Deine Lieblingsgitarre da drüben, wäre die in einem Stück oder zerschlagen mehr wert? Für die Antwort muss man kein Genie sein. Ihr könntet jedoch überrascht sein, dass manche Leute anderer Meinung sind. Wir betrachten dazu das Fallbeispiel einer bestimmten Fender Stratocaster, die einst, anscheinend nur kurzzeitig, einem gewissen James Marshall Hendrix gehört hat.
Es ist Juni 1967 und die Liebe ist in der Luft. Jimi Hendrix trägt seine farbenprächtige Bühnenkleidung und ist damit beschäftigt, in einer Garderobe hinter der Bühne des Saville Theatre in London seine Gitarren zu stimmen. In der Ferne hört er, wie Procol Harum im großen Saal spielt. Er wechselt von seinen normalen Strats zu einer Flying V, bereitet aber auch eine spezielle Strat vor, die er am Ende seines Sets bei der Abendvorstellung opfern will.

Jimi kam ein Jahr zuvor im September 1966 von New York nach London. Mit seinem Manager Chas Chandler rekrutierte er schnell Noel Redding und Mitch Mitchell, um die Experience zu gründen, in der er von Beginn an Stratocaster spielte. In unserer Fallstudie hier werden wir uns jedoch auf ein Exemplar mit einem Candy Apple Red-Finish konzentrieren, das zur Saville-Opfergitarre wurde.
Jimi und sein Roadie nutzten Fenders verschraubte Konstruktion um Bodies, Hälse, Pickguards und mehr auszutauschen, und so die Schäden zu reparieren, die Jimi den Instrumenten während seiner wilden Auftritte zufügte.
Ungeachtet davon, woher die Teile dieser speziellen Gitarre stammen und wie lange sie Teil von ihr waren, wissen wir, wie viel Gitarren Mitte der 60er Jahre kosteten. Eine nagelneue Stratocaster mit Custom-Lackierung, die Jimis roter Gitarre ähnelte, hatte damals einen britischen Listenpreis von £180/12/0. Das sind 180 Pfund (£), 12 Shillings (nach dem ersten /) und null Pence (nach dem zweiten Schrägstrich), was die dezimalisierten Briten später als 180,60 Pfund schreiben würden.
Anfang 67 In London hätte zwischen 60 und 100 Pfund für eine gebrauchte Strat ausgegeben. Im Februar zum Beispiel warb der Pan Shop über dem Londoner Flamingo Club mit einer "Fender Stratocaster, gut, rot" für 65 Pfund. Nehmen wir an, das war ungefähr der Preis, den die Saville-Gitarre der Jimi Hendrix Experience gekostet hat. Sie blieb allerdings nicht lange "gut", denn Jimi schaffte es, während eines lebhaften Auftritts in Skandinavien im Mai einen großen Riss in den Korpus zu schlagen.
Die beschädigte Fender schien unreparierbar, aber Jimi entschied sich, sie dennoch zu benutzen. Die Saville-Show war der letzte britische Auftritt, bevor die Band bis August in die Vereinigten Staaten ging—einschließlich des Monterey Pop Festivals, wo er eine weitere schmuckvolle Strat zerstörte—also wollte er diesen Auftritt und diese Gitarre als eine Art Abschiedsspektakel nutzen.
Jimi bemalte die Vorderseite der ramponierten roten Strat in schwarz und weiß mit wirbelndem Laub und Herzen. Die Rückseite übermalte er mit weißer Farbe und fügte ein paar Blumen und eine Nachricht mit schwarzem Markerstift hinzu: "May this be love or just confusion, born out of frustration-wracked feelings of not being able to make true physical love to the universal gypsie queen of true, free expressed music. My darling guitar, please rest in peace. Amen." Jimi schrieb das Datum und den Ort des Konzerts daneben.
Im Saville spielte Jimis Trio dann sein letztes Set. Da sie wussten, dass Paul McCartney und George Harrison im Publikum saßen, eröffneten sie mit einem Cover von "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", das wenige Tage zuvor veröffentlicht worden war. Nach einer Verzögerung, die durch Probleme mit Mikrofonen und Verstärkern verursacht wurde, starteten sie durch und beendeten ihren Auftritt triumphal mit "Are You Experienced". Während dieses Finales hielt ein Roadie die vorbereitete Strat bereit.
Ein vollbesetztes Saville Theatre brach am Sonntagabend in Gejohle aus, als Jimi Hendrix ankündigte, dass dies sein letzter Auftritt in Großbritannien "für eine lange, lange Zeit" sein würde", berichtete Hugh Nolan im Disc and Music Echo, "und dann zertrümmerte [Hendrix] eine wunderschön bemalte Gitarre und schleuderte die Teile in die tobende Menge—eine Gitarre, die er in herrlich wirbelnden Farben bemalt und auf die Rückseite ein Gedicht geschrieben hatte, das er Großbritannien und seinem Publikum widmete. In flackerndes Stroboskoplicht getaucht, zertrümmerte er die Gitarre auf der Bühne und schleuderte das, was von ihr übrig war, zu den eifrigen Souvenirjägern im Publikum."
Diese Souvenirjäger haben ihren Schatz offenbar fast 25 Jahre lang aufbewahrt. Zeitsprung zum Auktionshaus Sotheby's im August 1991. Artikel 420, um genau zu sein: "Zwei Teile einer von Jimi Hendrix zertrümmerten Gitarre, 1967". Vielleicht wurden die Besitzer im Jahr zuvor, 1990, hellhörig, als eine Strat—die Gitarre, die Jimi in Woodstock spielte—für den Rekordpreis von 198.000 Pfund (damals etwa 325.000 Dollar) verkauft wurde.
Möglicherweise wurden sie dadurch überzeugt, dass die Zeit reif war, auf dem Dachboden zu stöbern. Und sie hatten Recht: Der Schätzwert der Auktion für einen "unvollständigen Korpus einer Fender Stratocaster", zusammen mit einem dazugehörigen Saville-Konzertprogramm, lag bei 4.500 bis 6.500 Pfund. Die beiden Hälften, gespalten entlang Jimis originalem skandinavischen Riss und mit dem größten Teil seines Gedichts auf den Rückseiten, wurden für stolze 29.700 Pfund verkauft.
Es gibt ein paar Möglichkeiten, um herauszufinden, was ein historischer Geldbetrag in heutigem Geld wert sein könnte. Keine davon ist präzise, was kaum überrascht, da die Berechnungen Dinge wie den durchschnittlichen Verdienst—aber wie durchschnittlich ist der Durchschnitt?—und verräterische mathematische Dinge wie Preisindexe und Inflationsschwankungen beinhalten.
Mit diesen Vorbehalten im Hinterkopf, können uns solche Berechnungen aber eine grobe Vorstellung über das Damals und Heute der Summen geben, über die wir hier reden.
* Die Saville-Strat hätte in heutigem Geld umgerechnet etwa 3.800 Pfund/ 4.500 Euro gekostet, als sie in den 60ern eine neue Gitarre war (erinnert ihr euch an die ursprünglichen 180,60 Pfund?).
* Man müsste heute etwa 1.200 Pfund/ 1450 Euro in die Hand nehmen, um auf die ungefähr 65 Pfund zu kommen, die Jimi vermutlich zahlte, als er die Strat in den ersten Monaten des Jahres 1967 aus zweiter Hand kaufte.
* Die 29.700 Pfund, die 1991 bei einer Auktion für die zerstückelten Körpusteile erzielt wurden, würden in heutigem Geld etwa 68.000 Pfund/ 81.620 Euro entsprechen. Und was würde es einbringen, wenn der jetzige Besitzer, das MoPOP Museum of Pop Culture in Seattle, jemals beschließen würde, es zu verkaufen—vermutlich einen lockeren sechs- oder möglicherweise sogar siebenstelligen Betrag?
* Und nehmen wir an, Jimi hätte die Gitarre nie zertrümmert. Nehmen wir an, ihre wahre Identität geriet im Laufe der Jahre in Vergessenheit, als sie verkauft und herumgehandelt wurde. Eine solche relativ anonyme Strat aus der Mitte der 60er Jahre in Candy Apple Red könnte locker euch gehören, sofern ihr euch den heutigen Preis für diese Art von Sammlerstück leisten könnt: Etwa 15.000 Pfund/18.000 Euro—abhängig vom genauen Jahr, der Originalität der Teile und dem Zustand natürlich.
Genug von Zahlen? Gut, legt die Lieblingsgitarre für einen Moment beiseite und lasst mich euch noch einmal die Frage stellen, mit der wir angefangen haben. Glaubt ihr mit alldem Wissen immer noch, dass euer Instrument komplett intakt mehr wert ist, oder könnte es im Wert steigen, wenn es in Stücke zerschlagen ist?
Als der unbeeindruckte Musikkritiker Chris Welch 1967 Jimis Auftritt in Saville besprach, schrieb er im Melody Maker: "Die Gruppe machte eine halbe Stunde Überstunden und endete mit einem Ausraster, bei dem die Gitarre im Stroboskoplicht zertrümmert wurde. Teile der Gitarre wurden dann für die Sammler ins Publikum geworfen, während Mitchs Schlagzeugständer in einem Zustand des Zusammenbruchs zurückgelassen wurde. Mal ehrlich, Jungs, wer braucht das?" Schade, dass Mitch Mitchell sein zusammengebrochenes Schlagzeug nicht von seinem Elend befreit und es in Stücke geschlagen hat. Wer weiß, was all die Teile jetzt noch wert wären?
Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker*innen und Musik. Zu seinen Büchern gehören London Live und The Stratocaster Guitar Book. Tony lebt in Bristol, England. Mehr Infos unter tonybacon.co.uk.