieren sie sich auf das, was wirklich notwendig ist, um einen inspirierenden, originellen Ton aus einem Röhrensatz herauszuholen. Der beliebte JRT 9/15 dreht den Spieß im Gegensatz zu den meisten Zweikanal-Verstärkern um, indem er eine einzelne Vorstufe auf Basis einer 5879-Pentode (wie sie in Gibsons legendärem GA-40 Les Paul Amp aus den 1950er Jahren verwendet wurde) mit umschaltbaren Ausgangsstufen kombiniert, von denen eine ein Paar EL84 in Class AB für 15 Watt und die andere ein Paar 6V6 in Class A für 9 Watt bietet.
Der SJT 10/20 und der EDT 13/29 sind ähnlich einfach aufgebaut, beziehen ihre zweifachen Ausgangspegel jedoch aus einer Umschaltung zwischen Kathoden- und fester Vorspannung und verwenden 6V6 bzw. KT66 Röhren. Der RSA 31 ist der Vox-inspirierte Verstärker, den jeder Boutique-Hersteller anzubieten scheint, obwohl er die Formel auf den Kopf stellt, indem er in einem Kanal eine 5879-Pentoden-Vorstufenröhre verwendet—eine Maßnahme, die angeblich die berüchtigte Mikrofonie dieser Röhre bekämpft—und nicht die üblicherweise verwendete EF86. In der übrigen Divided by 13-Produktpalette findet man weitere ebenso kreative Designs und ein ansprechendes Styling.
- Wichtigstes Modell: JRT 9/15
- Empfohlen für: Alle, die auf der Suche nach saftigen, taktilen Tönen in einem einfachen Paket sind, das dennoch eine überraschende Vielseitigkeit bietet.
- Berühmte Nutzer: Lyle Workman, Rusty Anderson, Jackson Browne, Ronnie Wood
Rivera
Manche Boutique-Fans werden sich fragen, ob Rivera diese Kategorisierung verdient, aber ich würde sagen, dass die Qualität und Originalität des Unternehmens sie in höchstem Maße qualifiziert. Paul Rivera war Chef-Verstärkerreparateur bei Valley Arts in L.A., wo zahllose Stars ihre Verstärker warten und modifizieren ließen, bevor er erfolgreiche Produktreihen für Yamaha und später für Fender entwickelte.
Der von Rivera entworfene Fender Super Champ aus den Jahren 1982-'85 wird von vielen immer noch als ein Klassiker der frühen Moderne angesehen. 1985 verließ Rivera Fender, um in seinem Heimatstaat Kalifornien eine eigene Verstärkerreihe zu entwerfen und herzustellen, und hat nie zurückgeblickt. Obwohl Rivera gedruckte Schaltkreise verwendet, handelt es sich nicht um die Platinen eines billigen Verstärkers. Hier gibt es robuste, Tour-taugliche Konstruktionen, die eine beeindruckende Vielseitigkeit und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.
Viele der Rivera-Verstärker basieren auf einem Dual-Voice-Prinzip, bei dem ein Kanal mit amerikanischem und einer mit britischem Voicing mit einer Fülle von Klangformungsoptionen kombiniert werden. Beliebte Dauerläufer wie die R-Serie, der Fandango und der Chubster haben EL34er verwendet—lange Zeit ein Standbein von Rivera—während der Quiana und der Venus 5 6L6-Röhren verwendet haben und der Clubster 25 sowie der Venus 3 und 6 ihren Saft aus 6V6 bezogen.
Zu den üblichen Rivera-Merkmalen gehören völlig unabhängige EQs für die einzelnen Kanäle der Amps, ein per Fußschalter schaltbarer Boost, extrem brauchbare Master-Regler, die in der Regel auch einzeln pro Kanal zur Verfügung stehen, sowie Funktionen auf der Rückseite wie Effektloops und DI-Ausgänge. Speziellere Rivera-Verstärker sind der donnernde 120-Watt-Verstärker KR7 Mick Thomson Signature, der für die Anforderungen von 7-saitigem Metal-Chaos entwickelt wurde, und der einfache Venus Deux Combo ohne Master-Volume, der für diejenigen gedacht ist, die ihren Overdrive ausschließlich über Pedale erreichen.
- Wichtigstes Modell: Quiana
- Empfohlen für: Alle, die einen äußerst vielseitigen, leistungsstarken und dennoch tragbaren Vollröhrensound zu einem relativ günstigen Preis suchen.
- Berühmte Nutzer: Doyle Dykes, Steve Miller, Will Ray, Mick Thomson (Slipknot)
Fuchs
Fuchs ist einer der führenden Namen in der Szene, die man "Dumble-inspirierten Welle" nennen könnte, und bekannt für solide Bauqualität und einen großen Ton, der auf professionellen Bühnen hervorsticht, aber darüber hinaus gibt es viel Abwechslung in der Produktpalette. Der in Clifton, NJ, ansässige Hersteller unter der Leitung des Designers Andy Fuchs hat seine Produktpalette in den mehr als 10 Jahren seines Bestehens von der ausschließlichen Herstellung großer, leistungsstarker Big-Stage-Rigs auf ein Sortiment von etwa 15 Modellen erweitert, das für nahezu jeden Gig etwas zu bieten hat. Fuchs verwendet größtenteils Leiterplatten, kombiniert mit viel Handverdrahtung, aber wie bei vielen anderen, die sich für diese Serie qualifiziert haben, handelt es sich um robuste, gut gestaltete Leiterplatten, die wegen der Stärken dieser Topologie und nicht nur wegen vermeintlicher Kosteneinsparungen verwendet werden.
Der Ruf von Fuchs wurde vor allem durch den Overdrive Supreme begründet, eine klare Hommage an den Dumble Overdrive Special, mit dem man zwischen satten, schimmernden Clean-Sounds und einem dicken, cremigen, Overdrive mit viel Sustain umschalten kann. Der Verstärker ist in fünf Leistungsstufen erhältlich, von 20 Watt bis 150 Watt. Die Casino-Serie bietet eine "Back-to-Basics"-Reihe mit fünf Verstärkern unterschiedlicher Größe, die sich alle die gleiche vielseitige Zweikanal-Vorverstärkersektion teilen. Die Serie umfasst den Aces (fünf Watt Push-Pull), Lucky-7 (sieben Watt Class A), Blackjack-21 (21 Watt), Full House-50 (50 Watt) und Wild Card 100 (100 Watt). Der Mantis richtet sich an die Metalfraktion, der Clean Machine erfüllt die häufige Nachfrage nach einem "Pedal-Plattform"-Verstärker mit hohem Headroom und brauchbarem Effektloop, und der Tripledrive Supreme fügt der beliebten Overdrive Supreme-Vorlage einen dritten Kanal hinzu.
- Wichtigstes Modell: Overdrive Supreme
- Empfohlen für: Bewährte Clean- und Overdrive-Sounds im D-Stil mit viel Tiefe, harmonischem Reichtum und berührungsempfindlicher Dynamik in allen Modi.
- Berühmte Nutzer: Joe Bonamassa, Devon Allman (Royal Southern Brotherhood) und Rick Nielson (Cheap Trick)
Über den Autor: Dave Hunter ist ein Schriftsteller und Musiker, der in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien gearbeitet hat. Zu seinen Büchern gehören The Guitar Amp Handbook, Guitar Effects Pedals, Guitar Amps & Effects For Dummies, The Gibson Les Paul und viele mehr. Dave schreibt außerdem regelmäßig für die Zeitschriften Guitar Player und Vintage Guitar.