Drei Wege zum Dumble-Sound für den schmalen Geldbeutel

Wenige Innovatoren im Gitarrenbereich sind derart legendär wie Alexander Dumble, der Amp-Techniker aus Kalifornien, der sich als Architekt der legendären Dumble-Amps einen Namen gemacht hat. Für Verstärker wie den Dumble Overdrive Special oder den Steel String Singer werden heute Preise von mehreren Zehntausend Dollar gezahlt, weshalb sie nur für wenige erschwinglich sind.

Trotz des hohen Preises sind viele von uns durch Gitarristen wie Robben Ford, Stevie Ray Vaughan und John Mayer, um nur einige zu nennen, mit dem Dumble-Sound vertraut.

1983 Dumble Overdrive Special

1983 Dumble Overdrive Special

Aber wie genau klingt so ein Dumble eigentlich? In gewisser Hinsicht lässt sich der Klang am besten beschreiben, indem man erklärt, wie er nicht klingt. Er ist anders als der raue Blues-Sound von Marshall, nicht ganz so glockenklar wie ein Vox und höchstens ein entfernter Verwandter des federnden Twang eines Fender.

Der rote Faden, der sich durch die meisten Beschreibungen des Dumble-Klangs zieht, ist die Behauptung, er würde es Gitarristen erlauben, mehr nach sich selbst zu klingen, was gleichzeitig eine inspirierende wie auch potenziell abschreckende Eigenschaft ist.

Wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen und herauszufinden, wie der Dumble-Sound dein Setup bereichern könnte, stellen wir dir hier drei kostengünstige Möglichkeiten vor, wie du den Dumble-Sound mit haushaltsüblichen Bodentretern, Boutique-Effekten oder softwarebasierten Modelern nachbilden kannst.

Dumble Drive: EQ-Mittenregelung vor Drive-Pedal mit Vintage-Klang

Jeder Amp und jedes Pedal hat seinen Sweet Spot, der Punkt, an dem der gewünschte Klang am besten zur Geltung kommt. Eine der Neuerungen vieler Dumble-Amps, durch die sie mehr Verstärkung erreichten, ohne Abstriche bei der Klarheit machen zu müssen, war ein integrierter passiver EQ vor dem Overdrive.

Der charakteristische Dumble-Sound kommt zum Teil vom Klangverhalten dieses Equalizers, der den Mittenbereich abrundet. Dieser cremige, mittenlastige Sound ist mit ausgewachsenen Dumble-Klonen wie dem Van Weelden Royal Overdrive oder ähnlich effektiven Lösungen wie dem Mojo Hand FX Dmbl oder dem Mad Professor Simble

Als erster Schritt auf der Jagd nach dem Dumble Drive muss also dieser Pre-Gain-EQ-Schaltkreis mit einem gewöhnlichen Graphic-Equalizer-Pedal wie dem Boss GE-7oder einem 6- oder 10-Band-Equalizer von MXR nachgebildet werden, bevor das Signal in ein Overdrive-Pedal mit Vintage-Klang wie dem Boss Blues Driver BD-2 geführt wird. Stellt man die Frequenzregler des EQs auf verschiedenen Ebenen ein, wird der auf 12 Uhr liegende Sweet Spot des Blues Driver unterschiedlich akzentuiert. Das Ergebnis? Der an und für sich bereits warme, klassische Overdrive-Sound des Blues Driver erhält eine Kompression, die dem des Dumble ähnelt.

Die Vorteile: Ganz ähnlich wie Alexander Dumbles sagenhafte Fähigkeit, Gitarristen mehr nach sich selbst klingen zu lassen, erlaubt dir die volle Kontrolle über den EQ, einen Sound herauszuarbeiten, der zwar nach Dumble klingt, aber voll und ganz dein eigener ist.

Dumble Clean: Kombination aus Blackface-Nachbau und Kompressor

Alexander Dumble fand die Inspiration für den Klang des Overdrive Special unter anderem im Sound von Robben Ford. Um diesen zu erzielen, führte Ford das Signal aus seinem Rig in das Frontend eines voll aufgedrehten Fender-Blackface-Amps (wahrscheinlich ein Super Reverb oder ein Bassman).

Während der Overdrive Special außerhalb der preislichen Möglichkeiten der meisten Gitarristen liegt, dürfte das Verhältnis von Blackface-Originalen und -Nachbauten zu Dumbles bei etwa 1 Milliarde zu eins liegen – außerdem sind diese für einen Bruchteil der Kosten zu haben.

Noch günstiger sind Blackface-in-a-Box-Optionen wie das Boss FDR-1 oder das Wampler Black ’65, die beide fantastische Sounds bieten, die den klassischen Fender-Amps aus der Mitte der 60er Jahre nachgebildet sind. Diese Pedale klingen für sich schon dumbleesk, aber mit dem richtigen Kompressor-Pedal kommt man dem begehrten Klang sogar noch ein gutes Stück näher.

Wie schon bei der Lösung mit dem EQ-Pedal kann auch hier ein Kompressor helfen, die Kanten des Signals abzurunden, bevor es in den Blackface-Klon geführt wird. So entsteht ein ansprechender, dumbleartiger Klang, der an der Schwelle zwischen Clean und Verzerrung steht.

Von allen Kompressoren, mit denen sich ein gutes Ergebnis erzielen lassen könnte, bevorzuge ich den Xotic Effects SP Compressor. Trotz seiner kleinen Abmessungen und seines günstigen Preises bietet der SP eine überraschende Vielfalt an Einstellmöglichkeiten, darunter einen Blend-Regler, mit dem das (un-)bearbeitete Signal eingemischt werden kann und einen 3-Wege-Kippschalter, mit dem sich der Grad an Kompression und Sustain auswählen lässt. In Kombination mit einem Blackface-Klon verleiht dieses Pedal dem Klang Biss und Präzision und trägt so dazu bei, dem glasklaren Dumble-Sound nahe zu kommen.

Die Vorteile: Diese Kombination bietet nicht nur die Reaktionsschnelligkeit eines Blackface-Röhrenamps, sondern legt dem Klangbild auch mehr Druck und Klarheit unter – nicht ganz unähnlich der Kontur des Clean-Kanals eines Dumbles.

Ein digitales Dumble-Duo: Positive Grid BIAS Amp Desktop und Ableton Live

Aber was, wenn du gar keinen Dumble rumstehen haben willst? Vielleicht willst du lieber einen Blick ins Innere eines Dumbles werfen und seine Möglichkeiten nach allen Regeln der Kunst ausprobieren? Dazu hast du drei Möglichkeiten: Entweder du freundest dich mit John Mayer an, kaufst dir einen Dumble-Nachbau oder du greifst auf das digitale Angebot zurück.

Positive Grid BIAS Amp Desktop

Positive Grid BIAS Amp Desktop

Im stetig wachsenden Angebot an modellierten und gemoddeten Amps, die in Positive Grid BIAS Amp Desktop zur Verfügung stehen, ist auch der ’67 Dumble Clean enthalten. Bei diesem digitalen Dumble-Klon lassen sich nahezu dieselben Parameter einstellen wie bei einem klassischen Dumble-Amp.

Darüber hinaus hat das Programm den Vorteil, dass Benutzer die originale Klangarchitektur des glasklaren Dumble-Sounds auch erweitern und neu konfigurieren können, indem sie ihn mit anderen digitalen Equipment-Nachbildungen kombinieren. Das Angebot ist riesig und reicht von Vorverstärkern über Pedale und Gitarrenboxen bis hin zu Mikrofonpositionen.

Mit dieser High-Tech-Option, die mit einer Vielzahl von digitalen Workstations (einschließlich Ableton Live) kompatibel ist, steht dir der Dumble im Handumdrehen zur Verfügung. Außerdem kannst du den klassischen Sound in ganz neue Richtungen lenken.

Die Vorteile: Technisch versierten Gitarristen, die den Dumble-Sound live oder im Studio nachbilden möchten, bietet die hochwertige Emulation einen riesigen Fundus an Möglichkeiten für digitale Experimente.

Es ist wahrscheinlicher, den legendären Dumbledore zu treffen als die Gelegenheit zu bekommen, einen Dumble-Amp zu spielen. Trotz allem ist der Dumble-Sound unverkennbar und mit ein wenig Experimentierfreude und Kreativität auch zu erreichen. Bis du also im Lotto gewonnen hast, kannst du deinem Pedalboard einen Hauch von Dumble verleihen, indem du eine dieser drei Lösungen ausprobierst.

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