Ein Einkaufsführer für euren ersten Synthesizer

Wenn ihr gerade zum ersten Mal in den Synthesizermarkt geschnuppert habt, werdet ihr festgestellt haben, dass er ähnlich spannend wie umfangreich ist. Auch wenn sich niemand über zu viele Möglichkeiten beschwert, kann es doch schwer sein überhaupt rauszukriegen, welche Optionen ihr auf eurer Liste haben solltet.

Wir haben für euch zusammengefasst, was ihr beachten solltet, bevor ihr entscheidet welcher Synth der richtige für euch ist. Außerdem stellen wir euch ein paar der besten Anfänger-Synthesizer vor, um euch bei der Entscheidung zu helfen.

Wenn ihr mehr über die Grundlagen der Audiosynthese erfahren wollt, lest euch unsere kurze Einführung How Do Synths Work durch, oder schaut für einen tieferen Einblick in unsere Videoserie Intro to Synthesis rein.


Synth-Begriffe die ihr kennen solltet

Wir starten mit ein paar gängigen Synthesizer-Begriffen und erklären, was die Komponenten machen. Die Welt der Synthesizer ist weit und vielseitig, deshalb werden viele der spezifischeren Synthesizer auf die ihr stoßen werdet Features haben, die hier nicht voll erklärt sind. Wenn ihr euer Synthiewissen aber von Grund an aufpolieren wollt, sind diese Grundbegriffe ein guter Anfangspunkt.

  • Oscillator/Voltage Controlled Oscillator (VCO): Der Oszillator eures Synths generiert eine einfache elektrische Welle — in Sinus- (engl.: sine), Sägezahn- (saw), Rechteck- (square), oder Dreieckform (triangle) — die dann durch die Lautsprecher in Klang umgewandelt wird. Ein spannungsgesteuerter Oszillator (engl.: voltage controlled oscillator, abgekürzt VCO) kann durch verschiedene Spannungen Tonhöhen in verschiedenen Frequenzen erzeugen. Eine getriggerte MIDI-Note oder gedrückte Taste auf dem Synthesizer lässt die jeweilige Spannung in den VCO fließen und beeinflusst so die Tonhöhe.

  • Voltage Controlled Filter (VCF): bevor das im Oszillator erzeugte elektrische Signal verstärkt aus dem Lautsprecher kommt, durchläuft es den VCF, der alle Frequenzen, die über oder unter einer bestimmten Frequenz auftreten, entfernt.

  • Voltage Controlled Amplifier (VCA): Nach dem VCF wird das Signal zur Verstärkung zum VCA geschickt, der dann ähnlich wie ein Lautstärkeregler funktioniert. Er kann auch als Gate benutzt werden und das Signal stoppen wenn ihr eine Taste loslasst, anstatt den Oszillator immer weiter laufen zu lassen.

  • Low Frequency Oscillator (LFO): Ein Niederfrequenz-Oszillator (engl.: low frequency oscillator, LFO) produziert tiefe Frequenzen — die meisten davon unter 20 Hz, der tiefsten Frequenz, die Menschen hören können — und wird oft dazu benutzt, andere Komponenten des Synths, wie den VCO, VCA oder VCF zu modulieren.

  • ADSR Envelope: der Envelope eures Synths dient dazu, mit vier Parametern die VCA-Lautstärke zu kontrollieren: Attack (das Einsetzen des Sounds), Decay (wie lange es dauert bis die Note ins Sustain gelangt), Sustain (die konstante Lautstärke, auf der die Note nach dem Decay und vor dem Release landet), Release (wie lange die Note ausklingt).

  • Monophon vs. Polyphon: ein monophoner Synthesizer kann nur eine Note zur Zeit spielen, währen ein polyphoner Synth mehrere Noten auf einmal erzeugen kann. Monophone Synthies sind deshalb oft kleiner und günstiger als polyphone Synthesizer — besonders bei analogen Geräten, durch die unkomplizierteren Schaltkreise — aber unter den digitalen Optionen findet ihr auch erschwingliche Polysynths.

  • MIDI: Musical Instrument Digital Interface, oder MIDI, ist der Name des Anschlusstyps und der Sprache mit der Computer, Synths, Drum-Machines und andere Hardware kommunizieren. Manche Vintage-Synths sind möglicherweise nicht von Haus aus MIDI kompatibel, es gibt aber Zubehör, mit dem ihr euren Synthesizer mit eurer DAW oder anderen Synths verbinden könnt.


Analog oder digital?

Wenn ihr nach eurem ersten Hardware-Synthesizer (im Gegensatz zu Software-Synths – später mehr dazu) sucht, hat sich euch eventuell schon die ewig währende "analog oder digital?" Frage gestellt. Wie zu erwarten hat da jeder eine eigene Meinung: manche schwören darauf, dass analog wärmer und authentischer wäre, während andere keinen großen Unterschied hören.

Klanglich ist es letzten Endes persönliche Vorliebe. Wenn es aber euer erster Synth ist und ihr gerade erst anfangt, empfehlen wir euch einen analogen Synthesizer, vor allem weil diese meist leichter zu bedienen und intuitiver zu begreifen sind. In unserer Liste haben wir für euch aber sowohl analoge als auch digitale Synthesizer rausgesucht, die für den Einstieg eine gute und meist auch günstige Wahl sind.

Welche analog Synths sind gut für Anfänger?

  • Korg Volca Keys: der Korg Volca Keys setzte 2014 die Messlatte für erschwingliche analoge Synthesizer hoch, mit vielen Spielmodi (unter anderem Unisono, Quinten und Ringmodulation) und der Möglichkeit so ziemlich jeden klassischen Synthie-Sound nachzubilden. Der Volca Keys ist außerdem mit MIDI ausgestattet, was von Vorteil ist, falls ihr vorhabt, euch mit der Zeit noch mehr Synths anzuschaffen und euch ein Setup aufzubauen.

  • Moog Werkstatt-01: Der Werkstatt-01 wurde als Lehrwerkzeug für das Innenleben von Synthesizern designet und ist dadurch sehr leicht zu modifizieren. Moog bietet Kits an, mit denen zusätzliche Features wie, unter anderem, MIDI, ein zweiter Oscillator oder ein Arpeggiator hinzugefügt werden können. Für alle DIY-begeisterten Anfänger, die so günstig wie möglich an Moog-Geräte kommen wollen, ist er deshalb eine gute Wahl. Wenn ihr euch auf Moog eingeschärft und ein größeres Budget habt, guckt euch für etwas mächtigeres und Feature-beladenes mal den Mother-32 an.

  • Arturia MicroBrute: Als Verwandter des größeren MiniBrute kommt der Arturia MicroBrute mit vielen der selben Sounds und Features in einem kleineren, günstigeren Paket. Die Saw-, Square- und Triangle-Oszillatoren lassen sich noch weiter bearbeiten: Ultrasaw verstimmt die Saw-Welle und lässt sie fetter klingen, Pulse Width Modulation verändert den Charakter der Square-Welle und ein Metallizer bringt neue Timbres aus der sonst eher zahmen Triangle-Welle. Der MicroBrute ist außerdem mit einem Filter, einem Sättigungsschaltkreis und einer Mini-Patchbay mit CV Steuerung, die die Verbindung mit modularen Geräten erlaubt, ausgestattet.

  • Korg Little Bits Synth Kit: das Little Bits Synth Kit ist eine echt spaßige Sammlung, bestehend aus kleinen, modularen Oszillatoren, Filtern, Envelopes, einem Keyboard, Lautsprecher und mehr, mit der ihr endlos herumbasteln könnt um mehr über das Zusammenspiel der Synthesizer-Komponenten zu lernen. Es ist leicht, die Teile neu anzuordnen und einzustellen und damit eine sehr lehrreiche und ansprechende Art in die Synthese einzutauchen.

  • Korg Minilogue: Wenn ihr bereits etwas Erfahrung mit Hard- oder Software-Synthesizern, ein größeres Budget und mehr Ansprüche an Features habt, solltet ihr mal den Korg Minilogue auschecken (oder den etwas günstigeren Verwandten Monologue). Der Minilogue ist ein komplett analoger, vierstimmig polyphoner Synthie mit Features wie unter anderem einem 16 Step-Sequencer, Tape-Style Delay und einem routbaren LFO mit eigenem VCA Envelope.

Welche digital Synths sind gut für Anfänger?

  • Teenage Engineering PO-20 Pocket Operator Arcade: die Pocket Operator-Serie von Teenage Engineering können wir uneingeschränkt empfehlen, aber der P-20 Arcade ist besonders cool. Er ist ein kleiner und billiger Synth, der echt Spaß macht. Über den eingebauten Sequencer können 8-bit-Beats und Melodien erstellt werden, die mit den 16 eingebauten Effekten versehen werden, mit anderen Pocket Operator-Modellen synchronisiert, oder auch in Software wie Ableton Live aufgenommen werden können.

  • Bastl Instruments Kastle: wenn es euch Bastls einmalige, maßgeschneiderte Synthies angetan haben, ist der Kastle ein erschwinglicher Eintritt in die Marke. Er ist ein handgemachter modularer Synth im Taschenformat, mit zwei Anschlüssen für andere Geräte, einem gestuften Spannungserzeuger mit zufälligen 8- und 16-Step Loop Modi und einem komplexen Oszillator mit drei Synth Modi, LFO und Wellenformkontrollen. Viel lo-fi Charakter und ein guter Einstieg in die Welt der modularen Synths.

  • Roland AIRA TB-3 Touch Bassline: Der Roland AIRA TB-3 ist inspiriert vom TB-303 BassLine Synth und hat 26 Bänke mit Sounds, die nach dem TB-303 Schaltkreis gemodelt sind, sowie drei weiter Bänke mit neuen Synth Leads, Bässen und Effekten. Er integriert sich leicht in eure DAW und kann auch als 2-in/2-out USB Audio/MIDI-Interface benutzt werden. Falls ihr nach einem robusten, digitalen Synth sucht, aber nur ein kleines Budget zur Verfügung habt: der TB-3 ist gebraucht schon um 200 € zu haben.


Hardware oder Software?

Mit Software Synths büßt ihr zwar die Haptik der Hardware-Instrumente ein, für Anfänger können sie aus mehreren Gründen trotzdem eine gute Wahl sein. Zum einen gibt es viele Softsynths zum kostenlosen Download, was praktische für interessierte ist, die erstmal verschieden Features austesten wollen, bevor sie zur Hardware greifen.

Umgekehrt können Softsynths auch praktisch sein, wenn ihr genau wisst was ihr wollte, aber das echte Gerät unbezahlbar ist. Firmen wie Arturia bieten qualitativ hochwertige Emulationen vieler Vintage-Synths an, die den meisten für ihr Studio sonst zu teuer wären. Falls ihr also mit einem Klassiker arbeiten wollt, den ihr euch nicht leisten könnt, kann ein Softsynth die Lösung sein.

Welche Softsynths sind gut für Anfänger?

  • Ichrio Toda Synth1: der Synth1 ist dem Clavia Nord Lead 2 Red Synth nachempfunden und verfügt über zwei Oszillatoren, zwei LFOs, 128 Presets, 16 Noten-Polyphonie, FM-Modulation, Ringmodulation, vier Verzerrarten, Tempo Delay, Stereo Chorus/Flanger und noch viel mehr. Die Tatsache, dass der vielseitige Synth1 umsonst ist, macht ihn nur noch beeindruckender.

  • DiscoDSP OB-Xd: ebenfalls umsonst und eine gute Wahl. Der Softsynth simuliert den berühmten Oberheim OB-X, sieht genau so aus und klingt auch so.

  • Arturia V Collection 6: die Komplette Collection ist für Einsteiger vielleicht etwas teuer, aber jeder einzelne Softsynth ist empfehlenswert. Bei den berühmten Klassikern, die zur Wahl stehen — wie dem Prophet 5, Clavinet und CS-80, um nur ein Paar zu nennen — könnt ihr mit Arturia nichts falsch machen, falls ihr 199€ zur Verfügung habt.


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