Wie man eine Vintage-Amp-Marke ins 21. Jahrhundert bringt

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Magnatone.

Ted Kornblum von Magnatone

Eines Tages blätterte Ted Kornblum einige alte Kataloge durch und stieß dabei auf Magnatone-Amps.

Es war ein Heureka-Moment, der eine obsessive eBay-Suche und wenig später eine erfolgreiche Mission zur Wiederbelebung der Marke mit einem verbesserten Verstärker-Sortiment nach sich zog.

Hier erklärt Ted in seinen eigenen Worten, wie er und sein Team all dies möglich gemacht haben.

1. Finde eine vergessene alte Marke

"Mein Großvater kam aus Polen nach Amerika und gründete 1922 eine Firma namens St. Louis Music Supply und dann eine Abteilung an der Westküste namens Pacific Music Supply — ich glaube, dass sie so in den 40er Jahren den Vertrieb von Magnatone für den Mittleren Westen und die Westküste aufnahmen, weil Magnatone-Produkte in Los Angeles hergestellt wurden.

"Als ich noch in der High School war, brachte ich unsere Gitarren und Verstärker zu Künstlerinnen und Künstlern, und da ich noch ein Kind war, durfte ich oft mit ihnen abhängen. Ich besorgte Endorsements und machte Fotos für die Werbung. Nach dem College arbeitete ich eine Zeit lang bei Modulus Graphite Guitars in San Francisco und zog dann nach New York City, um für eine Handelsfirma zu arbeiten, die mir an der Ostküste die Grundlagen beibrachte. Ich bekam einen MBA an der Universität von Denver und trat offiziell in das Familienunternehmen ein.

"Bei St. Louis Music war meine Leidenschaft die Arbeit mit Künstlern, und ich übernahm alle Künstlerbeziehungen für Ampeg, Alvarez und Crate. Einige meiner Lieblingsbeziehungen waren die zu Crosby Stills & Nash, Jerry Garcia und Bob Weir von Grateful Dead, John Denver, INXS und Johnny Cash. Aber schon bald dachte ich: "Arbeite ich jetzt für meinen Vater?" Alle sahen mich als den Sohn des Eigentümers an, was nicht die einfache Erfahrung war, die sich manche unter einem Familienunternehmen vorstellen. Mein Vater, Gene, hatte St. Louis Music massiv ausgebaut, aber die Weitergabe eines Mehrgenerationenbetriebs hat für alle Beteiligten seine Probleme und Risiken. Also verkauften wir das Unternehmen, und nachdem wir einige Jahre unter den neuen Eigentümern verbracht hatten, trennte ich mich von der Firma.

"Ich glaube es war 2007, als ich beim Durchblättern einiger alter Broschüren von St. Louis Music auf Magnatone stieß. Ich ging auf eBay und begann, alte Magnatone-Stücke zurückzukaufen, eine Art archäologische Studie über die Geschichte dieser vergessenen Marke. Ich fand nickelbetriebene Magnatone-Funkgeräte für Motels, Monoblock-Röhrenverstärker und -Vorverstärker, Urandetektor-Kits, tragbare Röhren-Plattenspieler, alles davon mit einem unglaublich coolen Vibe. Ich habe jetzt vielleicht 500 einzelne Magnatone-Artikel, bis zurück zu den Anfängen im Jahr 1937 in Los Angeles — darunter eine ganze Reihe von Verstärkern, Lap-Steels und E-Gitarren. Und ich dachte mir, dass sich hier eine Gelegenheit bietet, auf eigene Faust loszulegen."

2. Übernimm die Marke

"Als ich feststellte, dass Magnatone existierte, ging ich online zur Markenabteilung des Patent- und Markenamts der Vereinigten Staaten und tippte 'Magnatone' ein. Es gab eine Hörgerätefirma namens Magnatone, aber Magnatone für Verstärker war abgelaufen. Ich konnte es nicht glauben! Die Marke war um 1969 verschwunden.

"Wenn eine Marke abgelaufen ist, kann man sie registrieren lassen, und dann durchläuft sie eine Reihe von Prozessen. Man muss ein Produkt herstellen, es in einen anderen Staat verkaufen und eine Verkaufsquittung vorlegen, was wohl den zwischenstaatlichen Handel zeigt. Dann muss man es in den Klassen registrieren lassen, die man braucht, und da ich mich nicht nur für Gitarrenverstärker interessierte, habe ich Magnatone in allem registriert! Kleidung, Uhren, Hüte - alles.

"Es gab einen Konflikt. Es gab ein Label namens Magnatone Records, und das hatte mit Musik zu tun. Also schrieb ich einen kleinen Brief an Curb Records aus Nashville, die den Namen besaßen, und erzählte ihnen von meiner familiären Verbindung, dass ich diese Marke wieder aufleben lassen und ihr gerecht werden wollte. Der Besitzer schrieb zurück und sagte, ich sei mehr als willkommen, sie in jeder Kategorie zu verwenden, außer für Musikaufnahmen. Ich reichte seinen Brief ein, und es ging durch.

"Das ist die rechtliche Seite, jeder kann eine solche Markenwiederauferstehung durchführen. Billy Gibbons war einer der ersten, denen ich davon erzählte, dass ich jetzt Magnatone besitze. Ein anderer war Neil Young, der ein altes 280 Stereomodell benutzt. Etwa ein oder zwei Jahre später, als Billy sah, dass ich es zu Erfolg gebracht hatte, sagte er mir, wie beeindruckt er war. Viele Leute bringen ihm Ideen ein, sagen, er solle dies oder jenes tun, aber nur sehr wenige machen es wirklich und ziehen es dann auch durch. Billy sagte zu mir: 'Ted, du gibst nicht auf.'"

3. Finde ein einmaliges Verkaufsargument

"Ich wusste, dass ich, wenn ich die Marke Magnatone zurückhole und nur Gitarrenverstärker herstelle, mich in einen relativ kleiner Markt begebe, der von legendären Marken dominiert wird. Also musste Magnatone etwas Außergewöhnliches haben. Und das haben wir: Ein echtes tonhöhenveränderndes Vibrato, von dem wir wollen, dass es der definitive Maßstab ist. Wir verwenden immer noch Varistoren aus Siliziumkarbid für das Vibrato in unseren Mono- und Stereomodellen. Die wurden von Magnatone in den 50er Jahren ursprünglich zur Bildstabilisierung auf alten Fernsehgeräten verwendete, und für uns war es das Wichtigste, identisch mit unserer patentierten Schaltung zu bleiben.

"Ich traf Neil Youngs Gitarrentechniker Larry Cragg, den ich schon mein ganzes Leben kenne, und sagte ihm, dass ich jetzt Magnatone besitze. Er sagte, er würde mir helfen und seinen Input geben — und er ist auch heute noch sehr stark in den Klang unserer Amps involviert. Zu Beginn sagte er: 'Ich muss dir sagen, Ted, Magnatones hatten ein großartiges Stereo-Vibrato, aber im Vergleich zu den Fendern der 50er Jahre klangen sie nicht so gut. Es war ein Albtraum, an ihnen zu arbeiten und sie zu reparieren, und sie waren nicht Road-tauglich. Wenn du das wirklich machen willst, solltest du es verbessern!' Wenn man mich also fragt, was an den neuen Verstärkern anders ist, sage ich einfach: 'Sie sind besser!'

"Sie sind alle handverdrahtet, aber wir bringen nicht jedes kleine Kabel selber an. Wir haben spezielle Platinen anfertigen lassen, so dass jedes Teil ein Zuhause hat — besonders die Vibrato-Schaltung, die im Inneren des Chassis ziemlich viel Platz einnimmt. Alle unsere Gehäuse bestehen aus massivem Kiefernholz oder baltischer Birke, alle sind keilgezinkt. Wir verwenden Ledergriffe, die von den Amischen in Lancaster, Pennsylvania, hergestellt werden. Wir replizierten die Chevrons auf der Fiberglasbespannung — einen für einen Mono-Amp, zwei für Stereo — und plattierten sie mit 14-karätigem Gold. Das Wichtigste ist, dass ich in Amerika produzieren wollte, denn ich bin sehr dafür, Produkte wie Magnatone mit amerikanischen Teilen, amerikanischer Arbeitsmoral und amerikanischem Stolz herzustellen.

4. Bring deinen Amp auf den Markt

"Ich stellte ein Dream-Team an Ingenieuren zusammen — derzeit sind das Obeid Khan, der das Engineering leitet, Dave Ryan und Diane Villani, die Baumeister sind, Brian Harvey, der die Endmontage durchführt, und Chris Villani, der die Produktion und den Betrieb leitet — sowie Rod Washburn, der unser Geschäft und unseren weltweiten Vertrieb leitet.

"Ich wollte Produktentwicklung, Forschung und Entwicklung vor der Markteinführung abschließen, und als wir schließlich 2013 zum ersten Mal auf der NAMM ausstellten, erzählte ich niemandem davon. Ich habe keinen einzigen Händler an unseren Stand eingeladen und keine Pressemitteilungen gemacht. Ich wollte schockieren, und ein Unternehmen war besonders schockiert — Gibson. Sie kamen zu meinem Stand und sagten, dass sie an ihrem Stand Scotty Moores Magnatone-Verstärker zeigten und keine Ahnung hatten, dass wir Magnatone zurückbringen.


Magnatone auf Reverb

"Aus meiner Sicht war die Marke Magnatone eingefroren, und ich wollte sie langsam wieder auftauen. Wenn man etwas Neues auf den Markt bringt, ist das schlimmste, es übermäßig zu hypen. Mit das schlimmste ist zu sagen, dass unser Verstärker besser wäre als der irgendeines Konkurrenten. Es gibt nur sieben oder acht Verstärkermarken in der Geschichte, die von Bedeutung sind, das war's. Wir alle wissen, wer sie sind.

"Ich sage den Leuten immer das Gleiche, nämlich, dass es schwer ist, wenn ein Unternehmen 50 oder 100 Jahre lang konstant im Geschäft ist, keine Abwege zu gehen und Fehler zu machen. Jeder macht das, weil er niedrigere Preise machen oder die Kapazität erhöhen muss. Aber ich wollte lernen, welche Fehler gemacht wurden um sie nicht zu wiederholen."

5. Schnapp dir die Künstler

"Billy Gibbons erinnerte sich an die braunen Magnatone-Amps der 50er Jahre und war wirklich kein großer Fan ihrer Ästhetik — außerdem wollte er einen Verstärker mit Master-Volume. Ich dachte, OK, er ist ein Marshall-Typ — der heilige Gral des britischen Sounds. Dann besuchte ich Neil Young, und bei ihm drehte sich alles um die braune Magnatone-Ära und das Buddy Holly Modell 280 — er benutzt auch heute noch einen, zusammen mit ein paar unserer neuen Twilighter.

Billy Gibbons mit einer vollen Magnatone-Backline bei einem ZZ Top Golden Anniversary-Konzert. Foto: Blain Clausen

"Billy wollte also eigentlich gar nicht über die braunen Verstärker und ihren Sound reden. Er wollte, dass ich 'das Gain beibehalte oder den Schmerz empfinde', genau so hat er das ausgedrückt. Neil hingegen hatte kein Interesse daran, dem Marshall-Sound nachzugehen. Er wollte sich die Verzerrung aus der Endstufenröhre holen und sie laut aufdrehen. Billy aber sagte: 'Ich spiele nicht laut'.

"Ich dachte: OK, warum machen wir nicht einfach zwei verschiedene Modellkollektionen und erfreuen beide? Und da ich kein Fan von kanalumschaltbaren Verstärkern im Allgemeinen bin, haben wir die neuen Magnatones sozusagen bei der Geburt in unsere Traditional Collection und unsere Master Collection aufgeteilt. Der eine hat Mastervolumen, der andere nicht.

"Ich habe ein Gelübde abgelegt, dass ich keine Magnatone-Verstärker umsonst hergeben würde. Das tun wir bis heute nicht. Wenn ein Musiker nicht dafür bezahlen will, bedeutet das, dass er ihn wirklich nicht braucht. 'Einmal Hören sagt mehr als tausend Worte', sagt Larry Cragg. Man muss einfach nur das Kabel reinstecken und reinhören."


Über den Autor: Tony Bacon schreibt über Musikinstrumente, Musikerinnen, Musiker und Musik. Er ist Mitbegründer von Backbeat UK und Jawbone Press. Zu seinen Büchern gehören Electric Guitars: Design And Invention, The Ultimate Guitar Book und Electric Guitars: The Illustrated Encyclopedia. Tony lebt in Bristol, England. Weitere Informationen unter tonybacon.co.uk.

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