Kurze Geschichte der Rickenbacker-Gitarren

Auch wenn es dir nicht bewusst ist, hast du schon mal eine Rickenbacker gehört: Vom Klang des ersten Akkords von „A Hard Day’s Night“ von den Beatles über das Anfangsriff bei „Mr. Tambourine Man” bis zu den aggressiv gespielten Akkorden bei The Whos „Substitute“. Die 12-saitigen E-Gitarren von Rickenbacker haben mit ihrem typischen Jangle-Klang den Sound einer Ära geprägt.

Nur wenige wissen, dass Rickenbacker die erste E-Gitarre aus Massenproduktion hergestellt hat. Schauen wir uns doch mal einen der einflussreichsten Gitarrenhersteller genauer an. Der übrigens 15 Jahre älter als Fender ist.

Die Gebrüder Dopyera

1928 National Tricone Resophonic Guitar

1928 National Tricone Resophonic Guitar

Die Rickenbacker-Geschichte fängt in den 1920ern in Los Angeles an. Varieté-Künstler und Multi-Instrumentalist George Beauchamp suchte nach einer lauten Gitarre, die in seinem großen Ensemble klar zu hören sein sollte. Beauchamp hat sich mit diesem Wunsch an John Dopyera, einen lokalen Instrumentenmacher, gewendet.

Nach vielen Versuchen hielt Dopyera zusammen mit seinem Bruder Rudy einen Gitarren-Body aus Metall mit drei Resonator-Hohlräumen in den Händen. Die erste Tricone Resonator Gitarre war geboren.

Stark beeindruckt von diesem Prototyp der Metall-Gitarre investierte ein wohlhabender Cousin Beauchamps in die Produktion des Instruments. Diese Summe betrug 12.000 Dollar, was einem heutigen Wert von 168.000 Dollar entspricht. Die Gebrüder Dopyera fingen an, die Instrumente in ihrer Werkstatt unter dem Markennamen National herzustellen. Und hier kommt der Namensgeber, Adolph Rickenbacker, ins Spiel.

Der gebürtige Schweizer Rickenbacker, ein Ingenieur und Mechaniker, hatte in der Nähe der Produktionsstätte von National seinen Werkzeugbetrieb. Er und seine Handwerker unterstützten die Produktion von National mit dem Schmieden der Metall-Bodys der Gitarren und auch die von Mandolinen und Ukulelen.

Die Bratpfanne

1954 Rickenbacher A-25 Frying Pan

1954 Rickenbacher A-25 "Frying Pan"

In den frühen 30ern führten Streitigkeiten und eine stagnierende Nachfrage nach Tricone-Gitarren, die schwierig und teuer in der Herstellung waren, zum nächsten Projekt von Beauchamp. Es war keine neue Idee, wurde aber bisher noch nicht erfolgreich umgesetzt: die Entwicklung einer E-Gitarre.

In einem etwas grobem Experiment, wandelte Beauchamp ein gewöhnliches rechteckiges Stück Holz in eine einsaitige Gitarre um und befestigte ein Brunswick Phonograph Pickup daran.

Inspiriert vom Potential dieser Idee, nahm Beauchamp Elektronik-Unterricht und bildete sich auf dem Gebiet weiter. Mit der Hilfe des National-Angestellten Paul Barth designte er einen einfachen Tonabnehmer, der die Schwingungen der Saiten „lesen“ konnte und in elektrischen Strom übersetzte.

Der Werkleiter Harry Watson schloss sich an und fertigte in Handarbeit Neck und Body aus Holz. Das Ergebnis war eine der ersten E-Gitarren, die wegen ihrer eigenartigen Form Frying Pan genannt wurde.

Die Rickenbacker nimmt Gestalt an

1938 Rickenbacher Electro Model B Spanish

1938 Rickenbacher Electro Model B Spanish

Mit dem Ziel, E-Gitarren herzustellen, gründeten Rickenbacker und Beauchamp 1931 die Ro-Pat-In Corporation, dessen Name aus Electro Patent Instruments zusammengesetzt wurde. Der Name sollte sich in Electro String und dann zu Rickenbacker ändern, auch um die entfernte Verwandtschaft zu Eddie Rickenbacker zu nutzen, einem US-amerikanischen Fliegerass im 1. Weltkrieg.

In den ersten Jahren hat Rickenbacker eine Palette an Designs entwickelt. Während der Dreißigerjahre wurden Modelle wie die Frying Pan Model A-25 und die Model BD lap steel mit Bakelite, einem frühen Plastik, hergestellt. Die BD wird als eine der besten Steels angesehen.

Eine der herausragenden frühen Standard-Gitarren war das Model B Spanish, mit einem unverwechselbaren, vom Art Deco inspirierten Äußerem und Bakelite Konstruktion. Diese Gitarre hatte auch ein abnehmbares Neck und wies nicht das für Hollowbody-Gitarren übliche Feedback aus. Das waren zwei wichtige Schritte hin zu den Solidbodys von Fender und Gibson im Jahre 1952.

Mit dem Aufstieg des Rocks und der Popularität von Modellen wie der Gibson Les Paul und der Fender Telecaster, hat sich Rickenbacker in den frühen 50ern auf Hollowbody- und Solidbody-Gitarren und -Bässe konzentriert. Zum Ende des Jahrzehnts hatte Rickenbacker seine Markenzeichen: Double Cutaways, Neck-Through-Body-Konstruktion und eine einzigartige moderne Ästhetik. Das zeigte sich insbesondere mit den Reihen Capri und Combo, die zu Kultdesigns der 60er wurden. Beide Body-Formen waren ihren Vorgängern ähnlich, hatten aber eine gestreckte Form und weniger feine Details.

1960 Rickenbacker Capri Fireglo

1960 Rickenbacker Capri Fireglo

1957 Rickenbacker Combo 400

1957 Rickenbacker Combo 400

Modelle mit Kultcharakter

Rickenbackers 360/12 aus dem Jahr 1963 war revolutionär. Die 12-saitige Semihollow E-Gitarre wurde besonders durch den Beatle George Harrison populär gemacht. Überhaupt waren die Beatles verantwortlich für die Beliebtheit von Rickenbacker in den 60ern – George hatte seine 360/12, John die 325 und Paul spielte einen 4001 Bass.

Außerdem spielte John Entwistle von The Who seine donnernden Bass-Lines auf einem Rickenbacker Bass und Gitarrist Pete Townshend benutzte eine Rick auf „Substitute,” „My Generation“ und weiteren frühen Songs. Ein anderes Beispiel für den klassischen Rickenbacker-Sound kann man auf „As Tears Go By“ von den Rolling Stones hören.

1968 Rickenbacker 360/12 Fireglo

1968 Rickenbacker 360/12 Fireglo

1967 Rickenbacker 325 Fireglo

1967 Rickenbacker 325 Fireglo

1975 Rickenbacker 4001 Jetglo

1975 Rickenbacker 4001 Jetglo

In den USA spielte Roger McGuinn von den Byrds mit einer 360/12 bahnbrechenden Folk-Rock, wie „Mr. Tambourine Man” and „Turn! Turn! Turn!”. Die 12-saitige Rick eignete sich auch für Psychedelic-Stücke mit Anlehnungen an indische Raga-Melodien, wie „Eight Miles High” und „Why”.

In den 70ern sah sich Rickenbacker mit den gleichen Herausforderungen wie andere amerikanische Gitarrenhersteller konfrontiert. Sie experimentierten mit neuen Modellen wie 480 und 481 mit Body-Formen die dem 4001 Bass ähnelten. In diesem Jahrzehnt kam auch die abenteuerliche Rickenbacker 331LS Lightshow mit einem eingebauten Licht-Schaltkreis auf den Markt.

Die moderne Legende

Die Vorreiter-Designs der 60er sind immer noch Teil des Lineups. Das geringe Fertigungsvolumen hat der Beliebtheit von Rickenbacker keinen Abbruch getan, demzufolge ist der Markt für gebrauchte Rickenbacker besonders groß.

Die Liste der Musiker nach 1980, die mit einer Rickenbacker ihren individuellen Sound geprägt haben, ist lang. Tom Petty und sein Co-Gitarrist Mike Campbell, Peter Buck von R.E.M., Johnny Marr von The Smiths, Modest Mouse Bassist Eric Judy und Lemmy Kilmister von Motörhead sind da nur die Spitze des Eisbergs. Roger McGuinn tourt immer noch mit seiner 12-Saiter, ein Beleg für die Zeitlosigkeit von Rickenbacker.

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