Der Aufstieg und rasche Fall von Trixon

Die Schlagzeuge von Trixon, die zunächst in Deutschland, später in Irland gefertigt wurden, waren eine kurzlebige, exzentrische Begleiterscheinung des Instrumentenbooms der 60er Jahre. Trixon war - wie auch Sonor - ein Unternehmen, das vom angeschlagenen Nachkriegsdeutschland hervorgebracht wurde. Während sich Sonor aber einen langfristigen Erfolg sichern konnte, ging die Vorherrschaft von Trixon 1971 abrupt zu Ende. Heute erinnert man sich an die Marke vor allem wegen ihrer seltsam geformten Kessel.

Trixon war damit zwar nicht allein, denn in Europa zeigte man damals einen Hang für das Neuartige, aber der Wegbereiter. Trixon, deren Produkte in den Vereinigten Staaten später unter der Marke Vox auf den Markt kamen, leistete auch in anderen Bereichen Pionierarbeit und zeichnete sich durch mutige Lackierungen und einige raffinierte Hardware-Designs aus.

Die Geburtsstunde

Trixon-Logo

Das Schlagzeug ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, die sich inmitten einer rasch fortschreitenden Entwicklung befand, die vom Zweiten Weltkrieg, der die Fertigung in Europa lahm legte, gestoppt wurde. Im Norden Deutschlands war Hamburg durch alliierte Bombenangriffe zerstört worden - aber in den Trümmern der Stadt gründete ein beeindruckender 30-jähriger Musiker, Erfinder und Unternehmer namens Karl-Heinz Weimer die Musikinstrumentenfabrik Trixon. Um die Hindernisse bewältigen zu können, die seiner Karriere im Weg standen, musste er sich einige "Tricks" einfallen lassen - ein Umstand, aus dem sich der Name Trixon angeblich abgeleitet hat.

Deutschland war im Norden von britischen Truppen, im Süden von amerikanischen Truppen besetzt und die Soldaten hatten Lust auf Jazz und Swing - Musik, die im Dritten Reich verboten war. Bedauerlicherweise gab es in Deutschland nur sehr wenige geeignete Instrumente, was Weimer die Chance eröffnete, seinen Traum wahr werden zu lassen. Er räumte ein verwüstetes Grundstück frei und begann in einem alten Luftschutzkeller mit der Fertigung. Am 8. September 1947 holte er sich einen Gewerbeschein und das Unternehmen war offiziell gegründet.

Weimer bezog noch vor 1948 eine andere Ruine, die er Raum um Raum wieder aufbaute. Dieses Gebäude war das erste Trixon-Werk, das er bis 1956 nutzen sollte. Trotz allerlei kniffliger Probleme mit Versorgungs- und Materiallieferungen hatte Weimer beinah vom Start weg Erfolg. Er hatte eine Nische gefunden, die gefüllt werden musste und baute nicht nur Schlagzeuge, sondern auch Latin-Percussion-Instrumente, Vibraphone, Sticks und Klöppel, Musiktische und vieles mehr.

Die Anfangszeit in den 50ern

Karl-Heinz Weimer mit einem Trixon Speedfire 700 Drumset, 1961 (von Trixon Drums USA)

Die Produkte von Trixon waren von Anfang an unverwechselbar und von professioneller Qualität. Sie wurden 1948 auf einer Messe erstmals vorgestellt. In den nächsten Jahren lockte Weimers Erfolg Geschäftspartner und Kapital an und 1953 registrierte er die Marke Trixon beim deutschen Patentamt.

Weimer eröffnete außerdem 1955 seinen Laden Music City auf dem Hamburger Steindamm und zog schon bald Vertriebsdeals mit Paiste, Zildjian und anderen an Land. Seine Geschichte ist voller bemerkenswerter Begebenheiten, nicht zuletzt die, als Robert Zildjian (der später den Beckenhersteller Sabian gründen sollte) 1954 Trixon in Hamburg besuchte. Zildjian, der im Krieg für die US-Armee tätig gewesen war, erkannte in Weimer einen Kriegsgefangenen wieder, dessen Dienste als Musiker die Amerikaner in Anspruch genommen hatten. Zwischen den beiden entstand eine tiefe Freundschaft.

Trixon wurde nicht nur in Europa populär, sondern lockte auch amerikanische Jazz Stars an. Der berühmteste war der große Lionel Hampton, der sowohl Vibraphone als auch Schlagzeuge von Trixon spielte und die Werbetrommel für das Unternehmen rührte. Auch zwischen Weimer und Hampton entstand eine lebenslange Freundschaft.

Der Erfolg und das UK-Geschäft in den 60ern

Weimer fand in Ivor Arbiter in England einen Gleichgesinnten. Auch Arbiter sah sich nach dem Krieg mit Hindernissen konfrontiert, speziell mit den von der britischen Regierung erlassenen Beschränkungen für amerikanische Importe, durch die britische Unternehmen gefördert und das gewaltige Dollar-Defizit abgebaut werden sollte. Deshalb konnte Arbiter die amerikanischen Instrumente, nach denen die britischen Musiker verlangten, nicht in großen Stückzahlen einführen. In Großbritannien wurden sehr wenige Gitarren gefertigt, dabei waren ausgerechnet Gitarren zu der Zeit, als Rock 'n' Roll den Jazz ablöste, enorm gefragt. Die Einzel- und Vertriebshändler im Vereinigten Königreich mussten sich stattdessen in Europa umsehen - und so kam Arbiter auf Trixon Drums.

Tatsächlich war es so, dass sich britische Gitarristen mit allerlei verschiedenen ausländischen Gitarren behelfen mussten, während die britischen Schlagzeuger dank der in England gebauten Premier-Schlagzeuge und kleinerer Mitbewerber wie Ajax, Beverley und Carlton gut versorgt waren. Doch Premier hatte eine strenge Händlerstruktur, was Arbeiter verachtete und ihn dazu brachte, 1957 einen Import-Deal mit Weimer zu schließen, um monatlich etwa 50 Trixon-Schlagzeuge aus Deutschland einzuführen.

Arbiter hatte durch den Musikladen The Paramount, den er 1957 mit seinem Vater Joe im Londoner Westend eröffnet hatte, gute Kontakte, die er nutzte, um Jazz-Größen wie Phil Seamen und Allan Ganley dazu zu überreden, Trixon zu spielen und zu bewerben. Bald waren auch die jungen Rocker mit an Bord, darunter Brian Bennett, Clem Cattini, Bob Henrit und viele mehr.

„Weimer war seiner Zeit voraus. Er entwickelte viele Druckgussteile in schönen, sauberen Formen. Das Geschäft mit Trixon lief für uns gut, aber die Schlagzeuger begannen, härter zu spielen, und Trixon machte einige törichte Fehler."
- Ivor Arbiter

Ernsthafte Schlagzeuger blieben überwiegend beim herkömmlich geformten Trixon-Modell Luxus. Arbiters Partner Gerry Evans, der bei The Paramount arbeitete, erzählt: „Karl-Heinz Weimer war ein echter Pionier. Trixon war nicht herausragend, aber innovativ. Zum Beispiel hatten alle Ständer federbelastete („Klick-klack") Beine, eine Idee, die später von Ajax kopiert wurde.

Arbiter fügt hinzu: „Weimer war seiner Zeit voraus. Er entwickelte viele Druckgussteile in schönen, sauberen Formen. Das Geschäft mit Trixon lief für uns gut, aber die Schlagzeuger begannen, härter zu spielen, und Trixon machte einige törichte Fehler." Laut Arbiter ging die Zusammenarbeit mit Trixon wegen Qualitätsproblemen in den frühen 60ern langsam auseinander. „Die Hardware sah o. k. aus, war aber nicht besonders stabil. Zum Beispiel gingen die Spannböckchen immer wieder ab."

Als die Importbeschränkungen für amerikanisches Equipment Anfang der 60er endlich fielen, traf Arbiter die kühne Entscheidung, die teuren Ludwig Drums zu importieren. 1962 eröffnete er seinen Laden Drum City in 114 Shaftesbury Avenue im Westend und es dauerte nicht lange, bis Ringo Starr bei ihm anklopfte. Arbiter sagt, er hätte versucht, Ringo ein Trixon-Schlagzeug anzudrehen, aber Ringo wollte es nicht haben.

Trixon: Die Schlagzeuge

Trixon hat im Laufe seiner ganzen Geschichte kontinuierlich ein konventionelles 4-teiliges Schlagzeug hergestellt: das Luxus 0/200. Das Luxus war 1963 bei Arbiter mit einem Preis von 161 Guineen gelistet - deutlich weniger als ein Ludwig Super Classic und preislich viel näher an einem gleichwertigen Premier-Schlagzeug.

Trixon Speedfire Kit

Viele Luxus-Sets haben die Zeit bis heute überdauert. Wie auch die zur gleichen Zeit gebauten Sonor-Sets wurden sie aus hochwertiger deutscher Buche gefertigt. Wie Sonor - und viele andere UK-Drums aus der damaligen Zeit - hatten auch sie Druckguss-Spannböckchen in Tränenform, die etwa ab 1963 durch längliche Spannböckchen mit dämmenden Dichtungen ersetzt wurden, die die Resonanz verbesserten und ihrer Zeit voraus waren.

Trixon wird man jedoch auf immer und ewig mit außergewöhnlich geformten Kesseln in Verbindung bringen. Das Speedfire 0/700 Set mit seiner elliptischen, eierförmigen Bassdrum kam bereits 1956 auf den Markt und wurde von Lionel Hampton präsentiert. Die Idee dahinter war es, eine kleine und eine große Bassdrum in einem einzigen Kessel unterzubringen, wozu im Innern eine Trennwand eingesetzt wurde. Ein einziger, unten abgeflachter Spannreifen bot Platz für zwei nebeneinander angeordnete Fußmaschinen. Es besaß außerdem eine Reihe von einseitig bespannten Toms, die entgegen der Spielrichtung angeordnet waren, um sie einfacher auf gleicher Höhe montieren zu können. Den krönenden Abschluss bildete das monströse Lionel Hampton Attraction Floortom, das drei V-förmige, verstärkte Beine besaß, damit der sportliche Hampton - Showman, der er war - auf das Tom springen und es in seinem charakteristisch wilden Stil spielen konnte.

Während das Speedfire unbeholfen wirkte, sah das 1962 eingeführte Telstar, das nach dem Kommunikationssatelliten benannt worden war, fabelhaft modern aus - wenn es mit seinen antennenartig ausgestreckten Floortom-Beinen auch eher dem früheren, russischen Sputnik ähnelte. Es war außerdem viel praktischer als das Speedfire. Das Telstar war das Schlagzeug mit den konischen Kesseln, das von allen Trixons am stärksten im kollektiven Gedächtnis haften geblieben ist. Diese Kessel erforderten ein Fertigungsverfahren, bei dem enorm viele Holzabfälle anfielen. Doch das Konzept beruhte tatsächlich auf akustischen und nicht auf optischen überlegungen. Der Schall sollte zwischen dem großen Schlagfell und dem kleineren Resonanzfell komprimiert und intensiviert werden, wie etwa in einem umgedrehten Megaphon.

Trixon Telstar Kit

Der Gipfel des Erfolgs

1965 erreichte Trixon einen Umsatz von 3 Mio. Deutschen Mark. Im Dezember 1965 zog Weimer mit seinem Musikhaus Music City auf die Hamburger Reeperbahn, wo die Beatles ihre frühen Auftritte absolviert hatten und andere britische Bands noch immer ihrem Handwerk nachgingen. Mit 700 m² Einzelhandelsfläche war Music City einer der größten Musikinstrumentenläden Deutschlands.

Im gleichen Jahr reiste Weimer nach Fernost und kehrte mit einem Vertrag über die Fertigung von Tausend Marschtrommeln für die Truppen des Großen Vorsitzenden Mao zurück. Da die Verkaufszahlen auch in den USA stark anzogen, musste er seine Fertigungskapazitäten vergrößern und so baute Weimer 1966 ein neues 4.000 m² umfassendes Werk in Reinbek, etwa 20 km östlich von Hamburg, in dem 140 Arbeiter beschäftigt waren.

James Brown - „There Was a Time", Live at the Boston Garden, 1968

Trixon hatte einen so außerordentlichen Ruf, dass am 29. März 1967 kein geringerer als Buddy Rich das Werk in Reinbek besuchte. Rich gründete gerade seine Big Band, mit der er Europa begeistern sollte, und kam persönlich vorbei, um ein speziell für ihn designtes Luxus-Drumset abzuholen. Weimer hatte Rich irgendwie zu einem Endorsement von Trixon überredet - angeblich sollen 100.000 $ ihm die Entscheidung versüßt haben. Allerdings dauerte die Zusammenarbeit nur wenige Monate lang, bevor Buddy Rich, als er wieder zuhause war, wieder auf Slingerland oder Fibes oder beide zurückgriff. Sicher ist aber, dass die Schlagzeuger von James Brown 1968 Trixon-Schlagzeuge unter der Marke Vox spielten.

Der Untergang

Doch all diese fieberhaften Aktivitäten führten dazu, dass Trixon einen fatalen Fehler beging und erschreckend schnell unterging. Dieser Fehler war der berüchtigte Umzug nach Irland. Die irische Regierung bot Unternehmen erhebliche finanzielle, wirtschaftliche und steuerliche Anreize, um Arbeitsplätze in der angeschlagenen Republik zu schaffen. Trixon Ltd verlegte den Großteil der Fertigung von Reinbek auf ein 240 ha großes Industriegelände am Flughafen von Shannon, der weltweit ersten Freihandelszone, wo man Seite an Seite mit dem niederländischen Klavierbauer Rippen arbeitete. Rippen war ein Pionier in der Fertigung von leichten Klavieren aus Holz, Metall und Kunststoff und setzte viele ähnliche Verfahren ein wie Trixon. Es war für beide Unternehmen also sinnvoll, Fertigungsanlagen und Bestände zu teilen - zumindest eine Zeit lang.

'60s Trixon Telstar 2000

Trixon wurde in den USA bereits von der St Louis Music Supply Co vertrieben, aber Rippen hatte dort einen Deal mit der Thomas Organ Company und das Unternehmen Trixon mit Fertigung in Shannon konnte sich diesen vorteilhaften Kontakt für Vertrieb, Verkauf, Werbung usw. zunutze machen. Thomas vertrieb auch die berühmten britischen Vox-Verstärker und so erhielt Trixon für die USA ein Rebranding als Vox. Vermutlich um Streitigkeiten mit St Louis zu vermeiden, mussten die Schlagzeuge daraufhin umbenannt werden und so wurde für Thomas das Trixon Luxus zum Vox Thunderbolt, das Trixon Telstar zum Vox Fanjet und das Trixon Speedfire verwirrenderweise zum Vox Telstar.

Leider hatte Rippens Experiment mit preisgünstigen Klavieren keinen Erfolg und das Shannon-Geschäft erlitt um 1971 herum Schiffbruch. Da Rippens und Trixon untrennbar miteinander verbunden waren, wurde auch Trixon mit in den Abgrund gerissen. Weil 70 Prozent der Fertigungsmaschinen in Shannon einbehalten wurden, konnte Weimer die Fertigung in Hamburg nicht fortsetzen. Allerdings bot er noch Jahre lang Ersatzteile und einen Wartungsservice über seinen erfolgreichen Laden Music City an.

Die Restbestände wurden von Weimer bis kurz vor seinem Tod 1997 im Alter von 80 Jahren eingelagert. Ein Kollege namens Arthur Oeschger kaufte die Rechte und Bestände mit der Absicht, die Marke wiederzubeleben. Er stellte 1997 und 1998 sogar auf der Frankfurter Musikmesse aus, aber es sollte nicht sein. 1998 wurden alle Bestände bei einem Brand zerstört und somit allen Bemühungen um ein Comeback der original Trixon Drums ein Ende gesetzt. [ Anm.: 2007 hat Jim Laabs, der in den 90er Jahren Oeschgers Geschäftspartner gewesen war, damit begonnen, wieder Schlagzeuge und Percussion-Instrumente unter dem Namen Trixon zu fertigen.]


Zum Autor: Geoff Nicholls ist Musiker, Autor, Journalist und Dozent und lebt in London. Er spielte 1984 und 1987 Schlagzeug in der preisgekrönten BBC2-Fernsehsendung Rockschool und schrieb für BBC Radio 3 die Sendung Byte The Music, die 1994 auf dem New York Radio Festival mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde. Er hat unter anderem die Bücher The Drum Book: A History Of The Rock Drum Kit (2007) und The Drum Handbook (2003) geschrieben und verfasst regelmäßig Artikel für das Schlagzeugmagazin Rhythm.

Eine empfehlenswerte Lektüre ist das mit forensischer Sorgfalt recherchierte, umfangreiche Buch Trix On Trixon: The Story Of The German Drum Company von Ingo Winterberg und Martin Grimsel (trixondrums.de), das 2007 erschienen ist. Es war bei der Abfassung dieses Artikels eine unschätzbare Hilfe.

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