Der ursprünglich 1986 veröffentlichte Casio RZ-1 war für die damalige Zeit ein außergewöhnliches Instrument. Der Markt war zwar mit vielen älteren, analogen Drumcomputern übersät, aber es war die Einführung hochmoderner, auf Sampling basierender digitaler Drumcomputer wie dem RZ-1, die komplett veränderte, wie Musik gemacht wird.
Im Gegensatz zu populären (und teureren) Drumcomputern der 80er Jahre wie dem Oberheim DMX, Roger Linns LinnDrum und Rolands legendärer TR-Serie (808 und 909) war der RZ-1 ein volldigitaler Drumcomputer mit integrierten Sampling-Funktionen und kam als erschwinglichere Alternative zu teureren Sampling-Drumcomputern wie dem Korg DDD-1 und dem E-Mu SP-12 auf den Markt.
Doch auch wenn es sich um einen Sampler der Einsteigerklasse handelte, setzten Hip-Hop-Produzenten ihn schon bald für hochkarätige Produktionen ein.
Das Innere des RZ-1
Der RZ-1 wird mit 12 Factory-Drum-Sounds geliefert (Bass Drum, Snare, offene und geschlossene Hi-Hat, Clap, Cowbell, Ride, Crash und drei Toms). Die Wiedergabelautstärke der einzelnen Drum-Sounds kann mit 10 Lautstärkereglern eingestellt werden, während über die Stereoausgänge Sounds in ein externes Pult geroutet werden können. Das Gerät verfügt außerdem über ein hintergrundbeleuchtetes LCD-Display und MIDI-Eingang/Ausgang/Thru-Buchsen. Der interne Speicher des RZ-1 bietet Platz für 100 Patterns und 20 Songs.
Im Gegensatz zu den analogen Drumcomputern, die ihm vorausgingen, basieren die internen Klänge des Casio RZ-1 auf der PCM-Technologie. PCM oder Puls-Code-Modulation ist eine Methode zur Erstellung digitaler Darstellungen von abgetasteten analogen Audiosignalen. Mitte der 80er Jahre wurde die PCM-Methode in den Sound-Engines von Instrumenten wie Rolands legendärem D50-Synthesizer und Drumcomputern wie dem DDD-1 verwendet. Die internen Drumsounds des Casio RZ-1 haben mit ihrer Auflösung von 12 Bit/32 Hz einen charmanten Lo-Fi-Sound.
Mit einem Sampling-Speicher, der nur 0,8 Sekunden Samplingzeit zulässt, ist der RZ-1 nicht nur nach heutigen Standards extrem limitiert — schon der E-Mu SP-1200, der ein Jahr nach dem RZ-1 auf den Markt kam, verfügte über einen (für die damalige Zeit) gewaltigen Sampling-Speicher von 10 Sekunden.

Zusätzlich zu den werkseitigen Drum-Sounds des RZ-1, die auf 12 Pads gelegt sind, verfügt der RZ-1 über vier offene, belegbare Bänke/Pads, denen man entweder vier Samples von jeweils 0,2 Sekunden oder ein "langes" Sample von bis zu 0,8 Sekunden zuweisen kann.
Die Rolle des RZ-1 im Hip-Hop
Der RZ-1 erschien zu Beginn der ersten Goldenen Ära der Rap-Musik und war bei Hip-Hop-Produzenten der ersten Generation, die Beats zu bauen lernten, sehr beliebt. Mit seinem erschwinglichen Preis ermöglichte der RZ-1 angehenden Hip-Hop-Musikern ihre Aufnahmen zu Hause vorzuproduzieren und so unnötige Stunden in den damals teuren professionellen Studios zu sparen.
Der legendäre DJ/Produzent Prince Paul hat sich in den 80er Jahren als Mitglied der bahnbrechenden Long Island-Rap-Band Stetsasonic einen Namen gemacht, einer Gruppe, die weithin als erste (eigenständige) Hip-Hop-Band anerkannt ist. Nach seiner Zeit bei Stetsasonic schloss sich Paul einem eigenwilligen Rap-Trio namens De La Soul an. Bei ihrem Debüt von 1989, 3 Feet High and Rising, mischten sie gesampelte Sounds einer Vielzahl von Künstlern aus den 60er und 70er Jahren, darunter Eric Burdon & War, Steely Dan und The Turtles.
Mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung bleibt das Album ein Wendepunkt in der Geschichte des Hip-Hop und des Sampling. Im Gespräch mit The Guardian im Artikel "How We Made 3 Feet High and Rising" aus dem Jahr 2014 gibt Paul einen Einblick in die Entstehung des Albums und nennt den RZ-1 als einen wesentlichen Bestandteil der Produktion:
"Wir haben 3 Feet High and Rising für insgesamt 13.000 Dollar produziert, und dabei nur einen Casio RZ-1 Drumcomputer/Sampler und ein weiteres Gadget namens Eventide Harmonizer verwendeten, mit dem wir Songs mit völlig unterschiedlichen Tonhöhen aufeinander abstimmen konnten — wir konnten Daryl Halls Stimme über eine Platte von Sly & the Family Stone legen. Es war unglaublich."
Als Reverb Paul für diesen Artikel nach dem RZ-1 fragte, betonte er die Benutzerfreundlichkeit des Geräts und sagte: "Er ist wie die Billigversion des SP-12... zwar nicht von der großen Marke, aber er macht seinen Job."
Bevor RZA, der MC, Produzent und Mitbegründer des Wu-Tang-Clans in den 90er Jahren die SP-1200 und Ensoniq Sampling-Keyboards einsetzte um unzählige Hits zu produzieren, baute er seine Beats auf dem Casio RZ-1. In einem Interview mit dem Kotori Magazine von 2015 erzählt RZA von seiner Teenagerzeit, als er auf dem RZ-1 produzierte und Beats für seine Freunde in der Nachbarschaft machte:
"Ich musste sagen, dass ich auch weiß, wie man Beats macht, dabei hatte ich nie diese Ausrüstung gehabt. Ich hatte zwar einen Casio RZ-1, aber ich hatte nicht den SP-1200, der das Beste war, was man bekommen konnte. Es hat vielleicht anderthalb Jahre gedauert, bis ich endlich einen in die Finger bekam. Ich war also etwa 19 Jahre alt, als ich meinen SP-1200 bekam, und darauf habe ich 'Bring The Pain' und ein paar andere Wu Klassiker gebaut."
In der 2019er HULU-Serie Wu-Tang: An American Saga ist eine dramatisierte Version von RZA im Teenageralter mit einem RZ-1 zu sehen, was die reale Geschichte des Produzenten mit dem Gerät widerspiegelt.
Rapper/Produzent Beans vom legendären Avant-Rap-Trio Anti-Pop Consortium arbeitete sich auch mit RZ-1 Beats hoch. Die Produktion von APC war eine radikale Mischung aus düsteren Hip-Hop-Beats und minimalen, experimentellen Klängen. Im Gegensatz zu Paul und RZA setzte Beans den RZ-1 auch als Live-Instrument bei APC und mit seinem mythischen Live-Elektronik-Ensemble The Blank Slates ein.
Im Gespräch mit Reverb geht Beans in die Details seiner Arbeit mit dem RZ-1:
"Bevor Anti-Pop eine Gruppe war, hatten [High] Priest und ich ein Nebenprojekt namens The Blank Slates, das mehr auf Free-Jazz ausgerichtet war und an Basquiats Band Grey erinnerte, das aus mir am Gesang und dem RZ-1, dem Saxophonisten Micah Gaugh, Meg Manny am Moog Source Synthesizer und Priest bestand, der Live-Samples triggerte. Bei Live-Auftritten mit The Blank Slates und APC ließ ich den RZ-1 durch Gitarreneffektpedale laufen, meistens drei oder vier verschiedene Delays, Reverbs und Phaser. Die Pedale ließen den RZ dreckig und crunchig klingen, während das Delay-Pedal die RZ-Kicks viel härter machte."
Der RZ-1 Heute
Seit den Jahren, in denen der RZ-1 den Sound der Hip-Hop-Produzenten der 80er Jahre mitgestaltet hat, konnte das Gerät auch eine kleine, aber treue Anhängerschaft in der Gemeinschaft der Circuit-Bendinger/Instrumenten-Modifizierer gewinnen. Eine schnelle Google-Suche führt euch zu Foren voller Enthusiasten, die Techniken zur Erweiterung und Modifikation des RZ-1 diskutieren. Im Forum von circuitbenders.co.uk erklärt ein User namens gmeredith, wie der Samplespeicher des RZ-1 erweitert werden kann:
"Man kann den Samplesspeicher des RZ-1 erweitern, genau so wie die Sample-Erweiterung, die ich auf meinem SK-8 vorgenommen habe. Ich habe meinen SK-8 von 4 Samples (genau wie den RZ) auf 128 Samples erweitert! Der Sample-RAM-Chip ... kann herausgenommen und durch einen RAM-Chip mit viel größerer Kapazität ersetzt werden. Die Erweiterung wird euch jedoch keine längeren Sample-Zeiten bringen, sondern nur mehr Samples der Standard-Sample-Zeiten des RZ. Beim RZ bekommt ihr 128 Bänke der 4 Samples = 512 Samples, auf Knopfdruck!"
Wie bei jedem großen Instrument haben die Musikerinnen und Musiker, die den Casio RZ-1 eingesetzt haben, seine Eigenheiten zu schätzen gelernt und versuchen seine Grenzen zu erweitern, um großartige Musik zu machen. Die Tatsache, dass das Gerät mehr als drei Jahrzehnte lang benutzt und weiterentwickelt wird, wäre 1986 unmöglich vorherzusagen gewesen. Trotzdem wurde der Casio RZ-1 zu einem unwahrscheinlichen Lernwerkzeug einer Generation von Hip-Hoppern, Beat-Machern und Circuit-Bendern.