Fünf Dinge, die du über die Gretsch Country Gentleman wahrscheinlich noch nicht wusstest

Vor sechzig Jahren stellte Gretsch die Chet Atkins Country Gentleman und die Chet Atkins Tennessean vor, zwei neue Modelle ober- und unterhalb der existierenden Chet 6120 im Produktkatalog. Die Country Gent war die High-End-Gitarre, während die Tennessean, eine Art weniger ausgefallene Ein-Humbucker-Ausgabe der 6120, die Budgetoption war. Die Tennessean besaß einen Listenpreis von 295 US-Dollar, die 6120 lag weiter bei 400 Dollar und die Gentleman bei 525 Dollar. Damit wurde die neue Country Gent in der Hollowbody-E-Gitarrenlinie des Unternehmens nur von der White Falcon überboten.

Chet selbst wechselte von einer 6120 zur neuen Country Gentleman als Haupt-Studiogitarre. Trotz der "verbesserten" Versionen der Gent, die später auf den Markt kamen - insbesondere die 1961 vorgestellte Double Cutaway-Version - und ungeachtet der Tatsache, dass Gretsch sie ihm bei Erscheinen zuschickte, spielte Chet weiterhin seine originalle Single-Cut. Für ihn war es das bessere Instrument. Seiner Ansicht nach waren die meisten Änderungen, die Gretsch vornahm, Veränderungen der bloßen Veränderung wegen.

Chet half dabei, die neue Gent zu vermarkten. Im Sommer 1957 gab Gretsch seinem Händlernetzwerk bekannt, dass "Gitarrenheld Chet Atkins für persönliche Begrüßungen im Gretsch-Gitarren-Pavillon auf der NAMM-Show in Chicago" anwesend sein werde, wo die Country Gent vor der Markteinführung 1958 der Musikindustrie vorgestellt würde.

1. Das Design der Country Gentleman war darauf ausgelegt, Rückkopplungen zu vermeiden.

Gretsch war schon seit einiger Zeit besorgt über das Feedback seiner Hohlkörpermodelle. Wenn Gitarristen live auf hohen Leveln auf dieser Art von E-Gitarren abrockten, hatten sie manchmal Probleme mit aufheulenden Rückkopplungen, wenn sie die Lautstärke aufdrehten. Ray Butts schlug Gretsch eine Lösung vor. Um das Feedback zu minimieren und nebenbei besseres Sustain zu erreichen, müsse das obere Ende des Bodys besser gegen Vibrationen gesichert werden.

Gretsch Country Gent Katalogeintrag aus den 50ern

Gretsch folgte seinem Rat und installierte eine neue Form der Verstrebung, das von Gretsch patentierte 59er Trestle-Bracing. Das Unternehmen klebte damals bereits ein paralleles Paar Holzschienen unter die Hollowbody-Tops, um die Tonabnehmer zu sichern. Nun begann man, ein "Trestle", eine Art breites Brückenprofil aus Holz, zu jeder Schiene hinzuzufügen. Die zwei "Beine" jedes Gestells waren mit der Body-Rückseite verbunden, was bedeutete, dass das "Trestles"-Paar vier gekrümmte, fest vertikale Pfosten vorsah, die die Oberseite mit dem Body-Rücken verbanden. Das Ergebnis war eine Gitarre, bei der das Top und das Back harmonischer zusammen vibrierten, was dazu beitrug, das Feedback zu reduzieren und das Sustain zu verbessern.

Ursprünglich verwendete Gretsch seine neue Bockverstrebung zwischen 1958 und 1962 für viele seiner Hohlkörpermodelle, darunter die Country Gent, die 6120 und die Tennessean sowie die Country Club und die White Falcon. Das Unternehmen hatte seit einiger Zeit seine "Solidbody" -Modelle wie die Duo Jet mit verschiedenen Taschen im Korpus hergestellt. Für Gretsch verwischte dieses neue Abspannsystem die Linien zwischen Solidbody- und Hollowbody-Gitarren weiter.

2. Die neuen Filter'Tron-Pickups der Country Gent benötigten ein neues Steuerungslayout.

Ab 1958 hatte Gretsch seine neuen Humbucker-Filter'Tron-Pickups bei fast allen Modellen zum Standard erklärt, einschließlich der neuen Country Gent. Es wurde stolz behauptet, dass die Filter'Trons "absolut jedes elektronische Brummen eliminieren - man erhält puren Gitarrensound."

Ray Butts, der die Filter'Trons entwickelte, überarbeitete Gretschs planmäßiges Steuerungslayout, um die neuen Humbucker zu ergänzen. Bislang hatte eine Gretsch mit zwei Single-Coil-DynaSonic-Tonabnehmern drei Knöpfe hinter dem Steg (einen Lautstärkeregler pro Tonabnehmer und einen Master-Toneregler), eine Master-Lautstärke im Cutaway-Bereich und einen Pickup-Wahlschalter (Bridge- und Neck-Pickup) im obersten Bereich.

Nun kam eine Zwei-Humbucker-Gretsch wie die Gent mit zwei Lautstärkereglern, einem für jeden Pickup hinter der Brücke, und dem regulären Master-Lautstärkeregler in der Nähe des Cutaway. Im oberen Bereich befanden sich jetzt zwei Dreiwege-Wahlschalter. Der von dem Musiker am weitesten entfernte war der übliche Bridge- und Neckeck-Pickup-Wahlschalter. Der andere jedoch ersetzte den alten Klangregler und regelte die "Klangfarbe". Er ließ die Wahl zwischen Bass- oder Treble-Betonung oder neutralen Einstellungen. Manche Gretsch-Vintage-Fans nennen ihn den Mud-Schalter, weil sie seinen klanglichen Nutzen für begrenzt halten, und viele lassen den Schalter dauerhaft in der sicheren Neutral-Position.


Gretsch Country Gentleman

3. Die Gent war die erste Gretsch mit dünnem Korpus.

Die neue Single-Cutaway-Country Gentleman besaß einen dünnen Korpus, ein Stil, den Gibson mit seinen Byrdland- und ES-350T-Modellen populär gemacht hatte. Beide hatte das in Kalamazoo ansässige Unternehmen 1955 eingeführt.

Gretschs Variante von Gibsons Idee war ein wichtiges Merkmal der neuen Gent, die einen Korpus von etwa 5 cm Höhe hatte. Das stand im Gegensatz zu den meisten vergleichbaren Modellen im damaligen Katalog des Unternehmens, die etwa ein Inch höher waren - die 6120 zum Beispiel war zu diesem Zeitpunkt etwa 7 cm hoch.

Die Gent war außerdem das erste der Chet Atkins-Modelle, das Gretsch mit einem etwas breiteren 17"-Body feilbot-genau wie die White Falcon, die Country Club und die Convertible-, derweil die 6120 ebenso wie die neue Chet Tennessean nur 15 1/2" breit war.

Der Korpus der Country Gentleman hatte ein semi-transparentes Braun als Finish, was Gretsch als "sattes Mahagoni-Finish im Landhausstil" bezeichnete. Das Unternehmen gab der Gent seine übliche vierstellige Referenznummer, die eine bestimmte Kombination aus Modell und Farbe bezeichnet, in diesem Fall 6122. Die einzige Gretsch, die heute gemeinhin unter ihrer Referenznummer bekannt ist, ist die 6120. Zweifellos liegt das daran, dass ihr voller Name - Gretsch Chet Atkins Hollow Body 6120 - etwas lang geraten ist.

4. Gretschs neue Country Gent hatte falsche F-Löcher.

Chet Atkins - Finger-Style Guitar

Ein Schlüsselelement der neuen Country Gentleman war der versiegelte Korpus mit "falschen" F-Löchern, ein weiteres Konstruktionsmerkmal, das die Wahrscheinlichkeit von Rückkopplungen reduzieren sollte. Tatsächlich hatte Gretsch diese Idee bereits seit mehreren Jahren in Betracht gezogen. Sie ging auf eine experimentelle 6120 zurück, die das New Yorker Unternehmen um 1956 für Chet gemacht hatte.

Das Instrument ist auf der Vorderseite von Chets Finger-Style Guitar-Album aus jenem Jahr detailliert zu sehen. Diese experimentelle 6120 hatte eine dicke, massive Oberseite mit auflackierten F-Löchern und war mit Prototypen von Butts-Humbuckern ausgestattet, die zwei Ausgangsbuchsen versorgten.

Sehr viel später reproduzierte Gretsch das historische Instrument. Man nannte sie Chet Atkins Stereo Guitar 6120-CGP und bot sie 2008 in limitierter Stückzahl an.

5. Der Gent war eine der ersten Gretsch-Gitarren mit Thumbnail-Markierungen.

In den frühen Tagen von Gretsch verwendete das Unternehmen traditionelle Punkt- oder Blockform-Positionsmarkierungen an seinen Griffbrettern sowie einen eher dekorativen Blockmarker, der als Humb-Top bekannt ist. In den Jahren 1957 und 1958 führte Gretsch jedoch eine neue Form für die Griffbrett-Inlays ein, die üblicherweise als Thumbnail- oder Halbmondmarker bezeichnet wird.

Gretschs 50er Jahre Neo-Classic Griffbrett-Prospekt

Gretsch hat sich nie gescheut, einen ausgefallenen Begriff für seine Hardware und Funktionen zu verwenden, wo andere Firmen eher einfache Begriffe wählen würden. So bezeichnete Gretsch seinen neuen Look ziemlich würdevoll als Neo-Classic-Griffbrett. Ein Flugblatt bewarb die Modifikation und beschrieb "wunderschön eingebrachte Perlmutt-Halbmonde auf der Bassseite des Griffbretts". Sie seien "perfekte Positionsmarkierungen und lenkten in keiner Weise von dem klassischen Spielgefühl ab, das für perfekte Performance so wichtig ist".

Zur gleichen Zeit, als die neuen Thumbnail-Markierungen an der Seite vieler Gretsch-Griffbretter einschließlich der neuen Country Gentleman auftauchten, wurden viele der Boards von Palisander auf Ebenholz umgestellt, um Gretschs charakteristischen Neo-Classic-Look zu unterstreichen.

Eine Single-Cut-Country-Gentleman im Originalstil ist noch heute als G6122T-59 Vintage Select Edition erhältlich, 60 Jahre nach ihrem ersten Auftritt im Gretsch-Repertoire, als sie als "neue Hohlkörpergitarre mit allen berühmten Chet Atkins-Features" beworben wurde. Diese kultivierte Gentleman hat sich also mit Sicherheit bewährt.


Zum Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker und Musik. Er ist Mitbegründer von Backbeat UK und Jawbone Press. Er ist Autor der Bücher The Gretsch Electric Guitar Book, Echo And Twang und Electric Guitars: The Illustrated Encyclopedia. Tony lebt in Bristol, England. Weitere Infos auf tonybacon.co.uk.

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