Video: Pedalplattform-Amps — eine neue Verstärker-Generation

Es gibt eine neue Art Gitarrenverstärker da draußen, die auf die Art und Weise, wie wir heutzutage Musik machen angepasst ist. Und nein, wir sprechen nicht von Modeling-Amps oder Transistor-Combos mit allem Drum und Dran.

Stattdessen handelt es sich hier um ziemlich einfache, unkomplizierte Röhrenverstärker, die jedoch so kalibriert sind, dass sie nahtlos mit den Effektpedalen zusammenarbeiten, die heute einen großen Teil der kreativen Arbeit vieler Gitarristen ausmachen. Bekannt sind sie als "Pedalplattform-Amps" — genau das, wonach sich viele von uns seit Jahren gesehnt haben.

In dem Video oben befasst sich Andy Martin mit drei Hauptkategorien von Pedalplattform-Amps mit denen Pedalverrückte gute Ergebnisse erzielen — Amps mit niedriger Wattzahl, mit viel Headroom und Zweikanäler — und zeigt uns einige seiner Favoriten. Im Folgenden erfahrt ihr noch mehr darüber, was einen Pedal-Plattform-Amp auszeichnet und was ihn so gut darin macht, die Sounds eurer Effektgeräte wiederzugeben.

Was ist eigentlich eine Pedalplattform?

Der Begriff "Pedalplattform" bezieht sich auf einen Verstärker, der sich durch seine hervorragende Eignung für die Verwendung mit Effektpedalen auszeichnet — insbesondere Drive-Pedale, die zwischen eure Gitarre und den Eingang des Amps geschaltet werden.

Natürlich könnt ihr Overdrives, Booster, Fuzzes und Distortion-Pedale so mit jedem beliebigen Verstärker verwenden, dass sie funktionieren werden — der richtige Pedalplattform-Amp übersetzt das Signal dieser Geräte aber auf eine Art und Weise, die sowohl den Klang des Pedals, als auch den des Verstärkers so gut wie möglich zur Geltung bringt. Ein Sound, der nicht nur besser als die Summe seiner Teile ist, sondern auch besser als jedes Teil für sich genommen.

Fender Blues Deluxe 1x12

Anders ausgedrückt: Ein guter Pedalplattform-Verstärker klingt von sich aus sehr gut, liefert einen satten und klaren Clean-Sound und geht vielleicht aufgedreht auch bis hin zum mittleren Crunch — und euer Overdrive-Pedal klingt auch eigentlich in fast jedem Verstärker schon gut. Setzt man die beiden dann jedoch zusammen, funktionieren sie als eine nahtlose Einheit: Der Overdrive bringt den leicht angezerrten Verstärker in eine wunderbar taktile und wohlklingende Sphäre, die spielbarer und klanglich ansprechender als jedes der Geräte für sich alleine ist.

Diese Verstärker funktionieren so gut mit Pedalen, weil sie über eine Vorstufe verfügen, die so konzipiert ist, dass sie mit einem Pedal über die Schwelle von Clean zu Overdrive gebracht werden kann. Bevor dieser Punkt erreicht ist, haben sie aber noch eine Menge Headroom — was bedeutet, dass sie bei relativ hohen Lautstärken noch ziemlich clean klingen, wenn sie nur mit einer Gitarre direkt in den Verstärker gespielt werden.

Wenn ein gutes Pedal und ein Verstärker Hand in Hand über den Rand der Zerre hinausgehen, entsteht ein herrlicher Sound — fett, artikuliert und berührungsempfindlich und weitaus dynamischer als der rohe Klang eines Overdrive-Pedals, der über einen kalten, cleanen Amp gelegt wird.

Was ist der Unterschied?

Gute Pedalverstärker gibt es eigentlich schon seit den Anfängen der Gitarrenverstärkung — bevor es überhaupt Pedale gab — wenn auch eher zufällig. In den letzten Jahren haben aber mehrere kreative Verstärkerhersteller ihre Designs verfeinert, um ein gutes Zusammenspiel mit Pedalen zu ermöglichen.

1954 Gibson GA-40

Offensichtlich haben sie die Nachfrage nach diesen Geräten erkannt. Im Internet vergeht kaum eine Woche in beliebten Chat-Rooms oder Foren über Verstärker, in der nicht mindestes ein Mitglied die anderen bittet, "einen Verstärker zu empfehlen, der gut mit Pedalen funktioniert". Die Nachfrage ist also zweifellos vorhanden, und Zack, schon steht das Angebot vor der Tür.

Normalerweise erkennt man einen Verstärker, der keine gute Pedalplattform ist beim hören: Euer Boost-Pedal hebt beim Einschalten vielleicht unpassende Frequenzen an, oder euer Low-Gain-Overdrive drückt etwas in der Gain-Stufe des Verstärkers in undefinierten Klangbrei. Aber was lässt einen Pedalplattform-Amp besser mit Drive-Pedalen funktionieren als andere?

Viele, suchen als Pedalplattform nach einem Verstärker mit gutem Cleansound — reich, voll, ausgewogen und dynamisch — mit überdurchschnittlich hohem Headroom, und sicherlich ist das ein Teil der Gleichung. Gute Cleansounds stellen eine großartige Plattform dar, um eines oder mehrer Gain-Pedale zu schalten und so den Sound zu pushen. Das ist also der erste Schritt, aber es steckt noch mehr dahinter...

Unter der Haube

Aus technischer Sicht haben gute Pedalplattformen in der Regel Preamp-Stufen, die für sich genommen ziemlich ausgewogen und robust klingen. Sie sind nicht besonders wählerisch in Bezug auf die Eingangspegel, so dass sie hart angespielt nicht in schrille High-End-Spikes zerfallen. Am anderen Ende haben solche Verstärker oft Ausgangsstufen, die im Verhältnis zu ihrer Größe ziemlich fest, straff und druckvoll sind.

EHX EF86 Röhren

Während viele Verstärker mit der beliebten 12AX7 Doppeltrioden-Vorstufenröhre großartige Pedalplattformen sein können, haben viele Gitarristen und Hersteller gleichermaßen erkannt, dass weniger bekannte Pentode-Vorstufenröhren wie die EF86, 5879 und 6AU6 oft zu Preamps beitragen, die extrem gut mit Overdrive-Pedalen klarkommen.

Das liegt vor allem daran, dass es sich um robuste Röhren handelt, die hart gefahren werden können, ohne dass sie ins Clipping geraten. Außerdem leiten sie ein gut ausgeglichenes und vollfrequentes Signal an die nächsthöhere Stufe weiter, anstatt das Signal zu verzerren und zu beeinträchtigen, bevor es überhaupt zu den EQ- und Ausgangsstufen gelangt.

Diese Pentoden können in einigen Designs (wie z.B. dem "Click"-Kanal des Matchless DC30) zur Erzielung ziemlich hoher Gainstufen eingesetzt werden, aber in anderen Verstärkern, die einen eher zurückhaltenden Ansatz verfolgen, führen sie zu vollen, saftig sauberen Sounds und satter, dynamischer Übersteuerung, wenn sie mit einem guten Drive-Pedal angefahren werden.

In vintage Gibson GA-40 und Vox AC15-Verstärkern wurden diese Röhrentypen verwendet (obwohl letzterer aus anderen Gründen manchmal ein etwas empfindlicher Pedal-Amp sein kann). Neuere Beispiele, bei denen sie zum Einsatz kommen, sind der Dr Z Z-28 und Route 66, der Divided by 13 JRT 9/15 und andere sowie die Todd Sharp JOAT-Serie, die allesamt ausgezeichnete Pedalplattformen darstellen, ohne dass dies unbedingt ihre erklärte Absicht ist.

Auf Bestellung gefertigt

Einige Hersteller entwerfen für diese neue Nische von Grund auf hervorragende Pedalverstärker.

3rd Power Wooly Coats Spanky MKII

Der Club Master von Nolatone ist genau so ein Amp, der eine 12AX7-Preamp-Röhre in einer "Kaskodenkonfiguration" (ja, Kaskoden mit "o", nicht Kaskaden) verwendet, die die Leistung einer Pentode-Vorverstärkerröhre imitiert. Dies ermöglicht eine robuste Eingangsstufe, die mit Overdrive-Pedalen wunderbar harmoniert. Die Wooly Coats Spanky MkII-Combo von 3rd Power wurde ebenso als Teil eines Pedal-Setups entwickelt, genau wie der M12 von Dr. Z, der sein Ding mit einer EF86-Pentode-Vorverstärkerröhre im Frontend macht.

Leistungsstärkere Optionen sind der Pearl von Port City mit 50 oder 100 Watt — ein maßgeschneidertes Design, um Pedale geradezu zu verschlingen — und der Milano 50 von Creation Music, ein 50-Watt-Amp mit zwei unabhängigen Kanälen, der EF86- bzw. 12AX7-Stufen bietet. (Creation bietet auch 15- und 20-Watt-Milano-Combos für diejenigen, die weniger Lautstärke benötigen).

Findet eure Plattform

Natürlich muss ein Amp nicht als "Pedalplattform" beworben werden, um den Job gut zu machen, und man sollte auch nicht unbedingt ein Vermögen dafür ausgeben müssen. Viele andere Typen, die im Laufe der Jahre gebaut wurden — von mittleren und großen Fender-Verstärkern im Tweed-Stil (und ihren Klonen) bis hin zu den einfacheren Marshall-Designs mit niedrigerem Gain — können eine hervorragende Grundlage für einen pedalverstärkten Overdrive-Sound bilden.

Creation Music Company Milano 20

Es gibt eine Menge großartiger Pedalplattformen, die als einfache, schnörkellose Röhrenamps getarnt sind. Wenn man jedoch auf der Jagd ist, ist es in vielerlei Hinsicht einfacher zu erkennen, welche Eigenschaften man vermeiden sollte, wenn man einen Verstärker sucht, der gut mit Pedalen funktioniert. Nach so einem Ausschlussverfahren stehen die Chancen gut, dass die übriggebliebenen Amps den Job perfekt erledigen.

Eine gute Pedalplattform hat wahrschenlich keine:

  • Übermäßige Zerre, die eine Tonne helles Schimmern und harmonisches Klirren und Fauchen im eigenen Sound hat.

  • Kaskadierenden Gain-Stufen, die so ausgelegt sind, dass sie eine Menge Preamp-Overdrive erzeugen, um selber einen Lead-Sound zu erzeugen (obwohl die "Clean"- oder "Rhythmus"-Kanäle vieler solcher Verstärker selbst gute Pedalplattformen darstellen könnten).

  • Überhöhte Bänder, Berge oder Täler im Frequenzgang. Das heißt, dass er wahrscheinlich keinen besonders ausgehöhlten Mitteltonbereich mit überbetonten Höhen und Tiefen oder eine großen Mittenanhebung hat. Und beachtet auch, dass Verstärker mit scharfer, spitzer oder übermäßig rauer Höhen-Ansprechung oft dazu neigen schlechte Pedalplattformen zu sein.

Viele solcher Verstärker, die keine idealen Pedalplattformen sind, könnten für sich allein genommen hervorragend klingen — und sie gehören vielleicht sogar so, wie sie sind, zu den absoluten Verstärkerlegenden. Sie können vielleicht auch perfekt mit einem oder zwei Pedalen interagieren, aber ihre allgemeinen Eigenschaften begünstigen nicht den Status der idealen Pedalplattform.

Erschwingliche neue Amps und Vintage-Arbeitstiere

Man muss kein Vermögen ausgeben oder Boutique kaufen, um an eine gute Pedallplattform zu kommen. Zieht diese Optionen aus neueren Fabrikaten und Oldtimer-Schnäppchen in betracht:

Und da draußen gibt es noch viele weitere. Letztendlich müsst ihr normalerweise nur eure Lieblingspedale anschließen und spielen, um herauszufinden, ob ein bestimmter Verstärker die richtige Pedalplattform für euch ist. Wenn ihr aber unsere Richtlinien befolgt und im Voraus ein wenig über eure gewählten Verstärker recherchiert könnte euch eine Menge Lauferei erspart bleiben.

Habt ihr eine Pedalplattform, die für euch funktioniert, die hier nicht erwähnt wurde oder überraschend ist? Wenn ja, teilt sie uns doch unten in den Kommentaren mit.

comments powered by Disqus

Reverb Gives

Mit deinen Käufen unterstützt du Programme zur Förderung Jugendlicher, damit sie das Equipment erhalten, das sie zum Musizieren brauchen.

Ups, sieht aus, als hättest du etwas vergessen. Bitte prüfe die rot hervorgehobenen Felder.