Ich bin seit Jahrzehnten Gitarrist, habe mich aber erst seit kurzem ernsthaft damit beschäftigt, an meinen Instrumenten zu arbeiten. Während meiner Recherchen bin ich auf hunderte Artikel, die sich mit Instrumentenreparatur auseinandersetzen gestoßen und während viele davon echt gut und randvoll mit wertvollen Informationen sind, gab es auch viele die zu praxisfern sind oder mehr Werkstattraum und Spezialwerkzeug voraussetzen, als die meisten von uns zur Verfügung haben. Manche Reparaturen, wie Bundarbeiten, Sattelwechsel, Pickup-Installationen unter der Brücke und Lackarbeiten überlasst man zudem besser den Profis.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr nicht an euren Gitarren arbeiten solltet, sondern nur, dass ihr eure Limits kennen solltet, was oft auch nur damit zusammenhängt, das richtige Werkzeug zu haben. Für mich war zu Anfang die schwierigste Frage, welche Werkzeuge ich kaufen sollte und welche Aufgrund meiner Fähigkeiten das Geld nicht wert wären.
Durchs Ausprobieren fand ich heraus, welche Reparaturen leicht und in kleinen Räumen ausführbar sind. Alle Reparaturen in diesem Artikel können auf einer sauberen, geraden Fläche ausgeführt werden. Leichter wird alles durch eine Gitarren-Arbeitsmatte mit Halsstütze, in den meisten Fällen tut es aber auch ein aufgerolltes Handtuch um den Hals zu stützen.
Hier ist eine Übersicht über einige der grundlegenden Gitarrenreparaturen, die jede/r ernsthafte Gitarrist/in hinkriegen sollte, sowie eine Liste an Werkzeugen, die dafür nötig sind. In zukünftigen Artikeln werden wir noch in größerem Detail auf diese Reparaturen eingehen.
Die Gitarrenbuchse neu verdrahten
Pickups einzubauen oder Verkabelungsmodifikationen der Gitarre können kompliziert sein, aber zu lernen, wie man gewöhnliche Poti- und Buchsenreparaturen macht, ist fast noch wichtiger, weil es euch Zeit, Geld, und gerade vor oder nach Gigs, Frustration sparen kann. Es kann etwas abschreckend sein, sich eine Lötausrüstung kaufen zu müssen, aber für unter 80,- € bekommt ihr schon Werkzeuge, die Jahre halten werden.
Hier ein paar schnelle Tipps:
- Benutzt nur Lötkolben wenn ihr an Musikinstrument-Elektronik arbeitet; Lötpistolen entmagnetisieren die Pickups
- Eine gute Abisolierzange und eine Pinzette erleichtern die Arbeit
- Holt euch eine Meißel- und eine Bleistiftform-Lötspitze für euren Kolben; benutzt die Meißelform für hohe Hitze, die Bleistiftform für feinfühligere Anwendungen
- Benutzt für Gitarrenelektroniken nur Standard 60/40 Harz Kern Lötzinn, mit 60% Zinn und 40% Blei
- Macht bevor ihr beginnt zur Referenz ein Foto von den Teilen und ihren Verbindungen
- Auf lange Sicht werdet ihr es nicht bereuen, das Geld für eine einstellbare Lötstation statt nur den Kolben auszugeben. Die Hitze ist konsistenter und das Ergebnis besser; 30 Watt sind genug, um an Gitarrenelektroniken zu arbeiten.
Intonation und Seitenlage einstellen
Die Saitenlage und Intonation einzustellen sind auch Arbeiten, die ihr zuhause hinkriegt und deren wichtigstes Werkzeug ihr wahrscheinlich schon besitzt: ein akkurates Stimmgerät. Die meisten elektronischen Tuner reichen völlig aus, nur äußere Perfektionisten greifen zum Stroboskop-Tuner.
Die anderen nötigen Werkzeuge für Saitenlage und Intonation — Schraubendreher und Inbusschlüssel — sind günstig und wahrscheinlich eh schon in eurem Werkzeugkasten, aber hier noch ein paar Punkte, die Probleme vermeiden und eure Arbeit leichter machen können:
- Richtige Bit-Größe: ihr solltet die größten Bits benutzen, die in die Schraube passen. Das ermöglicht festen Halt und verringert so die Gefahr abzurutschen und möglicherweise die Schraube zu beschädigen oder die Lackierung der Gitarre zu ruinieren.
- Besorgt euch extra lange und extra kurze Schraubendreher. Die Intonation und die Federklammer einer Stratocaster einzustellen benötigt lange (über 15 cm) Schraubendreher. Die Länge gibt euch die nötige Drehkraft um die Klammer festzustellen und ermöglicht bei der Intonationseinstellung den Korpus der Gitarre zu überwinden.
- Kurze Schraubendreher sind perfekt dafür, die Schrauben des Pickguards zu entfernen oder die Pickuphöhe einzustellen und sind hierbei leichter kontrollierbar, was wieder bedeutet, dass weniger Gefahr besteht die Schraube zu verfehlen und den Lack zu zerkratzen.
- Inbusschlüssel, sowohl metrisch als auch in Zoll, sind nötig um Saitenreiter, Halsstäbe, Knöpfe und vieles mehr einzustellen.
Eine E-Gitarre intonieren
Die Intonation einer E-Gitarre ist leicht einzustellen. Haltet die Gitarre vertikal, so als würdet ihr sie spielen, und prüft die Note des 12. Bundes.
- Wenn die Note zu tief ist, bewegt am Steg den Saitenreiter der entsprechenden Saite nach vorne, bis sie stimmt.
- Ist sie zu hoch, bewegt den Reiter zurück.
Am besten macht man das mit neueren Saiten, die gedehnt aber noch nicht völlig abgespielt sind.
Die Saitenlage einer E-Gitarre einstellen
Die Saitenlage einzustellen ist etwas schwieriger, da jeder Stegtyp variiert. Allgemein ist es aber noch eine einfache Einstellung, die nur ein paar Tools benötigt:
Notfalls kann beides auch mit einem guten Lineal erledigt werden, aber das richtige Werkzeug macht es zum Kinderspiel. Der Saitenlagenmesser misst die Entfernung zwischen der Oberkante des Bundes und der Unterkante der Saite und gibt eine genaue Messung mit der ihr weiterarbeiten könnt.
Überprüft die Empfehlung eures Gitarrenherstellers und verändert es je nach Technik und Saitenstärke nach euren Vorlieben, aber für E-Gitarren sind die "Standard"-Höhen am 12. Bund:
- 2 mm (0.078”) beim tiefen E
- 1,6 mm (0.063”) beim hohen E
Wenn die äußeren Saiten die richtige Höhe haben, könnt ihr die Radiusschablone nehmen, um die restlichen einzustellen. Der Radius bezieht sich auf die Wölbung des Griffbretts:
- Vintage-Style Instrumente neigen dazu, einen kleineren Radius zu haben, die Griffbrettwölbung ist also ausgeprägter. Alte Strats und Teles haben zum Beispiel einen 19 cm (7-½”) Radius.
- Shredder haben oft flachere Griffbretter, deren Radius 30 cm (12”) oder mehr sein kann.
Die Saiten sollten sich übers ganze Griffbrett jetzt "richtig" anfühlen. Wenn etwas schnarrt, ist der Halsstab die Lösung.
Kleinere Halsstab-Einstellungen
Kleinere Einstellungen am Halsstab (auch Truss Rod genannt) vornehmen zu können, ist eine lohnende Fähigkeit. Wenn ihr aber an einer Vintagegitarre oder einem besonders empfindlichen Instrument arbeitet, der Halsstab sehr steif ist, oder euch einfach die Vorstellung des Eingriffs nicht behagt, sollte ein Profi ans Werk. Wenn der Stab sich mit leichtem Widerstand bewegen lässt, könnt ihr selber ran.
Griffbrettkrümmung feststellen
Die Biegung des Halses, auch Griffbrettkrümmung genannt, lässt sich leicht feststellen. Wir schauen den Hals an und gucken ob er:
- sich runter krümmt — der Hals zieht weg vom Steg; die Saiten können in der Mitte des Halses aufliegen
- sich hoch krümmt — der Hals wird zum Steg gezogen; sichtbar wenn die Saiten in der Mitte des Halses zu hoch sind.
- gerade ist — Hälse mit leichter Krümmung lassen sich am besten spielen
Um die Krümmung zu messen könnt ihr ein Kapodaster am ersten Bund anbringen und die Saite an dem Bund, wo der Hals in den Korpus übergeht, runterdrücken. Der Leerraum zwischen Saite und Bund mittig zwischen dem Kapo und dem Bund, den ihr runterdrückt zeigt, wie viel Krümmung der Hals hat.
Manche Techniker benutzen Fühlerlehren, die sicherlich gute Gitarrenwerkzeuge sind, um diesen Raum zu messen, es gibt aber auch eine einfachere Lösung: der Platz unter den Saiten sollte größer als eine Visitenkarte, aber schmaler als eine Kreditkarte sein.
Truss Rod-Einstellungen
Wenn ihr die Krümmung gemessen habt geht es an die Einstellmutter des Truss Rods, die ihr an der Kopfplatte findet. Eine Taschenlampe kann dabei helfen, die richtige Schlüsselgröße zu finden. Geht sicher, dass der Schraubenschlüssel fest sitzt, um die Mutter nicht zu beschädigen.
Die wichtigsten Regeln sind:
- Nehmt euch Zeit. Dreht niemals mehr als eine ⅛ Umdrehung. Dann wartet, das Holz braucht Zeit zum reagieren.
- Im Uhrzeigersinn fest — festziehen begradigt den Hals
- Gegen den Uhrzeigersinn locker — lockern vergrößert die Krümmung
- Immer zuerst den Stab lockern. Dadurch geht ihr sicher, dass der Hals nicht zuviel Spannung hat und dass der Stab funktioniert.
Durch diese einfachen Arbeiten werdet ihr lernen, euer Instrument besser zu verstehen und Geld sparen, dass ihr sonst einer Werkstatt geben würdet. Es lässt euch außerdem Gebrauchtgitarren-Schnäppchen entdecken, wenn ihr wisst, ob ihr einen potentiellen Rohdiamanten vor euch habt. Mit besserer Intonation und Saitenlage werdet ihr zudem auch noch besser spielen können.