8 Berühmte Gitarrensounds, die direkt ins Pult aufgenommen wurden

Wenn es etwas gibt, das Gitarristinnen und Gitarristen mehr als ihre Gitarren lieben, dann sind es Verstärker. Unzählige Zeilen wurden darüber geschrieben, wer welchen Verstärker mit welcher Box mit welchen Speakern benutzt, aber es wird euch vielleicht überraschen, das manche der ikonischsten Gitarrensounds aller Zeiten durch direktes Einstecken entstanden sind: mit der Gitarre direkt in den Preamp des Mischpults.

Das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich die Singleversion von "Revolution" von den Beatles. John Lennon suchte einen aggressiven Sound, was Engineer Geoff Emerick dazu brachte, die Gitarren für maximal fuzzigen Overdrive direkt durch zwei in Reihe geschaltete Preamps zu jagen — sie waren aber nicht die einzigen mit dieser Idee.

Heute werden wir uns acht weitere Beispiele angucken, bei denen, ob zufällig oder bewusst, sich die direkte Aufnahmetechnik als genau richtig für den Sound ergeben hat.


The Byrds - "Mr. Tambourine Man"

In einem eher seltsamen Karrierezug coverten die Byrds Bob Dylan's akustisches Meisterwerk im selben Jahr seiner Veröffentlichung und machten es zum Titeltrack ihres Debutalbums. Es hätte ein uninspirierter Abklatsch werden können, aber die Band gab dem Song ihren unverwechselbaren Jangle-Pop Touch.

Eines der definierenden Elemente dieses Sounds kam von Roger McGuinns glockiger Rickenbacker 12-String, die er den Beatles nachahmte. Der unverkennbare Sound ist klar im Intro von "Mr. Tambourine Man" zu erkennen, erweitert durch einen subtilen Studiotrick.

Im Januar 1965 kamen die Byrds in den Columbia Recording Studios in Hollywood zusammen, um mit den berühmten Sessionmusikern der Wrecking Crew eine Single aufzunehmen. Der Engineer Ray Gerhardt ließ das direkte Gitarrensignal durch einen Röhrenkompressor laufen, um "sein kostbares Equipment vor lautem Rock 'n' Roll zu schützen", erinnert sich McGuinn.

Die Kompression dickte das leicht dünne Gitarrensignal an und klang dabei so gut, dass Gerhardt einen weiteren Kompressor in Reihe mit dem ersten schaltete, wodurch der knackige und doch sustainreiche Sound des Songs — und dem Großteil der späteren Byrds Aufnahmen — entstand.


Led Zeppelin - "Black Dog"

Jimmy Page ist zwar fast schon Synonym mit aufgerissenen Marshall Stacks, aber Led Zeppelin waren auch für eine breite Palette an Gitarren, Amps und Aufnahmetechniken im Studio bekannt. Interessanterweise ist auch eins der ikonischsten Riffs der Band auf eher unorthodoxe Weise entstanden.

Der langjährige Studiohelfer der Band Andy Johns, der die Idee vom Engineer von Buffalo Springfield hatte, jagte die Les Paul von Page durch eine DI Box, direkt in den Preamp des Mischpults und dann in zwei UREI 1176 Kompressoren (auch hier wieder in Serie geschaltet).

Beim ersten Gerät wurde die Kompression ausgesetzt und der Output-Regler aufgerissen, somit diente es mehr als Verstärker. Das so schon recht verzerrte Signal war dann heiß genug, um den Input des nächsten Geräts zu übersteuern, wodurch der klassische Sound entstand. Der Part wurde dann dreifach aufgenommen, um den Sound fetter zu machen.

"Ohne die 1176er hätte ich das nicht hingekriegt", erzählte Johns später in einem Interview mit Universal Audio (ehemals UREI). "Kein anderer Kompressor kriegt das hin, weil man den Kompressionskram ausschalten kann". Der finale Touch kam durch EQ: "ein bisschen untenrum, um es singen zu lassen", so Johns.


The Carpenters - "Goodbye to Love" (Solo)

In einem Schritt der sich als polarisierend herausstellen würde, entschieden die Soft Rock-Geschwister Karen und Richard Carpenter, dass ihre proto-Power Ballade ein sägendes Gitarren Solo bräuchte, um das Arrangement aufs nächste Level zu bringen.

Karen machte Mark "Paul Revere" Lindsays Gitarristen Tony Peluso ausfindig, den sie für perfekt für den Track hielt. Peluso war sich zunächst unsicher, sagte aber nach etwas Einreden zu. Die Carpenters bekamen ihn ins Studio, um loszulegen.

Peluso fing an, passend zur Textur des Songs, süße, hübsche Linien zu spielen, aber Richard fand, dass der Song einen Schubser übers den Rand vertragen könnte. "Spiel fünf Takte die Melodie und brenn' dann alles ab!" sagte er Peluso. "Heb' in die Stratosphäre ab!"

Das tat er dann auch, mit zwei Soli mit fuzzigem DI-Sound. Der plötzliche Wechsel von Schmalz zu Shred mag den Carpenters zwar ein paar Fans gekostet haben, aber er läutete auch eine Ära ein, in der Gitarren über emotionale Klavierakkorde jaulten, und damit bis heute Arenen füllen.


Chic - "Le Freak"

Wenn man an funky Gitarren denkt, kommt man direkt auf Cleansounds. Abgesehen von ab und zu mal einem Wah oder Envelope Filter ist es kein Effekt-überladenes Genre. Und welcher Sound ist cleaner, als der einer Gitarre, die direkt durch einen Preamp aufgenommen wird?

Chics Partyhymne entstand in den letzten Stunden des Jahres 1977, nachdem der Band an Silvester der Eintritt in das legendäre Studio 54 verwehrt wurde. Nachdem sie in ihren feinsten Anzügen durch den Matsch zurück zum Appartement vom Gitarristen Nile Rodgers stapften, jammten sie in ihrem Frust an einem neuen Riff, mit dem Text "Aaaaah, Fuck Off!"

Als es daran ging, bei The Power Station in New York aufzunehmen, schloss der junge Bob Clearmountin Rodgers "Hitmaker" Stratocaster an das Neve Pult des Studios an und erschuf so den knallenden Rhythmussound (eine Methode, die Rodgers in seiner Karriere immer wieder benutzte).

Die Band spielte mehrere Live-Takes ein. Der beste wurde dann ausgiebig mit Handclaps, schwebenden Keyboard Akkorden und (natürlich) den üppigen Disco-Streichern versehen und die Produktion so zu Ende gebracht.


Pink Floyd - "Another Brick in the Wall pt. 2" (Solo)

Der Einfluss von Chic war weitreichend und eine der Gruppen, die sie beeinflussten, kommt aus einem völlig anderen Bereich des musikalischen Spektrums. "Pink Floyd werden dir genau so sagen, dass sie als 'Another Brick in the Wall' geschrieben wurde im Studio nebenan von uns waren", erzählt Nile Rodgers dem Rolling Stone.

Der Einfluss ist klar im Tanzbeat und der abgehackten Rhythmusgitarre des Songs zu erkennen — eine große Abweichung vom Pink Floyd-Sound und ein weiterer Produktionszug, an dem sich die Geister schneiden — aber es ist tatsächlich nur das Blues-Funk-Hybrid Gitarrensolo, das die direkte Aufnahmetechnik verwendet.

Direkt aufzunehmen war der Vorschlag vom Produzenten Bob Ezrin und so lief David Gilmours Les Paul (Sorry, Gitarrennerds, es war nicht die berühmte "black Strat") clean ins Pult, für einen knackigen Sound. Als er die Aufnahme hörte, fand er aber, dass der Sound "zu wenig Fleisch" hätte.

Der Track wurde dann zurück in einen Verstärker geleitet und erneut aufgenommen. Im Mix wurden die Re-Amp und die direkte Spur dann zu einem komplexen, präsenten und doch crunchigen Sound vermischt, den man niemals durch bloßes Kopieren von Gilmours Pedalboard erreichen kann.


David Bowie - "Heroes"

Wo wir schon von Mauern reden, ein weiterer legendärer DI-Sound entstand direkt im Schatten der Berliner Mauer. Die meisten Rockfans kennen David Bowies "Heroes", selbst wenn sie nicht wissen, wer der Gitarrist ist, der den einprägsamen zwei-Noten-Refrain der sich durch den Song zieht beisteuerte.

Robert Fripp ist schon lange für seinen schwebenden, sustainenden Fuzzsound bekannt, aber die wahre Magie liegt in der unorthodoxen Art, mit der er Musik kreiert. Wenn dann noch drei andere musikalische Visionäre ins Boot kommen (Bowie, Brian Eno und der Produzent Tony Visconti), können dabei nur merkwürdige, wundervolle Dinger herauskommen.

Fripp kam mit seiner treuen Les Paul, keinem Amp und wenig Zeit in Berlin an, um aufzunehmen. Das nötige Feedback für einen Song wie "Heroes" zu bekommen bedeutet normalerweise, dass ein leistungsstarker Verstärker in der Nähe des Musikers oder der Musikerin platziert ist, aber ohne greifbaren Amp spielte Fripp den Song direkt im Regieraum des Hansa Tonstudios ein, mit voll aufgerissenen Studiomonitoren.

Drei Takes wurden eingespielt, und Visconti machte einer Eingebung folgend alle auf einmal an. "All seine Schlenker außerhalb der Stimmung funktionierten auf einmal mit den vorher aufgenommen Gitarren", erinnert sich Visconti im Sound Opinions Podcast. "Es hatte eine Qualität, die niemand von uns erwartet hatte. Es war diese verträumte, jaulende Art, fast wie ein Weinen im Hintergrund. Wir waren total verblüfft."


Prince - "Kiss" (Solo)

Noch ein exzentrischer Künstler, der es zur Gewohnheit machte, seine Gitarren direkt aufzunehmen, auch wenn in diesem Fall pure Effizienz den Ausschlag gab (was das Ergebnis trotzdem ziemlich gut klingen lässt). Prince hatte sich einen Ruf als einer produktivsten Künstler aller Zeiten aufgebaut und einen Großteil dieser Arbeit erledigte er selbst.

Prince hatte definitiv genug Ressourcen, um sich Engineers für seinen opulenten Paisly Park Studiokomplex in Minnesota zu leisten, aber er hatte trotzdem immer eine Drum Machine, ein Gesangsmkro und eine Gitarre spielbereit angeschlossen, so dass er frei kreativ sein konnte, ohne sich zuerst damit beschäftigen zu müssen, einen Verstärker zu mikrofonieren.

Prince nahm "Kiss" ursprünglich als Akustikdemo auf und gab den Song an seine Band Mazarati, die ihm dann die reduzierte elektronische Textur verpassten. Prince liebte den Sound so sehr, dass er den Song zurücknahm, und seine eigenen Vocals, Drums und die typische cleane, knallende Gitarre (besonders im Solo/Breakdown gegen Ende zu hören) hinzufügte.


Nirvana - "Territorial Pissings"

Unser letzes Beispiel für direkte Gitarren kommt aus dem mittleren Westen der USA, aus den Smart Studios von Butch Vig. Die Produktionen des Garbage Drummers zeichnen sich dadurch aus, dass sie heavy, aber auch poliert sind. Nevermind von Nirvana ist ein klassisches Beispiel für seinen Stil — mit Ausnahmen von einem Song.

Der thrashig bretternde Song "Territorial Pissings" steht in starkem Kontrast zu den anderen Liedern des Albums, die sich hauptsächlich im Bereich Heavy-Grunge mit Pop-Hooks und Färbung durch Chorus, Reverb und Delay bewegen. Der Legende nach wollte Kurt Cobain einen "trashigen Punksound" und bestand darauf, direkt ins Pult zu spielen.

Anders als im Pink Floyd Szenario war der Produzent wohl gegen die Idee, mit der Begründung, dass die Gitarre zu wenig "balls" hätte (hey, es waren die 90er...). Erneut besteht der finale Mix aus einer Mischung aus Kurts Amp und dem direkten Signal einer ProCo Rat in das Neve Pult des Smart Studio.

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