5 Effekte für Keyboards, die man ausprobieren sollte

Keyboards und Synthesizer (als Hard- oder Software) gibt es derzeit in einer Fülle wie nie zuvor. Egal, ob man unabhängiger Songwriter oder DIY-Produzent/Engineer ist, war es noch nie so einfach, die eigenen Aufnahmen und Mixe mit Pianos, Orgeln, Pads, Basslinien und Leadlines aufzupeppen, die direkt aus der Box beeindruckend klingen.

Hinter der Box wird es dann aber oft ein wenig schwieriger, wenn es daran geht, diesen Instrumenten im Studio die wirkliche Magie zu entlocken. Natürlich klingen alle Presets und Standard-Sounds auf den Geräten erstmal ziemlich anständig. Komplizierter wird es aber dann, wenn man von "ziemlich anständig" zu "wirklich einzigartig" kommen will.

Besonders für Hobby-Musiker*innen, die nur rudimentäre Kenntnisse darüber haben, wie man die Parameter eines bestimmten Instruments oder Patches verändert, kann es eine frustrierende Hürde sein, diese Instrumente in einer ansonsten großartigen Aufnahme zum Leben zu erwecken.

Glücklicherweise gibt es eine großartige kreative Alternative zum Keyboard-Regler-Tweaken, die ihr möglicherweise übersehen habt — selbst wenn ihr im Studio im wahrsten Sinne über sie stolpert. Richtig, ich rede von Effektpedalen.

Ja, es ist ein wenig unkonventionell (und ihr müsst etwas aufpassen, wenn ihr Signale mit Line-Pegel und Instrumenten-Pegel vermischt), aber mit ein wenig Geduld könnt ihr oft magische Ergebnisse erzielen, indem ihr eure Preset-Sounds mit Effektgeräten verändert. Hier sind fünf der einfachsten und effektivsten Möglichkeiten, um loszulegen.


E-Piano & Delay
FÜR CHARACTER UND DIMENSION

Wenn es darum geht, einem guten Vintage-Pop-Track etwas unverwechselbare Farbe zu verleihen, ist ein E-Piano wie ein Rhodes oder ein Wurlitzer eine großartige Option. Während diese Instrumente in ihrer echten analogen Form wunderbar sind, können viele fantastische Emulationen — wie ein Nord Electro-Keyboard oder das Electric 88 Piano-Plugin von Waves — zu 99% mithalten. Manchmal kann das Direktsignal dieser Patches als trockenes Signal jedoch etwas dünn und leblos klingen.

Für etwas mehr Charakter und Dimensionalität könnt ihr es mit einem analogem Delay wie dem MXR Carbon Copy oder einem einfachen digitalen Delay wie dem Boss DD-3 probieren. [Ihr braucht Hilfe dabei, VSTs durch Pedale laufen zu lassen? Schaut euch unser Video "How to Use Effects Pedals as Outboard Gear" an]. Ihr könnt die Delayzeit einstellen, um entweder ein kurzes Slapback oder einen langen, psychedelischen Ausklang zu erzielen, je nach Stimmung und Tempo eures Songs. Mehr Chaos erzeugt ihr, indem ihr mit dem Feedback-Regler herumspielt, was zu wirklich einzigartig klingenden Drones führen kann. Ich finde, dass das zusätzliche "Schmieren" und die "Wetness" eines Delays das DI-Signal eines Rhodes in einem Mix erst lebendig werden lassen.

Einfach zu bedienende Delays

Digitale Synth String Pads & Delays
FÜR WÄRME UND SPHÄRISCHE SWELLS

Ganz gleich. ob ihr sphärische Ambient-Swells für einen IDM-Track braucht oder einen lauten Pop-Rock-Refrain aufpeppen wollt, sind warme, üppige polyphone String-Pads eine großartige Lösung, besonders bei digitalen Synthesizern wie dem Korg MS2000 oder Yamaha DX7.

Allerdings kann die heißt gesuchte "Wärme" und "Üppigkeit" zunächst ein wenig ungreifbar sein. Ein fantastischer Workaround für dieses Problem ist es, euren digitalen Pad-Sounds ein wenig analoge Attitüde zu verleihen, indem ihr ein analoges Delay (mein absoluter Favorit ist hier das EHX Memory Man) oder ein beliebiges digitales Delay mit sattem Klang anschließt.

Da der Signalpegel eurer Synthesizer standardmäßig "heißer" ist als der, den ein Gitarrenpedal erwartet, ist es ziemlich einfach, ein analoges Pedal zu übersättigen. Für einen wirklich sirupartigen Streichersound mit schönem Ausklingen stellt ihr den Blend auf 100% Wet, haltet die Delay-Zeit sehr kurz und stellt eine anständige Portion Feedback ein. (Für einen riesigen Stereoeffekt nehmt ihr zwei dieser fake-analog Streicher-Pads separat auf und pant sie hart links und rechts im Stereofeld).

Delays für digitale Synthesizer

Monosynth Bass & Fuzz
EIN BISSCHEN FUZZ KANN VIEL BEWIRKEN

Wie oft habt ihr schon eine Bassline mit einem hammermäßigen Monosynth (z.B. einen Korg MS-20 oder Moogs Voyager-Plugin) aufgenommen, nur um dann festzustellen, dass der Sound im Kontext des gesamten Mixes eures Songs Songs zu fluffig, matschig oder einfach nicht durchdringend genug ist? Ob ihr es glaubt oder nicht, die Antwort könnte in einer Fuzz-Box liegen.

Wenn ihr Fuzz-Pedale wie ein Big Muff oder ein Fuzz Factory in die Kette einschleift, bekommt der Synthesizer-Bass einen schärferen Mittencharakter, der eher einer verstärkten E-Bassgitarre ähnelt, gleichzeitig gleicht die intensive Kompression dieser Pedale gleicht die resonanteren Noten aus, wodurch unerwünschtes Dröhnen reduziert wird und der Bass sich insgesamt besser in den Mix einfügt.

Wenn ihr dabei die massiven Bassfrequenzen des Synth-Basses beibehalten wollt, könnt ihr versuchen, das Signal zu splitten und den fuzzigen Sound über das trockene Signal zu legen. (Seit aber vorsichtig mit den Einstellungen: Ein wenig Fuzz kann sehr viel bewirken.)

Fuzz-Pedale für Bass-Synths

Piano & OD/Distortion
ZUM ANDICKEN VON LEADS, SOLI UND HART GESPIELTEN RIFFS

Auch ohne Zugang zu einem "richtigen" Flügel oder Klavier in eurem Heimstudio oder Proberaum, könnt ihr mit einer virtuellen Sample-Library wie dem AIR MiniGrand oder einem Hardware-Instrument wie dem Nord Stage den majestätischen Klang und die perkussive Wucht eines Klaviers in euren Mix einbringen. Was aber, wenn ihr an einem aggressiven Bluesrock- oder experimentellen Indie-Track arbeitet und die "klassischen" Pianosounds einfach viel zu sauber und eindimensional sind? In diesem Fall sollten ihr nicht davor zurückschrecken, euer klassisches Distortion-Pedal heranzuziehen.

Es mag zunächst blasphemisch klingen, aber wenn ihr ein simples Pedal wie den Boss BD-2 Blues Driver oder das DS-1 Distortion in die Kette einschleift und den Drive-Regler etwa ¼ bis ⅓ des Weges aufdreht, verwandelt sich euer Klavier im Grunde in ein völlig neues Instrument. Dieser Trick ist besonders effektiv für Leads, Solos und Riffs, bei denen das Klavier so klingen soll, als würde es den Mikrofonvorverstärker aus den Nähten reißen; er funktioniert aber auch sehr gut, um Akkorde der linken Hand zu festigen, die ihr wie eine E-Gitarre durchstampfen wollt (seit nur vorsichtig mit der Komplexität der Akkorde, da sich die Obertöne schnell summieren).

Verzerrer und Overdrives


Lead-Sounds & Octaver/Harmonize-Pedale
ZUM ANDICKEN, AUSEINANDERNEHMEN UND NEU INTERPRETIEREN EURES SOUNDS

Dem Intro, Outro oder Solo eures Hip-Hop-, Rock- oder Elektronik-Tracks einen einfachen Rechteck- oder Sägezahnsound hinzuzufügen —vielleicht mit ein wenig Portamento und einer schwungvollen Modulation — ist ein klassischer Trick. Leider kann es dadurch aber auch ziemlich altbacken und vorhersehbar klingen. Aber ihr euren Moog Little Phatty, Arturia MiniBrute oder euer Roland SH-101 Plugin aufgebt, solltet ihr in Erwägung ziehen, den allgegenwärtigen Synth-Lead-Sound mit einigen wilden Oktav- und Obertoneffekten aus eurem Effekt-Arsenal zu überholen.

Am oberen Ende des Spektrums sind die POG- und HOG-Pedale von EHX tolle Werkzeuge für diese Aufgabe und erlauben es euch, den Sound des Originaltons auf alle möglichen Arten anzufetten, zu zerfetzen und neu zu gestalten — ich hatte aber auch schon viel Spaß dabei, Synthesizer durch einen einfachen DigiTech Whammy oder Boss PS-5 Super Shifter zu leiten, um die Tonhöhe in Echtzeit zu kontrollieren und mit Dive-Bomb-Effekten zu versehen.

Wenn ihr die ursprüngliche Melodie dabei möglichst erhalten wollt, ist es eine gute Idee, euch bei den Intervallen an Oktaven und/oder Quinten zu halten; wenn Farbe und Charakter für euren Song aber wichtiger als die Tonhöhe sind, ist mit diesen Pedalen der Himmel das Limit.

Oktavpedale und Pitch-Shifter

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