Tribut an eine Mikrofon-Legende: Das Shure SM57, von „Rumours" ins Weiße Haus

Unzählige Rockstars erzählen vom harten Leben und vom schweren Überleben — und genau so ergeht's auch dem dynamischen Shure SM57-Mikrofon.

Leute fahren mit dem Auto drüber. Sie werfen es aus Spaß gegen die Wand. Und trotzdem arbeitet das Shure-Mikrofon weiter wie gehabt.

Während meiner Zeit als Autor bei der Zeitschrift On Tour With Shure war ich Zeuge, als ein 57 vom Dach des Hauptsitzes eines Unternehmens fallen gelassen wurde. Nach einem Sturz aus etlichen Metern Höhe schlug es mit einem Krachen auf dem Bordstein auf, das einem Snare-Drum-Sample würdig war. Und ja, es hat tatsächlich noch funktioniert.

Tut es vermutlich noch immer.

Dieser Stab voller Klangdynamik besetzt einen vielgerühmten Platz in den Mikrofonschränken der größten Studios der Welt - und zwar dank seiner geringen Kosten, seiner Unempfindlichkeit und seines nahezu universell einsetzbaren Sounds. Dies ist der Grund, warum so viele Künstler es auf ein Level so weit jenseits der Grenzen und begrenzten Einsatzmöglichkeiten des typischen Studiomics heben konnten.

Ein Mic, das sie alle beherrscht

Es heißt etwa, dass die Red Hot Chili Peppers SM57 nutzten, um das gesamte Drumkit auf dem 1991er Blood Sugar Sex Magik einzuspielen.

Bei Anthony Kiedis Gesang hat das Mikro sogar eine noch größere Studiorolle gespielt. Auf Californication „hat Anthony immer ein SM57 für den Leadgesang genommen", erinnert sich Jim Scott in einem Interview für Sound on Sound aus dem Dezember 1999.

„Wir haben es auf einen Ständer gestellt, aber ich bin sicher, er hat es in der Hand gehalten, sich darüber gebeugt und es verschluckt. So kommt er zu seinem Sound. Für uns war es deshalb wichtig, die Stimme zu komprimieren, um die Aufnahme zu schützen."

Red Hot Chili Peppers - „Californication"

John Frusciante hat für seine Gitarrenbox auf Stadium Arcadium ebenfalls ein 57 verwendet.

Für das 2004er The Killers-Debütalbum Hot Fuss nahm Brandon Flowers alle seine Vocals mit einem SM57 auf. Das war die Art und Weise, mit der die Band die Energie und den Geist ihrer Demos einfing. Und auf dem 2008er Day and Age setzte Gitarrist Dave Kuening auf ein Paar 57er, um ein wahres Gitarren-Raumbild zu erschaffen: eines nahe an seinem Verstärker und eines etwas weiter weg.

Gut genug für Fleetwood Mac

Es ist aber nicht so, dass die Rolle, die das bescheidene SM57 auf prominenten und wichtigen Platten spielt, etwas Neues wäre. Schon Fleetwood Mac griffen hier damals in den 70ern zu.

Lindsey Buckinghams Gitarrensolo auf „Go Your Own Way" von Rumours (eine Komposition aus mehreren Aufnahmen) klingt doch unglaublich, oder? Ein SM57 hat es eingefangen.

Fleetwood Mac - „Go Your Own Way"

Tontechniker Ken Caillat bestätigt weiterhin, dass das 57er für den Leadgesang auf Rumours und weitere Gesangsaufnahmen für den Song ebenfalls gebraucht wurde. „Ich habe mit diesem Mikro ein paar fantastische Aufnahmen hinbekommen", erklärte Caillat Shures Webseite. „Die Leute dachten, ich würde ein richtig teures Röhrenmikrofon benutzen, aber so war's nicht. Ich finde das total witzig."

Das SM57 ist bei allen Sessions von Callait dabei, und er sagt, es gewinne oft sogar Duelle mit Gesangsmikrofonen, die Tausende kosten.

„Ich rate jedem: Verschwende keine Gedanken an den Preis vom Mikrofon. Greif einfach zu dem, das für den Job am besten klingt." - Ken Caillat

Das Mikro hat etwas Einzigartiges — eine Alchemie zwischen stabiler Bauweise, niedrigen Kosten und vielseitigem Klang — und es holt das Besondere aus Musikern heraus. Callait erinnert sich an den Moment, als er Fleetwood Macs Vocals für ein Stück auf Tusk aufnahm.

Callait drückte den Sängern SMs57er in die Hand, während sie einfach auf einer Couch im Studio saßen. Dort schichteten sie sanfte Harmonien übereinander, ohne jeden Kopfhörer in Sicht — nur mit Playback über die Studiomonitore. „Ich rate jedem: Verschwende keine Gedanken an den Preis vom Mikrofon. Greif einfach zu dem, das für den Job am besten klingt."

Ein Mic, das sie alle vereint

Von diesen Geschichten über Fleetwood Macs Liaison mit dem SM57 hörte ich, als ich für Shure schrieb. Sie inspirierten mich, Shure um grünes Licht für ein ungewöhnliches Experiment mit dem geheimnisvollen Namen „Project 57" zu bitten.

Ich nahm einen ganzen Song von vorne bis hinten ausschließlich mit 57ern auf: Für Schlagzeug, Gitarren, Lead- und Backinggesang und Bass (ein Rickenbacker 4001 pumpte merkwürdigerweise in einen Gibson Lab Series L5 Transistorverstärker). Wie es beim 57 halt so ist: Es mag nicht viel kosten, der erzeugte Sound und Vibe klangen allerdings kaum billig.

Präsident Nixon und seine drei SM57er

Das SM57 genügte nicht bloß den Ansprüchen für alle Instrumentalspuren von Project 57. Es ist auch gerade gut genug für den mächtigsten Mann in Amerika - und das schon seit Jahrzehnten.

Eine faszinierende Legende um das SM57 überrascht viele Musiker wie auch Techniker. Seit Lyndon Johnson hat jeder US-Präsident das SM57 seit seiner Einführung 1965 benutzt. Warum ist das so? Zunächst einmal benötigt das 57 keine Phantomspeisung, weshalb es wohl kaum mitten in einer wichtigen Rede aufgibt.

LBJ verwendete vier der Mikros auf einmal, Nixon drei - und schnell vorgespult zum diesjährigen Amtsantritt siehst du, dass Trump ebenfalls nur eines brauchte. Es ist egal, ob du es vom Dach schmeißt oder es vor den Chef-Kommandeur stellst. Das SM57 erledigt den Job.


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