Ein Guide zu den frühen Aufnahmen von Bob Marley and the Wailers

Bob Marley mit The Wailers (1964). Foto: Michael Ochs Archives / Handout. Getty Images.

Die meisten Fans lernten Bob Marley and the Wailers durch die populären, international bei Island Records erschienenen Alben kennen, die die Gruppe in das Bewusstsein von Übersee katapultierten und Marley schließlich zum ersten "Dritte-Welt-Superstar" machten. Die erste Ahnung von diesem Prozess wurde durch einen erstaunlichen Auftritt im Old Grey Whistle Test 1973 im BBC-Fernsehen sichtbar, doch die Wailers hatten vor ihrem Island-Debüt schon fast ein Jahrzehnt lang Aufnahmen gemacht, und ein Großteil dieses Outputs ist in seiner Exzellenz schlichtweg verblüffend.

Während der gesamten 1960er und bis in die frühen 70er Jahre demonstrierten die Wailers eine Evolution, die den Verlauf der jamaikanischen Popmusik selbst stark beeinflusste. Von ihrer Zeit als Ska-Könige im Studio One, über die im Kontrast schlanken, selbstproduzierten Rock-Steady-Aufnahmen auf ihrem noch jungen Wail 'n Soul 'm-Label, bis hin zum revolutionären Reggae, den sie mit externen Produzenten wie Leslie Kong, Danny Sims und Lee "Scratch" Perry aufnahmen.

Hier ist ein kurzer Überblick zu den verschiedenen charakteristischen Phasen, die dem Island-Durchbruch vorausgingen.


The Wailers im Studio One

The Wailers kamen Ende 1963 als ungebändigte Fünfergruppe ins Studio One, nachdem sie dem Gründer Clement "Sir Coxsone" Dodd vom Schlagzeuger Alvin "Seeco" Patterson vorgestellt worden waren. Der Leadsänger der Gruppe war damals Junior Braithwaite und die Backgroundsängerinnen Beverley Kelson und Cherry Green waren zeitweise Mitglieder der Gruppe, aber die Besetzung wurde bald auf den harten Kern von Bob Marley, Peter Tosh und Bunny Livingstone reduziert, deren außergewöhnliche harmonische Fähigkeiten ihrem originellen Songwriting in nichts nachstanden.

Ab der Aufnahme des Debüt-Hits "Simmer Down", einem der allerersten Songs, der sich mit Kingstons wachsendem Phänomen der Gewalt von "Rude Boy"-Straßengangs beschäftigte, wurden die Wailers schnell zu einer der heißesten Gruppen der Ska-Ära. In den nächsten Jahren folgte ein Hit auf den nächsten, aber als der langsamere und geräumigere Rocksteady-Stil Einzug hielt, entschieden sich die Wailers schließlich für die Selbstständigkeit und ließen Dodd im Stich, um die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Clement Dodd-Produktionen: "Simmer Down", "It Hurts To Be Alone/I Am Going Home", "Rasta Shook The Them Up", The Birth of a Legend, The Wailing Wailers at Studio One

The Wailers - "Simmer Down"

Die Wail 'n Soul 'm-Phase

Frustriert von finanziellen Vereinbarungen im Studio One versuchten die Wailers 1966 ihre finanziellen und künstlerischen Schicksale besser in den Griff zu bekommen, indem sie das Label Wail 'n Soul 'm gründeten, dessen Name sich auf The Wailers und The Soulettes bezog, wobei letztere die Harmonie-Gruppe war, die von Bobs Frau Rita angeführt wurde. Wail 'n Soul 'm war immer eine bodenständige Affäre, die sich aufgrund fehlender Infrastruktur eher zufällig bildete. In den nächsten Jahren gab Wail 'n Soul 'm nur sporadisch Material heraus, aber so ziemlich alles darauf ist es wert, aufgespürt zu werden.

Der sanfte Rocksteady von "Nice Time" war in Jamaika so etwas wie ein lokaler Hit, während spätere Aufnahmen, wie etwa Peter Toshs "Funeral", thematisch weit mehr gegen das Establishment gerichtet waren. Es gab auch einige faszinierende Instrumentalstücke, wie z.B. "Lyrical Satirical", das von einer starken Rastafari-Untermalung zeugt und darüber die afrikanische Heimat beschwört. Insgesamt können diese "Wail 'n Soul 'm"-Nuggets als entscheidende Meilensteine in der langen und turbulenten Karriere der Gruppe angesehen werden, die ihnen als verbindendes Element zwischen den großen Phasen halfen, als Künstler und Musikproduzenten festeren Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Selbstproduzierte Wail 'n Soul 'm-Veröffentlichungen: "Nice Time/Hypocrites," Wail 'n Soul 'm Singles Selecta

Bob Marley and The Wailers - "Nice Time"

JAD Records

Der Schwarze texanische Balladensänger Johnny Nash reiste 1967 zusammen mit seinem gewieften Manager Danny Sims zum ersten Mal nach Jamaika, um einige Stücke im Federal Recording Studio aufzunehmen. Als Sims im folgenden Jahr auf die Insel zurückkehrte, traf er Marley bei einer Rastafari-"Groundation"-Zeremonie und erkannte sofort sein enormes Potenzial. Bald wurde ein Songwriting-Deal mit den Wailers abgeschlossen, die für die Firma Dutzende von Titeln aufnahmen, während einer Zeit des Wandels, in der Bunny Livingstone wegen einer Marihuana-Anklage inhaftiert war (wobei Rita Marley vorübergehend seinen Platz einnahm) und Marley eine lange Zeit im Haus seiner Mutter in Delaware verbrachte.

Zum Zeitpunkt der Aufnahmen gelangte nur sehr wenig an die Öffentlichkeit und trotz des kommerziellen Charakters von Titeln wie "Reggae On Broadway" blieb das wenige, das veröffentlicht wurde, ohne Erfolg. Nichtsdestotrotz sind die Aufnahmen im Rückblick durchaus hörenswert und bilden ein weiteres Teil des verworrenen Wailers-Puzzles.

JAD-Produktionen: "Chances Are," "Reggae On Broadway," Chances Are, Complete Bob Marley and the Wailers 1967-1972 Part 1, Mellow Mood

Bob Marley - "Reggae on Broadway"

Beverley's Records

Die Wailers hofften mit JAD auf einen großen Durchbruch, aber die Fortschritte waren quälend langsam. Das Unternehmen schien sich mehr damit zufrieden zu geben, dass Nash regelmäßig Marleys Texte verwendete, anstatt eigene Aufnahmen der Gruppe herauszugeben. Als die Jahre vergingen und nicht viel Konkretes herauskam, begannen die Wailers für andere jamaikanische Produzenten zu arbeiten, und da Marley immer darauf achtete, wer für die meisten Hits verantwortlich war, nahmen sie eine Albumlänge an Material mit Leslie Kong von Beverley's Records auf, der die Aufnahmen zum Missfallen der Gruppe unter dem verwirrenden Titel The Best of the Wailers herausbrachte.

Nichtsdestotrotz fanden die funk- und soul-beeinflusste Unterstützung der All Stars House-Band bei Titeln wie "Soul Shakedown Party" und das von Tosh geführte "Soon Come" viel Anklang. Wie bei den meisten Stücken, die aus der Hand von Kong stammen, hat sich das Material über die Jahre zweifellos bewährt.

Leslie Kong-Produktionen "Soon Come," The Best Of The Wailers, Shakedown, Reggae Revolution Vol 1.

Bob Marley & The Wailers - "Soul Shake Down Party"

The Wailers und Lee "Scratch" Perry

Der exzentrische und enigmatische Produzent Lee "Scratch" Perry begann seine Zusammenarbeit mit den Wailers im Studio One in den frühen 60er Jahren. Immer auf der Suche nach der richtigen Partnerschaft, die einen bedeutenden Durchbruch ermöglichen würde, wandte sich Marley zu Beginn der 70er Jahre an Perry und versuchte, neue Stücke mit dem gerissenen Produzenten aufzunehmen, als alle anderen Wege blockiert schienen. Die Kombination der beiden war einfach einmalig und die Wailers konfigurierten unter Perrys Anleitung ihren Sound völlig neu, machten ihn viel roher, ehrlicher und jamaikanischer und bereiteten sich dadurch auf den internationalen Ruhm vor, den sie nach der Unterzeichnung eines Vertrags mit Island erlangen würden. Marley lebte für einen längeren Zeitraum in Perrys Vorderzimmer und festigte damit eine unzerbrechliche Verbindung zwischen den beiden.

Songs wie "Duppy Conqueror", "Mr. Brown", "Small Axe" und "Kaya" sind unsterblich, ebenso wie Toshs "400 Years" und Bunnys "Dreamland". Das kollektive Werk gehört sowohl zu den besten Aufnahmen der Gruppe, als auch zu den besten Produktionen von Perry.

Lee Perry-Produktionen: "Duppy Conqueror," "Mr Brown," "Small Axe," Soul Rebels, Soul Revolution, Soul Revolution I and II

Bob Marley & The Wailers - "Small Axe"
comments powered by Disqus

Reverb Gives

Mit deinen Käufen unterstützt du Programme zur Förderung Jugendlicher, damit sie das Equipment erhalten, das sie zum Musizieren brauchen.

Ups, sieht aus, als hättest du etwas vergessen. Bitte prüfe die rot hervorgehobenen Felder.