Pedale und ihre Geschichte: °red sun fx

In dieser Folge von Pedals und ihre Geschichte begeben wir uns in den Süden Deutschlands, der für urige Biergärten und lustige Hüte und Trachten bekannt ist. Aber auch für großartige, handgefertigte Pedale aus der Werkstatt von °red sun fx und dessen Mastermind Nico Hemmelmann. Wir wollten mehr wissen über seine Anfänge und Ansprüche an ein gutes Effektpedal und haben ihm dazu einige Fragen gestellt.

Wie hast du angefangen Pedale zu bauen?

Ich bin bei allem was ich mache immer eher hinter der Bühne unterwegs gewesen, also eher Backline als Leadgitarre. Und ich musste schon immer alles aufschrauben um zu sehen wie zum Beispiel ein Tapedeck oder ein Fernseher funktioniert. So um 2009 habe ich nach längerer Gitarrenabstinenz begonnen mit Hilfe von Brian Wamplers Klassiker „How to modify Effect Pedals“ kaputte Effekte zu reparieren und zu modifizieren. Mit den Stripboard-Plänen vom tagboardeffects Blog und DIY Platinen von Mad Bean habe ich Pedals für Freunde und Bekannte nachgebaut.

Irgendwie habe ich dann Lust bekommen, eigene Schaltpläne auf dem Breadboard zu entwickeln und es mit einer Kleinserie zu versuchen. Die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin, gab es (nach einem eher schleppenden Beginn) auf dem Keep it Low Festival 2014 hier in München, wo ich einen Stand hatte und viel positives Feedback bekommen habe. Dort habe ich auch die Jungs von The Picturebooks kennengelernt, mit denen ich bis heute zusammenarbeite.

Was war dein erstes Pedal als °red sun fx?

Das erste offizielle Seriengerät war das White Fuzz in der jetzigen Version mit drei Reglern. Am Anfang habe ich aber auch noch sehr viele Custom-Aufträge angenommen - das finde ich nach wie vor total spannend, aber leider sind solche Projekte sehr zeitaufwändig und teuer.

Machst du das hauptberuflich und wenn nein, was machst du sonst noch so?

Nein, wenn ich gerade keine Pedals löte, bin ich ein ganz normaler Videoingenieur an einem Sprechtheater mit drei Bühnen, Theater und Pedals gehören irgendwie zusammen - an dieser Stelle Grüße an Jan von Orion Effekte ;).

Welche andere Firmen oder spezielle Pedale haben dich inspiriert?

Die größte Inspiration war das Forum von David Main/D*A*M, dort waren schon vor zehn Jahren so viele tolle Besessene unterwegs und eben auch einige der besten Builder - David Main, Stu Castledine, Basic Audio, Brad Davis/Creepy Fingers, Jim Roth/Jerms, Ian Sherwen/Ghost. Besonders das Innenleben der Pedals dieser Leute waren und bleiben mein Ansporn, immer so genau wie möglich zu arbeiten, ordentliche Bauteile zu benutzen und ein rundum perfektes Produkt zu bauen.

Hast du ein Lieblings-Pedal?

Den Tonebender MK IV, ich liebe diese alten Blechkisten. Und alles fuzzige.

Was hast du zukünftig geplant?

In den nächsten Monaten werde ich mich kurz auf meine nochmal gewachsene Familie konzentrieren. Aber es gibt aktuell eine neue kleine Aktion: Eine Notfall-Tasche für Musiker - mit Zerre, Kaffee und Gin - bei jedem Kauf inklusive! Außerdem arbeite ich an einer Option für einen Relais-Bypass mit Lehle-Footswitch für alle meine Treter und einer neuen Edition vom White Fuzz. Je nach Zeitbudget werde ich das Angebot dann noch um ein kompakteres Fuzz erweitern - tut mir leid, ich komme von diesem Sound einfach nicht weg!

Auf welches Pedal oder Feature von red sun-Pedalen im Allgemeinen bist du besonders stolz?

Das ist einfach - nach dem Sound kommt sofort die Verarbeitung und die Bauteile. Meine Potis lasse ich in einer extra schwergängigen Version produzieren - das verhindert versehentliches Verstellen im Live-Betrieb. Und meine japanischen Fußschalter sind die meiner Meinung nach besten auf dem Markt. Beides hat Einfluss auf die Herstellungskosten, aber es ist mir generell sehr wichtig, bei den Bauteilen auf hohe Qualität und Nachhaltigkeit zu achten.

Gerade letzteres ist bei Elektronikteilen nicht ganz einfach, aber irgendwo muss man ja anfangen. Und, man kann das als Vor- und Nachteil sehen: Ich bin immer noch eine One-Man-Show und weiß bei fast jedem Pedal, wer es gekauft hat.

Wer macht deine Designs?

Für die schwarz-weiße CI und die Standard-Designs bin ich selbst verantwortlich. Beim Pictureboost habe ich ebenfalls selbst das Design aus der Band-Schrift und deren Logo erstellt. Artist-Editions wie beim White Fuzz und die anderen Band-Custom-Designs kommen von Künstlern aus der Region oder eben von anderen Leuten deren Zeichenstil mich besonders anspricht - bisher waren das Matt Wilkins, Marald van Haasteren und Matt French.

Hier ein paar Beispiele von Nicos großartigen Designs:


Mammut Muff

Der Mammut Muff wurde in Zusammenarbeit mit Mammut, dem Bassisten der Loranes entwickelt. Wunsch: Eine Weiterentwicklung seines geliebten grünen Big Muffs. Ergebnis: Ein Blend-Regler, optimal für Bass, um die tiefen Frequenzen zu erhalten und ein Haufen interne Schalter und Trimmer, die die Kiste zu einem extrem flexiblen Zerrer für Bass und Gitarre machen.


Pictureboost

Dieses Pedal ist der erste offizielle Signature-Treter von red sun fx. Nachdem Fynn Grabke von den Picturebooks schwer begeistert vom Moon Boost war, kam eines zum anderen. Der simple aber effektive MOSFET-Boost bekam einige Teile-Upgrades und ein angemessenes Design. Bei einem kühlen Münchner Bier war schnell ein verdammt passender Name gefunden. Fynn’s charakteristischer Gitarrensound entsteht aus der einzigartigen Kombi seiner Gibson ES, dem Pictureboost und einem Marshall Silver Jubilee.


White Fuzz

Das White Fuzz beruht auf einem Fuzz Face mit Silizium Transistoren - und ist doch ganz anders. Dank etlicher Tweaks und Ergänzungen ist dieses Fuzz ein zuverlässiges Werkzeug für alles von Blues bis Stoner. Jede der limitierten Neuauflagen dieses Pedals wird von einem anderen Designer gestaltet.

Natürlich hatten wir als große Fans von Nicos Pedalen auch schon mal eines in den Händen und Andy musste es unbedingt für ein Video haben.

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