Als langjähriger Gear-Sammler und professioneller Tabellen-Ninja kann ich mit Fug und Recht behaupten: Wenn es um das katalogisieren vom eigenen Equipment geht, habe ich einiges an Erfahrung.
Für viele von uns liegt ein Teil der Freude am Sammeln in dem ständigen Akt der Verwaltung. Der Blick auf eine sorgfältig kuratierte Vinylsammlung, die alphabetisch und nach chronologischer Albumveröffentlichung geordnet ist, kommt göttlicher Schönheit nahe. Wenn ihr regelmäßige Besucher auf Reverb seid, stehen die Chancen gut, dass ihr eine große Gear-Sammlung habt. Groß ist dabei zwar relativ, doch irgendwann kommt immer der Punkt, an dem gute Ordnung nicht nur wichtig, sondern tatsächlich auch Teil des Spaßes wird.
Anderen kann eine aktuell gehaltene Gear-Liste nicht nur sehr viel Zeit sondern auch Geld sparen. Für wen ist es von Vorteil?
- Studiobesitzer*innen, deren Lebensunterhalt auf einem großen Fundus an Mikrofonen und anderen Hilfsmitteln beruht
- Gear-Händler mit großem, häufig wechselndem Inventar
- Gear-Verleiher, die Freund*innen ihr Equipment ausleihen
- Personen mit Gear an mehreren Orten, zum Beispiel in Heimstudio, Projektstudio und Proberaum
- Diejenigen in einer Band oder musikalischen Partnerschaft, in der sich das Equipment vermischt
- Musiker*innen, die sich einen Proberaum mit anderen Bands teilen
- Live-Musiker*innen, die für Versicherungszwecke detailliert Buch über ihr Tour-Equipment führen müssen
Wenn ihr wie ich ein alter Hase im Gear-Geschäft seid, der in seinem Leben ein paar Jazz-Zigaretten zu viel geraucht hat, kann es leicht zur Herausforderung werden, aus dem Stegreif zu wissen, ob die Gibson ES-335 jetzt eine 74er oder 75er war. Wäre es außerdem nicht nett, einen Spaziergang durch die persönliche Gear-Geschichte zu machen und sich auch an die Stücke zu erinnern, die davongekommen sind?
Für Vinylsammelnde gibt es Dienste wie Discogs, Videospielfans haben Pricecharting, Bücherwürmer schlagen bei Goodreads nach – aber mir fehlte immer die Möglichkeit, meine Gear-Sammlung mit modernen Mitteln zu katalogisieren. RigShare ist ein spaßbringender, praktischer Service, aber letztendlich fehlte mir das Maß an Tiefe und Formbarkeit, das ich benötige. Außerdem gefällt mir die Vorstellung nicht so wirklich, dass die Details meiner Sammlung öffentlich zugänglich sind. [Hrsg.: Update von RigShare: Die Website verfügt über die Möglichkeit, Sammlungen privat zu speichern]. Als ehemaliger Microsoftler und eingefleischter Tabellen-Ninja nahm meine erste Lösung vor diesem Hintergund vor über 10 Jahren als Excel-Tabelle mit mehreren Registern Gestalt an.
Bevor wir tiefer in die Materie der Gear-Tabelle einsteigen, sollten wir aber darüber nachdenken, was es eigentlich bedeutet, zu sammeln.
Entscheidungen, Entscheidungen
Bei jedem Kauf müssen wir eine Entscheidung treffen, die oft mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden ist. Fragt euch: Was treibt eure Sammelentscheidungen an?
Seid ihr Komplettisten, die erst aufhören können, wenn ihr wirklich jede einzelne Vintage Big Muff-Variante in *schluck* Originalverpackung erworben habt? Seid ihr anspruchsvolle Studiobesitzer, deren Lebensunterhalt davon abhängt, dass ihr nicht nur über einen vollen Mikrofonschrank verfügt, um jede Tom und jedes Splashbecken von Terry Bozzios Drum Kit einzufangen, sondern auch in der Lage seid, nach der Session schnell und einfach Inventur zu machen? Vielleicht könnt ihr euch einfach endlich alle begehrten Geräte eurer Jugendzeit leisten, habt aber auch ein paar Kinder mit klebrigen Fingern, die nichts mehr zu lieben scheinen, als die Spielzeuge von Mama oder Papa zu verlieren?
Obwohl ich eine (große) Handvoll erlesener sentimentaler Stücke habe, ist fast alles auf meiner Liste für das richtige Geschäft zu tauschen; Gitarren und Mikrofone und Effekte sind meine Hämmer und Nägel, und ich bin immer auf der Jagd nach den besten (oder, ehrlich gesagt, coolsten) Werkzeugen.
Kürzlich habe ich eine große Menge größtenteils unbenutzter Effektpedale auf einen Schlag verkauft, um ein aufgerüstetes Interface zu finanzieren. Obwohl mich die Leere auf dem Regal mehr als nur einen Hauch traurig machte, war es die Mühe und das Opfer wert, zu wissen, dass ich in der Lage war, diese Effekte in etwas zu verwandeln, das ich jeden Tag benutzen kann und will. Es ist ein ziemlich gutes Gefühl, kein neues Geld in die Gleichung zu stecken und trotzdem das fehlende Teil eures kreativen Puzzles in die Hände zu bekommen.
Andererseits würden manche Leute nie etwas aus ihrem Besitz verkaufen. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch, denn Sammeln kann sowohl praktische als auch sentimentale Gründe haben. Vor jedem Deal stelle ich mir folgende Frage: Werde ich dieses Stück vermissen, und wenn ja, warum? Wenn ihr lange genug mit Gear handelt, werdet ihr mindestens ein oder zwei Verkäufe absolut bereuen, aber wenn wir diesen Gedankengängen aufmerksam folgen, können wir zukünftiges Bereuen entschärfen. Das Rhodes 54, das ihr vor einem Jahrzehnt für eine Strat, die ihr nie geliebt habt, quasi verschenkt habt, werdet ihr allerdings trotzdem nicht wiedersehen. Schluchz.
Zeit für Tabellen
Okay, es wird Zeit über Zellen und Tabellen zu reden. Vor einigen Jahren habe ich mein Gear-Dokument aus Gründen der Zugänglichkeit und der Versionskontrolle auf Google Drive umgestellt, aber die zugrunde liegende Struktur und Funktionalität sind mehr als ein Jahrzehnt nach Beginn dieses Unterfangens immer noch die gleichen.
Das Dokument benötigt mindestens zwei Registerkarten: Besitz und Verkauf. Wenn etwas verkauft wird, schneidet ihr es aus und fügt es in die Registerkarte Verkauft ein. Ich bin bei folgenden Unterpunkten gelandet; Verwendet so viel oder wenig davon, wie zu eurer Sammlung passt:
- Kategorie: Recording/Live-Sound, Gitarren, Bässe, Synths, Accessoires, Amps, Werkzeuge, etc.
- Jahr
- Marke
- Modell
- Seriennummer
- Farbe
- Case/Verpackung
- Bezahlung: nur Geldzahlungen; Tauschgeschäfte werden in den Notizen vermerkt
- Wert: aktueller Marktwert. Die Reverb Preisübersicht (weiter unten auf dieser Seite zu finden) ist hierfür eine sehr gute Ressource.
- Tausch: X, wenn ihr tauschen wollt. Hilfreich, wenn ihr mal ein komplexeres Tauschgeschäft ausarbeiten müsst.
- Testament: Vielleicht etwas morbide, aber da ich kein richtiges Testament habe und der größte Teil meines Lebens in Gear steckt, liste ich hier auf, wer was bekommen würde, wenn ich überraschend das Zeitliche segnen sollte.
- Notizen: Modifizierungen, wann/wo gekauft, Tauschdetails
Diese Tabelle ist so aufgebaut, dass sie leicht sortiert und gefiltert werden kann. In der Kopfzeile behalte ich auch einen Eintrag für das Änderungsdatum und Einträge für die Summen meiner Spalten "Bezahlt" und "Wert" zur einfachen Referenz/zum Bewusstmachen meiner Sucht. Das Einfrieren der Kopfzeile und der äußersten linken Spalte hilft auch zur einfacheren Sichtbarkeit und Sortierung. Um eure neuesten auf Reverb gemachten Schnäppchen einzutragen, müsst ihr einfach nur eine neue Zeile einfügen und die relevanten Informationen in jeder Spalte protokollieren.

Was ist es nicht wert, katalogisiert zu werden? Die Anspruchsvolleren unter uns könnten argumentieren, dass die Antwort darauf, nun ja, nichts ist. Für mich persönlich hat sich als klug rausgestellt, alle Wegwerfartikel auszuklammern, wie z.B. Plektren und Saiten. Außerdem habe ich aufgegeben, Software zu katalogisieren. Beim Kauf von Reason oder des Native Instruments Komplete-Pakets in einer Schachtel war dies noch sinnvoller, aber bei Downloads fand ich es etwas schwierig und unnötig, diese nachzuverfolgen. Außerdem, seien wir ehrlich: Es wurde ein wenig zu schmerzhaft zu sehen, wie viel ich für Universal Audio UAD-Plugins ausgegeben habe.
Aber nochmal: das hier soll keine Vorgabe sein; vielleicht interessiert ihr euch sehr für Orchesterinstrumente, so dass ihr getrennte Einträge für Blech- und Holzblasinstrumente habt, oder ihr schaudert bei dem Gedanken, eure Bässe mit euren Gitarren zu gruppieren, und müsst die beiden unbedingt getrennt aufführen.
Anfangs mag das alles ein wenig (oder sehr) überwältigend sein, also nehmt euch eure Sammlung stückchenweise vor. Wenn ihr die Art Mensch seid, die sich zu Beginn gerne auf den größten Teil eines Projekts stürzt und außerdem eine innige Liebe zu Boost-Pedalen habt, fangt bei eurem Daredevil Hype und Xotic EP Booster an. Und immer dran denken: Dies ist ein lebendes Dokument. Es wird sich jedes Mal, wenn ihr es öffnet, verbiegen und verändern, also habt nicht das Gefühl, dass ihr alles auf einmal erledigen müsst.
Dennoch ist es einfacher, Schritt zu halten, als aufzuholen, also baut die Aktualisierung eures Dokuments in euren Gear-Erwerbsprozess mit ein; wenn ihr die Zahlung erhalten habt, wenn die Abholung oder Abgabe erfolgt ist, wenn ihr das Inserat löscht... spiegelt all das in eurem Dokument wider. Jedes Mal, wenn ich etwas zum Verkauf angeboten habe, gehe ich als erstes zu meiner Liste und kopiere den Eintrag für dieses Stück, was eine unglaubliche Zeitersparnis darstellt, ganz zu schweigen von der ganzen Sache mit dem schlechten Gedächtnis, über die wir vorhin gesprochen haben. Manchmal werdet ihr wahrscheinlich feststellen, dass ein paar Details in eurem Dokument fehlen — alles cool, füllt es jetzt aus.
Es kann zwar schwierig sein, rückwärts zu arbeiten, um rückwirkend Details oder sogar komplette Artikel einzutragen, die ihr in der Vergangenheit verkauft oder getauscht habt, aber es ist absolut machbar. Nutzt nach eurem ersten Brain-Dump die Ressourcen, die ihr schon habt. Nehmt euch eure Quittungen, sei es über die Kaufhistorie auf Reverb, den E-Mail-Austausch mit zwielichtigen Kleinanzeigen-Nutzern, die in eurem Posteingang gespeichert sind, oder Messenger-Chatprotokolle von noch zwielichtigeren Facebook-Verkaufsgruppen. Stöbert in alten Fotos und sprecht mit euren ehemaligen Bandkollegen und Mitarbeitern — ihr werdet überrascht sein, an wie viel man sich erinnern kann.
Denkt ihr jetzt: "Das ist ja alles cool, aber ich will noch weiter gehen?" Zuerst einmal: Lasst uns Freunde sein. Zweitens, denkt daran, dass Tabellen eure Freunde sind, und ihr jetzt, wo ihr all diese ordentlich angeordneten Daten habt, damit einige coole Sachen machen könnt. Möchtet ihr sehen, wie sich eure Sammlung auf verschiedene Arten von Equipment aufteilt? Dafür gibt's ein Tortendiagramm. Müsst ihr den relativen Wert von unlackierten Fendern und Dad-Top-Gibsons auf der Grundlage von dem, was ihr bezahlt haben, mit dem vergleichen, was sie jetzt wert sind? Zack, hier ist ein Balkendiagramm für euch.
Pro-Tipp: Die Suchfunktion ist fantastisch, also drückt CMD + F (STRG + F auf dem PC), gebt ein, wonach ihr sucht, und sonnt euch in der Herrlichkeit der hervorgehobenen Ergebnisse. Ja, du hast dieses Rhodes zu billig verkauft, Sarah. Können wir alle nachvollziehen... Alle.
Habt ihr eure eigene Methode zur Katalogisierung eures Gears? Haben wir etwas übersehen? Dies ist ein lebendes Dokument, und als solches gibt es immer Raum für Verbesserungen, also lasst es uns bitte wissen!

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