Die Magie des EB-0 — Gibsons erstem Solidbody-Bass

Der Gibson EB-0 (meist EB-O genannt) war Gibsons erster wirklich erfolgreicher Solidbody-Bass, der mit seiner Einführung 1959 den unpopuläreren EB-1 ablöste. Auch wenn er heute nicht mehr produziert wird, ist er nicht allzu weit vom aktuellen Gibson Les Paul Junior Tribute DC Bass und dem SG Standard Bass entfernt. Bis vor kurzem stellte Epiphone außerdem noch eine eigene Version des EB-0 her.

Der EB-0 und sein naher Verwandter, der EB-3, werden oft verwechselt, was vermutlich am Design und der Ähnlichkeit zu bestimmten Gitarrenformen liegt, weshalb wir versuchen werden, hier für etwas Klarheit zu sorgen.

Der Gibson EB-0 wurde im Laufe der Jahre in vielen verschiedenen Variationen angeboten, aber einige seiner charakteristischen Features sind: ein einzelner Humbucker, der nahe am Hals platziert ist, Tone- und Volumeregler, ein Mahagoni-Korpus und Hals, sowie ein Palisander-Griffbrett. Der EB-0 hat außerdem eine kurze Mensur —30,5 Zoll (Gibson führte 1970 eine Version mit langer Mensur ein, den EB-0L).

Die späten 50er und frühen 60er Jahre waren für die Musikwelt eine aufregende Zeit, in der viele neue Bands gegründet wurden — und die meisten dieser Bands brauchten Bassist*innen, weshalb viele von der Gitarre zum Bass wechselten (Paul McCartney ist ein Paradebeispiel). Die 30,5-Zoll-Mensur von Bässen wie dem EB-0 fühlte sich für viele, die von der Gitarre kamen, vertrauter an und war deshalb sehr beliebt.

Die Ursprünge des EB-0: 1959–61

Als der EB-0 1959 auf den Markt kam, hatte er die gleiche Korpusform wie die Gibson Les Paul Doublecut Junior und auf der Rückseite seiner Kopfplatte waren Mechaniken im Banjo-Stil angebracht. 1961 änderte Gibson die Korpusform, so dass sie der SG näher kam und das Modell entstand, das die meisten von uns kennen werden.

Die Double-Cutaway EB-0-Modelle von 59-61 sind ziemlich selten, insgesamt wurden von ihnen nur etwa 500 Stück hergestellt. Die Änderung der Korpusform 1961 fällt mit Gibsons allgemeiner Abkehr von der Singlecut-Les Paul hin zu dem, was wir heute als SG kennen, zusammen. Erwähnenswert ist dabei, dass der EB-0, obwohl er populären Gibson-Gitarren ähnelte, nie als Les Paul- oder SG-Bass bezeichnet wurde.

Wie viele Gibsons der späten 50er/frühen 60er Jahre haben auch diese Double-Cut-Junior-Bässe massenhaft Mojo.

Die Kombination aus dem Halsprofil — klobig, aber nicht zu dick — und der kurzen Mensur sorgt für eine absolut traumhafte Spielbarkeit. Die Sidewinder-Tonabnehmer geben eine Menge Charakter dazu. Zugegeben, sie sind nicht für jede Anwendung geeignet, aber im Kontext einer dreiköpfigen Rockband gibt es zum Beispiel nichts, was ich einem EB-0 vorziehen würde.

Tone

Der Sound dieser Bässe ist tendenziell eher dunkel und fett, nicht so definiert wie bei manchen anderen Bässen, was dem EB-Tonabnehmer bei manchen den Spitznamen "Mudbucker" einbrachte.

Sie sind sehr basslastig, mit wenig Mitten und Höhen. Wer nach Klarheit und Helligkeit sucht, ist hier also höchstwahrscheinlich an der falschen Adresse. Wenn man die Saiten relativ frisch hält und den Verstärker entsprechend einstellt, kann man aber die perfekte Menge an Definition für den eigenen Sound bekommen.

1959 Gibson EB-0 Bass Demo

Der EB-0 eignet sich sehr gut für den British-Invasion-Stil der 60er Jahre, da er ein schönes, dumpfes und abgerundetes Low-End liefert, auf dessen Fundament die Jangle-Gitarren sehr gut sitzen können. Ich liebe EB-0-Bässe auch an einem übersteuerten Röhrenverstärker — für den ultimativen, gewaltigen Rock-Bass-Sound.

Wer noch weiter gehen will, schließt ein Fuzz-Pedal an — nicht jedermanns Sache, aber für manche der Sound, den sie schon lange suchen. Gibson baute 1965 sogar eine Version dieser Bässe mit eingebauter Fuzztone-Schaltung, den Gibson EB-0F. In all seinen frühen Versionen bot der EB-0 etwas völlig anderes als die Fender-Bassmodelle dieser Zeit.

Der EB-3

Der Gibson EB-3 wurde 1961 zusammen mit der Einführung des SG-Korpus in Produktion gebracht. Er ist dem EB-0 ziemlich ähnlich, mit dem Zusatz eines Mini-Humbuckers in der Stegposition (zusammen mit den dazugehörigen Volume- und Tone-Reglern), plus einem Tone-Drehknopf (ähnlich einem Varitone).

Der EB-3 war beliebter als sein Vorgänger, wahrscheinlich wegen seiner Vielseitigkeit, und war der Bass der Wahl für viele Classic-Rock-Bands. In den 60ern, 70ern und bis heute noch führten der EB-3 — und später auch der SG Standard Bass — das Erbe fort, das der EB-0 begonnen hatte.

Berühmte Bassisten

Mike Watt's EB-3
Mike Watts EB-3 aus der Zeit vor 1961

Auch wenn sich viele für den EB-3 entschieden, griffen einige Bassisten, wie Dennis Dunaway (der Original-Bassist von Alice Cooper), zum EB-0. Auch Glen Matlock benutzte ihn in den frühen Tagen der Sex Pistols und kürzlich wurde Johnny Marr von The Smiths gesehen, wie er Glens alten EB-0 spielte.

Jethro Tull-Bassist Glenn Cornick benutzte gelegentlich einen EB-3, ebenso wie Jack Bruce von Cream. Bernie Calvert von den Hollies hatte einen 1959er Gibson EB-0, den er allerdings nicht live einsetzte.

Zu den EB-3-Bassisten gehören Andy Fraser von Free, Bob Paisley bei Ozzy Osbourne und Mike Watt. Billy Sheehan nahm den Tonabnehmer aus einem EB-0 und baute ihn in seinen P-Bass (liebevoll "The Wife" genannt) ein — diese Tonabnehmer-Kombination ist sehr ähnlich zu der, die man auf seinen aktuellen Signature Yamaha Attitude Bässen findet.

Aktuelle Versionen

Wie bereits erwähnt, stellte Epiphone bis vor kurzem eine großartige Version des EB-0 her. Er hatte eine kurze Mensur, einen Single-Humbucker, eine SG-ähnliche Korpusform und war zu einem wirklich guten Preis erhältlich. Auf dem Gebrauchtmarkt tummeln sich immer noch einige Exemplare, so dass es sich definitiv lohnt, einen Blick darauf zu werfen, wenn man eine budgetfreundliche Version sucht.

Der Gibson Les Paul DC Tribute ist eine wirklich coole, moderne Version der Modelle aus den Jahren von 1959 bis 61. Er verfügt über die abgerundete Double-Cut-Korpusform und einen einzelnen Humbucker, der zwar nicht ganz so nah am Hals liegt wie bei den Originalen und deshalb nicht ganz so dick klingt, aber immer noch viel Druck hat.

Außerdem kommt er mit einer Coil-Split-Funktion, so dass man auch Single-Coil-Sounds aus ihm herausbekommen kann, wodurch er ziemlich vielseitig wird. Dann gibt es noch den Gibson SG Standard Bass, der von den Spezifikationen her wahrscheinlich näher an einem EB-3 liegt.

Fazit

Als der Gibson EB-0 1959 auf den Markt kam, bot er etwas völlig Neues. Er war Gibsons erster Solidbody-Bass und brachte eine andere Art von Sound, besonders im Vergleich zu einem P-Bass. Der Fender Jazz, der ein Jahr später, 1960, auf den Markt kam, war klanglich sogar noch weiter vom EB-0 entfernt.

Der EB-0 ist nicht superhell, er klingt nicht besonders definiert, aber er ist einzigartig. Er klingt riesig und bietet ein unglaublich dickes Low-End, und die kurze Mensur macht ihn ziemlich gut spielbar — besonders für diejenigen, die von der Gitarre zum Bass wechseln. Er ist die perfekte Wahl für Bassist*innen, die einen weiten Klangraum ausfüllen müssen, und liefert einen der besten verzerrten Bass-Sounds, die es gibt.

1959 Gibson EB-0 in case

Die frühen Modelle von 1959-61 fangen die mysteriöse Gibson-Magie der Burst-Ära ein. Es ist etwas schwierig, das zu beschreiben, aber von den Hunderten von Bässen, die ich gespielt habe, ist ein 59er EB-0 der absolut beste Bass, den ich je in die Hände bekommen habe.

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