Wenn man die Popularität eines bestimmten Gitarrentyps an seiner Sichtbarkeit in den Händen berühmter Musiker*innen misst, kann man die 80er Jahre wohl als das unbeliebteste Jahrzehnt für die Gibson Les Paul Sunburst bezeichnen. Dabei geht es hier um das legendäre Modell, das zwischen 1958 und 1960 hergestellt und in früheren Jahrzehnten von Ikonen wie Eric Clapton, Jimmy Page und Jeff Beck gespielt wurde, und heute regelmäßig für horrende Summen verkauft wird.
Neue Trends unter Gitarrist*innen und Gitarrenbauer*innen machten es Gibson in den 80er Jahren nicht leicht. Einige Musiker*innen, die zuvor mit der Les Paul verbunden wurden, wechselten zu anderen Modellen. Bei einer Benefizveranstaltung 1983 in London standen das ikonische Trio Beck, Clapton und Page gemeinsam auf der Bühne: Jeff spielte seine Fender Stratocaster; Auch Eric spielte eine Strat und, für einen Song, eine Gibson Firebird; Jimmy spielte hauptsächlich eine Fender Telecaster, obwohl er kurzzeitig zur Burst wechselte. Einige Jahre später arbeiteten Jeff und Eric jeweils mit Fender zusammen, um ihre Signature-Modelle zu entwickeln.
Alles in allem hatte Gibson in den 80er Jahren eine schwere Zeit, allein 1982 gingen die Verkäufe um 30 Prozent zurück. Der US-Gitarrenmarkt brach zusammen und die meisten amerikanischen Marken hatten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Die Kosten waren hoch, die wirtschaftlichen Umstände und Währungsschwankungen spielten gegen sie, und die japanische Konkurrenz hatte den Vorteil.
Ab 1980 fand die gesamte Hauptproduktion von Gibson im Werk in Nashville statt, während die kleinere ursprüngliche Fabrik in Kalamazoo nun Sonderanfertigungen, Banjos und Mandolinen herstellte. 1983 kündigte Gibson die Schließung von Kalamazoo an. Die letzte Produktion fand im Juni 1984 statt und die Fabrik schloss drei Monate später, etwas mehr als 65 Jahre, nachdem Gibson das ursprüngliche Gebäude errichtete. Im Sommer '85 gab der Eigentümer Norlin bekannt, dass er einen Käufer für Gibson gefunden hatte, und im Januar des darauf folgenden Jahres schlossen Henry Juszkiewicz, David Berryman und Gary Zebrowski ihren Kauf für 5 Millionen Dollar ab.
Neben der alten Garde, die sich jetzt für andere Gitarren als Les Pauls interessierte, wandten sich auch viele der neuen Hochgeschwindigkeitsgitarrist*innen der 80er Jahre, die früher wahrscheinlich das Zielpublikum für Paulas gewesen wären, einem Modell zu, das ihnen besser passte: Superstrats dominierten die Optik und das Spielgefühl von Rockgitarren in den 80er Jahren, nachdem mehrere Marken — unter ihnen Kramer und Jackson — das Design der Stratocaster entwickelten und überarbeiteten, um den Bedürfnissen der Extrem-Rock-Fraktion gerecht zu werden. Traditionelle Entwürfe wie die Les Paul und die Strat hatten wenig Chancen gegen die Superstrats, insbesondere als der größte Name der Ära, Eddie Van Halen, Endorser von Kramer wurde.
Die Superstrats boten mehr Bünde, tiefere Cutaways, modifizierte Tonabnehmer-Layouts, Hochleistungs-Vibrato-Systeme und grelle Lackierungen. In vielerlei Hinsicht waren sie das Gegenstück zu einer Les Paul Sunburst und wurden zur Definition der Mainstream-Rockgitarre der 80er Jahre.
Gibson versuchte mit eigenen Superstrat-Annäherungen Fuß zu fassen — wie den MV Victory-Modellen (1981), der Q-Serie (1985), US-1 (1986), U-2/Mach II (1987), und der SR-71 (1987) — aber obwohl darunter einige interessante Gitarren waren, gelang es ihnen nicht, die Aufmerksamkeit des Mainstreams zu erregen, nicht zuletzt wegen eines Problems, das die Firma seit jeher plagt: Einige Gitarrist*innen wollen, dass Gibson sich nur auf alte Designs aus den 50er und 60er Jahren konzentriert. Alles was zu sehr versucht, innovativ zu sein oder mit neuen Trends zu laufen, wird als Verrat an der Marke gesehen.

Es gab natürlich Ausnahmen. Für Burst-Liebhaber kam das Original nie aus der Mode, trotz des offensichtlichen Rückgangs unter den Stars. Für diese Gläubigen war sie immer noch die wichtigste Gitarre der Welt.
Einer von ihnen ist Joe Walsh. Er kam 1976 zu den Eagles, rechtzeitig zu den Aufnahmen ihres Riesen-Albums Hotel California, blieb bis zur Auflösung in den frühen 80er Jahren und kehrte für diverse Reunions zurück. In den späten 80er Jahren definierte Joe Walsh sein Lieblings-Setup immer noch als ein Paar Fender Super Reverbs und eine Vintage-Les Paul.
This Is Spinal Tap rückte 1984 viele der klischeehaften Rock-Exzesse in ein humorvolles Licht. Eine Backstage-Szene, in der Tap-Gitarrist Nigel Tufnel den "Rockumentary"-Filmer Marty DiBergi durch seine Gitarrensammlung führt, hatte aber eine besondere Resonanz für Burst-Fans.
"Das ist die Krone des Ganzen", sagt Nigel, während er eine schöne '59er Burst in die Hand nimmt und stolz hinzufügt: "Guck dir an wie die geflämmt ist!" Die '59er aus der Spinal Tap-Szene wurde für den Film vom Vintage-Händler Norman's Rare Guitars ausgeliehen und war etwas früher schon in einer Werbung für JBL-Lautsprecher erschienen.
Toto-Gitarrist und Session-Legende Steve Lukather hat eine '59er Burst, die ihm während seiner gesamten Karriere gute Dienste geleistet hat. Sie ist bekannt als die Rosanna Burst, weil sie im Video zu "Rosanna", dem großen Toto-Hit von 1982, zu sehen war. Ihr vielleicht berühmtester Auftritt kam im selben Jahr als "Die andere Gitarre" in Michael Jacksons "Beat It". Steve setzte seine Burst für jeden Gitarrentrack des Stücks ein — mit Ausnahme von Eddie Van Halens Superstrat-Solo — einschließlich des einfachen, effektiven Bassteils, der geschichteten Riffs, der Rhythmusparts und der Background-Parts hinter DEM Solo.
Burst-Momente wie diese verhalfen den Fans des Modells durch die ansonsten Sunburst-armen 80er Jahre. Aber nach all den Shreddern des Jahrzehnts, die für ihre glänzenden neuen Superstrats Schlange standen, brauchte es Guns N' Roses, um den Hard Rock neu zu definieren — und Gitarrist Slash verwendete, zur höchstwahrscheinlichen Freude Gibsons, eine Les Paul, um seine aggressiven, bluesigen Licks zu entfesseln.
Slash wurde von seinen Helden Jimmy Page und Joe Perry und den Les Pauls, die sie spielten, inspiriert. Guns N' Roses begann Millionen von Alben zu verkaufen, beginnend 1987 mit Appetite For Destruction, und Slash baute sich eine schicke Gitarrensammlung auf, mit einer guten Fülle an Vintage-Les Pauls. Dabei waren die Paulas, mit denen er anfangs bekannt wurde, tatsächlich Nachbauten. Er hatte bei Guns N' Roses mit einer B.C. Rich, einer Jackson und einer SG gestartet. 1985 bekam er seine erste gute Les Paul, die aber nicht von Gibson, sondern von Peter "Max" Baranet oder von Kris Derrig gebaut wurde, je nachdem, welcher Legende man glaubt.
Slash trennte sich von dieser Gitarre, besorgte sich dann im Sommer '86 aber eine neue, um die Grundlegenden Tracks für Appetite aufzunehmen. Die Identität dieser zweiten Replik ist ebenfalls umstritten. Slash sagte, es handele sich um eine Les Paul von Derrig. Max Baranet hingegen sagte mir, es sei eine weitere seiner Gitarren. "Er bekam zwei Tage vor Beginn der Aufnahmen meine persönliche 1960 Replik direkt von mir", sagte Max, "und dann eine dritte Nachbildung, eine Kris Derrig, für die zweitägigen Overdub-Sessions, nach den Grundtrack-Aufnahmen.

Als Gibson kurz darauf mit Slash einen Deal für zwei neue Les Paul Standards abschloss, versetzte Slash seine abgenutzten Repliken in den Ruhestand. Aber die Ironie bleibt: Die Gitarren, die die Sunburst mehr oder weniger wieder ins öffentliche Bewusstsein rückten, wurden nicht von Gibson hergestellt. Um die Ironie noch weiter zu schichten, produzierte Gibson 2010 die Slash "Appetite For Destruction" Les Paul, also eine Nachbildung einer Nachbildung.
Gibson hatte derweil das steigende Interesse an der Sunburst in den 70ern mitverfolgt und erkannt, dass eine moderne Neuauflage eine gute Idee sein könnte. Die ersten Folgen waren die 1980 eingeführten Heritage Series Standard-80-Modelle und die Gibsons "Reissue Outfits", ein Versuch, drei Jahre später die Sunburst und Goldtop im alten Stil genau nachzubauen, aufgrund der Nachfrage von Kunden, die nach den Features dieser geheiligten Modelle aus den 50er Jahren verlangten.
J.T. Riboloff kam '87 zu Gibson. "Als ich anfing", sagte er mir, "war die Les Paul Reissue im Grunde eine reguläre Standard mit geflämmtem Top. Mit der Zeit ließen sie uns das aber steigern." Eines von J.T.s frühen Projekten war die Les Paul Classic von 1989, die an die Features einer 60er Sunburst angelehnt war, wobei die Tonabnehmer definitiv modern waren.
Zum Glück für die Burst, kamen die 80er Jahre dann zum Ende — und kurz darauf, 1991, machte Gibson aus der regulären Reissue zwei Modelle, nämlich die Standard '59 Flametop Reissue und die Standard '60 Flametop Reissue. Mit diesem Schritt war Gibsons Strategie für eine Reihe ernsthafter Neuauflagen von Les Pauls in Gang gesetzt, und die Burst konnte spätestens jetzt ihren Ruf sowohl als ursprüngliches Sammlerstück von hohem Wert, als auch als fein gearbeitete moderne Neuauflage genießen.
Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musiker*innen und Musik. Er ist Mitbegründer von Backbeat UK und Jawbone Press. Zu seinen Büchern gehören Electric Guitars Design & Invention, Guitars: The Illustrated Encyclopedia und Sunburst. Tony lebt in Bristol, England. Weitere Informationen unter tonybacon.co.uk.