Die Erfolgsgeschichte von Ludwig ist in etwa so lang wie die Liste der Drummer, die ganz heiß darauf sind, Vintage-Equipment dieses legendären Herstellers in die Finger zu bekommen. Allerdings ist es bei einer so langen Unternehmenshistorie für jemanden, der nicht mit der Firmengeschichte vertraut ist, extrem schwierig, eine Ludwig-Drum exakt zu datieren.
Der Löwenanteil an Vintage-Drums von Ludwig, die heute auf dem Markt angeboten werden, stammen aus den „goldenen Jahren“ der 60er, 70er und 80er. Die ersten fünfzig Jahre von der Gründung 1909 bis in die 1960er verdienen einen eigenen Artikel,
also werden wir uns an dieser Stelle bemühen, dir möglichst umfangreiche Datierungshilfen für die Drums ab 1960 an die Hand zu geben.
Im Gegensatz zu den zahlreichen Komponenten und wechselnden Eigenschaften, die das Datieren einer Gitarre erschweren, lässt sich das Baujahr einer Drum anhand einiger konsistenter Kernelemente viel leichter bestimmen. In diesem Artikel werden wir die drei besten Methoden vorstellen, eine Ludwig zu datieren, und zwar anhand von Datumsstempel, Seriennummer/Plakette und Bauart des Kessels.
Vorab: Die wichtigsten beiden Datierungselemente, der Datumsstempel und die Seriennummer/Plakette, sind am zuverlässigsten für die Bestimmung des Herstellungsjahres. Eine Drum kann im Laufe der Zeit überarbeitet oder mit einem neuen Spannreifen oder sonstiger Hardware versehen worden sein, die nicht aus der Zeit stammen, in der die Drum gebaut wurde, aber Datumsstempel und Seriennummer dienen hier als richtungsweisend für eine korrekte Identifizierung. Die Entwicklung der Hardware von Ludwig ist eine detail- und facettenreiche Geschichte. Darum und aufgrund des bereits erwähnten Trends, Vintage-Drums zu modernisieren, werden wir uns hier nicht mit Hardware befassen.
Der Datumsstempel
Datumsstempel sind gleichzeitig die beste und schlechteste Methode für eine korrekte Datierung einer Ludwig-Drum aus den 60ern (ab ca. 1970 wurde der Datumsstempel weggelassen und durch den Blue & Olive Badge, eine blau und olivfarbene Plakette, ersetzt). Eine Drum erhielt ihren Stempel bei Fertigstellung des Kessels, was der exakteste Hinweis auf das Alter des verwendeten Holzes ist, da bis zum Zusammenbau der Drum noch einige Zeit vergehen konnte. Das Problem mit Datumsstempeln ist, dass diese mit der Zeit oft unleserlich werden oder sogar komplett verschwinden. Hat man aber das Glück, ein außergewöhnlich gut erhaltenes Exemplar mit intaktem Stempel vor sich zu haben, kann man daran den exakten Tag ablesen, an dem das Instrument entstanden ist.
Abgesehen von dem exakten Datum auf dem Kessel gibt auch die Tintenfarbe Aufschluss über das Baujahr und kann betrügerische Machenschaften aufdecken. Von der Einführung des Datumsstempels im Jahr 1960 bis zum Jahr 1963 benutzte Ludwig ausschließlich rote Tinte. Von 1964 bis 1969 kam rote und schwarze Tinte vor, wobei Schwarz häufiger verwendet wurde.
Seriennummer/Badge

1960-63 (links), 1964-69 (rechts)
Es gibt „goldene Regeln“ für die Identifizierung einer Vintage-Drum von Ludwig. Ganz allgemein kann man sagen, dass eine trapezförmige Plakette (Keystone Badge) auf eine Drum aus den 60ern hinweist, eine blau und olivfarbene Plakette (Blue & Olive Badge) auf eine Drum aus den 70ern und frühen 80er Jahren. Der Blue & Olive Badge ersetzte den Keystone Badge im Jahr 1969, sodass es naturgemäß einige Überschneidungen gibt. Wenn du dich fragst, ob dein Blue & Olive Badge aus dem Jahr 1969 stammt, verschafft die Seriennummer Klarheit. Der Keystone Badge wurde außerdem Anfang der Achtziger für einige Modelle wieder eingeführt.

„Blank“ Badge
Während der Keystone Badge zur zweimal aufgelegt wurde (einmal von 1960 bis 1963 ohne Seriennummer und dann 1965 bis 1969 mit Seriennummer oben oder unten auf der Plakette), wurde der Blue & Olive Badge von seiner Einführung im Jahr 1969 bis Mitte der 80er Jahre mehrfach verändert. Die ersten B&O Badges von 1969-70 setzten die sechsstellige Zahlenfolge der Keystone Badges fort, aber 1971 führte Ludwig dann Badges ohne Seriennummer ein, sogenannte „Blanks“. 1971 oder 1972 führte Ludwig das Seriennummernsystem wieder ein, aber die übriggebliebenen Leerplaketten wurden vereinzelt die ganzen siebziger Jahre über genutzt.

„Spitze“ und „abgerundete“ Badges
Es wird viel diskutiert über Blue & Olive Badges mit „spitzen“ und „abgerundeten“ Ecken. Die mit den spitzen Ecken werden ganz klar Modellen aus den frühen 70ern zugeordnet. Nachdem es Beschwerden gehagelt hatte, denen zufolge die Plaketten an Kleidung und Stoff ganz allgemein hängenblieben, rundete Ludwig die Ecken ab. So entstand der Badge mit „abgerundeten“ Ecken. Es kann aber auch sein, das manche Eigentümer die Ecken selbst abgerundet haben, man sollte also beim Datieren der Drum unbedingt auch einen Blick auf die Seriennummer werfen.

Black & White Rocker-Badge
Der „Black & White“-Badge wurde im Rahmen der Rocker-Serie von Ludwig eingeführt, die von 1984 bis Mitte der 90er produziert wurde. Diesen Badge fand man außerdem 1994 bis Mitte der 2000er auf der Aluminium-Snare Acrolite, in der Zeit, als die Drum noch ein „Black Galaxy Sparkle“-Finish aufwies.
Noch eine kleine Anmerkung: Schlagzeuge mit fortlaufenden Seriennummern sind tendenziell wertvoller als solche mit der Ära entsprechenden korrekten Badge, aber nicht aufeinanderfolgenden Seriennummern.
Keystone
| 1961-62 | N/A |
| 1963 | N/A-7900 |
| 1964 | 9XXX + 33449 |
| 1965 | 108532 - 259XXX |
| 1966 | 260XXX - 449XXX |
| 1967 | 450XXX - 548XXX |
| 1968 | 549XXX-665372 |
| 1969 | 670XXX-741215 |
Blue & Olive
| 1969 | 765XXX - 834XXX |
| 1970 | N/A |
| 1971 | 835XXX - 895XXX |
| 1972 | 896XXX - 916XXX |
| 1976 | 917XXX - 1290XXX |
| 1978 | XXXXXXX |
| 1979 | XXXXXXX - 2013537 |
Der Kessel
Wenn du dich mit Hölzern auskennst, kann eine Betrachtung der einzelnen Schichten und des Innen-Finishs sehr hilfreich sein für die Datierung, wobei auch hier zu beachten ist, dass eine Trommel möglicherweise im Laufe der Jahre modifiziert wurde. Kessel aus der Zeit von 1960 bis 1968 wurden aus zwei Schichten Mahagoni und einer mittigen Schicht Pappelholz gefertigt. Dazu gehörte ein 1 Zoll starker Verstärkungsring aus Ahorn.
Von 1961 bis 1968 waren die Kessel innen weiß lackiert. 1960, 1968, 1969 und teilweise auch 1970 wurde Klarlack verwendet. Danach ging man zu einem Graniteffekt-Lack über, auf dem optisch störende Macken weniger auffielen.

Weißer Lack

Klarlack

Graniteffekt-Lack
Von Herbst 1968 bis 1975 wurden die Mahagoniholz-Schichten durch Ahornschichten ersetzt, und 1976 entfiel mit der Classic-Serie der Spannring: Stattdessen verdoppelte man die Holzschichten von drei auf sechs. Bei den Classic-Drums ging man auch wieder zum Klarlack-Finish im Inneren des Kessels über.
Die Classic-Serie kennzeichnet auch den Übergang zu einfacheren Produktionstechniken, die größere Stückmengen ermöglichten und der Nachfrage nach mehr Modernität entsprachen. Die begehrteren Vintage-Drums sind also auch an den drei Holzschichten erkennbar.
Fazit
Mit diesen Infos bewaffnet hast du die nötigen Tools an der Hand, um Vintage-Ludwigs zu erkennen. Der Kauf einer Vintage-Snare oder eines Vintage-Schlagzeugs ist eine aufregende Erfahrung, nicht nur wegen der Suche an sich, sondern auch wegen der Geschichte, die dein neues Instrument über die Jahrzehnte konserviert hat und die du jetzt fortführen kannst. Und jetzt los, schnapp dir dein eigenes Stück Geschichte.
Reverb Datierungstabelle und Preisübersicht