Die Unterarten des Heavy Metals nachzuvollziehen kann sowohl eines der interessantesten als auch frustrierendsten Unterfangen aller Genres sein. Denkt mal drüber nach: Judas Priest sind in etwa so weit von Meshuggah entfernt wie Hank Williams von Florida Georgia Line. Und der Metal-Stammbaum wird mit der Zeit nur noch komplexer.
Interessanterweise gibt es zwar unzählige Metal-Stile, aber nur eine Handvoll Gitarrenverstärker, die den Grundstein für sie alle gelegt haben. Um in der ewig währenden Streiterei darüber, was genau echter Metal sei und was nicht, für ein wenig Gemeinschaftsgefühl zu sorgen, sehen wir uns hier mal die High-Gain-Topteile und Combos an, die die härtesten aller Genres vereinen.
Ehrenplatz: Marshall 1959 100-Watt Plexi, JMP 2203, JCM800 2203
"British Steel," "Number of the Beast," "Ace of Spades". Der Sound eines geboosteten Marshall Plexi und "Metal Face"-Amps war für alle drei Alben verantwortlich - und begründete das, was wir heute als High-Gain Metal Sound kennen.
Zu einem großen Teil ist das darauf zurückzuführen, dass es zu diesem Zeitpunkt einfach wenig Alternativen gab. Als sich der Hard Rock der 70er Jahre zur galoppierenden Riff-Power aus Großbritannien verwandelte, waren Marshalls mit ihrer mörderischen Lautstärke und fetten (für die damalige Zeit) Verzerrung die einzig wirkliche Wahl für die Bands an der Spitze des Metal. Seither sind sie zum Inbegriff von Rock-Amps geworden.
Ehrenplatz: Mesa-Boogie MK IIC+, modifizierte Marshalls, Soldano SLO 100
Als Metal seinen nächsten evolutionären Schritt zum Thrash Metal der frühen 80er machte, brauchten Gitarristen mehr Zerre und eine schnellere Ansprache, als die älteren Amps bieten konnten. Auch hier waren es Marshall, die einen der mittlerweile angesehensten Verstärker der Rockgeschichte parat hatten: den 100-Watt JCM 800 2203.
Seht euch mal Bilder aus der Frühzeit der "Big Four"-Thrash Bands an(Megadeth, Metallica, Anthrax, Slayer). Mit Sicherheit werdet ihr mehrere dieser legendären Topteile auf den Speakerwänden entdecken. Kerry King von Slayer schwört bis heute auf seinen Signature JCM 800.
Doch nicht nur Thrash Bands bauten auf diese Amps. Die Hair Metal-Szene schloss die 800er Modelle mit ähnlich viel Inbrunst ins Herz. Von Zakk Wylde über Mick Mars von Mötley Crüe bis hin zu Warren DeMartini von Ratt gab es keine Backline auf dem Sunset Strip, die nicht von Marshalls amtierendem Meister dominiert wurde.
Ehrenplatz: Randall RG series, Peavey Bandit 112
Auch wenn Transistor-Amps nie zum Sound eines kompletten Genres wurden, hat sich diese Art High-Gain Verstärker immer wieder bemerkbar gemacht. Unter ihnen ist es wahrscheinlich das Marshall Valvestate 8100 100-Watt Topteil, das es zum bedeutendsten Vermächtnis unter den röhrenlosen Amps gebracht hat.
Wenn man Chuck Schuldiner von Death, Meshuggahs Sound auf ihren bahnbrechenden frühen Alben und den großen Erfolg von Wisconsin Death Trip von Static-X zusammmenzählt, gibt es nicht viele Amps, die es mit dem dem Resümee des 8100 aufnehmen können - ob ähnlich preiswert oder nicht.
Aber natürlich ist der 8100 nicht der einzige Transistor-Verstärker, der sich seine eigene Nische erobert hat. Der einzigartige Sound der Verstärker der Randall RG-Serie von Dimebag Darrell ist in die Köpfe aller Metalheads eingebrannt.
Ehrenplatz: Keiner. Entweder Rectifier oder gar nichts.
Subgenres: Nu-Metal, Death Metal, Metalcore
Während man vielen Metal-Subgenres vorwerfen kann, dass der Bass im Mix begraben wird, war der Low-End-Groove des Nu Metal der Kern seiner Popularität. Ohne Mesa-Boogie Dual- und Triple-Rectifier-Amps hätte es diesen unverwechselbaren Sound nie gegeben.
Mit ihrer Fähigkeit Korns radikalen, tiefer gestimmten 7-Saiter-Sound zu bewältigen, wurden die Rectifier zu Anführern des Feldes. Bald schien es so, als gäbe es keine anderen Verstärker auf dem Markt: jede Nu-Metal-Band da draußen spielte Randall Smith's Flaggschiff-Designs.
Sie aber nur als Nu-Metal-Amps einzustufen würde ihnen unrecht tun. Die Rectifier Verstärker sind nach wie vor eine beliebte Wahl für viele verschiedene Bands, angefangen beim schneidenden Death Metal von Cannibal Corpse bis hin zu Mark Tremontis Schaffen bei Alter Bridge, Creed und Tremonti.
Ehrenplatz: Peavey 6505-Serie, EVH 5150 III-Serie
Subgenres: Djent, Death Metal, Metalcore, Thrash, Black Metal
Nu-Metal verschwand von der Bildfläche und technisch versierte Gitarristen suchten nach dem Sound der Mesas, aber einer tighteren, schnelleren Ansprache. Es waren Peavey und Eddie Van Halen, die diesen Wunsch mit dem 5150 beinahe unbeabsichtigt erfüllten. Die Mitten, die satte Verzerrung und die tighte Bassansprache des Amps passten Perfekt in chaotische Metal-Tracks und machten ihn zum Amp der Wahl zahlloser Death Metal-, Metalcore- und Thrash-Bands.
Wie viele von euch wahrscheinlich schon wissen, beendete Eddie schließlich seine Zusammenarbeit mit Peavey und brachte den neu designeten 5150 III unter seiner eigenen EVH-Marke raus. Dieser Amp, der in die gleiche klangliche Kerbe wie der originale 5150 schlug, und die neu betitelte Peavey 6505-Serie boten den Metalheads dann gleich mehrere Optionen.
Auch heute noch sind beide Serien führend unter den High-Gain-Amps.
Ehrenplatz: Matamp GT120, Sunn Beta Lead, Sunn Model T, Ampeg V-4
Subgenres: Doom, Stoner Rock, Sludge, Post Metal, Thrash, Nu Metal, Nordic Death Metal
Gelangweilt von modernen überproduzierten Metal-Alben, besannen sich Doom, Sludge, und Post Metal-Bands auf simplere Amps der alten Schule zurück, die einfach nur verdammt laut sind!
Während ein vintage Orange OR120 das Paradebeispiel für einen Doom Metal Amp ist, ist er nur einer von wenigen Klassikern des Stils. Die Qualifikationen, die ein Verstärker hier bieten muss, sind simpel: eine ungöttlich laute, cleane Pedalplattform und/oder ein ebenso lauter High-Gain-Sound, den man am ganzen Leib spüren kann.
Ehrenplatz: Kemper Profiler, Line 6 Helix, Positive Grid Bias
Subgenres: Djent, Progressive Metal
Amp Modeling gibt es schon seit Jahrzehnten. Wo die digitale Verstärkung aber wirklich Fuß fassen konnte, war bei Djent- und modernen Prog-Metal-Bands wie Meshuggah, Periphery und Animals as Leaders.
Die neue Generation von technisch fortgeschrittenen Gitarristen hordet Systeme wie das Axe-Fx, den Kemper Profiler und den Helix von Line 6. Aber es sind nicht nur diese Bands, die ihre Racks mit Amp-Modelern bestücken. Die unendlichen Soundmöglichkeiten, ihr unübertroffener Komfort und ihr Klang, der mittlerweile jedem Röhrenverstärker Konkurrenz macht, sind für eine wachsende Welle von Gitarristen verantwortlich, die in allen möglichen Genres ihre Röhrengeräte für diese digitalen Alternativen stehen lassen.
Es gibt heute so viele Amps, wie es Metal-Subgenres gibt. Denkt also daran, dass diese Liste nicht das Ende aller Dinge sein soll. Diese Amps waren es aber, die ein Genre, einen Sound oder einen Spielstil definierten. Also vergebt uns, falls wir euren Liebling hier ausgelassen haben. Ihr könnt uns aber vertrauen: wenn ihr es mit einem dieser Subgenres versuchen wollt, sind diese Verstärker eine solide Wahl.