Redaktionelle Anmerkung: LA Priest, a.k.a. Sam Dust, ist für seine einzigartige Interpretation von kosmischem, funkigem und psychedelischem Pop bekannt. Beim Schreiben seines letzten Albums machte er etwas Ungewöhnliches: Er baute sich von Grund auf eine Drum Machine, die sowohl als rhythmisches Zentrum der Songs als auch als Namensgeberin des Albums diente. Er taufte sie Gene.
Wir haben ihn gefragt, was ihn in einer Welt voller fertiger Drumcomputer dazu brachte, seinen eigenen zu bauen. Was versprach er sich von Gene, das er von anderen Geräten nicht bekommen konnte? Und was hat er in dem jahrelangen Bauprozess gelernt? Im Folgenden erzählt er es uns in seinen eigenen Worten.
An einem Herbsttag im Jahr 2015 wanderte ich in den Hügeln um mein Haus in Nordwales und versuchte, mir die perfekte Drum Machine vorzustellen. Im selben Jahr kam das erste LA Priest-Album heraus. Es hat sieben Jahre gedauert, und der Schreibprozess lief größtenteils so ab, dass ich darauf gewartet habe, dass mir eine Idee zufliegt. Mir war also bewusst, dass ich in Zukunft wirklich schneller schreiben muss.

Manchmal hatte ich spontane Schreibanfälle, wenn ich ein neues Instrument bekam, das ich inspirierend fand. Ich hatte sogar für Inji [erschienen 2015] schon ein paar Sachen gebaut, die mich aber jeweils nur zu einem Song inspiriert haben, weil sie nur einen Sound wirklich gut machten. Einige von ihnen existierten nicht lange, denn nachdem ich einen Song aufgenommen hatte, nahm ich sie einfach auseinander, um etwas Neues zu bauen.
Vor Gene hatte ich bisher nur eine einzige Drum Machine gebaut, als Teil eines modularen Synthesizers, den ich bei der Produktion des Xenoula-Albums [2017 erschienen] verwendete. Sie war ziemlich simpel, aber man konnte trotzdem viel damit machen, wenn man sie mit anderen Synthesizer-Modulen kombinierte. Ich schickte die einfachen Drum-Sounds durch einen [Analogue Systems] RS-240 Frequency Shifter und sie klangen gewaltig. So kam ich auf die Idee, einen Frequenzschieber (bei mir ist es ein modifizierter Ringmodulator) in Gene einzubauen. Ich habe diesen riesigen modularen Synthesizer quasi als Miniatur im Inneren der Drum Machine nachgebaut.
Tatsächlich war schon das erste Gerät, das ich je versucht habe zu bauen, eine Drum Machine auf Tape-Loop-Basis. Ich habe zwei Monate damit verbracht, dieses riesige Durcheinander aus Drähten und Schaltern zu bauen, ohne es auch nur einmal zu testen. Als alles fertig war, wurde mir klar, dass ich, falls etwas nicht funktionieren sollte, keine Chance hätte, es zu reparieren, weil ich nie etwas über Elektronik gelernt hatte. Ich schaltete es ein und es gab keinen Ton von sich. Jahre später fand ich heraus, dass ich keinen der Chips mit Strom versorgt hatte. Nichtsdestotrotz habe ich danach viele kleine Synthesizer und andere Dinge gebaut und mich so allmählich hochgearbeitet.
Ich wollte dann eine Drum Machine, weil ich wieder anfing, Gitarre zu spielen und Rhythmen brauchte, über die ich spielen konnte. Ich hatte unzählige Drumcomputer gekauft und verkauft, aber ich fand sie alle viel zu starr und kalt klingend, um wirklich zu einer Gitarre zu passen oder für meine Songs geeignet zu sein.

Damals, im Herbst, quälte ich mich damit herum, wie ich wohl eine analoge Drum Machine mit völlig freiem Timing bauen könnte, bei der man die Beats überall platzieren könnte, wo man wollte. Mir kam plötzlich eine Idee und ich rannte nach Hause und kritzelte sie schnell auf Papier. Ich überlegte mir, dass ich das Gerät mit Timing-"Schiebern" für jeden Beat bauen würde, sodass man den Rhythmus mit den Händen formen könnte, fast so, als würde man ihn aus Ton gestalten.
Noch am selben Tag baute ich den ersten Prototyp: Er hatte zwei Drum-Sounds, die man beliebig verschieben konnte und sich einfach unendlich oft als Loop wiederholten. Ich saß also stundenlang da und hörte diesen beiden Drums zu! Ich fühlte mich ein bisschen verrückt dabei, das gemacht zu haben und mir auszumalen, wohin das führen könnte.
Manchmal verbrachte ich einen ganzen Tag damit, beispielsweise einen Snare-Sound immer und immer wieder zu spielen, während ich nach und nach Teile der Schaltung änderte, dabei den Sound aufnahm, das ganze wiederholte und anschließend die Aufnahmen verglich. Ich würde sagen, dass ich an einigen Stellen ziemlich ungesund besessen wurde. Es ist schwer zu wissen, wann man aufhören muss. Es war ähnlich wie beim Musikmachen, nur dass ich am Ende eines jeden Tages nur ein paar Millisekunden Sound und Rückenschmerzen vorweisen konnte. Aber ich habe das monatelang gemacht. Alles nur, damit ich am Ende hoffentlich ganz einfach Musik machen konnte.
Die erste wirklich musikalische Version des Geräts verfügte über 12 selbstoszillierende Rückkopplungsschleifen, die alle auf unterschiedliche Frequenzen eingestellt waren, die man mit vier Drehschaltern auswählen konnte. Mit vier Schiebereglern wurde dann das Timing jedes dieser vier Kanäle eingestellt, wobei es für jeden Kanal einen Decay-, Lautstärke- und Noise-Regler gab. Der Noise-Regler fügte weißes Rauschen in die Rückkopplungsschleifen ein, was wirklich seltsame, mechanisch klingende, pfeifende Drums erzeugte.
Man kann diesen Sound an vielen Stellen des Albums Gene hören (vor allem am Ende des Songs "Black Smoke"), denn ich habe diesen Prototyp am Laufen gehalten und ihn in die nächste Version der Drum Machine eingebaut, die ich dann während der gesamten Albumproduktion verwendet habe.
Zwischen den Aufnahmesessions für die letzten Songs des Albums habe ich noch eine weitere Version gebaut. Ich entwarf einen viel aufwendigeren Sequenzer, bei dem man statt dem Timing den Sound für jeden Beat einstellte. Darunter war aber noch ein Regler, mit dem den Beat über einen Bereich von +2 Schlägen verschieben konnte, was bedeutete, dass man immer noch verrückte Zeitsignaturen einstellen konnte, die aber jederzeit in einen standardmäßigen quantisierten Rhythmus umarrangiert werden konnten, indem man die Timing-Regler nach links drehte.

In diese Version habe ich die meiste Arbeit gesteckt. Ich wollte, dass sie das Cover der Platte wird, also habe ich ihr eine quadratische Box gegeben und sogar die Titel der Songs eingraviert, von denen ich dachte, dass sie Singles werden würden. Ich fügte außerdem eine Funktion hinzu, mit der man "Soundkarten" in die Steckplätze an der Vorderseite einsetzen und so immer wieder neue Sounds für das Gerät erstellen könnte. Theoretisch könnte es für immer neue Klänge erzeugen und damit vielleicht sogar für ein weiteres Album verwendet werden! (Das wäre allerdings eine Premiere für mich.)
Nachdem ich die Aufnahmen beendet hatte, wurde mir klar, dass es wahrscheinlich ziemlich selten vorkommt, dass ein Musiker das macht, was ich gemacht habe, oder zumindest so weit geht, wie ich damit gegangen bin.
Soweit ich weiß, ist es die einzige Drum Machine, bei der man das Timing der einzelnen Schläge bis auf die Millisekunde genau einstellen kann. Außerdem kommen in ihr 100 % analoge Schaltkreise zum Einsatz, was ziemlich selten ist, und jedes einzelne Gerät wird von Hand gebaut, und zwar von meinen Händen. Es gibt noch vieles mehr in ihrem Design, das völlig einzigartig ist: Jeder Teil des Schaltkreises wurde nach dem Trial-and-Error-Prinzip entwickelt, sodass am Ende einige wirklich ungewöhnliche Dinge dabei herauskamen. Es ist ziemlich schwer zu erklären, wie manches davon überhaupt funktioniert.
Als ich dem Muffwiggler-Forum beitrat, bekam ich eine Menge positives Feedback für das fast fertige Gerät. Ich stellte ein paar Soundclips ein, fragte, ob das jemand gut fände, und bekam jeden Tag eine Menge Nachrichten. Darauf war ich nicht wirklich vorbereitet. Ich beschloss, ihnen einige Platinen zu verkaufen, damit sie das Design für mich bauen und testen konnten. Am Ende verkaufte ich etwa 30 Stück, aber ich brauchte manchmal Stunden, um ihre Fragen zu beantworten, weil sie wirklich alles wissen wollten. Es war aber genau das, was ich brauchte. Sie entdeckten einige Designfehler, die mir nie aufgefallen wären.
Er wurde zur Hauptinspirationsquelle für meine Songs. Manchmal stellte ich einfach alle Regler willkürlich ein und hörte in dem ganzen Chaos eine Songidee. Manchmal habe ich einen einzigen Drumsound geloopt und einen Song darauf aufgebaut. Obwohl ich davon ausging, dass er für mich ziemlich gut funktionieren würde, da ich jedes Teil selbst ausgewählt habe, klappt das nicht immer, weil man dazu neigt, sich zu starr an das zu halten, was einem vertraut ist und dadurch die möglichen Ergebnisse einschränkt. Aber die Drum Machine hat letztendlich genug eigenen Willen, dass das nicht der Fall war.
Ursprünglich wollte ich ihr eine volle Synthesizerstimme verpassen, damit man eine große Klangvielfalt im Rhythmus hat. Das habe ich in der letzten Version mit dem Frequenzschieber erreicht, der einen Hüllkurvengenerator hat, sodass er die Tonhöhe über den gesamten Takt hinweg ändert. Aber ich würde gerne eine weitere Version von Gene machen, die nur aus ein paar Synthesizerstimmen besteht, die in der Tonhöhe oder Lautstärke sequenziert werden können, um Drums zu erzeugen, anstatt statische Sounds auszulösen.
Ich glaube, dass der Bereich Drums/Percussion noch relativ unerforscht ist. Unsere Ohren sind wirklich gut darin, die ersten Millisekunden eines Klangs zu analysieren; ich habe gehört, dass wir das zur Entschlüsselung von Sprache adaptiert haben, aber ich denke, dass wir deshalb auch Millionen verschiedener Schlagzeugklänge auseinanderhalten können. Ich glaube nicht, dass ich von Drums jemals gelangweilt sein werde. Ich würde aber gerne auf ein paar meiner frühen Pläne zurückkommen, die nie gebaut wurden: elektroakustische Keyboards, eine Art Ondes Martenot-ähnliches Design und auf jeden Fall die Tape-basierte Drum Machine.

Der miniGene [den es hier zu kaufen gibt] war zunächst ein Experiment, um die besten Funktionen von Gene in eine Box im Taschenformat zu packen. Ich griff auf den Prototyp des Sequenzers zurück, bei dem man mit einem Regler einen Beat an eine beliebige Stelle bewegen kann. Er hat zwei davon für jeden Drum-Sound, ein zusätzlicher Schalter sorgt dann dafür, dass man sie in verschiedenen Kombinationen wiederholen oder auch nicht wiederholen kann.
Ich habe außerdem die Drum-Sounds und alles andere daran angepasst, dass das Gerät mit einer 9-Volt-Batterie oder einem Netzteil läuft. Mir fiel auf, dass die niedrigere Spannung manche Sounds auf eine wärmere Art und Weise besser macht, was ich überhaupt nicht erwartet hatte.
Schließlich habe ich noch ein paar neue Tricks eingebaut: Die Snare Drum kann drei verschiedene Sounds in einem Rhythmus erzeugen; sie kann auch wie zwei unterschiedlich gepitchte Toms verwendet werden. Außerdem kann man das Decay aller Trommeln verändern und sie bei hohen Lautstärken in warme, klebrige Verzerrung treiben, sodass sich der Sound in etwas wirklich Unerkennbares verwandeln kann.
Dafür, dass es nur ein paar Regler gibt, macht es eine Menge Spaß. Ich glaube, dass Einschränkungen immer die beste Verrücktheit hervorbringen.