1967 Telecaster mit Bigsby und Refinish via Victor Litz Music Center.
Kaki Kings modifizierte Ovation via Reverb.
Was bringt es, eine Gitarre zu besitzen und sie nicht nach den eigenen Bedürfnissen zu modifizieren?
Bill Kirchens Telecaster ist wahrscheinlich eine der am meisten modifizierten Gitarren überhaupt, denn vom Originalinstrument ist kaum noch etwas übrig. Sie stammt aus den späten 50er Jahren, aber als Bill sie 1969 erwarb, ahnte das arme Ding noch nicht, was auf es zukommen würde.
Als ich ihn das letzte Mal fragte, erzählte mir Bill, dass jedes einzelne Metallteil an der Gitarre ausgetauscht worden sei, abgesehen von den sechs Hülsen, durch die die Saiten laufen. "Die sind original", meinte er. "Aber jeder Stift, jede Schraube, jeder Draht, jeder Gurtknopf, jeder Tonabnehmer, jeder Sattel—alles wurde unzählige Male ausgetauscht. Aber egal, was man macht, für mich klingt sie immer noch wie eine Telecaster. Was mich fasziniert, ist, dass egal, was ich an der Gitarre ändere, der Klang, der dem Korpus innewohnt, immer erhalten bleibt."
Bill ist das beste Beispiel eines Handwerker-Musikers. Vielleicht kommt das einigen von euch bekannt vor: Musiker*innen, die keine Skrupel haben, eine Gitarre anzupassen und zu verändern, wie sie es für nötig halten, weil das Instrument für sie ein Werkzeug ist, das für den Zweck funktionieren muss, den sie als Handwerker*in beabsichtigen.

"Mein Spitzname für meine Tele ist der Kohlebrenner", fügte Bill hinzu. "Ich erzähle den Leuten, dass sie schon so lange in meinem Besitz ist, dass wir sie von Kohlekraft auf Strom umstellen mussten. Die jüngeren sind sich dann oft nicht ganz sicher, was ihre Zeitrechnung angeht—die kratzen sich am Kopf und müssen erstmal nachdenken."
In der Autowelt ist so etwas als "Resto-Modding" bekannt, kurz für "Restaurations-Modifikation". Man nimmt ein altes, ramponiertes Auto und bringt es auf den neuesten Stand, indem man einen neuen Motor, neue Bremsen, eine neue Aufhängung—eigentlich so ziemlich alles—einbaut.
Bei einem Auto ist dieser Ansatz verständlicher, denn man möchte natürlich neue Reifen, Sicherheitsgurte und all die anderen sicherheitsrelevanten Teile haben, die einen davor bewahren, einen Unfall zu bauen, sich selbst zu verletzen, oder beides.
Lassen wir aber das Auto mal Auto sein und wenden den Blick auf eure Gitarren. Gibt es überhaupt so etwas wie ein komplett unmodifiziertes Instrument? Habt ihr in letzter Zeit die Saiten gewechselt? Das könnte man schon als Veränderung bezeichnen. Wie fühlt sich das Griffbrett an? Schweiß verändert jedes Mal, wenn man eine Note greift die Beschaffenheit der Oberfläche. All das könnte man aber durchaus auch als unvermeidliche Abnutzung bezeichnen.
Rory Gallagher war Abnutzung nur zu gut bekannt. Seine 61er Strat war, gelinde gesagt, heruntergekommen und baufällig. Er wusste zwar über die Theorie bescheid, dass eine Gitarre umso mehr atmet, je weniger Lack sie hat—zuckte aber nur mit den Schultern und sagte augenzwinkernd, dass er einfach den Klang der Gitarre mag. Er meinte auch, dass diese Stratocaster sein Glücksbringer sei. Abgerockt, ramponiert und runtergekommen, aber dennoch ein Glücksbringer.

Und was ist mit Willie Nelsons komplett abgewetzter Martin? Er hat sie so viel gespielt, dass ein Loch im Korpus entstanden ist, was ungefähr das höchste an Verschleiß ist, den man bei einer Gitarre erreichen kann. Willie könnte sich ohne Zweifel eine anständigen Reparatur leisten, aber er hat sie dennoch nie reparieren lassen. In diesem Loch war genug Platz für eine ganze Karriere voller Songs.
Vielleicht seid ihr mit euren Gitarren aber über den reinen Verschleiß hinaus gegangen. Viele von uns kennen das nagende Gefühl, dass dieser oder jener Aspekt des Klangs, des Spielgefühls oder des Aussehens einer geliebten Gitarre sicherlich noch verbessert werden könnte, durch den Einbau von einem oder direkt drei neuen Tonabnehmern. Oder durch eine Neubundierung. Oder durch eine schöne neue Lackierung, und so weiter. Die Möglichkeiten sind dabei zwar nicht endlos, aber sie alle versprechen eine bessere Zukunft.
Dieses Streben nach vermeintlicher Verbesserung kann etwas vom eigentlich Spielen ablenken. Andererseits gibt es auch die Art von Giarrist*innen, die ihr Instrument weitgehend so belassen, wie es das Werk verlassen hat.
Das kann an der Angst liegen, etwas zu verändern, das im Grunde genommen schon perfekt funktioniert. Diese Einstellung beruht auf der bekannten Weisheit: "Wenn es nicht kaputt ist, sollte man es nicht reparieren". Die Ansicht, dass etwas von der Stange gut funktioniert, kann auch aus reiner Faulheit kommen, oder vielleicht einfach aus Desinteresse an der Mechanik eines Instruments. Ich nehme es in die Hand, ich spiele es, alles andere ist unwichtig.
J.J. Cale gehörte nicht zu diesen Menschen. Er besaß eine Gitarre, die mal eine Harmony H-162 Flattop-Akustik gewesen zu sein scheint. Ein extremer Flugtransportschaden führte aber zu umfangreichen Umbaumaßnahmen, die zunächst zu einem neuen Cutaway führten. Dann begann J.J., eine Unmenge von Tonabnehmern und Reglern einzubauen und die Rückseite offen zu lassen, um einfachen Zugang zu der chaotischen Verkabelung zu haben, die das ganze Ding (gerade eben) am Laufen hielt.
Auch Rivers Cuomo ist kein Teil dieser Gruppe. Seine bekannteste Gitarre war in einigen Versionen komplett modifiziert— er stellte sie aus einzelnen Warmoth Strat-Style Teilen zusammen und fügte zwei Humbucker und ein Black Ice Onboard-Overdrive-Modul hinzu. Man könnte sagen, dass sie von Grund auf gemoddet war.
Es gibt Extreme der Modifikationen. Mit am oberen Ende steht Matt Bellamy, der seine Manson mit einem Korg Kaoss Pad, einem Kill-Switch-Kippschalter für schnell stotterndne An/Aus-Effekte und einem Fernandes Sustainer ausgestattet hat. (Das Unternehmen hat seither viele Produktionsmodelle auf der Grundlage von Bellamys Sonderanfertigungen hergestellt und Bellamy wurde 2019 einer der Eigentümer der Firma).
Direkt neben ihm steht Kaki King mit einer temporären Modifikation. Sie arbeitete mit der Gitarrenbauerin Rachel Rosenkratnz zusammen, um die Passerelle zu entwickeln—ein zusätzlicher Steg, die auf den 16. Bund einer Akustikgitarre geschoben wird. Einmal in Position gebracht, entsteht, was sie als "neues Instrument" mit 12 Tönen bezeichnet—sechs auf jeder Seite des Stegs—die einem dann Klänge bieten, die denen einer japanischen Koto oder einer chinesischen Zheng nicht unähnlich sind.
Bill Kirchen sagt unterdessen, dass seine Telecaster ihn an ein philosophisches Thema erinnere, das im Laufe der Jahrhunderte in verschiedenen Formen wiedergekäut wurde: "Es ist die Geschichte von dem Holzfäller, der seit sechs Generationen dieselbe Axt in der Familie hat, aber sie hatte seitdem fünf neue Köpfe und vier neue Griffe".
Man muss nicht lange suchen, um Variationen dieses Motivs zu finden. Douglas Adams, bekannt durch Per Anhalter durch die Galaxis, sah bei einem Besuch in Japan ein Spiegelbild dieser Idee in einem Tempel des Zen-Buddhismus. In Kyoto war er überrascht, dass der antike Kinkaku-ji, der Tempel des Goldenen Pavillons, so gut erhalten geblieben war.
Die Idee des Gebäudes, seine Absicht, sein Design—all das ist unveränderlich und macht das Wesen des Gebäudes aus. Die Absicht der ursprünglichen Erbauer ist das, was überlebt.
Sein Reiseführer erzählte ihm, dass das Gebäude mindestens zweimal abgebrannt war, woraufhin Douglas meinte: Oh, dann ist es also nicht das Original. "Doch, ist es", sagte der Führer. Aber es wurde viele Male wiederaufgebaut, wie könne das sein? "Es ist immer dasselbe Gebäude", erklärte der Fremdenführer geduldig.
"Die Idee des Gebäudes, seine Absicht, sein Design—all das ist unveränderlich und macht das Wesen des Gebäudes aus", schrieb Douglas in seinem Buch über bedrohte Arten, Die Letzten ihrer Art. "Die Absicht der ursprünglichen Erbauer ist das, was überlebt.
"Das Holz, aus dem die Konstruktion besteht, verrottet und wird bei Bedarf ersetzt. Wer sich zu sehr mit den ursprünglichen Materialien beschäftigt, die lediglich sentimentale Souvenirs der Vergangenheit sind, übersieht das lebendige Gebäude selbst." Denkt jetzt einfach Gitarre statt Gebäude und ihr habt ein sehr gutes Argument für den Wert von Modifikationen.
Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker und Musik. Zu seinen Büchern gehören Electric Guitars: Design & Invention und Echo & Twang. Tony lebt in Bristol, England. Mehr Infos unter tonybacon.co.uk.