Anfängliche Versuche, Elektronik bei der Musikproduktion zu benutzen, dienten nicht bloß der Verstärkung von Instrumenten oder Aufnahmen. Die Übersetzung von Klang anhand von Schaltkreisen lud auch zu Versuchen ein, natürliche Klangphänomene wie Hall (reflektierter Sound, den du weniger als 0,1 Sekunde nach dem Initialgeräusch hörst) und Echo (längere, beinahe exakte Wiederholungen ganzer Phrasen) nachzumachen. Was durch Schluchten wandernde Menschen vor 20.000 Jahren hypnotisiert haben muss, faszinierte Tontechniker des 20. Jahrhunderts ganz genauso.
Frühe Echo-Experimente prägten das Momentum des noch ungefestigten Rock 'n' Rolls der 1950er. Echotriefender Gesang und Gitarren beförderten die unbarmherzigen Rhythmen des frühen Rock 'n' Roll ins Weltraumzeitalter.
Heutzutage bezieht sich „Echo“ auf bandbasierte Geräte, während die modernen Inkarnationen des Effekts in Pedalen und VSTs „Delay“ heißt. Echo klingt mit der schnellen Abklingzeit und kurzen Wiederholungsintervallen stärker nach dem natürlichen Phänomen.
Der technologische Fortschritt ermöglicht unnatürliche Klänge, etwa lange Zeitfenster zwischen Wiederholungen oder sogar selbstoszillierende Wiederholungen, die eher lauter werden als abzuklingen (Beweisstück A: das Earthquaker Devices Avalanche Run).
Die Geschichte des bandbasierten Echos mag mit der unschuldigen Emulation eines natürlichen Phänomens angefangen haben, aber es führte schnell zu einer zügellosen Erforschung, wie Soundschleifen gedehnt und hinsichtlich ihrer Textur und Headiness manipuliert werden können. Das Roland Space Echo RE-201 hat mehr mit modernen Delay-Pedalen gemein als mit Suns Slap Back Echo. Es demonstriert, wie schnell und wild der Echo-Hype abhob.
Sondierung der ersten Echos
Die ersten Echoeffekt-Systeme benutzten Magnetband. Das Band wurde zerschnitten, um Loops zu kreieren. Mit einem Tonbandgerät nahm man Sound auf dieses Band auf und es wurde in Echtzeit wiedergegeben, während eine Sängerin sang oder ein Gitarrist spielte.
Die Zeit zwischen dem Originalklang und seinem Echo hing von der Länge jener Tapeloops und der Position des "Schreiben“- und des "Lesen“-Tonkopfs ab. Abweichende Echolängen und -stärken konnten auf diesem Weg erreicht werden.
Les Paul - "Whispering" (1951)
Les Paul, der E-Gitarren- und Aufnahmepionier, entdeckte die Möglichkeiten des Echos früh für sich. Um eine Schar Echos in Echtzeit zu kontrollieren, verband er mehrspurige Einheiten miteinander und overdubbte sich dann selbst, wie er alle anderen Songteile einspielte. Seine rein gitarrenbasierte Aufnahmetechnik nutzte den Echoeffekt voll aus und ermöglicht es ihm, ohne richtige Band zu spielen.
Zur etwa selben Zeit, in der Les Paul die Technologie erforschte, näherten sich auch europäische Komponisten dem Echoband, als sie die Möglichkeiten aufgenommener Musik untersuchten. Karlheinz Stockhausen befand sich an der Front dieser technologischen Bewegung. Er initiierte in der klassischen Musik einen richtigen bandbasierten Collagenstil namens musique concrète.
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Elvis Presley - "Baby Let's Play House"
In Memphis produzierten Sun Studios für ihre 1950er Meilensteine einige ihrer dramatischsten Echo- und Delay-Effekte. Chefproduzent und Tontechniker Sam Phillips verwendete zwei verschiedene Bandmaschinen, um sein Echo-Effekt-Markenzeichen zu erschaffen.
Eine Maschine nahm das unveränderte Signal auf und lieferte es bei der Wiedergabe an die zweite Maschine, die andere Halleffekte in ihrer Signalkette hatte, um ein Slap Baak Echo zu erzeugen, das in seiner Länge von der Geschwindigkeit abhing, mit der das Band wiedergegeben wurde. Dieses vermischte Signal landete dann wieder beim Mastertape. Das Keeley Memphis Sun-Pedal würdigt diesen ikonischen Klang.
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Eine der ersten für sich stehenden Echogeräte war das EchoSonic. Jener Verstärker stellt den Zwischenschritt zwischen notdürftig zusammengebastelten Echoband-Studiosystemen und eigenständigen Echoband-Effekten dar. Beim EchoSonic war die Bandmaschine mit Aufnahme- und Wiedergabe-Fähigkeiten direkt in den Verstärker eingebaut, so wie Amps von Supro und Fender Tremolo und Hall besaßen.
Elvis‘ erstes E-Gitarrenspieler Scotty Moore nutzte den Effekt auf Elvis‘ frühem Sun-Material.
In die Zukunft und ins Universum
In den 1960ern gab es dann bereits diverse Alles-in-einem-Bandechogeräte. Diese Geräte besaßen einen Aufnahme-Tonkopf sowie eine einzelne Spule, auf der ein unendlicher Loop durch mehrere Wiedergabeköpfe zur Kontrolle der Zahl der Schläge oder Wiederholungen lief.
Der Nutzer konnte den Mechanismus zur Kontrolle von Band und Tonköpfen kontrollieren, um Delay- und Echoeffekte von unterschiedlicher Länge und Wiederholung zu schaffen.
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Jimmy Page liebte es, mit seinem Echoplex eine befremdliche Atmosphäre zu schaffen, wie etwa das halluzinatorische, freigeistige Break in der Mitte von Led Zeppelins „Whole Lotta Love".
Das zweite berühmte Echobandgerät der 1970er ist das Roland Space Echo RE-201. Seine einstellbare Bandgeschwindigkeit machte es einzigartig. Das Space Echo macht den Dub Reggae-Sound bekannt, den abgespacten Ableger des Reggae von Pionieren wie Lee Perry und King Tubby.
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Gegen Ende der 1970er vereinten die Frippertronics die Echobandeffekte des frühen Rock 'n' Roll und der europäischen klassischen Musik auf logische Weise. King Crimson-Boss Robert Fripp kollaborierte mit dem berühmten Produzenten und Ambient-Erfinder Brian Eno, um ein System zu entwickeln, das die Delayzeiten derart erhöhte, dass die geschleiften Phrasen wie Loops klangen.
Frippertronics im Mitternachtsprogramm (1979)
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Das hatte enorm lange Delayzeiten zur Folge, was es zu jener Zeit auf keiner anderen Aufnahme gab. Der innovative Klang ließ sich Jahrzehnte später, nach der Verbreitung von Loop-Pedalen und digitalen Delays mit mehrsekündigen Verzögerungen, viel leichter erreichen. Für Nostalgiker existieren allerdings nach wie vor viele Wege, um diesen originalen Bandechosound zu erhalten.
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